Künstliche Intelligenz (KI) ist allgegenwärtig: Die meisten verstehen sie nicht, Milliarden nutzen sie, Zweifel haben alle. Inwieweit diese 3. Medienrevolution – nach dem Buchdruck und der Industriellen Revolution – uns als Gesellschaft verwirrt, überfordert oder verängstigt, gilt es somit zu hinterfragen.
Denn tatsächlich helfen uns digitale Ortungssysteme, soziale Netzwerke, Autokorrektursysteme, Übersetzungsapps oder Suchmaschinen längst dabei, unseren beruflichen und privaten Alltag zu erleichtern. Im besten Fall komplettieren sich unsere analogen und digitalen Welten sogar gegenseitig – und schaffen neue Communities, Diskurse und Gesellschaftsformen. So existieren beide nebeneinander: Künstliche Intelligenz und gelebte Konvivialität.
Das Internet ist ein gewaltiges globales Computernetzwerk, in dem sich wie in einem immensen Speicher unseres Wissens und der menschlicher Kultur schätzungsweise drei Milliarden Menschen weltweit täglich aufhalten,[1] doch es bereitet uns bekanntlich auch Probleme: Das größte ist, dass der technische Fortschritt so rasant vor sich geht, dass wir kaum dazu kommen, rational, geschweige denn planerisch und überlegt vorzugehen. Stattdessen machen sich neben den Annehmlichkeiten allerorten – überwiegend unbewusste – Ängste und Befürchtungen breit: vor Wahlbetrug, Fake News, Desinformation und Meinungsmanipulation, Datenklau und Cyberkriminalität, geballter wirtschaftlicher Machtkonzentration oder einem Überwachungsstaat.
1. Was ist „Künstliche Intelligenz“?
Grund dafür ist wiederum zunächst die Tatsache, dass der ursprünglich im Rahmen eines 1955 in den USA gestellten Forschungsantrags[2] erstmals wissenschaftlich eingeführte Sammelbegriff „KI“ selbst – zu Englisch „AI“ (für: Artificial Intelligence) – bis heute unpräzise, dehnbar, beliebig auslegbar, ja, was dessen genaue Eingrenzung betrifft, schwammig zu bleiben scheint, und das nicht nur für Normalverbraucher, sondern auch für Experten und Forscher. Was meint der Begriff „KI“ überhaupt? Wann, wo und wie ist es sinnvoll, Künstliche Intelligenz einzusetzen? Wer macht von ihr Gebrauch? Wie sollen wir mit dieser neuen Macht umgehen? Und was genau gehört überhaupt in den Bereich der „KI“ – und was nicht?
Auf welchen Gebieten sich Künstliche Intelligenz heute bewährt und welche einzelne Fachrichtungen speziell aus kultursoziologischer Sicht wie, wozu und worauf derzeit zurückgreifen, das hat diesen Sommer ein transdisziplinärer kulturwissenschaftlicher Fachkongress versucht, vorwiegend in der „KI“-Sprache Englisch abgehalten, ansatzweise zusammenzutragen, einzuordnen und zu diskutieren. Mit dieser Absicht angetreten, tagte kurz nach der Sommersonnenwende in Lettlands Hauptstadt Riga unter dem übergeordneten Motto Geben und Nehmen der 2. Internationale Kongress für transkulturelle Studien (2nd International Congress of Transcultural Studies). Rund 30 Fachspezialisten aus 13 Ländern (neben Deutschland, Österreich und der Schweiz: Belgien, Großbritannien, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Nordmazedonien, Spanien, USA) widmeten sich vom 30.6.-2.7.2026 unter der Ägide der Lettischen Kulturakademie mit Sitz in Riga (Latvian Academy of Culture, LAC) in Zusammenarbeit mit der italienischen Universität von Macerata (Università di Macerata) drei Tage lang – gemäß des wissenschaftlichen Kongressuntertitels – intensiv „kohäsiven Netzwerken in transdisziplinären Räumen“, um einen kultursoziologischen Abriss „von glokaler Geschichte bis hin zur Digitalisierung, Augmented Reality und zu KI-Techniken“ zu entwerfen (Give and Take: Transdisciplinary Spaces of “Cohesive Netting” From History to Augmented Realities and AI-Techniques). Insgesamt wurde auch hier schnell deutlich, wie stark der Bereich der digitalen Welt die heutige (wissenschaftliche) Arbeits- und (gesellschaftliche) Verhaltensweisen durchdringt und gleichzeitig der Hauptgesprächsgegenstand der Konferenz – nämlich die Definition und Anwendungsmethoden der KI – im Detail noch oft von Ungenauigkeit, historischer Kontextlosigkeit oder Unkenntnis beherrscht werden, obwohl alle Kongressteilnehmer täglich selbst auf KI zurückgreifen.

Foto: Dagmar Reichardt
2. Transkulturelle Studien auf dem Kongress in Riga
Angesichts der Einsicht, dass Negativkritik und dekonstruktivistische Verfahren
dem heutigen Zeitgeist entsprechend – würde man sie unverändert weiter bemühen – drohen, Krieg, zerstörerische (Umwelt-) Folgen oder gesellschaftliche Spaltung eher zu vertiefen als zu vermeiden, war der 1. Internationale Kongress über transkulturelle Studien an der italienischen Universität Macerata im vergangenen Jahr damit gestartet, diese Haltung tendenziell überwinden zu wollen. Der Kongress in Riga nahm sich nun einen weiteren Schritt in Richtung Zukunftsgestaltung vor. Er griff den 2025 vorgeschlagenen „Rekonstruktions“-Begriff auf, um ihn sowohl möglichst breit und konkret anzuwenden als auch methodisch gezielt zu vertiefen, anzureichern und zu schärfen. Unter Rekurs auf die rezente Publikation Die Welt als Gewebe (2025)[3] des heute in Berlin lebenden, zuletzt an der Universität Jena lehrenden deutschen Philosophen und Erfinders des Transkulturalitätsbegriffs Wolfgang Welsch (geb. 1946), stand dessen Plädoyer, die derzeitige „Netzwerk-Euphorie“ mit Hilfe philosophiegeschichtlicher Begrifflichkeiten rund um das „antike Himmelszelt“ auszuloten, der 2. Internationale Kongress für Transkulturelle Studien ganz im Zeichen des technologischen Umbruchs, den die KI bewirkt.
Nachdem Welsch bereits 1998 über das Verhältnis zwischen Medien – Welten Wirklichkeiten und Virtual-Reality-Technik gemeinsam mit dem italienischen Philosophen Gianni Vattimo (1936-2023) medientheoretisch gezielt publiziert hatte,[4] reflektiert er in Die Welt als Gewebe über die Doppelmetapher vom „Gewebe“ und „Netz“, indem er sie auf Beispiele der Kunst, Philosophie, Literatur und Mythologie anwendet, um sie dabei kaleidoskopartig immer wieder in einem anderen Licht zu betrachten. Bewusst bezieht sich Welsch dabei einerseits auf den Sternenhimmel als „Gewebe“ und andererseits auf das „Netzwerk“ des World Wide Web. Resultat: Sowohl die analoge als auch die digitale Welt haben eine Gewebestruktur. Der Begriff des „Gewebes“ trifft die Struktur der Wirklichkeit, so Welsch, als positiver phänomenaler Charakter des Seienden am ehesten. Die von ihm beschriebene „zeitgenössische Netzwerk-Euphorie“ galt es somit auch im Zuge des Riga-Kongresses sowohl aus praktischer, anwendungskritischer als auch aus theoretisch innovationsorientierter Perspektive immer wieder neu, vom Untergrund her ebenso wie horizontal und transversal vergleichend, jenseits von tradierten Disziplingrenzen innovativ und „gegen den Strich“ zu beobachten und kritisch zu überdenken.
Da Welschs doppeldeutiger Netz- oder Gewebebegriff – wie bereits im Call for Paper im Vorjahr ausgeschrieben – als methodischer Kernbegriff dem übergeordneten Kongressgedanken und -ziel zugrunde lag, hielt Welsch als Keynote Speaker auch den einleitenden, theoretisch richtungsweisenden Hauptvortrag des Kongresses über Vernetzung als universelles Paradigma (Netting as a Universal Paradigm) gegen Ende der Eröffnungszeremonie. Gleich zu Beginn des Kongresses hatte der gebürtige Bayer im Rahmen der Auftaktfeierlichkeiten im Theaterhaus der Lettischen Kulturakademie deren Ehrendoktorwürde seitens ihres Rektors Dāvis Sīmanis entgegengenommen. Unmittelbar anschließend an die kurze Festrede des Rektors und die Verleihung des Ehrendoktortitels an Wolfgang Welsch folgte zunächst ein weiteres – dieses Mal digital übermitteltes – Grußwort des Rektors der Universität Macerata in Italien, John McCourt, bevor dem italienisch-britischen Postkolonialismusforscher und Co-Autor der Eurozentrismus-kritischen Mittelmeerstudie The Mediterranean Question (2025; Deutsch etwa: “Die Mittelmeerfrage”)[5] Iain Michael Chambers (geb. 1949) der Schweizer Stiftungspreis Prix Erica überreicht wurde. Nachdem dem Publikum ein erster Überblick über das für die insgesamt drei Kongresstage vorgesehene Programm kurz vorgestellt worden war, wurde der Eröffnungstag durch ein lebendiges Künstlergespräch abgerundet.
3. Themen und Ergebnisse
Dieser dialogische Künstlertalk lockte das im Theatersaal versammelte Publikum mit dem Ausblick auf die „Freude über den Verlust, die Perspektive zu verlieren“ (The Joy of Losing Perspective) und fand in den Diskussionen und Fachgesprächen der kommenden zwei Arbeitstage in immer wieder unterschiedlichen Kontexten konkret Erwähnung. Auf dem Podium des Theaterhauses der Kulturakademie sprach Claus Friede von der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg mit dem deutsch-amerikanischen Künstler Till Nowak (geb. 1980), der für Hollywood arbeitet und unter anderem die Welten für Francis Ford Coppolas rezenten Großfilm Megalopolis (2024) entworfen hat. Aus seinen Filmarbeiten sowie aus dem künstlerischen Gesamtoeuvre des „Weltenbauers“ (Englisch: World Creator) Nowak wurden während des Podiumsgesprächs sich im Hintergrund ständig abwechselnde, neue Detailansichten und Video-Einblicke in Nowaks Arbeitswelt als stimmungsvolles Loop abgespielt, sodass das Publikum – parallel zu den auf der Bühne zwischen den beiden Eröffnungsgästen Friede und Nowak gesprochenen Worten, geäußerten Ansichten und sprachlich ausgetauschten Gedanken – auch deren künstlerische Umsetzung auf einer großen Kinoleinwand visuell verfolgen konnte.

Konzeptkünstler Till Nowak (Los Angeles, USA) und Prof. Claus Friede (Hochschule für Musik und Theater, Hamburg) beim Gespräch im Theaterhaus der Lettischen Kulturakademie (Riga, Lettland) am 30.6.2026. Foto: © Elīza Māra Kamradze-Tūtere
In den darauffolgenden zwei Arbeitstagen, die im Kongresssaal eines zentralen, benachbarten, internationalen Hotels stattfanden, vertieften die weiteren über dreißig geladenen Referenten – darunter Wissenschaftler und Spezialisten aus den Bereichen der Kultur-, Politik-, Literatur-, Film-, Musik-, Geschichts-, Bildungs- und Erziehungswissenschaft sowie aus spezifischen Feldern der Kunsttherapie, Semiotik, Soziologie, Sozialgeographie, Ethik und Philosophie – Welschs Transkulturalitätsbegriff. Beispiele aus den unterschiedlichsten Medienbereichen – parallel zum Internet reichten diese von Film, Literatur, Musik, Kunst und Theater über Agrartourismus, Zirkusgeschichte sowie Sonderförderungsbereichen an Schulen und in der medizinischen Ausbildung bis hin zur Farbenlehre, Kulturpsychologie und zu kreativen Achtsamkeitsformaten – füllten den Grundgedanken der Transkulturalitätsstudien mit immer neuen Bedeutungs- und Konnektivitätsaspekten an. Dabei wurde Welschs Gewebe- und Netz-Metapher nicht nur thematisch auf die diversen Felder von Kunst, Kultur, Literatur, Gesellschaft und Bildung, sondern auch methodisch auf unterschiedliche analoge und digitale Realitätsvorstellungen angewandt.
Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich angesichts der Entwicklung der Transkulturalitätsforschung im digitalen Zeitalter überraschend vielfältige, neuartige transdisziplinäre Möglichkeiten und Bewältigungsstrategien ergeben, die der Herausbildung einer gewaltfreien, postmigrantischen Gesellschaft (durch Anerkennung, Verarbeitung und Überwindung unserer territorialen Eroberungs-, Okkupations- und historischen Kolonialgeschichte) und dem Erhalt eines demokratischen „Europas für Bürgerinnen und Bürger“ (etwa mittels einer aktiven europäischen Bürgerschaft) dienen. Sowohl in der Wissenschaft als auch Kreativwirtschaft, künstlerischen Praxis oder Lehrerausbildung wurden inklusive Potenziale von nutzbaren Gewebemustern, Cross-over-Verflechtungen und Vernetzungen sichtbar, durch die sich Spaltungen in der Gesellschaft vermeiden lassen (z.B. durch Widerstand gegen den Faschismus in Italien, an Ökologie ausgerichteten Musikkonzerten in Lettland, Überwindung kultureller Grenzkonflikte in Südtirol oder einen ChatGPT-gestützten Sprachunterricht in Mazedonien). Fast alle Beiträge zeigten eindrücklich, wie präventive Faktoren, strategische Kommunikation und gesellschaftlich relevante Maßnahmen helfen, eine konviviale, kosmopolitische und transkulturell nachhaltige menschliche Zukunft im Einklang mit unseren analogen wie auch digitalen Lebenswelten zu entwerfen und hervorzubringen (konkrete, vorwiegend auf Europa konzentrierte Beispiele galten etwa dem Agrartourismus in Albanien, Migrantentheater in Österreich, der Einwandererliteratur und Zugehörigkeitsdidaktik in Italien, einer kollaborativen und co-kreativen Selbstbestimmungspädagogik in den Niederlanden, inklusiven Erziehungsmodellen für autistische Schüler in Litauen, einem dezentralen Wanderzirkus im Baltikum oder Traumatherapien in Europa und Nahost).

Sommerlich konviviales Miteinander der Kongressteilnehmer über den Dächern von Riga am Ende des 2. Kongresstags (1.7.2026). Foto: © José María Nadal
4. Angst vor „KI“
Ergänzend zum Kongress, dessen Akten nächstes Jahr auf der Webseite der Zeitschrift Transculturale veröffentlicht werden, lässt sich – auch um auf die hier eingangs erwähnten Fragen zumindest ansatzweise zu antworten – folgern, dass und wie sich die KI-Revolution in der Landschaft der Kreativindustrie derzeit zwischen weit verbreiteten Alltagshilfen, wissenschaftlich-akademischen Implementationsfragen und einer sowohl technisch als auch schöpferisch noch unwägbaren Zukunft der Menschheitsgeschichte spürbar behauptet. Während die Folgen eines zunehmend KI-basierten Wohlstandsmodells zwischen Annehmlichkeit und anhaltender Besorgnis hin und her pendeln, haben US-amerikanische Großkonzerne längst ihre eigenen Bereiche abgesteckt und ihre Felder besetzt: allen voran der mit IT-Infrastrukturen („IT“ = Informationstechnologie) arbeitende und heute führende Dienstleister für Cloud-Computing Amazon Inc. (1994 gegründet von Jeff Bezos), die Google LLC (1998 von Larry Page und Sergey Brin gegründet), Meta Platforms Inc. (2004 als Facebook von Mark Zuckerberg u.a. gegründet) oder das mit seiner Sprachmodellreihe Claude operierende und von den Geschwistern Daniela und Dario Amodei sowie weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern ab 2021 aufgebaute Unternehmen Anthropic.

Till Nowak: Habitat, 2012, verschiedene Versionen
Angesichts dieser wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte macht sich beim nicht-US-amerikanischem Rest der Welt unmittelbar die Befürchtung vor einem Rückfall in feudalistische Strukturen breit: Die ungezügelte Macht der Tech-Konzerne in den Vereinigten Staaten zementiert neue Abhängigkeiten. Die Vorstellung, dass das ganze materielle und immaterielle Wissen der Welt auf Daten komprimierbar sei, zu denen nicht alle gleichermaßen Zugriff haben, schürt existenzielle Ängste. Es drohen ungleiche Verteilungshoheiten, eine Regentschaft der „Datenkraken“ und das Schreckgespenst der Arbeitslosigkeit bzw. der angesichts eines scheinbar immer prekärer werdenden Arbeitsmarkts mögliche Rückfall in die Wanderarbeiterschaft. Über allen konkret benennbaren Sorgen schwebt dabei die diffuse Furcht, eine schurkenhafte böse Macht könne sich hinter der KI verbergen, um sich gegen den Menschen zu verschwören und ihn zu vernichten. Solch ein angstgesteuertes Lebensgefühl fasst etwa das Motto „Big Tech ist schlimm, Big KI ist schlimmer“ zusammen. Ein 2024 in deutsch-kanadisch-US-amerikanischer Kooperation entstandener Dokumentarfilm untersucht die zugleich faszinierenden und erschreckenden digitalen Disruptionen, die unser Zeitgeschehen begleiten, und geht den gesellschaftlichen, psychologischen und politischen Konsequenzen der KI-Revolution unter dem bildlich einprägsamen Titel Der digitale Tsunami (ARD, 2024) nach, der wie eine übermächtige Katastrophe seit Beginn des 3. Millenniums über unsere Köpfe hereinzubrechen trachtet.
Mit solch mächtigen Änderungen und mit der digitalen Wende einhergehenden Umstellungen konfrontiert, hilft es zum einen sich klarzumachen, dass „KI“ nichts weiter als von Menschenhand erfundene Maschinen sind, die auf Selbstoptimierung und Selbstprogrammierung hin konzipiert sind. Sie bieten uns Menschen beachtliche Vorteile, während wir unsererseits diesen maschinellen Fähigkeiten gegenüber wiederum beachtliche Anpassungsfähigkeiten im Alltag unter Beweis stellen. Die der Mensch-Maschine-Verbindung Vorschub leistenden Vorteile der KI zeigen sich bislang insbesondere in den Bereichen des biomedizinischen Fortschritts (u.a. bei chirurgischen Eingriffen, Hautanalysen oder der Entdeckung und Entwicklung von Tumoren), der Wirtschaft (insbesondere im Personal- oder Risikomanagement, darüber hinaus gilt die KI als wichtigster Treiber für Start-ups), Mathematik oder den interdisziplinären Wissenschaftsdisziplinen der Klimatologie (z.B. mit exakteren Wettervorhersagen) oder Geowissenschaften (Vulkanologie) sowie allgemein in denen der Robotertechnologie, Wissenschaft und Forschung. Zudem setzt sich KI zunehmend auf Sektoren durch, die etwa mit Kundenfeedback, -beschwerden und -meinungen, der Erstellung von Einsatz-, Personal- und Businessplänen, mit Steuererklärungen oder mit Pressemitteilungen, die auch im deutschen Sprachraum zunehmend von KI geschrieben und veröffentlicht werden, zusammenhängen: Sie berät, informiert und korrigiert uns täglich, und sie hat einen massiven Einfluss auf die Gebiete der Kindererziehung, Schulpädagogik und Bildung, nachdem Kinder nun schon seit einem guten Vierteljahrhundert in allen industrialisierten Weltgesellschaften mit Bildschirmen großwerden.
Zum anderen gilt es sich klarzumachen, dass wenn wir umgangssprachlich von „KI“ sprechen, wir in den meisten Fällen die sogenannte „generative KI“ meinen, d.h. sogenannte „generative vortrainierte Transformer“ (kurz: „GPT“, vom englischen Begriff Generative Pre-trained Transformer), an denen seit den 2010er Jahren weltweit gearbeitet wird. Diese „generative“ Künstliche Intelligenz (kurz: GenAI) ist eine Technologie, die auf Basis von Benutzereingaben (sog. Prompts) völlig neue Inhalte wie Texte, Bilder, Musik, Videos oder Programmcodes „generieren“, d.h. erstellen kann. Die generative KI nutzt dabei maschinelles Lernen und große Datenmengen, um statistische Muster zu erkennen und originelle Ergebnisse hervorzubringen: Sie ist eine Form der Künstlichen Intelligenz, die in der Lage ist, völlig neue Inhalte wie Texte, Bilder, Musik und Videos zu erschaffen, indem sie die ihnen zugrundeliegenden Muster aus bestehenden Datenbeständen erlernt, kopiert und imitiert.
GPT-Modelle basieren somit auf künstlich erzeugten „neuronalen Netzwerken“, die sich aus riesigen Mengen an vorhandenen Inhalten aus dem Internet und Büchern speisen und unentwegt weiter trainieren, um zunächst Grundprinzipien und Zusammenhänge zu erkennen und – darauf aufbauend – letztlich Vorhersagen treffen zu können: Nachdem sie die Struktur, Grammatik oder Bildkomposition aus den verfügbaren Daten gewonnen haben, berechnen sie – auf Anfrage eines Benutzers oder einer anderen Anwendung – Wort für Wort oder Pixel für Pixel die wahrscheinlich fortlaufend passenden Elemente. So sind sie in der Lage, sowohl Texte zu generieren (z.B. E-Mails zu schreiben oder Geschichten zusammenzufassen) als auch Bild- und Videokunst herzustellen (indem Textbeschreibungen in Grafiken, Fotos oder Clips „transformiert“ werden) oder eine Programmierung vorzunehmen (wobei Softwarecodes geschrieben und geprüft werden können).
Eine Darstellung von Java-Quellcode, bei der Prolog-Kommentare rot und Inline-Kommentare grün hervorgehoben sind. Der eigentliche Programmcode ist blau dargestellt.

Eine Darstellung von Java-Quellcode, bei der Prolog-Kommentare rot und Inline-Kommentare grün hervorgehoben sind. Der eigentliche Programmcode ist blau dargestellt. © Wikipedia. Lizenz: CC BY-SA 2.5
5. Meilensteine der KI-Revolution
Prägend für die zeitgenössische KI-Ära sind in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre aufgekommene sogenannte „LLM“s (Englisch: Large Language Model), die – auf Deutsch übersetzt – aus besagten generativen vortrainierten Transformern (GPT) mathematisch entstandene „große Sprachmodelle“ sind. Diese LLM-Softwaremodelle beruhen auf computerlinguistischen Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die Wort- und Satzfolgen statistisch berechnen und dementsprechend vorschlagen bzw. zusammenstellen, gewissermaßen also Text „komponieren“ bzw. „generieren“ können. Seit den 2020er Jahren finden diese dank des Einsatzes von Algorithmen und anderen Softwareartefakten funktionierenden LLMs vermehrte Anwendung auch in der europäischen und insbesondere auch in der deutschsprachigen Gesellschaft – Stichwort: „ChatGPT“.
