Der Regierungsentwurf des Freistaates Sachsen zum Doppelhaushalt 2027/28 sieht gravierende Kürzungen in Höhe von bis zu 50% bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen vor. Wir protestieren aufs Schärfste gegen diese geplanten Kürzungen, die die gesamte Bandbreite aller Genres der Freien Künste betreffen.
Wir wenden uns aus der Perspektive der Produktions- und Gastspielhäuser im Freistaat Sachsen gegen diese Kürzungen. Für die Produktionshäuser und die Spielstätten, für die freien Künstler*innen und Companys und ihr Publikum wird mit dieser Planung das wichtigste Förderinstrument im Freistaat Sachsen erheblich geschwächt.
Diese Maßnahme käme einem Kahlschlag bei den Freien Künsten gleich. Ein Großteil freier Künstler*innen, Gruppen und vieler Akteur*innen, die ebenfalls am Produktionsprozess beteiligt sind, ist auf die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen als Säule der Kofinanzierung zu den jeweiligen kommunalen und Bundesgeldern oder anderen Finanzierungsquellen ihrer Projekte angewiesen. Sie könnten ihrer professionellen künstlerischen Tätigkeit nicht mehr nachgehen und wären mit ihren vielfältigen künstlerischen Projekten nicht mehr präsent. Damit würde die kulturelle Vielfalt im Freistaat Sachsen erheblich eingeschränkt. Für das Publikum in den Städten und im ländlichen Raum würden Orte der künstlerischen Begegnungen und des gesellschaftlichen Austauschs verloren gehen. Das oftmals geäußerte Bekenntnis des Freistaates, dass die sächsische Kultur die Identität Sachsens bildet, wird durch diese Pläne ausgehöhlt.
Wir, die Produktionshäuser und Spielstätten, sind die Kreationsorte für die freien Künstler*innen und Companys und gestalten unsere Spielpläne mit ihren Projekten sowie mit Schwerpunkt- und Festivalformaten, die ebenfalls nur durch eine abgestimmte Kofinanzierung verschiedener Quellen stattfinden können. Auch hier spielen die Förderinstrumente der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen eine unabdingbare Rolle. Häufig werden sie dazu eingesetzt, Mittel des Bundes und privater Stiftungen nach Sachsen zu holen. Diese Hebelwirkung würde verloren gehen.
Die durch diese Maßnahme eingesparte Summe stünde in keinem Verhältnis zum gesellschaftlichen Schaden, den sie verursachen würde, und könnte zugleich nur einen marginalen Beitrag zur Konsolidierung der schwierigen Haushaltslage leisten.
Die Etablierung der Freien Künste und Produktionsformen ist ein wichtiges Vermächtnis der Wende nach 1989 – waren doch genau diese Formen in der DDR verboten. Es geht also auch um den Schutz und die Weiterentwicklung einer Theaterform, die sich in Ostdeutschland nach 1989 etabliert hat und die in ganz Deutschland neben den Repertoiretheatern mittlerweile die zweite Theatersäule unseres deutschlandweiten Theatersystems bildet.
Sächsische freie Künstler*innen und Produktionshäuser sowie verschiedene Initiativen haben in den vergangenen Jahren mehrfach Auszeichnungen auf Bundesebene erhalten, sorgen für die kulturelle Sichtbarkeit des Freistaates Sachsen über die Landesgrenzen hinaus und sind Botschafter sächsischer Kultur in die Welt hinaus. Das Gleiche gilt für die internationalen Verbindungen, insbesondere zu unseren Nachbarn in Osteuropa, aber auch weit darüber hinaus.
Fördern und stärken Sie diese Akteur*innen für die Zukunft des Freistaates!
Wir fordern die Abgeordneten des Sächsischen Landtags dazu auf, die angekündigten Kürzungen für die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Doppelhaushalt 2027/28 im anstehenden parlamentarischen Prozess zu korrigieren.
Die freien Produktionshäuser und Spielstätten für die Darstellenden Künste in Sachsen:
- HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden (Carena Schlewitt)
- LOFFT – DAS THEATER Leipzig (Anne-Cathrin Lessel)
- villa\wigman Dresden (Katja Erfurth, Josefine Wosahlo, Julia Amme)
- Societaetstheater Dresden (Stephan Hoffmann)
- Zentralwerk Dresden (Bernhard Kaiser, Daniela Lehmann, Nikolaus Woernle, Konrad Behr, Heiki Ikkola, Barbara Lubich)
- projekttheater Dresden (Dirk Strobel)
- Schaubühne Lindenfels (René Reinhardt)
- Westflügel Leipzig (Dana Ersing, Muriel Zibulla)
- Cammerspiele Leipzig (Sophie Renz)
- Ostpassage - Theater Leipzig (Matthias Schluttig, Hannah Reimer)
- TANZ I MODERNE I TANZ Choreographisches Zentrum Chemnitz (Sabrina Sadowska)
- OFF-Bühne KOMPLEX (Heda Bayer)
Quelle: HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden
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