Kultur Blog
- Details
- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
„Demokratie macht Arbeit", sagte Michel Abdollahi bei seiner Schlussrede im ausverkauftem Thalia Theater Hamburg gestern abend. Wohl wahr – und diese Arbeit (am Bildschirm) sollte man sich jetzt auch unbedingt machen, wenn man die sensationellen drei Prozesstage im Haus am Alstertor nicht live verfolgen konnte.
Mit dem „Prozess gegen Deutschland", auf die Thalia-Bühne gebracht von Milo Rau, kamen nun endlich auch die Hamburger in den Genuss dieses spektakulären Formats zur politischen Meinungsbildung, das der Schweizer Regisseur, Theaterautor, Hochschuldozent und Festivalleiter der Wiener Festwochen vor mehr als zehn Jahren als eigene Theaterform erfand und die man wohl als spannendste Erweiterungen des zeitgenössischen Theaters bezeichnen kann.
- Details
- Geschrieben von: Marc Peschke -
Im März 2026 wird Bad Soden am Taunus zum Ort einer außergewöhnlichen Begegnung mit dem Werk von Günther Uecker (1930–2025).
Nur wenige Monate nach dem Tod des Künstlers, der am 10. Juni 2025 im Alter von 95 Jahren in Düsseldorf verstarb, zeigt die Stadtgalerie Bad Soden eine hochkarätige Ausstellung mit druckgrafischen Arbeiten, Bronzen und ausgewählten kleinformatigen Unikaten. Eine Ausstellung von stiller Intensität – und großer Aktualität.
- Details
- Geschrieben von: Frauke Hartmann -
Postpopulismus nach polnischem Vorbild
„Natürlich sind die Künste in der Lage, populistische und faschistische Ideologien zu killen“, sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda zur Eröffnung der Lessingtage im Thalia Theater und verwies auf Bruce Springsteen, der gerade das terroristische Vorgehen der ICE in Minneapolis zu einem millionenfach gelikten Song verarbeitet hatte, und auf Woody Guthrie, der es noch ohne Internet schaffte, gehört zu werden.
Brosda schloss den denkwürdigen Satz an: „Schauen wir in den Abgrund und zucken zurück – daraus kann die Kraft entstehen zu verhindern.“
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
Gleich mehrere Ausstellungen in Norddeutschland sind der am 8. Februar 1876 in Dresden geborenen Paula Becker (1876–1907) gewidmet. In Bremen, Worpswede und Fischerhude.
In Bremen verlebte Paula Becker ihre Jugend; im kreativen Umfeld der benachbarten Künstlerkolonie Worpswede sowie durch ihre Paris-Aufenthalte fand sie ihre Motivwelt und ihren ganz eigenen malerischen Ausdruck. Bereits 1927 wurde in der Böttcherstraße im Herzen Bremens das heutige Paula Modersohn-Becker Museum eröffnet, das erste einer Malerin gewidmete Museum weltweit! Zu Lebzeiten als professionelle Künstlerin kaum wahrgenommen, ist Paula Modersohn-Becker heute international anerkannt und wurde 2024 in New York und Chicago in Einzelausstellungen gefeiert. Ende November 2025 erzielte ihr Selbstbildnis nach halblinks bei einer Auktion 1,27 Millionen Euro – Weltrekord für eine deutsche Malerin!
- Details
- Geschrieben von: Redaktion -
Im Jahr 1901 als „Volksbibliothek“ gegründet und mit gerade einmal 300 Bänden im Bestand, gehört die Pirmasenser Stadtbücherei zu den ältesten in Rheinland-Pfalz.
Nach mehreren Standortwechseln wurde die Bücherei im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerangriffe völlig zerstört und 1948 wiedereröffnet. 1949 umfasste die Bücherei bereits wieder 1700 Bände. 1953 wurde erstmals eine „Jugend-Freihandbücherei“, zunächst noch räumlich getrennt von der Bücherei, eingerichtet (die erste in Rheinland-Pfalz). Beide Abteilungen wurden in den Jahren 1957/58 im Messehochhaus in der Dankelsbachstraße – dem heutigen Domizil – zusammengeführt.
