Kultur Kolumne
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- Geschrieben von: Ruth Asseyer -
Was ein Leben mit Autismus bedeutet, ist wenig bekannt. Der jungen Schweizer Journalistin Sharleen Wüest gelingt es in ihrem neuen und ersten Buch etwas davon zu vermitteln, wie es sich anfühlt, seiner Umgebung fremd und überfordert gegenüberzustehen.
Unter dem Titel „Unsichtbar. Frauen hinter der Maske. Vom Leben mit Autismus“ erzählt die Autorin differenziert und feinfühlig die Geschichten von zehn Frauen. Alle haben jahrelang angestrengt versucht, sich anzupassen, gute Leistungen zu zeigen und nicht unangenehm aufzufallen – häufig mit Erfolg, doch letztendlich um einen hohen Preis.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Der italienisch-australische Pianist Jonathan Ferrucci, einer der aufregendsten jungen Musiker, legt seine mit Spannung erwartete zweite Aufnahme vor.
Nach den hochgelobten Toccaten von Johann Sebastian Bach durchleuchtet Ferrucci jetzt einen der bekanntesten und anspruchsvollsten Klavierzyklen Bachs: die sechs „Englischen Suiten", einen Kosmos barocker Musik aus konzertanten Präludien und französischen Tänzen.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Was geschieht, wenn vom Baum der Erkenntnis genascht wird, ist hinlänglich bekannt. In Francesco Bartolomeo Contis (1682–1732) Oratorium „La colpa originale“ wird der biblische Sündenfall nach fast dreihundert Jahren der Vergessenheit zum packenden Musiktheater voller dramatischer Wendungen, virtuoser Arien und überraschender musikalischer Farben – und zu einem Erlösungsversprechen.
Seine neuzeitliche Erstaufführung erlebte der musikalische Schatz am 20. September 2025 in einer Ko-Produktion des Festivals Alte Musik Knechtsteden mit dem Güldenen Herbst Thüringen unter der Leitung von Dorothee Oberlinger mit dem Ensemble 1700.
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- Geschrieben von: Redaktion -
„Trappings of Sleep“ vereint Saxophonistin Caroline Davis, Gitarristen Grey Mcmurray und Schlagzeuger Qasim Naqvi. In neun Stücken für Altsaxophon, E-Gitarre, Elektronik und Schlagzeug setzt sich das Trio mit Improvisation und Komposition als zwei eng miteinander verbundene Prozesse auseinander.
Die Zusammenarbeit der Musiker reicht bereits mehrere Jahre vor diesem Album zurück.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Es ist Nuno Côrte-Reals bislang wohl politischstes musikalisches Statement: Das Album „Blood“ versammelt zwei Werke, deren Entstehung um mehr als ein Jahrzehnt auseinanderliegt. Eingespielt mit den Berliner Symphonikern gehören sie zusammen wie zwei Seiten derselben Gegenwartsdiagnose.
Die Sinfonia 2022, op. 70, reagiert auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, jene Zäsur, die wie kaum ein zweites Ereignis ins kollektive Gedächtnis eingebrannt ist. Die Uraufführung fand im April 2025 in der Berliner Philharmonie statt. Die Banksters Suite, op. 75, herausdestilliert aus seiner gleichnamigen Oper von 2011, die im November 2024 in Parma uraufgeführt wurde, beleuchtet die andere, leisere Form der Gewalt: die unsichtbare Bedrohung der Zivilgesellschaft durch unkontrollierte Hochfinanz.
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- Geschrieben von: Dacia Maraini – Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Dagmar Reichardt -
Erschießung per Livestream: Die Entscheidung der USA wirkt wie ein Rückschritt – selbst im Vergleich zu Cesare Beccarias Traktat Über Verbrechen und Strafen.
Was ist von diesem Anstieg und dieser Legitimierung von sozialem Hass, staatlicher Rache, dem brutalen und ungezügelten Sprachgebrauch sowie der Billigung der Herabwürdigung des Gegners zu halten? Wie lässt sich das verstehen?
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- Geschrieben von: Uta Bretsch -
„Scream your heart / wreck your brain“ – eine Krautrock-Binsenweisheit, hieß es einst in den Liner Notes zum 2020 veröffentlichten C.A.R.-Album „Befunde ab 1999“.
Das heute neu erschienene Album „Bäckerei 2000“ macht nun ernst damit. Nach den Eigenkompositionen von Valonia (2025) kehren die Musiker aus Köln und Berlin zu dem zurück, was sie auf „Befunde ab 1999“ zum ersten Mal erprobt hatten: Vier Tage, das eigene „Sauna“-Studio in der Berliner Gaswerksiedlung, kein Notenblatt, kein abgesprochenes Riff.
