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Bombshell

In „Bombshell - Das Ende des Schweigens” rekonstruiert Regisseur Jay Roach den Missbrauchsskandal beim rechtskonservativen US-Sender Fox News. Ein brisantes Thema, eine hochkarätige Besetzung und doch kann der Film nicht wirklich überzeugen, ihm fehlt es an Schärfe, Konsequenz, er bleibt ein smartes Hollywood-Hybrid aus Biopic und Soap, will seine Heldinnen nicht brüskieren.
Die sexuellen Übergriffe des machtgierigen Medienmanagers, Roger Ailes, sorgten 2016 weltweit für Schlagzeilen. Aber mit ihm plötzlich als Person auf der Leinwand konfrontiert zu werden, lässt den Zuschauer erst das volle Ausmaß von Ohnmacht, Wut, Angst, Ekel und Verzweiflung der Frauen begreifen. Welchen ungeheuren Mut brauchte es, sich gegen den einflussreichsten Medienkonzern des Landes aufzulehnen.

 
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Intrige Roman Polanski Film

Roman Polański inszeniert „Intrige” als Spurensuche nach der verlorenen Wahrheit. Ästhetisch virtuos und akribisch rekonstruiert. Die Dreyfus-Affäre wird zum fesselnden historischen Politthriller, beobachtet aus kühl distanzierter Perspektive. Die Gesellschaft der Belle Epoque droht im Sumpf des Antisemitismus zu versinken, selbst unser heldenhafter Kämpfer um die Gerechtigkeit ist infiziert davon. Der 86jährige Regisseur zeigt die Welt mit ihren Widersprüchen und Abgründen.
Der Film wurde mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet und für zwölf Césars nominiert. Die Aktivistinnen der MeToo Bewegung aber riefen in Frankreich wegen der sexuellen Missbrauchsvorwürfe zum Boykott auf, sie vertreten vehement die Überzeugung, Kunst lässt sich nicht von der Person des Künstlers trennen.

 
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1917 Film Sam Mendes

Mit zehn Nominierungen avanciert Sam Mendes’ Kriegsepos „1917” zum Favoriten der Oscar-Verleihung. Selten priesen die Feuilletonisten ein Werk so einhellig wie diesen surrealen bildgewaltigen Wettlauf zweier junger britischer Soldaten gegen die Zeit. Es gilt die Kameraden zu retten, den eigenen Bruder. Der Film soll berühren, erschüttern. Er gleitet dahin durch Schützengräben und Niemandsland, durch Schrecken, Tod und Tränen, als wäre er in einer einzigen Einstellung gedreht fast ohne Schnitt.
Vielleicht verkörpert „1917” jene trotzige Sehnsucht des Menschen nach Unschuld in einer tief verunsicherten Welt voller Gewalt, doch ist der künstlerische Machtanspruch des Regisseurs verstörend, ja beunruhigend. Der Wahnsinn eines Krieges, der für die nächsten hundert Jahre den Verlauf unserer Geschichte beeinflusste, wird reduziert auf Stunden der Illusion und des Gehorsams.

 
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Der Leuchtturm

Der US-amerikanische Regisseur Robert Eggers inszeniert seinen Film „Der Leuchtturm” ästhetisch virtuos als expressionistische finstere Horror-Mär zwischen brodelndem Hass und tosendem Meer in der Tradition von Herman Melville und alter Seefahrermythen.
Das animalisch klaustrophobische Schwarz-Weiß-Epos spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf einer winzigen felsigen Insel vor Maine. Es ist ein Psychogramm der Unterjochung und Rebellion, die Begegnung zweier Männer, die sich unerbittlich bekämpfen werden, verfolgt von den Dämonen ihrer Vergangenheit. Das Grauen, kreiert mit verblüffend historischer Akkuratesse, fühlt sich trotz aller Ironie erschreckend real an, fast körperlich spürbar,- eine Herausforderung für den Zuschauer.

 
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The Irishman

Vorbei der fiebrige Glamour und die trügerische Romantisierung von „Goodfellas”, Verbrechen ist in „The Irishman” ein eher eintönig sorgenvolles Metier, selbstzerstörerisch, düster und einsam. Das dreieinhalbstündige elegische Mafia-Epos schildert die Zeit nach dem 2. Weltkrieg und ihre Protagonisten. Der Zuschauer taumelt fast orientierungslos zwischen den Jahrzehnten hin und her. Organisierte Kriminalität, Politik und Gewerkschaften paktieren in den USA miteinander.
Während Regisseur Martin Scorsese den Mythos des Genres ästhetisch virtuos seziert, stellt er alles, auch sich selbst in Frage. An seiner Seite wie so oft seit „Mean Streets” (1971) Schauspieler Robert De Niro. Dieser Film ist als Erlebnis von atemberaubender Intensität. Er fühlt sich an wie ein Abschied, man versucht sich zu wehren auch gegen die Tränen. Mit aller Macht. Vergeblich.

