CDs JazzMe

Auf dem Solo-Debütalbum des französischen Cellisten Gaspar Claus hört man fast ausschließlich sein Cello. Es wird gestrichen, gezupft, liebkost, geschlagen und manchmal mit der Hilfe von Effektpedalen verändert.

Es vermittelt auf innovative und suggestive Weise die Illusion, eine Vielzahl an Streichinstrumenten voll von harmonischem, rhythmischem und melodischem Potential zu hören.

 
Meinung

Wenn einem Hören und Sehen vergeht, oder: „der übersprungene Raum“.

Es gibt diese Bücher, bei denen man, Thomas Mann zitierend, ausruft: „Halt! Epoche! Das kommt zu mir!“ Bereits nach wenigen Zeilen oder gar Worten schrillen die Alarmglocken. Du weißt, jetzt bist du mit einem Autor konfrontiert, der dir was zu sagen hat, weil er was zu sagen hat. Weil einiges zusammenstimmt: Versiertheit, meint, ein schlafwandlerisches Beherrschen der Stofffülle, gepaart mit einer Klarheit des Wortes, die beweist, dass etwas bis auf den Grund gedanklich durchforscht und begriffen worden ist.

So auch und wie sehr im Falle dieses Autors: klar, nüchtern, streng ist die Schreibe. Kurzum, prägnant; treffsicher. Aber man merkt darüber hinaus, da meldet sich einer zu Wort, der Freude hat am Erkennen und Freude daran, das Erkannte und in vermutlich mühevoller Arbeit Durchdrungene weiterzugeben an Leser, die gleichfalls Freude und Enthusiasmus empfinden, wenn es darum geht, seinen geistigen Horizont zu erweitern. Oder ganz einfach schlauer zu sein danach als davor.

 
CDs JazzMe

Das russische Trio Vedan Kolod aus dem sibirischen Krasnojarsk widmet sich mit einem neuen Album, namens „The Tale of Igor’s Campaign“, ganz dem Mittelalter und dem Epos der Kiewer Rus.

Wörtlich aus dem alt-ost-slawischen übersetzt heißt die Dichtung: „Lied von der Heerfahrt Igors“, heute schlicht als das „Igorlied“ bekannt.

 
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Noch vor ein, zwei Jahren haben viele nicht gewusst, was Gendern eigentlich ist, aber schon längst entkommt ihm niemand mehr: Selbst in Tagesschau oder in den Nachrichten des Deutschlandfunks wird gegendert, und auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung das Gendern nach wie vor ablehnt, so wagt es doch kein Politiker, auf das „Splitten“ zu verzichten („Bäckerinnen und Bäcker“). Das generische Maskulinum gehört sich nicht mehr. Es hat abgewirtschaftet.

 
Meinung

Kant, auf den Alois Riehl im Ersten Band dieses nach der zweiten Auflage zitierten Dreiteilers Bezug nimmt, sagt in der transzendentalen Dialektik der Kritik der reinen Vernunft: „alle Bedingungen, die der Verstand jederzeit bedarf, um etwas als notwendig einzusehen, vermittelst des Wortes: unbedingt wegwerfen, macht mir noch lange nicht begreiflich, ob ich alsdann durch meinen Begriff eines unbedingt Notwendigen noch etwas, oder vielleicht gar nichts denke‘“ (I, 569).

Und Alois Riehl respondiert: „Auf der Höhe der Abstraktion drehen wir uns mit dem Dogmatiker ewig im leeren Kreise der Begriffe, erst durch die Beziehung auf das Wirkliche wird unser Wissen zum Beurteilen von etwas, was da ist, wird das jungfräuliche Denken durch gegenständlichen Inhalt befruchtet, und damit allererst Erkenntnis“ (I, 182).

 
CDs JazzMe

Nils Petter Molvær gehört zu den prominentesten Vertretern inmitten eines elektroakustischen Jazz- Hybriden, der seit den 1990ern zu einem eigenen Genre gewachsen ist.

Innerhalb dieses Feldes, das zuweilen auch als „Future Jazz" oder "Nu Jazz“ bezeichnet wird, ist der norwegische Komponist sowohl Pionier als auch Veteran, war er doch einer der ersten Jazzmusiker, der die aufkommenden digitalen und elektronischen Tendenzen um das Jahr 2000 herum in sein Schaffen einbezog.

 
Meinung

Die Welt konfrontiert uns zu jeder Zeit mit einer Fülle von Rätseln, sodass wir uns zuweilen selbst zum Rätsel werden: Woher kommt unsere Erde? Wie entstehen und entwickeln sich Natur, Zivilisation und Kultur? Wie hängen die einzelnen Ereignisse der Welt miteinander zusammen? Wo ist unser Platz als Menschen in dieser Welt?

Ist unser begrenzter Verstand überhaupt in der Lage, die Welt in ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit zu erfassen? Woher wissen wir, ob unsere Urteile und Entscheidungen richtig sind?

 
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Was ist in unserer Zeit umstrittener als der Islam? Vielen gilt diese Religion als der Ursprung eines fanatischen und irrationalen Terrors, und der übergroßen Mehrheit auch der gebildeten Europäer ist bereits die arabische Schrift fremd und unzugänglich – und damit fehlt ihnen (fehlt mir…) jede Möglichkeit einer näheren Beschäftigung mit einer Kultur, die einen großen Teil der Welt und immer mehr auch Teile unserer Städte bestimmt.