Unter den von der generativen Künstlichen Intelligenz (GenAI) bereitgestellten generativen vortrainierten Transformern (GPT) und neuesten globalen Kommunikationsmitteln erfreut sich gerade im deutschsprachigen Raum vor allem ChatGPT als Vorreiter der großen Sprachmodelle (LLM) reger Benutzung. Als beliebtes Large Language Model gilt ChatGPT seit seiner Einführung 2022 als “das am schnellsten wachsende Konsumentenprodukt der Geschichte”,[6] dessen Hersteller – nämlich das seit 2015 registrierte und seit 2019 mit Microsoft zusammenarbeitende US-amerikanische Softwareunternehmen OpenAI – „gerade die Marke von einer Milliarde Nutzern geknackt“ haben soll.[7] Dabei ist laut OpenAI Deutschland der größte ChatGPT-Markt in Europa. Wie der Firmenchef und Mitgründer von OpenAI, Sam Altman (geb. 1985), in einem kürzlich erschienenen ausführlichen Interview mit dem deutschen Handelsblatt darlegt, gibt es aus eben diesem Grund seit 2025 in München das erste Deutschland-Büro von OpenAI, und das zweite sei bereits in Berlin in Planung. Deutschland sei – so Altman – nicht nur einer der größten und am schnellsten wachsenden Märkte von OpenAI, der sich stark nach der Künstlichen Intelligenz ausrichtet, sondern es setze deren Tools auch „am aggressivsten“ ein.[8]
Er selber aber, gesteht Altman, „spreche lieber mit einem Menschen als mit KI“, wie das Handelsblatt titelt, und deutet damit bereits das große Thema des sich hinter allem technologischen Fortschritt verbergenden Dilemmas an: Die Haltung von Altman, wie auch die seines Konzerns, oszilliert zwischen einerseits dem sowohl technisch als auch ethisch hochgesteckten Ziel, die menschliche Zivilisation mittels KI zu revolutionieren, und andererseits dem wirtschaftlichen Wohlergehen seines Unternehmens, das auf kommerziellen Profit ausgerichtet ist. Dieser Zwiespalt zwischen moralischem Anspruch und materiellem Gewinnstreben spiegelt sich auch in seiner Firmengeschichte wider: Seit Ende 2015 – dem Gründungsjahr von OpenAI unter Führung Altmans sowie weiterer fünf Gründungsmitglieder, darunter Elon Musk, von dem sich Altman heute dezidiert distanziert – beschäftigt sich die US-amerikanische Firma OpenAI Inc. mit der Erforschung Künstlicher Intelligenz. Anfänglich war das Ziel von OpenAI, Künstliche Intelligenz auf einer Open-Source-Basis – also kostenfrei und öffentlich frei zugänglich – zu entwickeln. Demzufolge startete das Unternehmen als eine gemeinnützige Organisation ohne Gewinnerzielungsabsicht, bevor es 2019 um die gewinnorientierte Tochtergesellschaft OpenAI Global LLC erweitert wurde, dessen größter Investor die Firma Microsoft ist. Heute hält eine nicht gewinnorientierte Stiftung – die Open AI Foundation – einen Anteil von rund 26 Prozent an der OpenAI Group PBC (Public Benefit Corporation), eine 2010 in den USA eingeführte gesellschaftsrechtliche Unternehmensform, mit der Gemeinwohl und privatwirtschaftlicher Nutzen besser miteinander vereinbar gemacht werden sollen.
Neben ChatGPT von der Firma OpenAI bewähren sich weitere zur generativen KI gehörende LLMs, die vor allem aus spezialisierten Laboren führender US-Technologiekonzerne stammen. Nach der an der Spitze stehenden ChatGPT-Anwendung von OpenAI – dem Hersteller, der mit seinen GPT-Modellen als Pionier und Taktgeber des globalen Booms gilt – folgen Microsoft als Hauptpartner und Investor von OpenAI mit eigenen Copilots sowie Google / Alphabet mit der multimodalen Gemini-Modellfamilie, Anthropic als Entwickler von Claude (speziell auf besonders sichere und präzise Sprachmodelle für Unternehmen und Entwickler ausgerichtet) und Meta – der Mutterkonzern von Facebook oder Instagram – mit den Open-Source-Modellen Llama (mit denen Maßstäbe für eine leistungsstarke, frei zugängliche Open-Source-KI gesetzt werden sollen) als weltweit führende Software- und Modellentwickler, während Amazon für seine Kunden eine umfassende Cloud-Infrastruktur und eigene KI-Prozessoren sowie das Bedrock-Modellangebot bereithält.
All diese Entwickler und Anbieter generativer KI zeigen, wie beachtlich der Sprung in das Feld der LLM ist, sei es nun mit ChatGPT, Gemini, Claude oder anderen Modellen. Die derzeit kaum kontrollierbare Schnelligkeit der Entwicklungen im Bereich der LLMs führt zu einer allgemein wahrgenommenen, durch gleichzeitig sich überteffende Neuerfindungen entstehenden Unübersichtlichkeit des Angebots. Zudem fällt auf, dass die Branche fast ausschließlich von Männern dominiert ist, ein sozial unausgewogener Zustand, der das unter dem Begriff des Digital Gender Gap (Deutsch wörtlich: „Digitale Geschlechterkluft“) bekannte Phänomen, demzufolge das weibliche Geschlecht an der proaktiven Beteiligung des weltweiten Digitalisierungsprozesses unterrepräsentiert ist, schmerzlich verstärkt. Seit Gutengbergs Druckpresse (um 1440 in Mainz) – zweifelsfrei eine, wenn nicht „die“ bedeutendste Erfindung des zweiten Jahrtausends – ist die elektronische, mediale und kommunikationstechnische Entwicklung von KI als eine noch nie dagewesene, innovative und fortschrittliche Schnittstelle des Wissens zu bewerten, die im dritten Jahrtausend eine neue Ära, im deutschen Sprachgebrauch oft als „Zeitenwende“ umschrieben, einläutet.
6. Tim Berners-Lee und Marshall McLuhan
Bevor in den 1990er Jahren der klassische Personal Computer („PC“) in Privathaushalten und Unternehmen als Massenprodukt Einzug erhielt, 2009 Algorithmen auf Facebook eingeführt wurden und 2010 das Smartphone aufkam – genau parallel zu der Zeit also, in der Wolfgang Welsch erstmals seine These des transkulturellen Netzes aufgestellt und diese ab 1992 kontinuierlich weiterentwickelt hat – gab es zwei wichtige Vordenker, die den Beginn des digitalen Zeitalters und der Künstlichen Intelligenz markieren und die zu Recht auch in Welschs letztem Buch unter anderen intellektuellen Pionieren Erwähnung finden.[9] Als Welsch damit begann, über die Welt „als Gewebe“ und die transkulturellen Vernetzungsstrukturen unserer Gesellschaften in den 1990er Jahren grundsätzlich philosophisch nachzudenken und gezielt zu publizieren, entwickelte auf mathematisch-informationstechnischer Ebene der britische Physiker Timothy („Tim“) Berners-Lee (geb. 1955) – der gerade erst seine Memoiren in Form einer Geschichte des Internets veröffentlicht hat[10] – ab 1989 die HTML-Auszeichnungssprache (Hypertext Markup Language) für Webseiten. In seinem ersten Konzeptpapier (Information Management: A Proposal), das er am 12.3.1989 bei seinem Arbeitgeber – dem europäischen Kernforschungszentrum CERN mit Sitz in Genf – eingereicht hat, schlug er ein dezentrales Hypertext-System vor, das Dokumente über das Internet flexibel verknüpfte. Ziel dabei war es, Informationen zu sichern, Kompatibilität mit verschiedenen Computern herzustellen und eine erste einfache Suchmaschine einzurichten.

Im Jahr 1989 erfand der CERN-Informatiker Tim Berners-Lee das World Wide Web, um den effizienten Austausch von Forschungsdaten zwischen Wissenschaftlern weltweit zu ermöglichen. Foto: © CERN. Lizenz: CC BY-SA 4.0
Ursprünglich sollte Berners-Lees besagtes Hypertextprojekt einer schnelleren und besser vernetzten firmeninternen Kommunikation innerhalb des mit ca. 6,2 km2 recht großflächigen und mit z.T. weit auseinanderliegenden Einheiten auf dem eingezäunten CERN-Betriebsgelände zugutekommen, zu dem noch ein die Landesgrenzen von Frankreich und der Schweiz sowohl verbindender als auch grenzüberschreitender, 50-150 Meter tiefer, unterirdischer Ring (des Teilchenbeschleunigers LHC) mit einem Umfang von 26,7 Kilometern gehört, in dem weitere CERN-Mitarbeiter forschen. Bald wurde Bernes-Lee jedoch klar, dass sein Vorschlag nicht nur für eine Firma bzw. innerhalb seines Arbeitsorts, sondern prinzipiell weltweit einsetzbar war.
Zusammen mit seinem belgischen Kollegen am Kernforschungszentrum CERN – Robert Cailliau (geb. 1947) – entwickelte er einen weiteren Konzeptvorschlag (vom 12.11.1990) und gilt dank seines Hypertextprojekts seitdem als Begründer des World Wibe Web (WWW): unseres „Internets“. Die erste Webpräsenz erstellte Berners-Lee 1992 – genau in dem Jahr, in dem Welsch alle Völker und Gesellschaften verbindende kulturelle Parameter zeitgleich zu erforschen begann – unter der Adresse info.cern.ch (heute: https://home.cern/science/computing/the-birth-of-the-web/), auf der Berners-Lee eine Kurzanleitung zwecks Definition und Gebrauchserläuterung des WWW online veröffentlichte. Von herausragender Bedeutung ist von soziokultureller Warte aus die Tatsache, dass sich Berners-Lee – der, wie Welsch bemerkt, seine Erfindung zunächst auf Englisch Mesh (Deutsch: „Gewebe“ oder „Netz“) nennen wollte und sich erst später zur Bezeichnung „World Wide Web“ entschloss („weil ‚web‘ in der anerkannten Sphäre der Mathematik ein aus zahlreichen Knoten gebildetes Netz bezeichnet“)[11] – im Zuge der Freischaltung des Internets bewusst weder ein Patent für seine Erfindung noch kommerzielle Interessen gesichert hat. 2010 wurde das WWW dem Komitee des Friedensnobelpreises als Vorschlag unterbreitet, der sich zwar nicht durchsetzen konnte, jedoch vorgesehen hatte, dass Berners-Lee ihn u.a. stellvertretend hätte repräsentieren sollen, nachdem der Brite bereits ab 1995 zahlreiche wichtige Ehrungen erhalten hatte, darunter auch deutsche Preise wie den Eduard-Rhein-Technologiepreis (1998), die Quadriga (2005) und zuletzt den Axel Springer Award (2017).

Das World Wide Web wurde 1989 am CERN erfunden, und der allererste Webserver lief auf diesem Computer. © Skyscraper2010. Lizenz: CC BY-SA 4.0
In heutiger Zeit, in der sich die weltweite Big Tech-Industrie mit geballter Präsenz in einem nordamerikanischen Tal der USA – nämlich in dem mit Firmenhäusern von Apple, Google und Co. besiedelten Silicon Valley – niedergelassen hat, muss in einem zweiten Schritt aus kulturgeschichtlicher Sicht nicht nur vor Wolfgang Welschs Neuerscheinung Die Welt als Gewebe, die Anlass zu den Diskussionen auf dem 2. Internationalen Kongress zum Thema der Transkulturellen Studien in Riga gab, sondern auch noch weiter zurück als bis zu Tim Berners-Lees weltbewegendem technischem Durchbruch vor bald 35 Jahren gegangen werden. Wie auch Welsch in Die Welt als Gewebe aufzeigt, war der kanadische Philosoph, Medien- und Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan (1911-1980) einer der kulturell prägenden Vordenker der „universellen Sprache der elektronischen Kommunikation“[12] und somit indirekter Befürworter der digitalen Revolution avant la lettre. McLuhans zentrale These „Das Medium ist die Botschaft“ (The Medium is the Message) sowie der Begriff vom „Globalen Dorf“ (The Global Village) haben den theoretischen Grundstein für alle folgenden Mediendiskurse – die heute bis in die Tiefen des Internets hineindringen und sich quer über alle Kanäle der Digitalisierung erstrecken – ab Mitte der 1960er Jahre bis zu seinem Tod und dem Anbruch der Postmoderne gelegt.