 
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Parasite Bong Joon-ho

„Eine Komödie ohne Clowns, eine Tragödie ohne Bösewichte” nennt Bong Joon-ho seinen Film „Parasite”. Menschliches Drama, Horrorthriller oder Crime Story, der südkoreanische Regisseur betont, ihm wäre jede Bezeichnung recht, er wechselt wie gewohnt mit virtuoser Leichtigkeit zwischen den Genres.
Überraschend für uns: Bong verzichtet aufs allegorische Potenzial von Science-Fiction oder Monstern, seine bissige schwarzhumorige Gesellschaftssatire ist fest in der Realität verankert, könnte sich mit all ihrer Absurdität und sozialen Ungerechtigkeit genauso in diesem Moment ereignen. Wahrlich ein Meisterwerk, überbordend an Einfällen, amüsant wie erschreckend, das gelegentlich an die derben Possen eines Johann Nestroy erinnert.

 
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Joker  Joaquin Phoenix

Regisseur Todd Phillips katapultiert uns mitten hinein in die seelischen Abgründe seines Protagonisten. „Joker” sprengt künstlerisch das DC Format: Die nihilistische Fallstudie eines verstörten Außenseiters, grandios gespielt von Joaquin Phoenix, entwickelt sich zur atemberaubenden Pantomime der Verzweiflung, ein schillerndes mörderisches Neo-Noir-Ballett zwischen Anpassung und Anarchie, Anmut und Lächerlichkeit.

Es ist die Geburtsstunde vom Joker, dem Schurken par excellence. Kaum ein Film hat Kritiker so polarisiert wie diese Hommage an Martin Scorseses „Taxi Driver” (1976). Lobeshymnen kontra ostentative Abscheu. Dem düsteren, ästhetisch virtuosen Epos der Rebellion wird Gewaltverherrlichung vorgeworfen, wo es in Wirklichkeit nur die Mechanismen und Ursachen demütigender Ausgrenzung seziert.

 
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der distelfink goldfinch

Donna Tartt erhielt für ihren Roman „Der Distelfink“ 2014 den Pulitzer Preis. Der Bestseller galt ob seiner literarischen Opulenz als unverfilmbar. Manche Kritiker priesen jene emotionale Odyssee eines Dreizehnjährigen als Meisterwerk in der Tradition von Charles Dickens, andere dagegen erinnerte die detailverliebte Cominig-of-Age-Fabel eher an Harry Potter.
Regisseur John Crowley inszeniert das Schuld-und-Sühne-Epos in verstörend schönen, suggestiven Bildern. Auf der Leinwand entwickelt sich „Der Distelfink“ zum gigantischen wundervoll choreographierten Puzzle, eine manchmal fast surrealistisch anmutende Crime Story, die ihre ganz eigenen Gesetze hat und der Fantasie wohltuend mehr Spielraum lässt.

 
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midsommar

Mit ästhetischer Akribie inszeniert Ari Aster seinen Film „Midsommar” als makabres heidnisches Bacchanal mitten im digitalen Zeitalter. Der anspruchsvolle blutige Horrortrip ist eine Meditation über Macht und Dominanz, das Rollenspiel der Geschlechter, gibt der Darstellung von Leiden eine neue schmerzhafte Dimension und entwickelt sich zur triumphalen Oper des okkulten Grauens.
Während Krisenzeiten lechzt das Kino-Publikum nach Schauder und Schrecken besonderer Art, der 33jährige amerikanische Regisseur versteht sich darauf wie kaum ein anderer, mehr noch, er hat das Mystery-Horror-Genre verinnerlicht: Verlust, Furcht, Ekel, Gewalt, Tod. Sein surreales Familien-Drama „Hereditary” begeisterte 2018 Presse und Publikum.

