Theater & Tanz in und um Hamburg
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Das Hamburger Thalia Theater hat einen neuen Publikums-Hit: Regisseur Bastian Kraft verwandelte Hans Christian Andersens Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ in ein schillerndes, glitzerndes, dabei bitteraktuelles Gleichnis auf queere Identität und Trans-Erfahrung. Das Ergebnis: Ein wahnwitzig gut gemachter Mix aus Drag-Revue, Musik-Show und ganz realer Verletzlichkeit. Unbedingt ansehen!
Hans Christian Andersens „Kleine Meerjungfrau“ wird in der Literaturwissenschaft längst als autobiographische Schlüsselgeschichte verstanden
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Demis Volpi hat diesen Ballettabend noch in seiner turbokurzen Amtszeit als Intendant des Hamburg Balletts konzipiert. Nun wirkt „Fast Forward“ wie sein künstlerisches Vermächtnis: Vier Handschriften, vier ästhetische Welten – vom neoklassischen Kanon bis zur zeitgenössischen Uraufführung.
Vielfalt als Prinzip, das könnte in Hamburg Zukunft haben. Mehr davon!
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Im Schauspielhaus Hamburg hat die lettische Theaterregisseurin Yana Ross „Die Möwe“ von Anton Tschechow auseinandergenommen und als eine Art absurdes Sittenbild unserer Gegenwart wieder zusammengesetzt.
Komisch und tragisch zugleich. Das Ensemble spielt zum Niederknien gut.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
„Demokratie macht Arbeit", sagte Michel Abdollahi bei seiner Schlussrede im ausverkauftem Thalia Theater Hamburg gestern abend. Wohl wahr – und diese Arbeit (am Bildschirm) sollte man sich jetzt auch unbedingt machen, wenn man die sensationellen drei Prozesstage im Haus am Alstertor nicht live verfolgen konnte.
Mit dem „Prozess gegen Deutschland", auf die Thalia-Bühne gebracht von Milo Rau, kamen nun endlich auch die Hamburger in den Genuss dieses spektakulären Formats zur politischen Meinungsbildung, das der Schweizer Regisseur, Theaterautor, Hochschuldozent und Festivalleiter der Wiener Festwochen vor mehr als zehn Jahren als eigene Theaterform erfand und die man wohl als spannendste Erweiterungen des zeitgenössischen Theaters bezeichnen kann.
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- Geschrieben von: Frauke Hartmann -
Postpopulismus nach polnischem Vorbild
„Natürlich sind die Künste in der Lage, populistische und faschistische Ideologien zu killen“, sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda zur Eröffnung der Lessingtage im Thalia Theater und verwies auf Bruce Springsteen, der gerade das terroristische Vorgehen der ICE in Minneapolis zu einem millionenfach gelikten Song verarbeitet hatte, und auf Woody Guthrie, der es noch ohne Internet schaffte, gehört zu werden.
Brosda schloss den denkwürdigen Satz an: „Schauen wir in den Abgrund und zucken zurück – daraus kann die Kraft entstehen zu verhindern.“
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- Geschrieben von: Frauke Hartmann -
Agota Kristofs Roman „Das große Heft“ führt die Mechanismen des Kriegstraumas vor. Jetzt konfrontiert Karin Henkel am Deutschen Schauspielhaus die Literatur mit den Erlebnissen von Zeitzeugen des Hamburger Feuersturms.
Zunächst entsteht der Eindruck, in einem merkwürdigen schwarzen Konzertsaal zu sitzen: Notenständer, eine Dirigentin im karierten Hosenanzug mit 70er-Jahre-Brille, die herumläuft, aber keine Musiker, die spielen. Über allem schwebt eine überdimensionale Überwachungsanlage, ein metallener Ring, der an eine Drohne erinnert, bestückt mit Scheinwerfern, Lautsprechern, Kameras, Flutlicht. Dieser Raum von Katrin Brack ist schon mal alles andere als einladend.
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- Geschrieben von: Frauke Hartmann -
Christoph Marthaler hat einen Abend mit frühen Texten von Elfriede Jelinek im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses gestaltet und damit seine Trilogie über zurückgezogene Künstlergenies vollendet.
Star des Abends ist eine angerostete Wäscheschleuder der Firma Zanker, Boomern wahrscheinlich wohlvertraut aus der elterlichen Waschküche und heute als gute deutsche Wertarbeit immer noch im Ebay-Angebot.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Hannah Arendt (1906–1975) hat sich selbst nie als Philosophin verstanden. Gleichwohl war sie die bedeutendste politische Theoretikerin des 20. Jahrhundert.
Im Hamburger Thalia Theater lässt Rhea Lemans Stück „Arendt – Denken in finsteren Zeiten“[1] mit Corinna Harfouch in der Titelrolle das Leben dieser so klarsichtigen, furcht- und kompromisslosen deutsch-amerikanischen Jüdin Revue passieren. Und dieses Wort „Revue“ ist wörtlich zu nehmen.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Eine derartige Abrechnung mit Europa, seinen politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Errungenschaften, hat das Theater noch nicht erlebt: Frank Castorfs gut sechs Stunden langer „Hamlet“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg lässt keinen Zweifel daran, dass die Erste Welt am Ende ist.
