Kultur, Geschichte & Management
Foto: Archäologische Staatssammlung, Stefanie Friedrich

Die Archäologische Staatssammlung in München widmet sich in einer Sonderausstellung den Gladiatoren des römischen Imperiums.

 

Der Gladiator ist die populärste Figur der römischen Welt. Er verkörpert den Kampf auf Leben und Tod, die extreme Unterhaltung, das maximale Risiko, aber auch die Aussicht auf größten Ruhm. Gladiatorenkämpfe lieferten spezifisch römische Antworten auf Fragen zum Leben und zum Tod. Sie führten exemplarisch und vor der größtmöglichen Öffentlichkeit vor Augen, wie man dem Tod entgegentreten solle: nämlich mit Tapferkeit und Todesmut!

 

Diese römischen Kardinaltugenden wurden in der Arena in einem mitreißenden Spektakel zur Schau gestellt. Gladiatoren waren Männer des Schwertes; ihren Namen erhielten sie vom Schwert der Legionäre, dem „Gladius“. Im Durchschnitt starben sie bereits mit 27 Jahren, wie Grabsteine belegen. Neben der Ausstattung der Gladiatoren waren auch die Disziplin und die Trainingsmethoden nach militärischem Vorbild ausgerichtet. Legionäre und Gladiatoren verkörperten mit Tapferkeit, Disziplin und Siegeswillen zentrale Werte der römischen Gesellschaft.

 

In der Ausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ wird die Geschichte der Gladiatoren erzählt, mithilfe immersiver Elemente, Videoprojektionen, Animationen und lebensechter Rekonstruktionen. Highlights der Ausstellung sind römische Originalobjekte aus der Gladiatorenschule von Pompeji sowie Leihgaben aus dem Archäologischen Nationalmuseum in Neapel. Aus dem gesamten Römischen Reich wurden bislang nur 62 erhaltene Ausrüstungsobjekte von Gladiatoren gefunden; sieben der Wichtigsten sind nun zu sehen: drei Gladiatorenhelme und vier reich verzierte Beinschienen. Besonders ein Helm sticht ins Auge: Darin sind germanische oder keltische Gefangene abgebildet, weshalb die Schlussfolgerung nahe liegt, dass der Träger aus Germanien oder Gallien stammte.


Gladiatoren_00_F_Stefanie-Friedrich.jpg
Einiges ist erforscht, vieles bleibt im Dunkeln. Eine Statistik aus dem ersten Jahrhundert belegt: Es sind etwa 100 Gladiatorenkämpfe im gesamten Römischen Reich nachweisbar; daran beteiligt waren 200 Gladiatoren; 19 davon sind gestorben; die Überlebenschance lag somit bei 9:1 – also anders als in modernen Filmen dargestellt. Während der gesamten Regierungszeit des Kaisers Augustus (27/23 v. Chr. – 14 n. Chr.) fanden lediglich acht große, jeweils mehrere Tage dauernde Gladiatorenspiele, sogenannte „Munera“, mit mehr als 10.000 Gladiatorenpaaren statt. Die größten Gladiatorenspiele fanden unter Trajan Anfang des 2. Jahrhunderts statt, an 123 Tagen gingen etwa 10.000 Paare an den Start. Die Kämpfe waren wegen des Gewichts der Ausrüstung (etwa 20 kg!) nur kurz, dafür aber heftig, sie dauerten etwa 5–10 Minuten. Dazwischen erfreute ein Begleitprogramm aus Tierhetzen, Werbeeinlagen etc. das Publikum. Die Ausstellung beleuchtet verschiedene Aspekte, u. a. Alltag und Ausbildung, Ausrüstung und Kampftypen, medizinische Versorgung, Ablauf und Bedeutung der Spiele, Mythen und historische Fakten.

 

Nördlicher Blick auf die Arena

Es werden nicht nur Originale aus dem Archäologischen Nationalmuseum in Neapel, sondern auch spektakuläre Objekte aus den römischen Provinzen nördlich der Alpen gezeigt.

