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Mit Geschick aber auch Charme hieven Regisseur Detlev Buck und Drehbuchautor Daniel Kehlmann den Klassiker von Thomas Mann in die Ära von #MeToo. Sie wollen ihre „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” als „philosophische Komödie” verstanden wissen, statten den Protagonisten mit einem Touch Tragik aus, was die Rolle des galanten Schwindlers, gespielt von Jannis Niewöhner, facettenreicher werden lässt.  
Frappierend, wie jene französische Metropole Anfang des 20. Jahrhunderts unserer nach Aufstieg und Reichtums lechzenden Gesellschaft ähnelt. Die Filmkritiker reagieren recht unterschiedlich auf die schillernde opulente Leinwand-Adaption, viele zufrieden über gediegene Unterhaltung, manche gar hellauf begeistert, andere nörgeln über einen altbackenen Kostümschinken mit Zuckerguss. 

 
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Die britische Schauspielerin Emerald Fennell („The Crown“) entrümpelt bei ihrem Regiedebüt gründlich das Rape & Revenge Genre: Entstanden ist ein spektakuläres Hybrid aus Comedy, Drama und Neo-Noir mit tragischem Finale.

Schwärzester Humor trifft auf feministischen Anspruch inmitten betörender Bonbonfarben, kitschiger Engel Ästhetik, griechischer Mythologie und Paris Hiltons Song Philosophie. Fennells provokante Satire wurde mit dem Academy Award für das Beste Originaldrehbuch ausgezeichnet.

 
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„Glanzvolle Ironie, zärtliche Lyrik und ein gehöriger Schuss Bitterkeit”, so charakterisiert Dominik Graf die Sprache des Schriftstellers Erich Kästner, sie prägt sein dreistündiges Leinwand-Epos. Der 68jährige Regisseur inszeniert „Fabian oder Der Gang vor die Hunde” mit der melancholischen Beiläufigkeit des Untergangs.

Die Adaption von Kästners erstmals 1931 veröffentlichtem Klassiker ist eine der schönsten und ungewöhnlichsten deutschen Literaturverfilmungen. Grandios Tom Schilling als Fabian, ein Moralist, der auf den Sieg der Anständigkeit wartet, ohne recht daran zu glauben genauso wenig wie an die Liebe, -bis sie ihn überrumpelt.

 
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1909 erschien Jack Londons Schlüsselroman „Martin Eden”. Filmregisseur Pietro Marcello verlegt den Kampf seines proletarischen Antihelden um Bildung und gesellschaftliche Anerkennung vom kalifornischen Oakland in die italienische Hafenstadt Neapel.


Das vielschichtige Künstlerporträt „Martin Eden” mutiert zum suggestiven historischen Fresko, erinnert an Bernardo Bertoluccis Monumentalwerk „Novecento”. Es ist, als drohe sich vor unseren Augen das frühe 20. Jahrhundert samt kapitalistischer Maschinerie in seine Bestandteile aufzulösen: Die ästhetischen Fixpunkte der Epochen werden austauschbar, überlagern sich mit den verschiedenen gegensätzlichen politischen Überzeugungen. 

 
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Ursprünglich sollte der Film jenes magische lebensbejahende Glücksgefühl der Trunkenheit feiern, dann aber nahmen Regisseur Thomas Vinterberg und Co-Autor Tobias Lindholm Abstand von der einseitig romantischen Idealisierung des Alkohols. Vielleicht war es auch nur die Idee einer durchzechten Nacht. 
Stattdessen katapultiert „Der Rausch” seine männlichen Protagonisten in die Gefahrenzonen der Midlife-Crisis, ein Promille-Experiment entlarvt ihre Unsicherheit, Frustrationen und Sehnsüchte, eine Katastrophe scheint unabwendbar. Der Titel ist Programm, das bacchantische nordische Epos reißt uns mit, -Schrecken nicht ohne Komik, das Kino als Droge. Schauspielerisch umwerfend Mads Mikkelsen. 

 
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Im Juni 1959 brach Pier Paolo Pasolini in seinem Fiat Millecento auf, die Küste Italiens zu umrunden. Noch war er nicht der legendäre Regisseur des Neorealismus, sein Auftrag für die Zeitschrift „Successo” lautete, das veränderte Ferienverhalten der Mitbürger zu erkunden.
Aus der Reportage wurde ein poetisch philosophisches Reisetagebuch: Melancholisch, amüsant, politisch kompromisslos. Pasolini empfand den wachsenden Konsumismus schlimmer als jede Diktatur.

 
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Pieter-Rim de Kroon gehört in Deutschland nicht zu den bekanntesten Regisseuren aus den Niederlanden, obwohl der nunmehr 66-Jährige auf viele Jahrzehnte Filmschaffen zurückgreifen kann, auf zig Dokumentationen, die ihn einmal um den Globus führten.

Seine Filmsprache ist bedeutsam und in einem ganz besonderen Punkt vergleichbar mit einem anderen großen Niederländer, der die Kamera meisterlich führte: Gerard Vandenberg (1932-1999). Das, was sie vereint ist, wie sie mit Licht und Abwesenheit von Licht umgehen.

