Kultur, Geschichte & Management
Objekte und Dokumente aus dem Besitz Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Gotha, Kunstsammlungen der Veste Coburg. Foto: Dieter Ertel

Vor 200 Jahren entstand mit Sachsen-Coburg und Gotha ein Doppelherzogtum, dessen regierende Dynastie bald europäische Prominenz erlangen sollte. Persönlichkeiten wie Queen Victoria und Prinz Albert sowie Leopold, der erste König der Belgier, sind bis heute bekannt.

 

Der Begründer des Doppelherzogtums, Ernst I., steht jedoch meist im Schatten seiner berühmten Verwandten.

 

Coburg Gotha plakat 1826Eine Ausstellung auf der Veste Coburg rückt den ehrgeizigen Herzog ins Zentrum, der in bewegten Zeiten durch diplomatisches Geschick die Grundlagen für den Aufstieg seiner Dynastie legte. Wie kein anderer seiner Vorgänger prägte Ernst I. zudem die „Coburger und Gothaer Kulturlandschaft“.

 

Coburg und Gotha verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Bereits die Herzöge Johann Casimir und Albrecht, die Sachsen-Coburg im 16. und 17. Jahrhundert regierten, stammten aus Gotha. 1826 kam es zu einer grundlegenden Neuordnung der thüringisch-ernestinischen Territorien. Dabei entstand das Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Das neue Staatsgebilde verknüpfte zwei etwa 40 Kilometer voneinander entfernte Landesteile mit insgesamt 257.000 Einwohnern, die auf den Fortbestand ihrer jeweiligen Landtage, Verwaltungen und kulturellen Einrichtungen beruhten.

 

Der Landesherr, Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld, erhielt nach dem Wiener Kongress 1815 als Entschädigung für die den Verbündeten in den Befreiungskriegen gegen Frankreich geleistete Hilfe 1816 auch das Fürstentum Lichtenberg an der Nahe zugesprochen. Aufgrund der großen Entfernung nach Coburg und der Unruhen infolge des Hambacher Festes verkaufte der Herzog das Fürstentum 1834 an Preußen.

Herzog Ernst I. behielt die beiden größeren Residenzen als Realunion bei und verknüpfte sie durch eine repräsentative Infrastruktur, darunter Schlösser, Parkanlagen, Theater und eine direkte Straßenverbindung zwischen Coburg und Gotha. Demnach gab es zwei Residenzstädte: Gotha und Coburg. Deshalb zog der gesamte herzogliche Hof mit dem Hoftheater zweimal jährlich um: von Coburg nach Gotha und zurück. Durch kluge Heiratspolitik konnte das kleine Herzogtum zudem seine internationalen dynastischen Verbindungen ausbauen, die es im späteren 19. Jahrhundert zu einem Treffpunkt des europäischen Adels werden ließ und bis heute fortwirkt.

 

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Nach dem Ende der Monarchie des Deutschen Kaiserreichs 1918 entstanden aus den beiden Landesteilen die Freistaaten Coburg und Sachsen-Gotha (anfangs auch Republik Gotha genannt). Nach einer Volksabstimmung am 30. November 1919 vereinigte sich der Freistaat Coburg am 1. Juli 1920 mit dem Freistaat Bayern, und am 1. Mai desselben Jahres ging der Freistaat Gotha im neuen Land Thüringen auf.

 

Die Kunstsammlungen der Veste Coburg erinnern in einer großen Ausstellung an die Ereignisse von 1826 und an deren zentralen Protagonisten, Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha. In mehr als 200, teils erstmals in Coburg präsentierten Objekten wird der Herzog als Regent, Bauherr und Kunstmäzen vorgestellt, der seine Residenzen maßgeblich gestaltete und deren Geschichte als bedeutende Sammlungsstandorte nachhaltig prägte. Politisch war Ernst ein Kind seiner Zeit, geprägt von den Nachwirkungen der Französischen Revolution und den Umwälzungen der napoleonischen Herrschaft. So zeichnete er sich einerseits durch eine reaktionäre Haltung und Misstrauen gegenüber allen bürgerlichen Bestrebungen zur Mitbestimmung aus, andererseits erließ er für Coburg 1821 die liberalste Verfassung ihrer Zeit. 