Marshall McLuhan ist für das digitale Zeitalter deshalb von herausragender Bedeutung, weil er bereits Jahrzehnte vor dem Internet nicht nur das Silicon Valley fast seherisch, als ein wahrgewordenes Global Village vorausgesagt zu haben scheint, sondern vor allem, weil er die Auswirkungen elektronischer Vernetzung geahnt hat. Seine Medientheorie erklärt, wie digitale Technologien unser Denken, unsere Wahrnehmung und die Gesellschaft formen: Bereits seit seinen ersten kulturkritischen Analysen zu Massenmedien und Werbung (The Mechanical Bride, 1951) beschrieb er die durch aufstrebende, maschinelle Kommunikationstechniken bewirkten gesellschaftlichen Veränderungen, indem er etwa in The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic Man (1962)[13] systematisch herzuleiten und dem Leser bewusst zu machen versuchte, wie der Buchdruck unser menschliches Denken und unsere Sinneswahrnehmungen durch technischen Wandel beeinflusst hat. Den berühmten Slogan „The Medium is the Message“ („Das Medium ist die Botschaft“) prägte er 1964 im ersten Kapitel von Understanding Media: The Extensions of Man (1964)[14] und variierte diese These sowie seine Definition der Medien als „Erweiterungen des Menschen“ 1967 durch spielerischen Wortwitz, indem er zusammen mit Quentin Fiore den Titel The Medium is the Massage: An Inventory of Effects verfasste (1967).[15]
Noch bevor Tim Berners-Lee kurz nach McLuhans Tod das Internet entwickeln und das World Wibe Web eröffnen sollte, stellte McLuhan gemäß seiner berühmten These „Das Medium ist die Botschaft“ die Form vor den Inhalt, indem er nicht die transportierte Information für entscheidend hielt, sondern die Eigenschaft des Mediums selbst in den Vordergrund rückte. Durch diese Prägung lässt sich für heutige Zeiten folgern, dass das bildmächtige Internet oder kommunikationswirksame Smartphones unser postmodernes Verhalten stärker verändern als es die konkret transportierten Inhalte tun, die wir aussenden und konsumieren. Zudem prophezeite McLuhan mit dem Neologismus des „Globalen Dorfs“ bzw. durch Verwendung des Begriffs vom „global village“ (in: The Gutenberg Galaxy), dass elektronische Medien die Welt vernetzen und Distanzen zunehmend aufheben würden: Mit dem Aufkommen elektronischer Medien schließen Rundfunk, Fernsehen und Telegrafie die Erde schon vor über sechzig Jahren so eng zusammen, dass die Menschheit auf die mentale Größe von „einem Dorf“ (heute sagen wir oft auch: auf die Dimension „einer Blase“) zusammenschmilzt. Wenn jeder Mensch Ereignisse weltweit zur gleichen Zeit erfährt, meint McLuhan, dann verlieren alte Grenzen und die Kultur des Buchdrucks an Bedeutung. So heben elektronische Medien Raum und Zeit auf, während sie Menschen weltweit verbinden und dadurch ihr globales Bewusstsein formen.
Das ehemalige Logo des World Wide Web, entworfen von Robert Cailliau. Derzeit gibt es kein allgemein anerkanntes Logo für das WWW.

Das ehemalige Logo des World Wide Web, entworfen von Robert Cailliau. Derzeit gibt es kein allgemein anerkanntes Logo für das WWW. © Fakefunk. Lizenz: CC BY-SA 4.0
7. Kulturkritik an KI
Auch wenn McLuhans Thesen Kontroversen auslösen, so kann uns sein Verständnis für ein besseres Verhältnis zwischen Mensch und KI-Technik hilfreich sein. Für den Kanadier waren Medien „Erweiterungen“ oder Verlängerungen des menschlichen Körpers und seiner Sinne. Auf unsere Gegenwart übertragen, in der jeder jederzeit „on“ ist, können wir digitale Geräte somit auch als eine globale „Erweiterung“ unseres Nervensystems verstehen: Viele gehen abends mit dem Handy auf dem Nachttisch ins Bett und wachen mit einem ersten Blick auf dessen Oberfläche wieder auf. Diese Vorstellung von der „Digitalität als Taktilität“[16] und davon, dass Digitalität auf physischen Handlungen wie dem Erfühlen und Drücken von Tasten, Buttons oder Links basiert, macht uns zu aktiven Teilen eines weitaus größeren vernetzten Systems als das unseres leibhaftigen Körpers. Andererseits warnte McLuhan davor, dass wir, sobald wir unsere Sinne denen überlassen, die Manipulationen und Gewinn damit machen, alles abgegeben hätten, was uns zu Menschen mache. Seine Vorbehalte gegenüber der Monetarisierung und dem Ausverkauf der Kulturen teilen heute viele Bürger, gesellschaftliche Gruppen und Gruppierungen sowie politische Programme und Organisationen. Gerade auch im Namen der Kultur unterstrich der Anglist und Philosoph McLuhan – in dessen Werken eine Vorstellung unseres heutigen Internets implizit, fast visionär bereits zwischen den Zeilen an vielen Stellen durchscheint –, dass von Kartellen kontrollierte Machtkonzentrationen vermieden und Wirtschaftssysteme demokratisch geregelt werden sollten. Gesellschaftspolitisch sind heute zudem besonders psychologische Herausforderungen, der politische Umgang mit KI und ökologische Aspekte relevant.
Unbestritten ist in KI-Zeiten etwa der massive Anstieg von Suchterkrankungen (von stoffgebundenen Süchten zur Spiel-, Sport- oder Pornosucht u.v.m.), Ängsten, Depressionen, Schlaf-, Konzentrations- oder Internetnutzungsstörungen (die Überforderungsproblematiken, Hoffnung- und Hilflosigkeit befördern) und weiteren psychischen Problemen (Selbstwertkonflikte, Optimierungswahn, Anorexie, verzerrte Körperbilder, inneres Bodyshaming, Schlaflosigkeit u.v.m.) bei Heranwachsenden, insbesondere bei Jugendlichen und Teenagern. Das Gefühl der Abhängigkeit und die Aussicht, dass man ohne Internet erst keine Hausaufgaben erledigen oder Freundschaften pflegen und später keine Banküberweisungen oder Geschäfte mehr tätigen könnte, treibt mit allen damit verbundenen Gefahren (Mobbing, Deep Fakes, Bankbetrug, Identitätsdiebstahl, Verleumdungen, Dauerstress, digitaler Missbrauch, Pädophilie u.v.m.) junge Menschen wie Erwachsene nicht selten bis in den Suizid. Das belegen – parallel zum Dauertrend eines digitalen „Detox“ (d.h. dem bewussten Abschalten der digitalen Medien bzw. der zeitweisen Abstinenz von der digitalen Welt) – allein schon die derzeit laufenden US-Prozesse etwa gegen Facebook und OpenAI, in denen Eltern sich zusammenschließen, um die Konzerne wegen der Selbstmorde ihrer Kinder zu verklagen. Neutrale Beobachter sehen darin eine ähnliche gesellschaftliche Auflehnung und Gegenbewegung wie die – ebenfalls in den USA begonnene – historische Sammelklagewelle gegen die Tabakindustrie in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre.
Auch die Kritik an einem Überwachungskapitalismus ist tiefgreifend, gesellschaftsprägend und kulturell ambivalent: KI dominiert längst fast alle miteinander konkurrierenden Gesellschaftsbereiche, Wirtschaftszweige und -systeme. Dabei liegen die Zugänge zu immensen Datenschätzen bekanntlich in den Händen von nur wenigen Multimilliardären, wobei die Finanzmacht der großen Big Tech-Lobbygruppen alle anderen, mitunter lebens- und überlebensnotwendigen gesellschaftlichen Sektoren, wie die Kultur oder Welthungerhilfen, in den Schatten stellt. Suchmaschinen oder Videoanbieter sind zwar kostenfrei, verwerten aber alle Daten, nach denen gesucht oder die zur Ansicht abgerufen werden, um sie dann weiterzuverkaufen. Ein dritter entscheidender Punkt – nach den psychologischen Stressoren bzw. gesellschaftsrelevanten Belastungsfaktoren sowie der Kapitalismuskritik – ist der ökologische Aspekt der digitalen Revolution. Hier gehen Zeitgeist, Wirtschaft und Umweltfragen Hand in Hand. Das Problem: Die Finanzierung und der Ausbau von Rechenzentren erfordern nicht nur finanzielles Kapital, sondern verbrauchen auch Unmengen an Energie, die für die Funktionalität der Geräte und Anwendungen permanent zur Verfügung stehen müssen. So erfordert etwa jede Videogenerierung laut Sam Altmann im zitierten Handelsblatt-Interview im direkten Vergleich weitaus mehr Rechenaufwand als jede „höchste ChatGPT-Intelligenzstufe“.[17]
Zudem beklagt Altman explizit, dass Open AI eine große Flotte an Datenzentren aufgebaut habe, dem Unternehmen insgesamt aber nicht genügend Rechenleistung zur Verfügung stehe. Bisher, so heißt es hier weiter, gäbe es bei OpenAI zwei große Kategorien von KI-Produkten: 1.) Chatbots, und 2.) Angebote für Programmierer und Wissenschaftler. Wünschenswert aber sei aus funktionaler Sicht darüber hinaus eine dritte Kategorie, die Altman „persistente Agenten“ nennt und die „im Hintergrund“ laufend den Fortschritt produktiv weiterführen könnten – etwa mittels automatisch handelnder Algorithmen, die menschliche Routinen organisieren und außer im privaten Bereich insbesondere auch Wissenschaftlern dienlich sein könnten. Solche „Agenten“ seien allerdings erneut „sehr rechenintensiv“:[18] So stoßen die Möglichkeiten der Digitalisierung bereits technisch an ihre Grenzen, bevor sich gleichzeitig wieder die hartnäckige Frage aufdrängt, wie die Rechenkapazitäten (und damit einhergehender Wohlstand, allgemeiner Internetzugang sowie Bildungs- und Gütergerechtigkeit) weltweit aufgeteilt sollten bzw. produziert werden könnten.
Insgesamt bleiben Forscher gegenwärtig, nachdem gerade erst vor knapp vier Jahren die international gefeierte Einführung von ChatGPT stattgefunden hat[19] – und die Massen, in anderen Worten, der von Wolfgang Welsch im Untertitel seiner Neuerscheinung genannten „Netzwerk-Euphorie“ weiterhin kritiklos erliegen und ungezügelt folgen – der KI gegenüber skeptisch. So wären, neben der generativen KI, um eine Superintelligenz zu erreichen wohl auch neue Ansätze in der Robotik (der sogenannten „physikalischen KI“) mindestens ebenso intensiv zu fördern. Fernziel müsse dabei jedoch die Demokratisierung der Technologien und die Schaffung einer friedlichen und gerechten Weltgesellschaft im Internet sein: Diese bleibt „das“ zentrale Thema jeglicher Beschäftigung mit KI auf übergeordneter Ebene. Zu den kulturellen Gefahren der KI gehören – neben der Bedrohung für Demokratie, nationale Sicherheit und die Wirtschaft, die eine allseits, d.h. auch in der Kreativindustrie befürchtete Arbeitslosigkeit auslösen könnte – zunächst eine sich vertiefende Spaltung innerhalb der Weltgemeinschaft, entsprechende Verteilungskämpfe und erhöhte Kriegsrisiken sowie die damit einhergehende Bildung einer Permanent Underclass (Deutsch wörtlich: „Permanente Unterklasse“), d.h. einer am Ende abgehängten, gar nicht oder auch nur eingeschränkt digitalisierten, breiten, unterjochten Gesellschaftsschicht.