 
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Unsere Vorstellung vom Weltall versuchte Hollywoods Überwältigungs-Kino Jahrzehnte lang zu dominieren mit männlichem Helden-Pathos und jenem Mythos übermenschlicher Kräfte. Die französische Regisseurin Alice Winocour dagegen schleust uns ein in die Realität der Raumfahrt, ihre Protagonistin ist sich der eigenen Fragilität nur zu bewusst. 
„Proxima - Die Astronautin” berührt als vielschichtiges subtiles Mutter-Tochter-Epos, es erzählt von Träumen, Karriere und schmerzhaften Abschieden, Angst und wie weit sie sich überwinden lässt. Gedreht wurde der Film an Originalschauplätzen wie der European Space Agency (ESA) in Köln und dem Trainingszentrum Swjosdny Gorodok nordöstlich von Moskau. 

 
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Das preisgekrönte Meisterwerk „In The Mood For Love” von Regisseur Wong Kar-Wai kehrt nach 21 Jahren in restaurierter 4K-Fassung auf die große Leinwand zurück – der bundesweite Kinostart ist am 01. Juli 2021.

In diesem Sommer gibt es ein ganz besonderes Kinoerlebnis: Das von der internationalen Presse gefeierte Liebesdrama „In The Mood For Love – Der Klang der Liebe” des aus Hongkong stammenden Kult-Regisseurs Wong Kar-Wai startet am 01. Juli 2021 in restaurierter Fassung im Verleih von Koch Films bundesweit im Kino. Als cineastisches Highlight wird es auch die diesjährige Open-Air-Saison bereichern und den Kino- und Filmhungrigen das Leid der vergangenen Monate etwas lindern.

 
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„Frühling in Paris” ist eine eigenwillige subtile Liebesgeschichte zwischen Realität und Tanz Performance. Überrascht, fast gerührt glaubt der Zuschauer, so etwas Fragiles Bezauberndes unendlich lange nicht auf der Leinwand gesehen zu haben, jene Magie der Leichtigkeit wie einst bei Éric Rohmer oder François Truffaut.

Mit fünfzehn schrieb die Französin Suzanne Lindon das Drehbuch, vier Jahre später inszenierte sie ihr Erstlingswerk und übernahm auch die Hauptrolle. Der Film lief auf den Festspielen in Cannes, San Sebastián und Toronto. Die Kritiker waren hingerissen.

 
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Academy Awards 2021: „Nomadland” wurde als bester Film ausgezeichnet, Chloé Zhao für die beste Regie und Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin.   
„Nomadland” ist eine zärtlich raue Ode an den Pioniergeist der Wanderarbeiter. Ob in Arizona oder Kalifornien, der Finanzcrash 2008 zerstörte ihre bürgerliche Existenz. Die ehemaligen Mittelständler sind älter, weit über sechzig, sie geben nicht auf, nehmen Verlust und Armut als Herausforderung, durchqueren von nun an das Land in einfachen umgebauten Vans auf der Suche nach Jobs, Freiheit, neuen Werten, jener nie gekannten Unabhängigkeit. Zhaos visuell eindringliches Roadmovie berührt zutiefst in seiner poetischen Verflechtung von Realität und Fiktion, Western Mythos und Traditionsbruch. 

 
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In „The Nest - Alles zu haben ist nie genug” erzählt Sean Durkin von Machtgier, Selbstbetrug und einer scheinbar gleichberechtigten Partnerschaft, die sich unerwartet als gemeinsam erschaffener Mythos entlarvt.
Den Zerfall von Beziehungen umgibt oft etwas seltsam Gespenstisches, und genauso verfilmen der kanadische Regisseur und sein ungarischer Kameramann Mátyás Erdély jenes Hybrid aus psychologisch nuanciertem Thriller, Familiendrama und verstörender Kapitalismus-Parabel. Doch am Vorabend des Finanzcrash treiben keine fremden Gespenster ihr Unwesen hinter neo-gotischem Gemäuer, sondern die eigenen Dämonen. Eine ästhetisch suggestive und fesselnde Schauermär.    

 
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„Das Neue Evangelium” inszeniert Milo Rau als Manifest der Solidarität, eine radikale Neuinterpretation der Kreuzigung Christi: Hybrid aus Dokumentar- und Spielfilm, politischer Aktionskunst und zornig emotionalem Aufschrei.

Der Schweizer Theatermacher, Autor und Filmregisseur zeigt den Entstehungsprozess seines Passionsspiels als Spiegelbild westlichen Kapitalismus. Jesus, den Sozialrevolutionär, verkörpert der schwarze Politaktivist Yvan Sagnet, in Süditalien Symbolfigur des wachsenden Widerstands von Migranten gegen Ausbeutung und Mafia.

 
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Nur zu oft entscheidet nicht die Qualität eines Films über dessen Erfolg oder Misserfolg: „Enfant Terrible” von Regisseur Oskar Roehler lobten viele Feuilletonisten in den höchsten Tönen.

Die Fassbinder-Hommage mit Oliver Masucci in der Hauptrolle war für Cannes nominiert, doch das deutsche Publikum zeigte bisher wenig Interesse an der provokant turbulenten Farce.
19.566 Zuschauer in den Wochen nach der Premiere beim Filmfest Hamburg, welch ein deprimierendes Ergebnis. Und dann schlossen auch schon wieder die Kinos. Was können die Gründe sein, dass grade dieses künstlerisch eigentlich spektakuläre Werk floppte?

 

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