 

Die Ausstellung nimmt Besucher im unterirdischen Sonderausstellungsraum des Museums mit in die größte Arena des römischen Weltreiches. Das Kolosseum (Amphitheatrum Flavium) in Rom bot den Rahmen für die Gladiatorenkämpfe: mitten in Rom gelegen, gleichsam Symbol des römischen Imperiums, ein Weltwunder damals wie heute. Gladiatorenkämpfe und Amphitheater waren jedoch keineswegs ein Phänomen, das sich auf Italien oder den mediterranen Raum beschränkte. Dementsprechend widmet sich die Archäologische Staatssammlung auch den Provinzen nördlich der Alpen. Mit der Expansion des Imperium Romanum nach Norden gelangte die Begeisterung für die blutigen Kämpfe und Tierhetzen bis an den Rhein und an die Donau. Die ersten Amphitheater entstanden noch im 1. Jahrhundert n. Chr. an den Standorten der Legionen, im folgenden Jahrhundert dann auch in den größeren Städten. Selbst bei einigen Kastellen am Limes sind kleine Arenen entdeckt worden, die allerdings, wie die Anlage von Künzing in Niederbayern, dem antiken Quintanis, überwiegend aus Holz erbaut waren. Das kleine Amphitheater hatte einen Durchmesser von gut 44 Metern und bot mit seinen rekonstruierten drei Sitzreihen sowie Stehplätzen im obersten Rang rund 500 Besucherinnen und Besuchern Platz (zum Vergleich: Das Kolosseum fasste 50.000 Besucher, ist aus heutiger Sicht somit vergleichbar mit einer Fußballarena). Ein Modell jener Arena können die Besuchenden in der Ausstellung direkt mit einem Modell des Kolosseums in Rom vergleichen.

 

Kolosseum PixabayKolosseum. Foto: Pixabay

 

Unweit des Amphitheaters von Künzing wurde 1998 ein bemerkenswerter Bronzekrug gefunden, dessen Verzierung auf dem Griff das Gladiatorenthema aufgreift: Zwei Amoretten treten als Gladiatoren gegeneinander an. Abgebildet werden zudem Waffen und ein Korb mit Preisgeld, von dem nur ein Fünftel dem Gladiator selbst zufiel. Der Hauptteil ging an den Veranstalter. Ein weiteres prominentes Fundstück vom Limes ist ein Greifenkopf-Aufsatz aus dem Kastell auf dem Zugmantel bei Wiesbaden, der an einem Galdiatorenhelm angebracht war. Das ausdrucksstarke Objekt bezeugt, dass prachtvolle Gladiatorenrüstungen auch an den Rändern des Imperiums getragen wurden. Ein Keramikbecher aus Langenhain (Hessen), gefunden am Limes, stellt den vollständigen Typ des Gladiatorenkampfes dar: den „Kampf um die Brücke“. Abgebildet ist ein Retiarius (Netzkämpfer mit Dreizack), der von Secutores umkämpft wird, die er mit Steinen bewirft. Auch die Namen der Gladiatoren wurden darauf notiert.

 

Gladiatoren SchaleTerra Sigillata Bilderschüssel mit Ritzinschrift: VESSTIGATORVM („Besitz der Tierfänger“) aus dem Kastell Zugmantel am Limes (Taunus). © Römerkastell Saalburg, Foto: Stefanie Friedrich

 

Vom Gladiatoren-Fieber der Provinzbevölkerung zeugen viele Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs, teils vor Ort als „Merchandising“-Artikel verkauft: Öllampen mit Reliefdarstellungen von Kämpfern, Gewandverschlüsse (Fibeln) in Form von Gladiatoren- und Tierkampfgruppen oder ein Graffito, das ein Fan auf einem Wetzstein aus dem Taunus eingeritzt hatte. Die Begeisterung der Massen war mit dem Enthusiasmus und Fanatismus heutiger Fußballfans zu vergleichen – auch Massenschlägereien gab es bereits. Besonders eindrucksvoll ist auch die ausgestellte Öllampe aus Wehringen, die eine Unterwerfungsszene darstellt: Mit erhobenem Finger gibt sich der darauf abgebildete Gladiator geschlagen. „Kämpfen bis zum Fingerzeig“ war Teil der festgelegten Regeln – dem Publikum oblag, mit diesem Gestus über das Leben und den Tod des Kämpfers zu entscheiden.