8. Status Quo der digitalen Revolution
Angesichts des KI-getriebenen US-Wirtschaftswachstums und des technologischen und gesellschaftlichen Umschwungs – in dem so mancher „Google“ mit einer „Bildungsrevolution von heute“ verwechseln könnte, womit der Trugschluss Oberhand gewänne, jeder könne gebildet sein, obwohl das nötige Mindset dazu fehlt – stellt sich nicht nur die Frage, wer Entscheidungsträger ist bzw. wer ein solcher sein sollte. Vielmehr wächst auch das durch politische Entscheidungsräume, die einer autokratischen „Spalte und herrsche“-Mentalität (divide et impera) à la Trump Vorschub leisten, hervorgerufene Problem fehlender Aufstiegschancen (insbesondere im migrantischen Milieu). Fest steht, dass KI unter anderem insofern nicht wie unser Gehirn funktioniert, dass das (Bildungs-) Ergebnis ohne dem dazugehörigen (kraft- und zeitraubenden) Beschäftigungs-, Erkenntnis- und Verständnisprozess sinnlos ist und dass der Mensch für ein gutes Bildungsergebnis kognitive Fähigkeiten trainieren muss – eine Arbeit, die ihm keine Maschine abnehmen kann.

Digitale Revolution. Foto: Gerd Altmann
Diese Verantwortung bleibt also sowohl bei den Entwicklern, deren KI-Forschung immer „für“ die Menschen im Sinn einer Stärkung der Menschlichkeit, Vertiefung der Menschheit und Berücksichtigung ihrer Emotionen sowie eines allgemein entspannteren (statt angespannteren) Lebensstils arbeiten sollte, als auch bei jedem Einzelnen: Was dessen individuelle Geistes- und Herzensbildung betrifft, so kann KI nicht nur einfach als Instrument abgetan werden. Bestenfalls wird KI von Seiten der Anwender vielmehr als ein – wenngleich nicht menschliches – willkommenes „Gegenüber“ oder als guter „Reise-“ bzw. „Weggefährte“ wahrgenommen, mindestens aber als der Oberbegriff einer Vielzahl von einzelnen „Akteuren“ (und entsprechend digital stattfindender Operationen, d.h. Online-„Aktionen“ bzw. Tätigkeiten im Internet) akzeptiert. Zugleich muss der KI-Konsument, Verbraucher oder „User“ der KI – auch bei einem höheren Bildungsgrad – dabei die Umgehung eines Automation bias (Deutsch wörtlich: „Automatisierungsverzerrung“) im Blick behalten. Darunter ist die unbewusste Neigung des Menschen gemeint, den Ergebnissen, Vorschlägen oder Entscheidungen von Computern, Algorithmen oder KI-Systemen mehr zu vertrauen und Folge zu leisten als dem eigenen Urteil (selbst dann, wenn das System offensichtlich Fehler macht oder dem Anwender selbst gegenteilige Informationen vorliegen). Der Automation bias tritt dann ein, wenn Nutzer davon ausgehen, dass die KI alle ihre Fragen optimal beantworten kann: Bei einem blinden Vertrauen in die angenommene „Vernunft“ eines Computers und beim reinen Abrufen eines solchen vermeintlichen „Wissens“ über ein LLM oder einen Chatbot verlässt sich der Mensch auf ein Wissen ohne Erfahrung. Dadurch, dass der Mensch glaubt, keine Erfahrung mehr sammeln zu müssen, kürzt er jedoch nicht nur einen Erfahrungsweg ab, sondern er verbraucht auch die Moral. Denn in extremis beruht dann bald keine Information mehr auf wahrer Erkenntnis, und seine eigene Intelligenz wäre „leer“ bzw. gar nicht mehr nachgefragt. Letzte Konsequenz: Wir machen die Maschinen schlau und schaffen uns dadurch selbst ab.
Darüber hinaus glänzen Large Language Models typischerweise mit einem normierten Stil und Inhalt, wodurch stilistischer Eigensinn, Witz, Esprit und persönliche Sprachaffinitäten verloren gehen. Da Maschinen nicht subjektiv argumentieren, laufen permanente KI-Nutzer Gefahr, dass ihnen die Kultur entgleitet und sie menschlich verarmen. Die Fähigkeit, sich in ein Buch, eine gestalterische Tätigkeit oder ein Gespräch zweckfrei zu versenken, ist in der isolierten Welt der LLM ebenso bedeutungslos wie das Bedürfnis, an Neudimensionierung dank durchlebter Erkenntnis oder der Befriedigung von Lust und Neugier dazuzugewinnen. Lesen erfordert Empathie, Horizonterweiterung, Durchhaltevermögen und eine Konfrontation mit neuen Denkweisen ebenso wie ein sich Wiederfinden in anderen Identitäten oder geistig fremden Territorien. Die maschinellen Effizienzzwecke entwerten hingegen geistige und kreative Arbeit. Durch die digitale Art und Weise, Kunst-, Musik- oder Literaturherstellung zu demokratisieren, werden Artefakte uniformer, einförmiger. Denkarten, Stilrichtungen, Gegendiskurse erfahren durch KI-Prozesse insofern eine Homogenisierung, dass deren automatisierte Denkvorgänge wenig Gegenläufiges, dafür umso mehr stromlinienförmige, sich wiederholende, gar identische Ideen hervorbringen. In ausschließlich digitalen Bahnen unterwegs denkt der Lernbeflissene, um Kultivierung bemühte oder wissensdurstige Studierende nicht mehr selbst. Während das Nachschlagen in einem Lexikon früher dem kulturdurstigen Nutzer nur einen ersten, bewusst ausschnitthaften, groben Überblick zu einer Person, einem Werk oder einem historischen Ereignis als Einstiegshilfe vermittelt hat, ersetzt KI nun den Leseprozess (oder nimmt es uns ab, einen Ort zu suchen oder ein Musikstück zu komponieren, u.s.w.): Die menschliche Sinnsuche – im Sinn einer quête – läuft auf KI-Ebene solipsistisch ins Leere oder dreht sich ewig um sich selbst.
Angesichts menschlicher Höhen und Tiefen, guter und schmerzlicher Erfahrungen, geduldigem Lerneifer und selbst Immanuel Kants „selbstverschuldeter Unmündigkeit“ gilt daher für jeden menschlichen Lernerfolg: „Der Weg ist das Ziel“ oder „The only way out is through“ (Deutsch wörtlich: „Der einzige Ausweg führt hindurch“). Denn wozu bräuchten wir sonst noch Universitäten? Und was wären Universitäten, wenn sie nur nacktes Wissen lehren und keine Soft Skills, Herzensbildung oder Persönlichkeitsentwicklung mehr vermitteln, ermöglichen und zum Leben erwecken würden? Was die Gefahren im Netz bezüglich Kinder und junge Erwachsene betrifft, so sind die Stimmen, die Altersbegrenzungen und die aktive Kontrolle von Suchtpotenzialen oder das Ausschalten von Auto-Playfunktionen fordern, längst laut geworden. Gerade ist Dänemark als EU-Vorreiter bei der Digitalisierung im Klassenzimmer hervorgetreten: Schüler und Schülerinnen dürfen ihre schriftlichen Hausaufgaben zwar weiterhin mit Tablet und Laptops erledigen, wobei diese auch bei Klausuren eingesetzt werden. Bei digitalen Prüfungen sollen nun aber ab dem kommenden Schuljahr 2026/2027 auch Überwachungssoftware und die Sperrung des Zugriffs auf KI-Dienste Anwendung finden, sofern Klausuren nicht ganz ohne KI rein analog „wie früher“ unter Aufsicht geschrieben werden müssen. Neue Regeln für den Umgang mit KI erschienen der dänischen Regierung deshalb nötig, weil wahrgenommen wurde, dass das kritische Denken zunehmend in den Hintergrund geriet, gar ganz verschwand, und stattdessen der KI überlassen wurde, wodurch die Schüler immer vehementer von den KI-Diensten abhingen, während ihre Eigenleistungen verblassten. Als zusätzliche Maßnahme sollen Lehrer bei größeren Prüfungen außerdem die Kandidaten künftig verstärkt mündlich abfragen.

Wolfgang Welsch; Keynote-Speaker. Foto: Dargmar Reichardt
9. Pro und Contra des Technofeudalismus
Soweit zu Fragestellungen und Lösungsansätzen im Praktischen, doch wie verändert sich unsere Welt, wenn die KI eine Entscheidung über Leben und Tod trifft oder an die Stelle eines Partners tritt bzw. zum einzigen Ansprechpartner oder Vertrauten in einer hoch technologisierten Gesellschaft wird? Aktuell stehen sich radikale Positionen gegenüber wie einerseits das gerade 2025 in Europa als einen Techno-Faschismus propagierendes „anti-woke“ vielfach kritisierte Buch von Palantir-Chef Alexander („Alex“) Karp (geb. 1967) und Co-Autor Nicholas Zamiska mit dem Titel The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West (2025).[20] Auf ihm basiert ein vom US-Unternehmen Palantir digital veröffentlichtes Thesenpapier in Form eines 22-Punkte-„Mini-Manifest“. In ihrem Buch rechnen die beiden Autoren radikal mit der bisherigen Pazifismus- und Tech-Kultur des Westens ab und fordern stattdessen, dass die Tech-Elite des Silicon Valley ihre Programmierkraft ganz in den Dienst von Militär und nationaler Sicherheit stellt: Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene pazifistische Ausrichtung von Staaten wie Deutschland und Japan werden darin als gefährliche Schwäche und Überkorrektur dargestellt, die ein globales Gleichgewicht behindern würden. Die allgemeine Dienst- oder Wehrpflicht gilt den Autoren als Gesellschaftspflicht, andernfalls drohe ein kultureller Niedergang des Westens. Ihr Bedrohungsszenario aus US-Sicht steht im Kontrast zur europäischen Debatte, in der viele Länder – trotz teils genutzter Palantir-Software bei der Polizei – tendenziell eine größere digitale Souveränität und Unabhängigkeit von US-Konzernen anstreben.
Andererseits hebt der japanische Philosoph Kohei Saito (geb. 1987), der als unkonventioneller, undogmatischer und unideologischer Jungstar der Philosophie – wie auch Karp (Universität Frankfurt) – in Deutschland promoviert wurde (Humboldt Universität Berlin), in seinem soeben erschienenen Buch Am Ende des Fortschritts. Überleben in den Ruinen des Kapitalismus (2026)[21] die Künstliche Intelligenz aus neomarxistischer Sicht als eine Illusion des spätkapitalistischen Fortschritts hervor. Er hält den gegenwärtigen KI- und Digitalboom – inklusive Börsengänge – für eine spekulative Blase, die in absehbarer Zeit platzen wird, und kritisiert den aktuellen KI-Hype als „KI-Kapitalismus“. Saito sieht in KI ein Werkzeug von Tech-Milliardären, um Ressourcen zu monopolisieren und die Demokratie zugunsten einer Kontrollgesellschaft zu schwächen. Als Alternative zum KI-Kapitalismus schlägt der Japaner den sogenannten „Degrowth-Kommunismus“ vor: Statt auf unendliches digitales Wachstum zu setzen, fordert er eine radikale Entschleunigung, Ressourceneinsparung und gemeinwohlorientierte Wirtschaft. Anstatt Energie für rechenintensive KI-Systeme zu verbrauchen, sollten die Industriegesellschaften ihre begrenzten Ressourcen auf die gerechte Daseinsvorsorge und das Überleben in der Klimakrise konzentrieren.