 
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Ein leichtes Mädchen

„Ich pfeif auf die Liebe", erklärt die 22jährige Sofia (Zahia Dehar) und stilisiert sich aus Überzeugung zum Objekt der Begierde. Für den Puritanismus der angelsächsischen #MeToo Bewegung verspürt Regisseurin Rebecca Zlotowsk wenig Sympathie, Selbstverwirklichung funktioniert bei ihr anders. Die Französin inszeniert die hinreißende Coming-of-Age-Fabel als unmoralische Sommerromanze: poetisch, sinnlich, und doch fest in der Realität verankert.
„Ein leichtes Mädchen” hat etwas Verführerisches, Flirrendes, steckt voller Verlockungen, auch wenn der Film von Macht, Ausbeutung und Abhängigkeiten erzählt. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach Freiheit, die gesellschaftlichen Schranken zu durchbrechen oder zumindest für einen Moment zu unterlaufen. In wundervollen sonnendurchfluteten Bildern entsteht ein fein gesponnenes Netz aus Blicken, Berührungen und sanfter Ironie.

 
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Synonymes Film

Nadav Lapid inszeniert „Synonymes”, den wahnwitzigen Selbstfindungstrip eines israelischen Ex-Soldaten, als fulminante politische Farce von ungebändigter Kraft: Obszön, provokant, hyperintelligent, ästhetisch virtuos, verstörend in der Tradition von Jean-Luc Godard.
Der in Tel Aviv geborene Regisseur spielt Klischees gekonnt gegeneinander aus, konzentriert die Kamera ganz auf die Empfindungen seines Protagonisten, ignoriert genau wie er die Pracht der französischen Metropole. Dieses surreale, grausam-komische Film-Puzzle wird polarisieren: Juden mit Heugabeln machen Jagd auf Nazis mit Schäferhunden, und die Marseillaise entpuppt sich blutrünstiger als erwartet.

 
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Paranza  Der Clan der Kinder

Sie wollen Designer-Sneaker, Motorroller und das schnelle Geld. In ihrer Heimatstadt Neapel ist ein Machtvakuum entstanden, die Bosse der Camorra sind erschossen oder verhaftet, nun haben Nicola und die Jungs aus seiner Clique das Regiment übernommen.
Die 15jährigen kennen weder Angst vor dem Tod noch dem Gefängnis. Für sie gibt es keine Perspektive, wenig Hoffnung, die Kids wollen nicht mehr kuschen. Ihr Lachen ist strahlend, unbeschwert, ohne zu zögern ziehen sie die Waffe und drücken ab.
Über die Verfilmung seines Buchs „Paranza – Der Clan der Kinder” schreibt „Gomorrha”-Autor Roberto Saviano: „Neapel fungiert wieder einmal als Versuchslabor unter freiem Himmel. Als Wunde, die erkannt werden muss, wenn man verstehen will, was genau in diesem Moment unter den Jugendlichen an den Randgebieten in Berlin, Paris, London, Johannesburg, New York und Mexiko Stadt passiert.”

 
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I Am Mother

Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen unteririschem Bunker. Doch die Sicherheit ist trügerisch, Gewalt lauert überall.
Wem können wir mehr trauen, einem Roboter oder dem Menschen? Mit der Antwort macht es sich der australische Regisseur nicht einfach, er kreiert eine der vielleicht berührendsten Mutter-Tochter-Beziehungen der Kino-Geschichte. Die gesellschaftskritische Parabel entwickelt sich zur feministisch religiösen Erlöser-Chronik. Ein ästhetisches Wunderwerk, unaufdringlich in seiner futuristischen High-Tech-Schönheit.

 
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Leid und Herrlichkeit

So nah ließ uns Pedro Almodóvar noch nie an sich heran, er gewährt uns einen Blick tief hinein in seine Träume, Ängste, Phantasien, Sehnsüchte, in Vergangenheit und Gegenwart. Basiert „Leid und Herrlichkeit” demnach auf seinem Leben? „Nein, und ja, auf jeden Fall”, lautet die Antwort des 69jährigen spanischen Regisseurs.
Der heute eher sanfte, gefeierte Rebell versetzt die Zuschauer in einen betörenden Schwebezustand zwischen Erinnerung, Fiktion und Realität, erzählt voller Wehmut und leichter Ironie von der Magie des Kinos, von Drogen, Freundschaft, Obsessionen, Liebe, von Tod, den Schmerzen des Alters und einer Mutter, die behauptet, von ihrem Sohn enttäuscht zu sein. Es ist ein höchst subtiler, berückend schöner Film und Antonio Banderas als Alter Ego des Meisters grandios.

 

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