Dieser „Hamlet“ ist eine Zumutung, keine Frage. Für Zuschauer wie für die fantastischen Schauspieler, die hier an ihre physischen und psychischen Grenzen gehen.
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- Geschrieben von: Frauke Hartmann -
Shakespeare ganz vorn auf Hamburgs Bühnen. Kampnagel und Thalia Theater eröffnen die Saison, das Schauspielhaus folgt.
Wo, wenn nicht im Theater, kann verhandelt werden, was jenseits von Normen und Paradigmen existiert, was sie in Frage stellt und damit wiederum deren Existenz bestätigt? Ist es nicht sogar die Kernkompetenz des Theaters, alles sein zu können, was es nicht ist? Man darf gespannt sein auf den „Hamlet“ des Regie-Titans Frank Castorf und wohl letzten Vertreters eines unverbildeten Machismo im Deutschen Schauspielhaus.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Die schreibende Zunft tut gut daran, mit Superlativen sparsam umzugehen, wenn sie jedoch ein Theaterabend verdient hat, dann dieser: „Böhm“, Gastspiel beim diesjährigen Hamburger Theaterfestival, inszeniert und auf die Bühne des St. Pauli Theaters gebracht von dem genialen österreichischen Multitalent Nikolaus Habjan und seinen elf ausdrucksstarken, selbstgebauten Puppen
Ja, genau, „Böhm“ ist Puppentheater. Aber eines, für das man eine neue Begrifflichkeit finden müsste. Standing Ovation, Gejohle und minutenlanger Stakkato-Beifall für eine überwältigende, absolut hinreißende, ebenso tiefgründige wie urkomische, atemberaubend intensive Geschichtsstunde in Sachen „Musik und Macht“.
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- Geschrieben von: Frauke Hartmann -
Das neue Mixed-Media-Projekt „Oh Europa! Dangerous Games“ des deutsch-italienischen Künstlerpärchens TÒ SU zeigt, wie politisch und berührend Theater sein kann.
Sie alle haben, jede und jeder für sich, eine Odyssee erlebt. Die 19jährige Abiturientin Yona, geboren in Palästina und aufgewachsen in Syrien, der 33jährige Frisörmeister Masoud, der als Afghane in Teheran nicht mehr sicher war, die 53jährige Irakerin Kafiya, die als 12jährige verheiratet wurde und einem Frauen und Menschen verachtenden System entfloh, der 15jährige, in Damaskus geborene und mittlerweile fünfsprachige Karim, der mit seiner Mutter zehn Jahre durch die Türkei irrte, und die 27jährige Mohadeseh aus Teheran, die mit ihrem Exfreund an der Grenze zu Griechenland selbst nach zehn brutalen Pushbacks nicht den Mut verlor.
Sie alle schafften es nach Hamburg und stehen Anfang Mai 2025 auf der Kampnagel-Bühne, um ihre haarsträubenden Geschichten zu erzählen, von denen jede einzelne schon abendfüllend sein könnte.
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- Geschrieben von: Marion Hinz -
Man lese und staune: Die deutsche Erstaufführung des Musicals „Cabaret“ fand am Theater Lübeck statt. Das war im Jahr 1971, fünf Jahre nach der Uraufführung am Broadway. 2005 war das Musical noch einmal in Lübeck zu erleben.
Jetzt bringt Schauspieldirektor Malte C. Lachmann das Stück hier erneut auf die Bühne des Großen Hauses - und findet erschreckende Parallelen im Heute. Besonders deutlich wird dies am Ende des Abends, wenn alles in Unordnung gerät: Die Szenerie kippt, die Elemente auf der Drehbühne kreisen um sich selbst und umeinander, die Menschen wirken desorientiert und desillusioniert, ihr Gesang klingt schräg, die Töne reiben sich aneinander. Betroffenheit, Chaos und Ratlosigkeit beherrschen die Szene, erreichen und ergreifen auch das Publikum. Regisseur Malte C. Lachmann dürfte sein Ziel erreicht haben. Wir gehen nachdenklich nach Hause.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Same Procedure As Every Year! Man mag sich gar nicht mehr vorstellen, wie eine Theatersaison ohne das HANSA-Theater ausgesehen hat.
130 Jahre alt wird Hamburgs Varieté-Juwel in diesem Jahr, das Thomas Collien und Ulrich Waller vor gut 15 Jahren wiederbelebten und das in über 2200 Vorstellungen mittlerweile fast eine Million Besucher verzeichnet – Grund genug für Kultursenator Carsten Brosda vor der Premiere selbst die Bühne zu betreten und seine Begeisterung für die atemberaubenden Darbietungen der zwölf Artistinnen und Artisten kundzutun: „Wie großartig ist das denn, dass Menschen so etwas können!