Diesem Ausblick stellt Saitos japanischer Kollege Yasuo Deguchi (geb. 1962) – ein Philosophieprofessor an der Universität Kyoto, der allerdings bislang hauptsächlich auf Japanisch u.a. über Immanuel Kants Mathematiktheorie, angewandte Philosophie und wissenschaftlichen Realismus, aber auch Simulationstheorien und Chaosforschung sowie analytische asiatische Philosophie publiziert hat – ein alternatives Modell für die Beziehung zwischen Mensch und KI an die Seite bzw. gegenüber. In einem auf Englisch verfügbaren Aufsatz von 2025[22] schlägt Deguchi einen We-Turn (Deutsch wörtlich: „Wir-Wende“) aus fernöstlicher Sicht und sein Konzept des „Selbst als Wir“ (Self-as-We) vor, um das philosophische Erbe Ostasiens im Kontext der zeitgenössischen Philosophie neu zu erschließen. Das Besondere an Deguchis „Wir“-Gedanken ist jenseits einer Ost-West-Annäherung die Prämisse, dass zu diesem „Wir“ hier auch KI und andere Artefakte sowie nicht-menschliche Wesen, Tiere sowie die natürliche Umwelt zählen. Indem diese verschiedenen Akteure – jenseits des „Ich“ und anderer Menschen – in das hypothetische „Wir“ einbezogen werden, entfaltet sich ein holistisch ausgerichtetes „Gemeinschaftsmodell“ (The Fellowship Model) für die ideale Beziehung zwischen Mensch und KI, das sich von herkömmlichen Auffassungen progressiv abhebt und unterscheidet.
10. Europäische Positionierungen
Während weder Karp noch Saito echte Innovation auf dem Gebiet der KI entdecken, soziale Medien (Social Media) eher für dystopische Konsumspielereien halten und bereits damit zu rechnen scheinen, dass ein positives Verständnis für Demokratie (d.h. für die Souveränität des Volks) und Fortschritt (sowohl in Kultur und Gesellschaft als auch in der Wissenschaft) der Vergangenheit angehören dürfte, stellt sich die sogenannte „KI-Philosophie“ (oder „Philosophie der Künstlichen Intelligenz“) als eine neue Denkrichtung im Bereich der inklusiv denkenden Kultur-, Philosophie- und Mediengeschichte auf. Unter dieser neuen Entwicklung versteht man allgemein einen Teilbereich der Philosophie, der Grundfragen, Möglichkeiten und Auswirkungen von computerbasierter Intelligenz untersucht und sich vor allem mit den Themen Geist und Bewusstsein, Erkenntnistheorie sowie Maschinenethik befasst.
Zu den aktuellen Stellungnahmen der letzten Jahre, die sich im europäischen Raum gegen die Großteils transhumanistischen Visionen des Silicon Valley formiert haben und auf Deutsch publiziert wurden, gehört Richard David Prechts (geb. 1964) Buch zum Thema Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens (München, Goldmann / Random House, 2020). Der aus Solingen stammende deutsche Philosoph, Autor, Fernsehmoderator und Honorarprofessor (Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin) kommt in seiner Betrachtung der zweiten reinen Maschinenrevolution (lässt man Gutenbergs Druckerpresse einmal außer Acht), in der statt der Hand (wie bei der industriellen Revolution) jetzt das Gehirn (durch KI) maschinell ersetzt wurde, zum Schluss, dass KI für uns zwar insofern ebenso nützlich wie unterhaltsam ist, dass sie uns monotone oder schwere Arbeiten abnimmt und stattdessen neue Räume für persönliche Entwicklung und allgemeinen Fortschritt eröffnet (etwa durch Einsatz der KI in der industriellen Produktion, in KI-basierten Logistikprozessen oder wenn in der Medizin auf der Basis anonymisierter Daten Krankheitsverläufe berechnet werden können). Die Grenze dessen, was KI aber keinesfalls darf, so Precht, sei, über menschliches Leben und menschliches Schicksal zu richten und zu entscheiden (etwa durch Einsatz von KI beim Bau eines Killerroboters, Abwägung von lebenswertem Straßenverkehr beim autonomen Fahren oder durch Prognosen bezüglich Haftentlassungen von Sträflingen und Vorhersagen schulischer Leistungen zu Selektionszwecken).
Precht setzt sich dafür ein, Bedenken ernst zu nehmen, sie gegeneinander abzuwägen und die Digitalisierungsprozesse nach ihnen auszurichten, zudem die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen, um sozialen Unfrieden und den sogenannten „Sanduhreffekt“ (d.h. eine Arm-Reich-Spaltung) zu minimieren. Stattdessen müsse der „Zwiebeleffekt“ (d.h. eine Mittelstandsstärkung) angestrebt und Karl Marx insofern berücksichtigt werden, dass dieser ein Maximum an politischer Freiheit bei einem Minimum an wirtschaftlicher Freiheit (sodass Menschen andere nicht ausnutzen können) forderte. So könne sowohl Jugendarbeitslosigkeit als auch die Trennung zwischen Arm und Reich, wenn nicht langfristig abgeschafft, so zumindest so gering wie möglich gehalten werden. Für Precht sind sowohl intellektuelles als auch emotionales Verstehen notwendig (Maschinen haben keine Gefühle, während Menschen Gefühle brauchen, sie er- und durchleben müssen und auch aktiv nach ihnen suchen). Der Mensch habe in Zukunft weder bösen Willen noch Machtstreben seitens der KI zu befürchten, da die KI ethisch nicht programmierbar sei: Die menschliche Moral bleibe viel zu kontingent, unberechenbar, wechselhaft und vom individuellen Selbstwert jeden Einzelnen abhängig. Vielmehr bestehe die reelle Gefahr von KI in ihrem falschen Einsatz (der wiederum in Menschenhand läge).
Der zentralen Frage danach, wie KI einzuschätzen sei, widmet sich auch Wolfgang Welsch, indem er seinen philosophiehistorischen Blick erstmals explizit auf die digitale Revolution richtet. In Die Welt als Gewebe spannt er einen weiten Bogen zwischen Himmel (oder dem „Himmelszelt“) und Erde (auf die irdische „zeitgenössische Netzwerk-Euphorie“ eingehend) – zwischen Universum, Ökosystemen und dem Menschen. Seine ebenso transversale wie komparatistische Analyse der Gewebestruktur allen Seins beginnt bei antiken Mythen, Etymologien, Naturbeobachtungen und Sprachwelten, die sich rund um den Erdball auf den Kosmos beziehen. Ausgehend von Arachne und Platon führt Welsch den Leser über netzwerkartige Ansätze, Facetten und Denkanstöße von Leonardo da Vinci, D’Alembert, Goethe und Schopenhauer über Nietzsche, Whitehead, Wittgenstein, Tobey, Calvino, Deleuze und Guattari bis hin in die Bereiche der Physik (Stringtheorie) und an transdisziplinäre, literarische und holistische Denkmodelle sowie in seinem 21. (und vorletzten) Kapitel an das World Wide Web heran, um mit der fraglichen „zeitgenössischen Vernetzungs-Euphorie“ seinen originellen, selbst Rhizom-artigen Parcours zu beschließen. Der Netzgedanke ist, wie Welschs Buch zeigt, keineswegs neu, sodass sein Fazit zum WWW lautet, es sei fundamental oxymorotisch bzw. wesenhaft „ambivalent“,[23] nämlich „Gleitschirmflug“ und „Folterbank“ zugleich.[24] Für Welsch bleibt das Internet mit seinen „Verbindungen, [...] Übergänge[n], [...] Verflechtungen, Gewebe[n], Geflechte[n]“ – so seine ultimative Nachbetrachtung im 22. Schlusskapitel – zwar momentan als „der eine große Nenner der heutigen Welterfahrung und Weltauffassung“,[25] aber in weiser Voraussicht gelte es (mit Bezug auf Aristoteles und Hegel) doch, eine „vernünftige Balance“ beizubehalten und sich der Ambivalenzen des Netzes bewusst zu sein, um es „richtig“, nämlich „für genau das zu nutzen, was einem wertvoll und wichtig ist“.[26]

Skulptur „Unendliche Schleife" (1935-1953) von Max Bill; diese Version in Tranas Granit ausgeführt in 1974; Aufstellungsort: Stadtgarten, an der Hohenzollernstraße, Essen. Foto: Volker Wagenitz. Lizenz: CC0
Während Welsch seine Quintessenz in der Kunst und hier insbesondere, am Ende seines Buchs, in der Skulptur der Unendlichen Schleife (1974) des Schweizer Künstlers und Architekten Max Bill (1908-1994) als „total-inklusiv und doch zugleich höchst einfach“ verwirklicht sieht,[27] bereichern seit Ende der 2010er Jahren weitere, zwischen dem WWW und der KI differenzierende Intellektuelle die Verlagslandschaft mit gerade auch wieder kürzlich erschienenen Buchtiteln, die als besagte „KI-Philosophie“ neue kritische Denkanstöße liefern möchten. Sie prüfen etwa, ob Maschinen wirklich denken, ein echtes Bewusstsein besitzen und wie Intelligenz definiert werden kann, oder ob digitale Systeme nur rechnen, d.h. Daten verarbeiten und simulieren. Ziel ist es zu eruieren, ob menschliches Denken einzigartig ist oder als ein biologischer Algorithmus aufgefasst werden kann, inwieweit Maschinen moralische Entscheidungen treffen dürfen, wie man Werte im KI-Zeitalter schützt (KI-Alignment) und was den Menschen von einer funktionalen Maschine unterscheidet.
11. Auf dem Weg zu einer „KI-Philosophie“?
Autoren, die dieser „Philosophie der Künstlichen Intelligenz“ zugerechnet werden, verbinden somit Fragen aus der Philosophie des Geistes, der Ethik und der Erkenntnistheorie mit der technischen Realität von Computersystemen. Zu den international führenden Denkern und Philosophen, die sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz, Fragen der Moral sowie der Interaktion zwischen KI und dem menschlichen Bewusstsein befassen, gehören u.a. Roberto Simanowski (geb. 1963), Luciano Floridi (geb. 1964), Nick Bostrom geb. 1973) und Markus Gabriel (geb. 1980). Um nur einige rezente Titel der späten 2010er und der 2020er Jahre in ihrer hier relevanten chronologischen Publikationsreihenfolge exemplarisch anzuführen, so hat zunächst der schwedische Philosoph und Zukunftsforscher (früher Universität Oxford) Nick Bostrom die Debatte um Existenzrisiken und die Kontrolle einer eventuellen Superintelligenz maßgeblich geprägt. Sein Buch über Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution (2014)[28] gilt als das Standardwerk über die Risiken und Kontrollprobleme einer die Menschheit übertreffenden Maschinenintelligenz sowie über die digitale Revolution per se. Um deren wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen zu begegnen, so die politische Aussage des Buchs, müsse kollektiv gehandelt werden. Sie durchzieht auch den eigens für deutschsprachige Leser 2018 zusammengestellten Essayband über Die Zukunft der Menschheit: Aufsätze.[29]
Nach Bostroms kritischer Vorlage zum Thema „Superintelligenz“ hat der in Rom geborene italienische Philosoph Luciano Floridi – derzeitiger Direktor des Digital Ethics Lab an der University of Oxford in Großbritannien und Pionier der Informationsethik – zwei philosophische und gesellschaftskritische Bücher verfasst, die sich direkt mit Künstlicher Intelligenz, der digitalen „Infosphäre“, Online-Epoche und philosophischen Kartierung unserer digital durchkreuzten Realitäten auseinandersetzen: Die 4. Revolution: Wie die Infosphäre unser Leben verändert[30] beschreibt den epochemachenden Wandel durch digitale Technologien und KI, während The Ethics of Artificial Intelligence: Principles, Challenges, and Opportunities[31] eine umfassende philosophische Grundlegung der KI-Ethik umreißt.