 

Plakatmotiv GladiatorenKurzfakten

- Durchschnittlich 27 Jahre alt wurde ein Gladiator, vereinzelt kämpften auch Frauen.

- Gladiatoren ernährten sich hauptsächlich vegetarisch, viele von ihnen hatten Familie.

- Nur wenige kämpften freiwillig, die meisten waren Sklaven oder ehemalige Verbrecher. 

- Etwa 100 Gladiatorenkämpfe sind aus dem gesamten Römischen Reich allein im 1. Jh. belegt.

- Sieben von insgesamt 62 erhaltenen Fundstücken der Gladiatorenausrüstung aus dem gesamten Römischen Reich sind vertreten, jedes davon ist ein Unikat.

- Gladiatorenkämpfe waren nicht nur ein Phänomen südlich der Alpen.

- Hollywood und die antike Realität haben wenig gemeinsam, wenn es um Gladiatoren geht.

- Filme und interaktive Medienstationen, Hands-on-Elemente aus Rüstungsrepliken, ein immersiver Raum und ein spannendes Begleitprogramm entführen die Besuchenden in die Arena-Welt.


„Gladiatoren – Helden des Kolosseums“

Die Sonderausstellung ist zu sehen bis zum 3. Mai 2026 in der Archäologischen Staatssammlung (ASM), Lerchenfeldstr. 2, in 80538 München

Öffnungszeiten:

Di. Mi. Fr. Sa.: 10–17 Uhr; Do. So.: 10_19 Uhr

Weitere Informationen (ASM)

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Archäologischen Nationalmuseum in Neapel, Expona und Contemporanea Progetti.

 

Drei Abende, drei Filme.
Gemeinsam mit dem Neuen Maxim Kino und seinen Gästen reisen Kuratoren der Archäologischen Staatssammlung nach Hollywood und gehen der Frage nach, wie viel Geschichte wirklich im Film über Gladiatoren steckt.

Spartacus (Stanley Kubrick, 1960) – 18. Dezember 2025, 19 Uhr
Spartacus, ein thrakischer Sklave, wird in einer Gladiatorenschule ausgebildet, bricht jedoch aus und führt einen gewaltigen Sklavenaufstand gegen Rom an. Mit einer wachsenden Armee erringt er Siege, doch schließlich wird er militärisch besiegt und gefangen genommen. Anstatt seine Gefolgsleute zu verraten, stirbt er den Märtyrertod am Kreuz, während seine Vision von Freiheit weiterlebt. Mit Einführung durch den Kurator Dr. Harald Schulze.

Gladiator I (Ridley Scott, 2000) – 29. Januar 2026, 19.30 Uhr
Im antiken Rom wird der siegreiche General Maximus von dem machthungrigen Commodus verraten, seine Familie ermordet und er selbst versklavt. Als Gladiator kämpft er sich durch die Arenen, getrieben von dem Wunsch nach Rache und Gerechtigkeit. Im finalen Duell im Kolosseum besiegt er Commodus und stirbt, doch er findet Frieden im Jenseits bei seiner Familie. Mit Einführung durch den Kurator Dr. Bernd Steidl.

Gladiator II (Ridley Scott, 2024) – 5. Februar 2026, 19.30 Uhr
Lucius, der heimliche Sohn von Maximus, wird 16 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils in Numidien gefangen genommen und als Gladiator nach Rom gebracht, wo er in der Arena Rache sucht. Er erkennt seine wahre Herkunft, als Lucilla sich ihm offenbart, und er erhebt sich gegen die tyrannischen Kaiser Geta und Caracalla sowie den intriganten Macrinus. Im finalen Duell besiegt Lucius Macrinus, vereint die römischen Truppen und tritt an, dem Traum eines gerechteren Rom zu folgen. Mit Einführung durch den Kurator Dr. Bernd Steidl.

Tickets erhältlich beim Kino (https://neokinos.de/maxim) – Ausstellungsbesucher (desselben Monats) erhalten einen Euro Rabatt auf das Kinoticket bei Vorlage der Museumseintrittskarte vor Ort! (auch online buchbar)
Ort: Neus Maxim Kino, Landshuter Allee 33, 80637 München

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Kommentare powered by CComment


Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.