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- Geschrieben von: Ruth Asseyer -
In ihrem neuen Buch „Schule der Elefanten“ rekonstruiert die englische Journalistin und Publizistin Sophy Roberts eine vergessene Afrika-Expedition aus dem Jahre 1879.
Damals leitete der irische Abenteurer Frederick Falkner Carter im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. eine Karawane, die vier indische Arbeitselefanten von Sansibar über Dar-es-Saalam quer durch Afrika zum Tanganjika-See und bis in den Kongo bringen sollte.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Seit Beethovens 9. Sinfonie zur Europahymne pervertiert wurde, weiß man, oder kann man wissen, dass schlechterdings alles – wohlwollend gesprochen – durch den Kakao gezogen werden kann.
Was in diesem speziellen Fall bedeutet und darauf hinausläuft, ein Stück Musik seinen eigenen partikulären – dieses falls weit ausgreifenden politischen – Interessen dienstbar zu machen.
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- Geschrieben von: Hasko Witte -
Das Konzert ist zu Ende, der Saal leer, das Publikum längst auf dem Heimweg. Dann ist er plötzlich da: dieser Augenblick, in dem sich der nächtliche Charakter einer fremden Stadt offenbart – mit all ihrer Stille, ihrer Energie, ihrer Eigenart.
Für den Leipziger Pianisten und Komponisten Clemens Christian Poetzsch ist genau dieser nächtliche Zwischenraum – nach der letzten Note und vor dem Schlafengehen – zur Inspirationsquelle für sein neues Album geworden.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Der Singer-Songwriter, Gitarrist und Folk-Interpret Jake Xerxes Fussell veröffentlichte soeben sein neues Album „The Old Beloved Path“. In sechs einzigartigen und sehr persönlichen Studioalben hat Fussell seine musikalische Zukunft gefunden, indem er die Vergangenheit neu interpretiert, neu orchestriert und wieder zusammenführt.
Durch die originelle Kombination verschiedener traditioneller Musikquellen schafft er immer wieder frische Musikwerke, die zugleich in der Geschichte verwurzelt und auf geniale Weise modern und zeitgenössisch sind.
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- Geschrieben von: Ruth Asseyer -
Angesichts des Erfolges rechtspopulistischer Bewegungen und Führungsfiguren wirkt das neue Buch der österreichischen Philosophin, Publizistin und Künstlerin Lisz Hirn höchst aktuell.
Sein Titel lautet „Gehorchen. Über das Wesen der Autorität“. Auf knapp 150 Seiten untersucht Lisz Hirn darin auf kluge, gut nachvollziehbare Weise die Begriffe „Gehorchen“ und „Autorität“ und versucht, Klarheit in deren weiten Bedeutungshorizont zu bringen.
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- Geschrieben von: Hasko Witte -
Im September 2026 erscheint das neue Album des Mundharmonika-Virtuosen Konstantin Reinfeld und des Pianisten und Komponisten Benyamin Nuss beim Label Berlin Classics.
Mit Elevation widmen sich die beiden Künstler einer seltenen Besetzung: Mundharmonika, Klavier und Orchester. Gemeinsam mit dem Detmolder Kammerorchester haben sie zwei Werke eingespielt – die „Orchestral Suite for Harmonica, Piano and Chamber Orchestra" des Hamburger Komponisten Wolf Kerschek und das „Concerto for Harmonica, Piano and Orchestra" von Benyamin Nuss – beides Weltersteinspielungen.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Gesetzt den Fall, Gustav Mahlers Sicht auf und sein Verständnis der Weltbegebenheiten hatte, und dafür spricht Vieles, in etwa folgende Gestalt: Der Weltzustand ist einer voller „Lug und Trug, worin der Übermut in der Maske der Großmut und Wohltat, der Undank, die Verachtung und Empörung in der Maske der Dankbarkeit und Schmeichelei ihre Rollen spielen und sich wechselseitig anheucheln“.
Vor allem aber durchschaute er diese „Weltmaskerade“, hat sie mit musikalischem Geist geistreich erleuchtet und dekuvriert, „gleichsam die Musik zu diesem Karneval der Welt und Gesellschaft“ geschrieben. Der Tonsetzer konstatiert jedenfalls: „Zwischen Vergnügungen und Vergnügung besteht ein großer Unterschied.“ Ich jedenfalls habe selten Vergnügen an sogenannten Vergnügungen gehabt.“
