Kultur Kolumne
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- Geschrieben von: Gennaro Avallone (Übersetzung und Vorspann von Dagmar Reichardt) -
Iain Chambers zieht in seinem neuen Buch eine kulturtheoretische Parallele zwischen Lampedusa und Gaza: In beiden sozial hochaufgeladenen Konfliktsituationen tickt gemäß des italienisch-britischen Postkolonialismus-Experten die „koloniale Uhr“. Er entdeckt sowohl im Fall Lampedusa als auch in der Gaza-Frage „unterbrochene Sprachen“. Seine Kernthese: In der Gewalt, die derzeit in Palästina stattfindet und sich gegen Migranten richtet, wird die Geschichte des Westens verdrängt.
Wie ein schmerzhafter Splitter im Auge verstellt uns die koloniale Frage, so Chambers, auch in Deutschland den ungetrübten Blick auf die Wahrheit: Obwohl die Deutschen für ihre historische Schuld gegenüber dem Judentum einstehen und gerade zehn Jahre „Wir schaffen das!“ feiern, sind wir blind für die Wurzel allen zeitgenössischen Übels. Diese lässt sich laut Chambers im historischen Sündenfall des Kolonialismus verorten, den wir ihm zufolge geschichtlich weit weniger gewissenhaft aufgearbeitet und verinnerlicht haben als die Shoah. Sein fremder Blick offenbart die nackte Tatsache: „Lampedusa“ und „Gaza“ müssen zusammengedacht werden, um der Vergangenheit gerecht zu werden, bevor eine friedliche Weltordnung global denkbar ist.
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- Geschrieben von: Salzburger Festspiele -
„Christoph von Dohnányi war ein Spezialist für Vieles, ein Grandseigneur unter den großen internationalen Dirigenten, denen die Salzburger Festspiele ihren Weltruf verdanken. Zwischen 1962 und 2014 gelangen ihm immer wieder unvergessliche Opern- und Konzertabende,“ erklärte Festspielintendant Markus Hinterhäuser zum Tod von Christoph von Dohnányi.
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- Geschrieben von: Uta Bretsch -
Als Ben Barritt sein bislang letztes Album Everybody’s Welcome im Frühjahr 2019 veröffentlichte, sah die Welt noch anders aus. Damals war der Sänger, Songschreiber und Musiker erst einige Jahre in Berlin zuhause, trotzdem schon gut in die Hauptstadtszene eingebunden.
Zuvor hatte der 1984 in London geborene Barritt in seiner alten Heimat mit Persönlichkeiten wie Bobby McFerrin und Kenny Wheeler gearbeitet, auf der Bühne der ehrwürdigen Royal Albert Hall geglänzt, Tourneen durch Europa und Asien unternommen.
Nach seinem Umzug in die deutsche Hauptstadt erhielt er auch hierzulande gute Resonanz.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Mit voller Kraft in die Zukunft des Jazz. Vollbrechts lyrischer Ton, getragen vom virtuosen Ensemble, macht jede Note zum Ereignis. Eingespielt live im legendären Bremer Sendesaal, entfaltet das neue Album „Bremen New York“ eine poetische Klangreise zwischen Ostküsten-Energie und norddeutscher Klangmagie.
Dem Saxofonisten Timo Vollbrecht ist es gelungen, sich unter dem denkbar passendsten Titel seine internationale Dream-Band zusammenzustellen.
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Ein dickes Buch schildert, wie Fürsten sich im 16. und 17. Jahrhundert von gebildeten Kaufleuten bei der Zusammenstellung von Kabinetten und Museen helfen ließen.
Um Dürer geht es allein im ersten von vier Teilen. Und vorgestellt wird dort nicht in erster Linie der Künstler, sondern der Mensch, der um Anerkennung kämpft und sich mit Auftraggebern auseinandersetzen muss; oder der Handwerker auf der Suche nach den richtigen Farben.
Das Buch der in Cambridge lehrenden, bereits mit etlichen Preisen ausgezeichneten deutschen Autorin Ulinka Rublack ist nämlich keine kunsthistorische Studie, sondern eine kulturgeschichtliche, ein Werk, aus dem wir sehr viel über den Alltag wie das Selbstverständnis, über Ausbildung wie Interessen von Künstlern, Kunsthandwerkern und auch Kaufleuten erfahren können. Nur eben der Künstler Albrecht Dürer kommt nur am Rande vor…
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- Geschrieben von: Claus Friede -
„Praise“ (dt.: „Lob“) heißt das neue und dritte Album des Quartetts um die aus Ludwigsburg stammende Sängerin, Pianistin und Komponistin Sophia Oster.
Nach „Jubilation“ (2021) und „All Smiles“ (2023) ist „Praise“ gepägt von einigen Eigenkompositionen und/oder Texten aus der Feder der in Hamburg lebenden Musikerin. Wer oder was Lob verdient hat, bleibt offen. Vielleicht ist es das Lob an die lyrische Intimität, an rhythmische Raffinesse und künstlerische Reife.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Warum ein Debütalbum mit einem Jazz-Standard beginnen, wenn es doch eine Reihe eigener Stücke zu entdecken gibt? Wer Thomas Quendlers Version des Duke Ellington-Gassenhauers „It Don’t Mean a Thing“ hört, versteht schnell, was den Pianisten, Komponisten und Arrangeur aus Graz auf diese Idee gebracht hat.