Umso wichtiger müssen Bücher wie dieses hier sein, das dem Leser in der Gestalt von fünfzehn farbigen Städteporträts eine Geschichte der islamischen Kultur bietet.

 
CDs KlassikKompass

Das Boreas Quartett Bremen und die Sopranistin Dorothee Mields bringen eine wenig bekannte Musikhandschrift der Renaissance zum Erklingen.

Mields, eine Spezialistin des 17. und 18 Jahrhunderts und an der Hochschule in Bremen unterrichtend, besitzt eine Stimme mit unverwechselbarem Timbre. Sie trifft auf ein bedeutendes Flöten-Quartett für Alte Musik und der Consort-Musik der Renaissance. Jin-Ju Baek, Luise Manske, Julia Fritz und Elisabeth Champollion sind alle in ihrem Fach meisterlich.

 
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Dresden. Was für eine Flut von Bildern stellt sich bei dem Namen dieser geschichtsträchtigen Stadt ein! Angefangen bei August dem Starken, über den Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg, bis zu den Friedensgebeten vor dem Mauerfall.

 

Michael Görings neues Buch „Dresden“ ist kein explizit historischer, auch kein explizit politischer Roman. Und doch sind Historie und Politik ständig gegenwärtig. Denn auch „das Private ist politisch“, wie es so schön heißt. Der „Roman einer Familie“, (Untertitel), belegt das beispielhaft. Anhand der Familie Gersberger spannt der Autor und scheidende Chef der ZEIT-Stiftung ein Gesellschaftspanorama auf, das ganz beiläufig aufzeigt, warum das SED-Regime scheitern musste.

 
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Für viele Prominente, so liest man allerorten, ist es der größte Wunsch, unbeachtet durch die Straßen zu gehen.

Für den Rezensenten ist das kein Problem, aber der Lübecker St. Petri-Pastor kann sich das erst einmal abschminken, denn sein Debüt als Romancier gelang spektakulär – zunächst wurde er in einem großen Artikel schon vor dem Erscheinen seines Buches gefeiert, dann ward sein Leseabend in der hiesigen Presse ausführlich besprochen und noch dazu im Regionalfernsehen dokumentiert, und schließlich prangt sein Porträt nicht allein im Klappentext seines Erstlings, sondern wurde auch in der seiner Bedeutung angemessenen Größe (20 cm!!) im Lokalblatt verbreitet.

 
CDs JazzMe

Die vier weiblichen Mitglieder der schwedische Vokalgruppe „Kongero“, gegründet 2005, kennen sich seit dem Studium. Vier Studioalben in der Tradition der skandinavischen A-capella-Vokal- und Folk-Musik wurden bislang produziert. Den Neologismus „Folk-apella“ haben die Musikerinnen dafür entwickelt und tragen diesen und ihre Gesänge auf einschlägigen Konzerten und Festivals vor. Tourneen führten sie bislang durch Europa, Asien und Nordamerika.

 

Lotta Andersson, Emma Björling, Anna Larsson und Anna Wikénius – die vier „Spinnen“ –­ so die Übersetzung des Gruppennamens aus dem jämtländischen Regionaldialekt Zentral-Nordschwedens – reisten im März 2019 in die kanadische Provinz Québec, wo sie ihren Live-Auftritt im Théâtre de la Ville von Longueuil, zu einem neuen Album aufnehmen ließen. Quasi als Geschenk zu ihrem 15-jährigen Gruppen-Bestehen.

 
Meinung

Heinrich Maiers, wenn man so will, Zweieinhalbteiler Philosophie der Wirklichkeit ist ein sonderbares, zwiespältiges Buch von sage und schreibe ungefähr 2.000 Seiten Umfang.

Das hat offenbar auch Nicolai Hartmann so empfunden, wenn er in der 1938 in der „Phil-hist.-Klasse der Sonderausgabe der Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften“ erschienenen ausführlichen Besprechung dieses systematischen Hauptwerkes Maiers doch immerhin eine Kategorialanalyse mit ontologischem Hintergrund ausgemacht wissen wollte.

 
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Der Mann, der später mein Vater wurde: diese Redewendung benutzt Torkel S Wächter häufig in seinem neuen biografisch-dokumentarischen Roman „Meines Vaters Heimat“.

 

Etwa 17 Jahre nach dem Tod seines Vaters Michael öffnet der schwedische Schriftsteller zum ersten Mal die Umzugskartons, in die er 1983 hastig dessen Nachlass verstaut hat: Bücher, Manuskripte, Briefe, Tagebücher. Dabei stößt er auf den Namen Walter Wächter, am selben Tag geboren wie Michael Wächter – ein bisher verschwiegener Zwillingsbruder? Torkel erkennt, dass beide dieselbe Person sind. Und es sein Vater war, der 1935 als Walter Wächter aus dem Konzentrationslager Fuhlsbüttel in Hamburg Briefe schrieb, auf liniertem Papier in Sütterlinschrift, eine Schrift, die Torkel nicht kennt, ebenso wenig wie die deutsche Sprache, die ihm Michael nie beibringen wollte.

 

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