Kultur Kolumne
- Details
- Geschrieben von: Dacia Maraini – Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Dagmar Reichardt -
Erschießung per Livestream: Die Entscheidung der USA wirkt wie ein Rückschritt – selbst im Vergleich zu Cesare Beccarias Traktat Über Verbrechen und Strafen.
Was ist von diesem Anstieg und dieser Legitimierung von sozialem Hass, staatlicher Rache, dem brutalen und ungezügelten Sprachgebrauch sowie der Billigung der Herabwürdigung des Gegners zu halten? Wie lässt sich das verstehen?
- Details
- Geschrieben von: Uta Bretsch -
„Scream your heart / wreck your brain“ – eine Krautrock-Binsenweisheit, hieß es einst in den Liner Notes zum 2020 veröffentlichten C.A.R.-Album „Befunde ab 1999“.
Das heute neu erschienene Album „Bäckerei 2000“ macht nun ernst damit. Nach den Eigenkompositionen von Valonia (2025) kehren die Musiker aus Köln und Berlin zu dem zurück, was sie auf „Befunde ab 1999“ zum ersten Mal erprobt hatten: Vier Tage, das eigene „Sauna“-Studio in der Berliner Gaswerksiedlung, kein Notenblatt, kein abgesprochenes Riff.
- Details
- Geschrieben von: Ruth Asseyer -
In ihrem neuen Buch „Schule der Elefanten“ rekonstruiert die englische Journalistin und Publizistin Sophy Roberts eine vergessene Afrika-Expedition aus dem Jahre 1879.
Damals leitete der irische Abenteurer Frederick Falkner Carter im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. eine Karawane, die vier indische Arbeitselefanten von Sansibar über Dar-es-Saalam quer durch Afrika zum Tanganjika-See und bis in den Kongo bringen sollte.
- Details
- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Seit Beethovens 9. Sinfonie zur Europahymne pervertiert wurde, weiß man, oder kann man wissen, dass schlechterdings alles – wohlwollend gesprochen – durch den Kakao gezogen werden kann.
Was in diesem speziellen Fall bedeutet und darauf hinausläuft, ein Stück Musik seinen eigenen partikulären – dieses falls weit ausgreifenden politischen – Interessen dienstbar zu machen.
- Details
- Geschrieben von: Hasko Witte -
Das Konzert ist zu Ende, der Saal leer, das Publikum längst auf dem Heimweg. Dann ist er plötzlich da: dieser Augenblick, in dem sich der nächtliche Charakter einer fremden Stadt offenbart – mit all ihrer Stille, ihrer Energie, ihrer Eigenart.
Für den Leipziger Pianisten und Komponisten Clemens Christian Poetzsch ist genau dieser nächtliche Zwischenraum – nach der letzten Note und vor dem Schlafengehen – zur Inspirationsquelle für sein neues Album geworden.
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
Der Singer-Songwriter, Gitarrist und Folk-Interpret Jake Xerxes Fussell veröffentlichte soeben sein neues Album „The Old Beloved Path“. In sechs einzigartigen und sehr persönlichen Studioalben hat Fussell seine musikalische Zukunft gefunden, indem er die Vergangenheit neu interpretiert, neu orchestriert und wieder zusammenführt.
Durch die originelle Kombination verschiedener traditioneller Musikquellen schafft er immer wieder frische Musikwerke, die zugleich in der Geschichte verwurzelt und auf geniale Weise modern und zeitgenössisch sind.
- Details
- Geschrieben von: Ruth Asseyer -
Angesichts des Erfolges rechtspopulistischer Bewegungen und Führungsfiguren wirkt das neue Buch der österreichischen Philosophin, Publizistin und Künstlerin Lisz Hirn höchst aktuell.
Sein Titel lautet „Gehorchen. Über das Wesen der Autorität“. Auf knapp 150 Seiten untersucht Lisz Hirn darin auf kluge, gut nachvollziehbare Weise die Begriffe „Gehorchen“ und „Autorität“ und versucht, Klarheit in deren weiten Bedeutungshorizont zu bringen.
- Details
- Geschrieben von: Hasko Witte -
Im September 2026 erscheint das neue Album des Mundharmonika-Virtuosen Konstantin Reinfeld und des Pianisten und Komponisten Benyamin Nuss beim Label Berlin Classics.
Mit Elevation widmen sich die beiden Künstler einer seltenen Besetzung: Mundharmonika, Klavier und Orchester. Gemeinsam mit dem Detmolder Kammerorchester haben sie zwei Werke eingespielt – die „Orchestral Suite for Harmonica, Piano and Chamber Orchestra" des Hamburger Komponisten Wolf Kerschek und das „Concerto for Harmonica, Piano and Orchestra" von Benyamin Nuss – beides Weltersteinspielungen.
