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Wie mit Verlust oder dem eigenen Versagen umgehen? Was, wenn der Schmerz übermächtig wird, alles auszulöschen droht? In seinem Melodram „Die Zeit, die wir teilen“ schildert der französische Regisseur Laurent Larivière den Umgang mit Erinnerung als eine Art kreativen Prozess des Überlebens.

Realität verliert an Bedeutung, lässt sich kaum noch als solche identifizieren. Das innere Szenario entscheidet über die Wahrheit. Ein frappierender manchmal fast komödiantischer Stream of Consciousness, ästhetisch virtuos, mit Reverenz an jene verspielte Leichtigkeit der Nouvelle Vague.

 
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Verborgen in den Wolken lauert eine außerirdische Macht. US Regisseur Jordan Peele durchbricht in seinem bildgewaltigen politischen Horror-Epos „Nope“ die Grenzen des Genres: Neonwestern, Showbusiness-Groteske und Science Fiction treffen aufeinander, sollen vom Zuschauer entschlüsselt werden.

Peele schildert unsere bizarre Sucht nach Spektakel, Ruhm und Selbstdarstellung, der Besessenheit von Social Media. „Nope" ist vor allem eine Hommage an jene, die kaum beachtet hinter den Kulissen der Filmindustrie arbeiten.

 
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Die poetisch skurrile Lovestory „Warten auf Bojangles" ist ein ästhetisch wahnwitziges Wunderwerk voller Esprit und Lebensfreude, überbordend an Kreativität – und unendlich traurig.

Regisseur Régis Roinsard zauderte anfangs, Olivier Bourdeauts Beststeller zu verfilmen. Diese Leidenschaft, schillernd, exaltiert, fern jeder Konvention, bezaubernd wie verstörend, er fragte sich: „Wie weit geht man für den Menschen, den man liebt?“ Und vor allem, wie würde seine Tochter auf den Film reagieren, wenn sie älter ist, was würde es über ihn als Vater sagen? 

 
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Eine Frau auf der Flucht vor ihren traumatischen Erinnerungen: Der britische Regisseur und Autor Alex Garland katapultiert ästhetisch virtuos das Horror-Genre aus den gewohnten Bahnen: In seinem ironisch surrealen Psycho-Drama „Men- Was dich sucht, wird dich finden“ spürt er mit philosophisch detektivischem Elan die Wurzeln und Reproduktionsmechanismen des Patriarchats auf.

Die Monster jenes teuflischen wie symbolträchtigen Kreislaufs von Unterdrückung und Repression entlarven sich letztendlich als traurige pathetische Gestalten. Seine Horror-Farce soll Projektionsfläche und Spiegel zugleich sein, Garland hofft auf den Zuschauer als ebenbürtigen Partner beim Interpretieren und Analysieren in ländlicher Idylle.

 
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Pünktlich zum Jubiläumsjahr und 100. Geburtstag von Pier Paolo Pasolini (1922-1975) erscheint das ins Deutsche übersetzte, unvollendet gebliebene Treatment zu seinem letzten Film mit dem provozierenden Titel „Porno – Theo – Kolossal“. Es sollte sein letzter werden, bevor sich der italienische Ausnahmeregisseur, Künstler, Poet, Intellektuelle, Verfasser der „Freibeuter“-Schriften und Galionsfigur der 68er-Generation ganz dem Schreiben widmen wollte.

 
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Wien 1877. Verbissen kämpft die 40jährige Elisabeth, Kaiserin von Österreich-Ungarn um die Aufrechterhaltung ihres ikonischen Images. Sie hasst den Druck, der auf ihr lastet und giert doch nach Komplimenten, kläglicher Ersatz für unerfüllte Sehnsüchte.

 

Autorenfilmerin Marie Kreutzer entlarvt in dem feministischen Historiendrama „Corsage“ die Inszenierung von Schönheit als selbstzerstörerische Form der Machtausübung. Schicht für Schicht dringt Kreutzer vor in das verborgene Innenleben ihrer Protagonistin zwischen Todessehnsucht und rebellischem Freiheitsdrang. Fiktion ersetzt bisweilen die Realität, dann zaudert die Monarchin nicht, der höfischen Gesellschaft beim Dinner den Mittelfinger zu zeigen.

 
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Mit „Belle“ beweist sich Mamoru Hosoda erneut als visionärer wie gefühlvoller Geschichtenerzähler.

 

Mit „Belle“ feiert Studio Chizu – das im April 2011 u.a. von Hosoda in Tokio mitgegründet wurde – sein 10-jähriges Bestehen und bleibt, zusammen mit Studio Ghibli, das einzige Animationsstudio in Japan, das einem unverwechselbarem Regisseur treu geblieben ist.

 
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Eine Pariser Notaufnahme als Spiegelbild der tiefen Kluft in der Gesellschaft: Catherine Corsini inszeniert die satirische Tragikomödie „In den besten Händen” zwischen Fiktion und knallharter Realität, voll nervös vibrierender Energie und Spannung. 