Diesem europäischen, technokapitalistisch zumeist gegendiskursiv ausgerichteten Publikationstrend zum Thema KI folgten schließlich auch folgende zwei bekannte philosophische Stimmen: So hat der deutsche Medienphilosoph und Publizist Roberto Simanowski zuletzt in seinem Buch Sprachmaschinen. Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz (München, Beck, 2025) analysiert, wie generative KI-Modelle das menschliche Denken, Schreiben und die Kultur verändern, wobei er bereits seit Beginn der 2000er Jahre über digitale Literatur, kollaboratives Schreiben im Netz oder Bildungsfragen im Zeitalter der Digitalisierung arbeitet und publiziert. Zuvor hatte Simanowski mit Stumme Medien. Vom Verschwinden der Computer in Bildung und Gesellschaft (Berlin, Matthes & Seitz, 2018) eine bildungskritische Bestandsaufnahme des digital turn vorgelegt, während der Bonner Professor für Erkenntnistheorie Markus Gabriel in seiner Neuerscheinung Ethische Intelligenz: Wie KI uns moralisch weiterbringen kann (Berlin, Ullstein, 2026) die Grenzen maschinellen Denkens moralisch fokussiert. Gabriel erforscht, wie KI im menschlichen Kontext einzuordnen ist, um für ein aktuelles Plädoyer zugunsten einer wertebasierten Co-Evolution von Mensch und KI, die als moralischer „Spiegel“ fungieren kann, einzutreten. Zuvor hatte der Vertreter der neurealistischen, tendenziell mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Logik mit Der Sinn des Denkens (Berlin, Ullstein, 2018) bereits damit begonnen, die Grenze zwischen biologischem Denken und maschineller Simulation auszuloten. In einer aktuellen Buchankündigung unter dem Titel Die radikale Freiheit der Kunst. Eine Verteidigung (Berlin Ullstein, 2026) widmet sich Gabriel dem Wesen der Kunstfreiheit, d.h. Fragen bezüglich der Grenzen künstlerischer Freiheit und der moralischen Verantwortung des Künstlers.
Ergänzend zur erfreulichen Nachfrage nach Philosophen im KI-Zeitalter lassen sich auch originelle Titel und aktuelle Vorstöße im Bereich der Ratgeber und anspruchsvollen Literatur registrieren, für die hier stellvertretend nur jeweils kurz Eva Weber-Guskars Gefühle der Zukunft. Wie wir mit emotionaler KI unser Leben verändern (Berlin, Ullstein, 2024) angeführt und auf den demnächst erscheinenden Roman von Pulitzer Preisträger Ayad Akhtar, The Radiance: A Novel (New York, Summit Books / Simon & Schuster, 2026) – zu Deutsch etwa: „Der Glanz. Ein Roman“ – hingewiesen sei.

Till Nowak: Presence, 2017, Filmstill
12. Schluss
Jenseits des Digital-Hypes sagen nicht wenige Denker und Autoren der hier erwähnten gesellschaftskritischen Bücher, die sich direkt mit Künstlicher Intelligenz oder generell mit digitalen Informations- und Sprachmaschinen auseinandersetzen, bereits das Ende des KI-Booms voraus, indem sie von einer herannahenden Börsendämmerung sprechen. Sie werten dabei verschiedene Ansätze in der Philosophie der Künstlichen Intelligenz aus, die bereits in den 1950er-Jahren mit den Anfängen der modernen Computertechnik begann: Als präzisierte Geburtsstunde und Meilenstein der philosophischen KI-Historie gilt das Jahr 1950, in dem sich der britische Mathematiker, Logiker, Kryptoanalytiker und Theoretiker der Informatik Alan Turing (1912-1954) bereits die Frage stellte, ob Maschinen denken können, und den Turing-Test (um das Vorhandensein von KI zu überprüfen) begründete.
Die Wurzeln des Nachdenkens über künstliches Denken reichen jedoch weit in die Geschichte der Philosophie zurück, wie Welschs Überblick in Die Welt als Gewebe anschaulich illustriert: Lange bevor der durch die Dekodierung der Enigma-Maschine der Nazis während des 2. Weltkriegs und besagten späteren Turing-Test berühmt gewordene Turing seinen Aufsatz über denkende Maschinen und das Imitationsspiel (Imitation Game) 1950 veröffentlichte,[32] dachten Philosophen – von Aristoteles (Abschaffung von Sklaven durch autonomes Werkzeug) über René Descartes und Thomas Hobbes (die den menschlichen Körper und den Geist mit mechanischen Rechenwerken verglichen) – über automatische Werkzeuge und den Einsatz von Maschinen nach. Im Sommer 1956 wurde der Begriff der Künstlichen Intelligenz auf der Dartmouth Konferenz (Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence am Dartmouth College) in Hanover, New Hampshire, USA der wissenschaftstheoretisch interessierten Community – wie hier eingangs erwähnt – präsentiert, womit die sowohl technische als auch analytische KI-Debatte eröffnet war. Die Teilnehmer waren damals der Auffassung, „dass Denken auch außerhalb des menschlichen Körpers möglich sein müsse, dass Denken mit wissenschaftlichen Methoden formalisiert werden könne, und das beste Werkzeug hierfür digitale Rechner seien“.[33]
Nachdem dann 1980 zu Beginn des postmodernen Zeitalters der US-amerikanische Philosoph John Searle (1932-2025) sein berühmtes Gedankenexperiment, das als der „Chinesische Raum“ (oder das „Chinesische Zimmer“) Geschichte schrieb und zeigte, dass Computer zwar die Syntax, aber nicht die Semantik begreifen – also Intelligenz nur simulieren, aber über kein eigenständiges Verstehen oder Bewusstsein verfügen –, steht eine endgültige konsensuale Meinung bezüglich der heutigen Ethik rund um moderne KI-Systeme zwar noch aus. Aber gerade aus diesem Grund wäre es lohnend, einige der hier angerissenen Positionen in einem nächsten Transkulturalitätskongress – evtl. unter dem Dekolonialisierungsaspekt, den Iain Chambers vertritt und den Wolfgang Welsch in der Kunst beispielhaft als zugleich asymmetrischen sowie harmonisierenden Diskurs abgebildet sieht – weiterführend zu beleuchten, zu ergründen und zu diskutieren.
Zwar haben zunächst die Auftaktveranstaltung der Konferenzreihe in Macerata von 2025 vorbereitend und nun die weiterführenden Rigenser Gespräche im Rahmen des 2. Internationalen Kongresses über Transkulturelle Studien dieses Jahr bereits verschiedene transdisziplinär und transkulturell geprägte Gebiete zusammengetragen, die im Kontext von KI und Kultur von besonderem Interesse scheinen und über die wir bessere Kenntnisse erwerben müssen, um den umfangreichen Herausforderungen der Gegenwart (und Zukunft) lösungsorientiert und kreativ begegnen und entsprechen zu können. Doch es gäbe bezüglich der sich zuspitzenden Abhängigkeiten vom Internet und von einer komplizierten digitalen Infrastruktur noch zahlreiche weitere Aspekte und Entwicklungen im digitalen Zeitalter zu verfolgen, zu erhellen und kritisch auszutarieren. Vorläufig konnte der 2. Internationale Kongress zum Thema KI und Transkulturalität herausstellen, dass Anwendungsbeispiele rund um die KI – aus immer wieder neuen Perspektiven betrachtet – etliche Handlungsvariationen und -möglichkeiten eröffnen und zulassen, obwohl die KI letztlich doch nur Wahrscheinlichkeitsmaschinen zur Verfügung stellt – die jedoch, als von Menschenhand funktional erfundene, auch von Menschen ideenreich beeinflussbare, ergo variabel einsetzbare Artefakte bleiben.
Jenseits der Kongressergebnisse und Diskussionen in Riga lässt sich konstatieren, dass obwohl sich die Künstliche Intelligenz wirtschaftlich und politisch in den Händen einiger weniger Monopole befindet, die das Hoheitsrecht auf die Kontrolle und Macht über die KI beanspruchen, auf die öffentlich oftmals vehement vorgetragenen und medial verbreiteten dystopischen Bedenken gegen die KI erwidert werden kann, dass – da sich KI der Daten aller Menschen bedient – auch alle Menschen über deren Benutzung aktiv oder passiv mitentscheiden sollten. Zudem zeigen allein die hier erwähnten rezenten Äußerungen von OpenAI-Chef Sam Altman oder der aufstrebenden KI-Philosophen, dass einerseits der KI ebenso materielle wie auch technische Grenzen – insbesondere was die ökowirtschaftlich nur eingeschränkt verfügbaren Energieressourcen für einen ungehinderten Ausbau der Rechenkraft betrifft – gesetzt sind. Andererseits wurde aber auch deutlich, dass sich gesellschaftliche Trends wachsam gegenüber einer Überbeeinflussung seitens der KI auf die menschliche Entwicklung verhalten. Die allgemeine soziale Skepsis zeigt sich derzeit insbesondere im schulischen und vorschulischen Bildungs- und Erziehungsbereich, wo u.a. nicht nur Maßnahmen für eine Altersbegrenzung für den Gebrauch von Social Media (seit dem weltweiten Regulierungsvorstoß Australiens, das ein striktes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige im Dezember 2025 eingeführt hat, wobei die Tech-Konzerne unter Androhung harter Geldstrafen unmittelbar verantwortlich für die Altersprüfung gemacht worden sind) neu überdacht werden. Vielmehr setzen sich gegenwärtig auch Forderungen nach weniger Bildschirmzeit und mehr analogen Erlebnissen für Kinder in ihrem privaten Lebensumfeld seitens der derzeitig in der Verantwortung stehenden Elterngeneration (Retro-Parenting) durch.
Da der weitere Verlauf der KI-Revolution weder leicht überschaubar noch auf fundierter Basis konkret absehbar noch auf dem jetzigen Stand weitergehend bewertbar erscheint, sei an dieser Stelle als Schlusswort lediglich – zwecks Veranschaulichung und Bewusstseinssensibilisierung hinsichtlich der derzeit laufenden technischen Umwälzungen und turbulenten historischen Phase, deren Zeitzeugen und Mitgestalter wir sind – angeführt, dass der vorliegende Artikel nicht KI-generiert ist. Es sind aber Hintergrundinformationen mit Hilfe von KI recherchiert und partiell übernommen worden. Um noch genauer zu sein und um die Benutzung der gegenwärtig zur Verfügung stehenden technischen „Tools“ abschließend nicht nur schlicht Revue passieren zu lassen, sondern auch deren Zusammenwirken, Verwobenheit, Anwendungsspektrum und Nützlichkeit exemplarisch herauszustellen, liste ich als Resümee mein eigenes Vorgehen bei der Erstellung dieses Beitrags in KI-Sprache hier wie folgt auf.