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
Was bedeutet es in Zeiten politischer Willkür, Unrecht und Menschenverachtung, standhaft zu sein und zu bleiben? Mit welchen inneren Zweifeln haben Individuen zu kämpfen, wenn es um Widerstand geht und es gilt, das Richtige zu tun? Und was ist das Richtige?
Zwar spielt der Plot von „Nie Allein“ während des Zweiten Weltkriegs, doch das, was verhandelt wird, ist allgemeingültig und zeitlos: die Geschichte des Widerstands. Gerade in der heutigen Situation, im Weltgeschehen, in den politischen Entwicklungen, im Gegeneinander statt Miteinander und in der Verachtung der Empathie für Mitmenschen, im nationalistischen Gefasel und Ideologiegewitter sowie in der vermeintlichen Rettung des Abendlandes sollten wir uns alle fragen, wann wir standhaft zu unseren Überzeugungen eines zeitgenössischen, zivilisierten und transkulturellen Humanismus stehen. Dreiste Geschichtsklitterung, Unkenntnis, Verdrehungen und Kombinationen aus ungenierten Lügen bei gleichzeitigen unmaskierten Wahrheiten, Opportunismus und Gier sind das scheinbar probate Handwerkzeug politischer Narrationen, ob in Ost oder West.
- Details
- Geschrieben von: Marion Hinz -
„Wahre Freiheit beginnt dort, wo wir uns selbst erkennen“. So steht es auf dem Cover von Ralf Hilles jüngstem Werk „Der Schmetterling, der ein Vogel sein wollte“. Es ist ein kleines Büchlein. Nur gut 60 Seiten umfasst diese Geschichte, die von einem Schmetterling erzählt, der davon träumt, ein Vogel zu sein.
Er glaubt, nur so kann er seine Sehnsucht stillen: höher, weiter und schneller zu fliegen, als es seiner Art möglich ist.
- Details
- Geschrieben von: Cornelia Schiller und Jürg Lützelschwab -
Es gab einen Punkt im Leben von Yayoi Kusama, an dem die Welt um sie herum anfing, auseinanderzufallen, sich regelrecht in Punkte aufzulösen.
Die Realität verpixelte sich, ja, die sie umgebende Realität wurde für Yayoi zu einer vollständig verpixelten Wirklichkeit.
Weil sie nicht sie selbst sein durfte und weil sie sich nicht gesehen sah, sah sie ab einem gewissen Punkt umso intensiver ihre Aussenwelt in deren realer atomarer Struktur, in die sie sich selbst mit ihrer eigenen atomaren Struktur hineinwerfen, sich darin auflösen und geborgen fühlen konnte.
- Details
- Geschrieben von: Ruth Asseyer -
Neun spannende, meisterhaft geschriebene Kurzgeschichten erzählt Milena Michiko Flašar in ihrem neuen Buch „Der Hase im Mond“. Es sind neun Begegnungen mit dem Unheimlichen. Die preisgekrönte japanisch-österreichische Schriftstellerin lässt die Protagonisten ihrer Geschichten etwas erleben, das ihnen ihr vertrautes, wohlgeordnetes Alltagsleben plötzlich fremd werden lässt.
Sie sind alle ganz normale Menschen in irgendeiner japanischen Großstadt, Angestellte, Unternehmer, eine Hausfrau, Studenten, die sich in ihrer Lebensgestaltung auf die Traditionen und sozialen Konventionen des modernen Japans verlassen.
- Details
- Geschrieben von: Anna Grillet -
Mit dem Film „Silent Friend“ der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi („Körper und Seele“, 2017) entdecken wir unsere Welt neu, und vielleicht auch uns selbst. Worte erweisen sich als wenig tauglich, um den Zauber, die Sinnlichkeit und die betörende Schönheit der zögerlichen, unbeholfenen Begegnungen zwischen Mensch und Natur zu beschreiben.
Im Herzen des botanischen Gartens der mittelalterlichen Universitätsstadt Marburg steht ein majestätischer Ginkgobaum. Seit über 100 Jahren ist er stiller Zeuge und Beobachter der leisen, tiefgreifenden Veränderungen unserer Protagonisten. Die miteinander verflochtenen Handlungsstränge und Zeitebenen öffnen den Blick auf die radikal unterschiedlichen Wahrnehmungen. Jede Epoche hat Ihren eigenen unverwechselbaren Stil, ihre eigene Ästhetik.