 

Auf dem Champs-Elysées demonstrieren die Gelbwesten gegen Präsident Macron, die französische Regisseurin konfrontiert uns mit Wut, Schmerz, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Armut, elitärer Überheblichkeit und Liebe nahe der Obsession. Momente von Ohnmacht und Bedrohung wechseln mit schwarzem Humor, absurd wie erschütternd. 

 
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Jacques Audiard, der 69jährige Meister des französischen Kinos, erfindet sich neu, vielleicht stellt er auch nur unsere Vorstellungen von Paris, von Architektur und der Liebe auf den Kopf, dechiffriert derweil die widersprüchlichen Gefühle seiner jungen Protagonisten in der bewährten Tradition von Éric Rohmer.
„Wo in Paris die Sonne aufgeht” erzählt von der Suche nach sich selbst zwischen mobilen Dating Apps und Unverbindlichkeit, beruflichen Enttäuschungen, kleinen Erfolgen und großen Träumen. Ein Generationenporträt von berückender, rauer Schönheit. 

 
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„Come on, Come on” ist ein poetisch philosophisches Roadmovie zwischen Realität und Fiktion, Zorn und Zärtlichkeit. 
Der kalifornische Regisseur Mike Mills schildert in leicht melancholischen Schwarz-Weiß-Bildern Stärke und Fragilität familiärer Bindungen, eröffnet neue ungewohnte Perspektiven auf Zukunft, Erinnerung und das Selbstbewusstsein unserer Kinder. Vor allem aber geht es um die Kunst des Zuhörens. 

 
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„Anarchisch” sollte der Film sein, „eine ehrfurchtlose Feier des Lebens”, so heißt es in den Produktionsnotizen. Regisseur Joe Wright hatte sich zum Ziel gesetzt, „das rohe und echte Herz” von Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac” wiederzuentdecken.  
Mit dem Musical-Drama „Cyrano” ist ein betörendes Wunderwerk der Kreativität entstanden, überbordend an Gefühl, Farben, Illusionen, Sehnsucht, Schmerz, Aufopferung, voll barockem Zauber, Action, Theatralik, Poesie, Esprit, aber auch Humor. Peter Dinklage in der Rolle des selbstlosen heroischen Dichter-Rebellen gibt jener weltberühmten tragischen Liebesgeschichte eine nie gekannte Authentizität und Wahrhaftigkeit. 

 
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„Belfast” ist der persönlichste Film von Kenneth Branagh, er schildert in hinreißenden sinnlichen Schwarz-Weiß-Bildern das plötzliche Ende einer unbeschwerten Kindheit, den Verlust von Unschuld. Die gewalttätigen Ausschreitungen des Nordirland-Konflikts im Sommer 1969 erlebt der Zuschauer hautnah aus der Perspektive des neunjährigen Buddy (grandios Jude Hill), „der fiktionalisierten Version meiner Selbst”, so der Regisseur und Drehbuchautor.


Mehr als fünfzig Jahre waren vergangen, seit Branagh die Heimat hatte verlassen müssen, 2020 im ersten Lockdown der Pandemie begann er mit dem Schreiben des Drehbuchs. „Belfast” ist nun für sieben Academy Awards nominiert, darunter in den Kategorien Bester Film, Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch. 

 
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Mit seinem Remake des Noir-Klassikers „Nightmare Alley” verwirklicht Guillermo del Toro einen alten Traum, möglich geworden durch den Erfolg von „Shape of Water” (2017) und zwei Academy Awards. In dem schwermütigen bildgewaltige Thriller-Epos über den Aufstieg und Fall des Trickbetrügers Stanton Carlisle (Bradley Cooper) ersetzt der mexikanische Regisseur die Femme fatale durch einen Homme fatale.    
Die düstre moralische Fabel aus dem amerikanischen Wahrsager-Milieu der Vierziger-Jahre schildert nicht ohne Zynismus die Mechanismen menschlichen Handelns, getrieben von widersprüchlichen Emotionen, Sehnsucht und Machtgier, Selbstüberschätzung, Schuldgefühlen und vor allem Angst: Leben als Flucht vor der Einsamkeit. 

 
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Als „Fabel nach einer wahren Tragödie” bezeichnet Pablo Larraín seine ästhetisch virtuose Horror-Farce „Spencer”. Der chilenische Regisseur und sein britischer Drehbuchautor Steven Knight befreien Lady Di (überragend Kristen Stewart) von ihrem ikonischen Image.
Endlich darf Diana, Princess of Wales, aus der Rolle fallen, muss nicht mehr um Sympathie buhlen, darf störrisch sein, ungerecht, kokett, zornig, verzweifelt, ihre Ängste ausleben, versagen wie eine Frau aus Fleisch und Blut. Sie stellt die ihr verhasste Märchenwelt auf den Kopf und ist betörender denn je. Eine Vogelscheuche am Feldrand avanciert zum Symbol der Suche nach Identität.   

 

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