In seiner unkonventionellen, dabei zutiefst respektvollen Fassung kommt viel von dem zusammen, was den Österreicher ausmacht: eine Freude an Jazz-Traditionen, ein origineller, ganz eigener Zugriff, spieltechnische Klasse, ein packendes Energielevel und die perfekte Verzahnung einer exzellenten, gerade auch rhythmisch findigen Gruppe.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Im Oktober des Jahres 2023 feierte ein, von der Houston Grand Opera in Auftrag gegebenes Werk, namens „Intelligence“, seine Weltpremiere im Wortham Theater Center in Houston/Texas.
„Intelligence“ ist eine Oper des in San Francisco lebenden Komponisten und Pianisten Jake Heggie, des Librettisten Gene Scheer und der amerikanischen Regisseurin und Choreografin Jawole Willa Jo Zollar, Gründerin der „Urban Bush Women“.
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Die französische Kuratorin Véronique Wiesinger, Direktorin der Fondation Alberto und Annette Giacometti, legt ein schmales, aber enorm faktenreiches Buch über den Schweizer Bildhauer und Maler Alberto Giacometti vor.
Für die Mehrzahl der Interessierten – so auch für den Rezensenten – war Giacometti einer der wichtigsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, aber tatsächlich war er noch wesentlich mehr. Bei der Lektüre des Buches fällt besonders die Offenheit dieses Künstlers ins Auge, der sich stets aufmerksam umschaute und so ungezählten Anregungen begegnete. Natürlich, zunächst und vor allem war Alberto Giacometti Bildhauer, dazu aber auch Maler und gelegentlich sogar so etwas wie ein Innenarchitekt.
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- Geschrieben von: Peter D. Schmidt -
Meine erste Begegnung mit ihm hatte ich als Politiker. 1979 reiste ich mit meiner CDU-Bürgerschaftsfraktion nach London. Bei einem Gesellschaftsabend in unserem Hotel wurde er als ARD-Korrespondent an meiner Seite platziert, da ich für die Medien in Partei und Fraktion zuständig war.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Die Metamorphose eines Schmetterlings ist ein Bild, das in der Literatur seit jeher für Transformation, Entfaltung und die Überwindung von Grenzen steht. Für die französisch-ägyptische Bratschistin Sindy Mohamed ist dieses Sinnbild mehr als nur eine poetische Metapher – es beschreibt ihren eigenen künstlerischen Werdegang und die Entstehung ihres ersten Albums, das sie treffend „Farasha“ – das arabische Wort für Schmetterling – genannt hat.
Am 29. August 2025 erscheint dieses außergewöhnliche Debüt bei Berlin Classics und dokumentiert eine künstlerische Reise, die von kultureller Vielfalt, musikalischer Neugier und persönlicher Entwicklung geprägt ist.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Ein Debüt und eine Suite, die für sich selbst spricht. Es ist ein Versprechen in die Zukunft eines Musikers, der gerade erst Witterung aufgenommen hat. Vom ersten bis zum letzten Ton lebt Max Treutners Album von einer beispiellosen inneren und äußeren Gelassenheit
Braucht Musik einen Ort, an dem sie entstehen und sich ausbreiten kann, oder entwirft sie selbst die Topografie, innerhalb derer sie sich verortet? Der junge deutsche Saxofonist Max Treutner tendiert eindeutig zur zweiten Annahme, denn auf seinem Debütalbum führt er uns in Zen Garden, der nur durch seine musikalische Vision existiert. Mit einem hingebungsvollen Sinn für Bewegung und Detail entführt er seine Hörerschaft aus ihrem jeweiligen Alltag an diesen besonderen Schauplatz, um den immerwährenden Trott mit all seinen Sorgen und Konflikte abzuwerfen, durch eine Luke zu schlüpfen und sich einfach im Sog der Musik fallenzulassen. Vom ersten bis zum letzten Ton lebt Treutners Album von einer beispiellosen inneren und äußeren Gelassenheit. „Zen Garden“ ist eine Einladung, den vier Musikern auf dem Album so viel Vertrauen entgegenzubringen, um aus einem passiven Hörvergnügen ein aktives Moment der Sensibilisierung und Fokussierung zu machen.
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- Geschrieben von: Redaktion -
John McLaughlin feiert sein Comeback mit „Live at Montreux Jazz Festival 2022“. Dieses „The 4th Dimension“ in Musik und Film wieder.
Am 11. Juli 2022 kehrten John McLaughlin und „The 4th Dimension“ gemeinsam mit der kubanischen Künstlerin Jany McPherson, die den Auftritt mit ihrem Gesang und ihrem Klavierspiel bereicherte, zum Montreux Jazz Festival zurück. Zusammen boten sie dem Publikum im Stravinski Auditorium ein beeindruckendes Konzert und spielten Lieblingsstücke wie „New Blues Old Bruise“, „El Hombre Que Sabia“ und Pharoah Sanders' „The Creator Has a Master Plan“, die das Publikum begeisterten.
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- Geschrieben von: Christopher Walsh Sinka -
Der Riga Project Choir veröffentlicht das Debütalbum „Already Bloomed“ (dt.: Bereits erblüht) mit Weltpremieren zeitgenössischer Werke für gemischten Chor von verschiedenen lettischen Komponistinnen u.a. Gundega Šmite, Ruta Paidere, Evija Skuķe, Līva Blūma, Lauma Kazaka und Irīna Mihailovska.
In der reichen Geschichte der Chormusik Lettlands standen Komponistinnen ihren männlichen Kollegen in nichts nach und leisteten einen gleichwertigen Beitrag zum Repertoire.