- Details
- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Gesetzt den Fall, Gustav Mahlers Sicht auf und sein Verständnis der Weltbegebenheiten hatte, und dafür spricht Vieles, in etwa folgende Gestalt: Der Weltzustand ist einer voller „Lug und Trug, worin der Übermut in der Maske der Großmut und Wohltat, der Undank, die Verachtung und Empörung in der Maske der Dankbarkeit und Schmeichelei ihre Rollen spielen und sich wechselseitig anheucheln“.
Vor allem aber durchschaute er diese „Weltmaskerade“, hat sie mit musikalischem Geist geistreich erleuchtet und dekuvriert, „gleichsam die Musik zu diesem Karneval der Welt und Gesellschaft“ geschrieben. Der Tonsetzer konstatiert jedenfalls: „Zwischen Vergnügungen und Vergnügung besteht ein großer Unterschied.“ Ich jedenfalls habe selten Vergnügen an sogenannten Vergnügungen gehabt.“
- Details
- Geschrieben von: Uta Bretsch -
Der Wahl-Hamburger Achim Seifert grundiert als Sideman bei Trilok Gurtu oder dem norwegischen Trompeter Mathias Eick variabel die Grooves oder sorgt bei Udo Lindenberg, Max Mutzke, Leslie Clio und Eko Fresh für Erdung (und manchmal auch für Songs).
Als Leader seiner eigenen Formation, dem Achim Seifert Project, tritt er seit 2011 als Musiker und Komponist ins Rampenlicht.
- Details
- Geschrieben von: Hasko Witte -
Der schwedische Komponist und Pianist Matti Bye erinnert sich noch genau, wann er aufgehört hat, Musik zu konstruieren. Es war irgendwann während der langen Stunden, in denen er sich so lange in Debussy-Partituren verlor, bis die Noten verschwanden und nur noch der Klang blieb.
Kein Plan. Kein Ziel. Nur das Ohr, das Instrument und der Raum dazwischen. Diesen Zustand – das Verschwinden der Zeit, die seltsame Freiheit des völlig Gegenwärtigen – hat Matti Bye zum Ausgangspunkt für sein neues Soloalbum gemacht. The Length Between Dusk and Dawn in Minutes ist sein neues Album betitelt.
- Details
- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Der erste, kräftig und entschieden zu spielende Satz der 3., also der zwischen 1892 und 1896 komponierten d-Moll-Sinfonie Gustav Mahlers (1860–1911) für großes Orchester, Altsolo, Frauen- und Knabenchor, mag Robert Musil (1880–1942) den Gedanken eingegeben haben, seinen seit den 20er Jahren in Angriff genommenen „Fragment-Roman“ Der Mann ohne Eigenschaften zu komponieren, um damit letztlich zu … scheitern.
Nicht zuletzt auch deswegen zu scheitern, weil – ich werde es gleich vor dem Hintergrund der Haupt- und Staatsaktion, also der berüchtigten Parallelaktion, zu verifizieren versuchen – ein alles überwältigender militärisch-gewalttätiger Bombast sich zwangsläufig selbst ad absurdum führt, bzw. unwillkürlich der lächerlichsten, grotesk aufgeblasenen Lächerlichkeit überführt.
- Details
- Geschrieben von: Constanze Pfeiffer -
Es ist eine Überraschung, was aus dem portugiesischen „Labelkonglomerat" rund um den Musiker, Verleger und vieles mehr, Nuno Saraiva, hervorgeht: musikalische Perlen und Entdeckungen.
Nun haben wir es mit einer neuen Veröffentlichung der kanadischen Alt-Folk-Rock-Band „Red Orkestra“, die sich 2003 in Toronto gründete, zu tun, die vor bald 20 Jahren ein wahres Feuerwerk an Auftritten in Deutschland, beispielsweise 2012 beim Reeperbahn Festival in Hamburg, absolvierte und der Tour aus gutem Grund den Namen „Hyperventilation Tour" gab.
- Details
- Geschrieben von: Redaktion -
Nach ihrer Einspielung von Brahms’ Klavierkonzert Nr. 2 und den Drei Intermezzi op. 117 widmen sich Francesco Piemontesi, Manfred Honeck und das Gewandhausorchester Leipzig erneut dem Werk des Komponisten.
Die vorliegende Aufnahme verbindet das Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15 mit den Sechs Klavierstücken op. 118 und stellt damit zwei Werke aus weit auseinanderliegenden Schaffensphasen einander gegenüber.