 

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Blick in die Ausstellung. Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg

 

Gothaer Ausstellung

Die gleichnamige Gothaer Schau ist ein gemeinsames Projekt der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt und der Friedenstein Stiftung Gotha und bis 5. Juli 2026 im Spiegelsaal von Schloss Friedenstein zu sehen.

 

Begleitend zur Ausstellung im Spiegelsaal nimmt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten vom 12. April 2026 bis zum 3. Januar 2027 in den Repräsentationsräumen von Schloss Friedenstein Hintergründe und Protagonisten der Ereignisse um 1826 in den Blick, die sich in einer Abfolge von Ausstellungsstelen zeigen. Im Mittelpunkt der Präsentation, die den Titel „… im Auftrag des Herzogs … – Ernst I. und die ‚Thüringische Residenzenlandschaft‘“ trägt, stehen Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha sowie seine erste Frau Luise. 

 

Anhand neuer Forschungsergebnisse und historischer Darstellungen lassen sich die von Herzog Ernst I. genutzten Räume sowie deren modernisierende Umgestaltung nachvollziehen. Darüber hinaus werden die Bauprojekte Ernsts I., beispielsweise in Reinhardsbrunn und Coburg, sowie die Auswirkungen der ernestinischen Neugliederung auf die „Thüringische Residenzenlandschaft“ thematisiert.


Coburg | Gotha | 1826. Ein Herzog. Zwei Residenzen.

Zu sehen bis zum 20. September 2026 auf der Veste Coburg, 96450 Coburg

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr

Es finden Führungen, Konzerte und Vorträge statt.

Weitere Informationen (Kunstsammlungen Coburg)

 

Blogbeitrag: Interview mit Ausstellungskurator Dr. Marcus Pilz

Unterstützt wird die Ausstellung durch hochkarätige Leihgaben der Friedenstein Stiftung Gotha, der Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’schen Familie, der Landesbibliothek Coburg und weiterer institutioneller und privater Leihgeber. Die Realisierung des Projektes wird durch die Niederfüllbacher Stiftung gefördert.

Zum Gründungsjubiläum des Doppelherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha erscheint ein umfassendes und reich bebildertes Begleitbuch (zugleich Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 2025), das diese bisher wenig erforschte Phase thüringisch-fränkischer Geschichte und ihre vielfältigen Folgen grundlegend neu betrachtet. Ein Team von 37 Autorinnen und Autoren beleuchtet die Bildung des Doppelstaates und die Folgen der Ereignisse von 1826 für Fürst und Volk, aber auch und besonders für die bedeutenden Sammlungen beider Residenzen.

 

Coburg, Gotha, 1826. Ein Herzog – Zwei Residenzen, Begleitbuch zum 200. Jubiläum des Doppelherzogtums. Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 69 (2025), Michael Imhof Verlag,

2026, 392 Seiten, ISBN 978-3-7319-1632-1, (als Jahrbuch-Edition mit Jahresberichten 442 Seiten, ISBN 978-3-7319-1600-0)

 

Weitere Ausstellungen

Neben der großen Schau auf der Veste Coburg ist das Jubiläum Anlass für weitere Ausstellungen, die sich unterschiedlichen Aspekten widmen: 

In Gotha: Bis zum 5. Juli werden im Spiegelsaal von Schloss Friedenstein die Menschen vorgestellt, die die Gothaer Sammlungen in der Zeit des Dynastiewechsels prägten und gestalteten. Ergänzend dazu informieren Stelen in den Herzoglichen Gemächern bis zum 3. Januar 2027 über die Hintergründe und Protagonisten der Ereignisse von 1826.

In Coburg: Vom 7. September bis zum 28. November nimmt die Landesbibliothek Coburg die Geschichte ihrer Bestände vor dem Hintergrund des Dynastiewechsels in den Blick, während

das Staatsarchiv Coburg vom 20. Oktober bis 18. Dezember die Landtage des Doppelherzogtums als Spiegel seiner Geschichte vorstellt.

Informationen zu den Jubiläumsausstellungen: www.coburg-gotha-1826.de

 

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