Dieser Text wurde erstens 1.) auf dem weltweit meistverbreiteten Textverarbeitungsprogramm Microsoft Word geschrieben, das mit dem KI-System Microsoft 365 Copilot arbeitet, welches wiederum im Hintergrund auf großen Sprachmodellen wie GPT-4 von OpenAI basiert. (Nur zur Information: Microsoft Word gehört dem US-amerikanischen Technologiekonzern Microsoft Corporation, der bereits vor gut einem halben Jahrhundert – nämlich 1975 – von Bill Gates und Paul Allen gegründet worden ist). 2.) Zweitens entstand der Text durch Recherchen, die auf dem Browser Google Chrome und mit der Hilfe von dessen Suchmaschine Google durchgeführt wurden, die beide von der Firma Google Inc. 1998 entwickelt und lanciert worden sind (welche wiederum – zur Erinnerung – ebenfalls schon 1998, d.h. vor gut einem Vierteljahrhundert, Larry Page und Sergey Brin gegründet haben und die heute zu dem ursprünglich 2015 gegründeten US-amerikanischen Mutterkonzern Alphabet Inc. gehört). 3.) Und drittens habe ich für die Direktrecherche und zum Faktencheck auf das multimodale KI-System Gemini zurückgegriffen, das Google 2023 als zentrales Sprachmodell (als Technologie) und offiziellen Chatbot (als Anwendung) freigeschaltet hat.
Hinzukam ein wochenlanger und – wie für ca. 130 Millionen Menschen pro Tag weltweit auch – praktisch täglicher Besuch auf Wikipedia, eine digitale Enzyklopädie, die niemandem im wirtschaftlichen Sinn gehört. Rechtlich ist sie vielmehr Eigentum der gemeinnützigen, spendenbasierten US-amerikanischen Non-Profit-Organisation Wikimedia Foundation (WMF), während die Inhalte seit genau 25 Jahren von einer weltweiten Gemeinschaft freiwilliger Autoren kontinuierlich neu erstellt, teamorientiert geschrieben sowie in Zusammenarbeit aktualisiert und gepflegt werden. Das Projekt haben Jimmy Wales und Larry Sanger 2001 ins Leben gerufen, die jedoch keine kommerziellen Eigentümerrechte besitzen. Als „Freie Enzyklopädie“ gehört die nicht kommerzielle Wikipedia-Website somit einer ebenso „freien“ Öffentlichkeit und Gemeinschaft: Keine Firma oder Regierung entscheidet über die Artikel, wobei Kontrolle und Qualitätssicherung autonom durch eine Community proaktiver „Wikipedianer“ im Bottom-Up-Verfahren erfolgen.
Während auch der leitmotivisch dem Geben und Nehmen-Prinzip gewidmete Kongress in Riga deutlich gemacht hat, wie unübersichtlich, uneinheitlich und unreguliert ethische Richtlinien im Umgang mit KI zwar bislang noch sind, aber auch welch wertvolle Freiräume und kreative Möglichkeiten uns Künstliche Intelligenz derzeit bieten kann, so sollten wir in nächster Zukunft dieser Art von kollaborativen, der Menschenwürde möglichst weitestgehend konsensual entsprechenden und die Konvivialität auf dem Planet fördernden Maximen in Wirtschaft, Politik und Kultur dringend den Vorrang einräumen und ihr unsere ganze, „intelligente“, konstruktiv unterstützende Wertschätzung entgegenbringen.
Give and Take: Transdisciplinary Spaces of "Cohesive Netting"
From History to Augmented Realities and Al-Techniques
Riga, 30. Juni bis 2. Juli 2026
Kongressprogramm:
Links zum Programm vom Kongress 2nd International Congress of Transcultural Studies (auf Englisch und Italienisch) sind zu finden auf den Webseiten der Lettischen Kulturakademie in Riga (Latvian Academy of Culture, LAC):
sowie des Deutschen Romanistikverbandes (Romanistik.de)
oder der Internationalen Vereinigung der Professoren für Italianistik (Associazione Internazionale Professori di Italiano AIPI)
Publikation:
Wolfgang Welsch: Die Welt als Gewebe. Vom antiken Himmelszelt zur zeitgenössischen Netzwerk-Euphorie, Amazon, 2025
YouTube-Videos:
- Claudius Taubert: Taubert Talk mit dem Philosophen Wolfgang Welsch über Weltanschauungen, das Internet und Heidegger.
- Prof. John McCourt PhD, Rektor der Universität von Macerata, Italien, Grußwort anlässlich der Eröffnung vom 2nd International Congress of Transcultural Studies, Titel: Give and Take: Transdisciplinary Spaces of “Cohesive Netting”. From History to Augmented Realities and AI-Techniques, am 30.6.2026, im Theaterhaus “Zirgu Pasts” der Latvian Academy of Culture, Riga / Lettland, (auf Englisch).
Webseitenauftritt des deutsch-amerikanischen Digitalkünstlers, Grafikdesigners und Filmemachers Till Nowak.
Weiteres Illustrationsmaterial:
KI-illustrierter Querformat-Banner (Leaderboard) mit einem Kurzzitat aus dem Grußwort von Rektor John McCourt, Universitá di Macerata, Italien in Kooperation mit der Latvian Academy of Culture (LAC), Lettland anlässlich der Eröffnung des 2nd International Congress of Transcultural Studies am 30.6.2026 in Riga, Lettland.
Fußnoten:
[1] République et canton de Genève: „Die Erfindung des World Wide Web“, in: Genève Internationale – Freiheit, Recht und Wohlergehen, online: https://www.geneve-int.ch/de/die-erfindung-des-world-wide-web.
[2] Der am 31.8.1955 gestellte Antrag führte im Folgejahr zu der sich über fast zwei Monate erstreckenden, denkwürdigen Dartmouth Konferenz (auch: „Dartmouth Conference“ oder „Dartmouth Workshop“) unter dem Titel Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence, abgehalten am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, USA, 19.6.-16.8.1956. Hauptantragsteller war der am Dartmouth College tätige US-amerikanische Computerspezialist und Kognitionswissenschaftler John McCarthy (1927-2011), der die Konferenz mit Hilfe seiner Mit-Initiatoren Marvin Minsky, Nathaniel Rochester und Claude Shannon organisiert hat, um über Computer, die Verarbeitung natürlicher Sprache, neuronale Netze, Berechenbarkeitstheorien sowie Abstraktion und Kreativität zu diskutieren – Themen, die bis heute die Hauptfelder, -interessen und -anwendungsbereiche der KI umreißen. Vgl. hierzu das auf der Webseite der Stanford University, USA einzusehende Dokument von John McCarthy: „A Proposal for the Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence“, 3.4.1996, online: https://www-formal.stanford.edu/jmc/history/dartmouth/dartmouth.html).
[3] Wolfgang Welsch: Die Welt als Gewebe. Vom antiken Himmelszelt zur zeitgenössischen Netzwerk- Euphorie, Torrazza Piemonte, Amazon Italia Logistica, 2025.
[4] Gianni Vattimo, Wolfgang Welsch (Hgg.): Medien – Welten Wirklichkeiten, München, Fink, 1998.
[5] Iain Chambers, Marta Cariello: The Mediterranean Question, Santa Barbara (CA), USA, Punctum Books, 2025.
[6] Interview mit Sam Altman von Felix Holtermann: „Thema des Tages: ‚Ich spreche lieber mit einem Menschen als mit KI‘, Sam Altman“, in: Handelsblatt, 14.-16.8.2026, Nr. 155, S. 6-13, hier: S. 6.
[7] Interview mit Sam Altman von Felix Holtermann, in: Handelsblatt, a.a.O., S. 9.
[8] Interview mit Sam Altman von Felix Holtermann, in: Handelsblatt, a.a.O., S. 11.
[9] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 193-198.
[10] Tim Berners-Lee, Stephen Witt: This is For Everyone: The Unfinished Story of the World Wide Web, London / New York, Pan Macmillan, 2025 (Deutsch: This Is for Everyone. Die unvollendete Geschichte des World Wide Web, übers. von Karsten Petersen, Hamburg, Rowohlt, 2025).
[11] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 194.
[12] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 195.
[13] Deutsch: Die Gutenberg Galaxis: Das Ende des Buchzeitalters, übers. von Max Nänny, Düsseldorf, Econ, 1968.
[14] Deutsch: Die magischen Kanäle: Understanding Media, übers. von Meinrad Amann, Düsseldorf / Wien, Econ, 1968.
[15] Erste deutsche Übersetzung: Das Medium ist Massage, übers. von Max Nänny, Frankfurt am Main / Berlin, Ullstein, 1969; neuere deutsche Ausgabe: Das Medium ist die Massage. Ein Inventar medialer Effekte, übers. von Martin Baltes und Rainer Höltschl, Stuttgart, Tropen bei Klett-Cotta, 2011.
[16] Till A. Heilmann: „Digitalität als Taktilität. McLuhan, der Computer und die Taste“. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft. Jg. 2, Heft 03 (2/2010): S. 125–134, online: https://dx.doi.org/10.25969/mediarep/2490 (DOI), https://zfmedienwissenschaft.de/heft/text/digitalitaet-als-taktilitaet.
[17] Interview mit Sam Altman von Felix Holtermann, in: Handelsblatt, a.a.O., S. 9.
[18] Interview mit Sam Altman von Felix Holtermann, in: Handelsblatt, a.a.O., S. 9.
[19] Die Firma OpenAI hat ihr neues Produkt ChatGPT offiziell am 30.11.2022 der Öffentlichkeit vorgestellt (OpenAI: „Product: Introducing ChatGPT“, 30.11.2022, online: https://openai.com/index/chatgpt/).
[20] Deutsch: The Technological Republic: Über die Macht des Silicon Valley und die Zukunft des Westens, übers. von Jörn Pinnow, Enrico Heinemann und Tobias Gabel, München, FBV, 2025.
[21] Deutsch: Am Ende des Fortschritts. Überleben in den Ruinen des Kapitalismus, übers. von Gregor Wakounig, München, dtv, 2026.
[22] Yasuo Deguchi: “The WE-turn of Values: Principles”, in: The Journal of Philosophical Studies, („The Tetsugaku Kenkyu“), Nr. 614, 2025, S. 1-43, online: http://hdl.handle.net/2433/297739. (DOI), (Kyoto University): https://repository.kulib.kyoto-u.ac.jp/items/ef0e0c04-83b7-4ecd-84a0-d0cd5f9faff8 (PDF).
[23] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 202.
[24] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 198.
[25] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 202.
[26] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 203/204.
[27] Welsch: Die Welt als Gewebe, a.a.O., S. 204.
[28] Nick Bostrom: Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution, übers. von Jan-Erik Strasser, Berlin, Suhrkamp, 2014 (engl. Originaltitel: Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies, Oxford, Oxford University Press, 2013).
[29] Nick Bostrom: Die Zukunft der Menschheit: Aufsätze, übers. von Jan-Erik Strasser, Berlin, Suhrkamp, 2018.
[30] Luciano Floridi: Die 4. Revolution: Wie die Infosphäre unser Leben verändert, übers. von Axel Walter, Berlin, Suhrkamp, 2015 (engl. Originaltitel: The Fourth Revolution. How the Infosphere is Reshaping Human Reality, Oxford, Oxford University Press, 2014).
[31] Luciano Floridi: The Ethics of Artificial Intelligence: Principles, Challenges, and Opportunities (Deutsch wörtlich: „Die Ethik der künstlichen Intelligenz: Prinzipien, Herausforderungen und Chancen“), Oxford, Oxford University Press, 2023.
[32] Alan M. Turing: „Computing Machinery and Intelligence“, in: Mind, Bd. LIX, Nr. 236, 1950, S. 433-460, online: 10.1093/mind/LIX.236.433 (DOI), (Universität Münster): https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/urn/urn:nbn:de:hbz:6:1-85465 (PDF).
[33] Jörg Klawitter: „Metzler Lexikon Philosophie: Künstliche Intelligenz“, in: Spektrum, online: https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/kuenstliche-intelligenz/1180.
Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)
Kommentare powered by CComment