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Hamburger Architektur Sommer 2019

Festivals, Medien & TV
Film Festival Cologne 2019 Vom tragischen Witz und blutspritzenden Twists

Meuchelmord in Westernjacke: Das Film Festival Cologne (10.-17. Oktober) startet mit Quentin Dupieuxʼ skurriler Geschichte „Deerskin“, dessen absurder Spaß uns bald in unvorhergesehene Abgründe führt. Dass sich Tragikomik gut mit dunklen Twists paart, führt auch Joon-ho Bongs Film „Parasite“ meisterhaft vor.
Was sonst noch geschah, und worauf man sich noch freuen kann: Ein Zwischenbericht.

 
Bildende Kunst

In den vergangenen Jahren hat sich die Sicht auf die USA extrem verengt, dominiert von einem Namen: Donald Trump. Ein alter weißer Mann, machtbesessen und unzurechnungsfähig, hat es mit seinen menschenverachtenden, hasserfüllten Fake-News geschafft, eine ganze Nation in Misskredit zu bringen.
Umso erhellender und wohltuender ist die Ausstellung in der Hamburger Galerie Hengevoss-Dürkop, in der sich acht Künstlerinnen und Künstler unter ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten kritisch mit den USA auseinandersetzen und dabei den Blick fokussieren auf eine Gesellschaft, die sich aufreibt zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

 
Film
Joker  Joaquin Phoenix

Regisseur Todd Phillips katapultiert uns mitten hinein in die seelischen Abgründe seines Protagonisten. „Joker” sprengt künstlerisch das DC Format: Die nihilistische Fallstudie eines verstörten Außenseiters, grandios gespielt von Joaquin Phoenix, entwickelt sich zur atemberaubenden Pantomime der Verzweiflung, ein schillerndes mörderisches Neo-Noir-Ballett zwischen Anpassung und Anarchie, Anmut und Lächerlichkeit.

Es ist die Geburtsstunde vom Joker, dem Schurken par excellence. Kaum ein Film hat Kritiker so polarisiert wie diese Hommage an Martin Scorseses „Taxi Driver” (1976). Lobeshymnen kontra ostentative Abscheu. Dem düsteren, ästhetisch virtuosen Epos der Rebellion wird Gewaltverherrlichung vorgeworfen, wo es in Wirklichkeit nur die Mechanismen und Ursachen demütigender Ausgrenzung seziert.

 
Theater - Tanz
Stargast Gitte Haennig eröffnet im Hansa Varieté Theater Hamburg die 12. Spielzeit

Menschen, Mäuse, Sensationen…
Diese Kunst sei die ehrlichste aller Künste, sagte Conférencier Arnulf Rating am Premierenabend und wer wollte dem widersprechen: Auch in seiner 12. Spielzeit begeistert das Hansa Theater in Hamburg mit Artisten der Superlative, die das Haus am Steindamm zu einem Hotspot des internationalen Varietés machen.

 
Theater - Tanz

Angesichts der großartigen Lebensleistung von Robert Wilson wäre es ein wenig unfair zu sagen, dass Robert Wilson sich selber zitiert. Wenn es einer darf, dann er.
Robert Wilson ist sein Leben lang der Oper treu geblieben. Das sah man deutlich, wenn man einen Platz im ausverkauften Thalia Theater zur deutschen Erstaufführung von „Mary said what she said“ mit Isabelle Huppert als Maria Stuart ergattert hatte. Und es war sehr anrührend zu beobachten, wie der eigens angereiste 78jährige Wilson beim Empfang ihm zu Ehren mit seinen Emotionen kämpfte, als er sagte, Hamburg sei für ihn „like coming home“.

 
Musik
Else Lasker-Schueler und ihr Stueck IchundIch Staatsoper Hamburg

„Der Fels wird morsch, dem ich entspringe und meine Gotteslieder singe...“
„IchundIch“, Else Lasker-Schülers letztes Theaterstück, entstanden während ihres Exils in Palästina drei Jahre vor ihrem Tod 1945, sollte eigentlich „Der bekehrte Satan“ heißen. Die Auftragsoper von Johannes Harneit wird ab 1. November in der Staatsoper Hamburg inszeniert.

In der Spanne zwischen diesen Titeln und ihren (ent)sprechenden Bedeutungsräumen inszeniert sich Weltpolitik, private Erlösungsphantasien und Poesie. Aber es inszeniert sich auch die Autorin selbst, indem im Titel bereits anklingt, wie sie sich als zwar gespaltene und verletzte, letzten Endes jedoch, nach lebenstragischen Phasen doch in großer eigensinniger Stärke einheitliche Person sah. Die Kraft ihres Jüdisch-Seins spielt hier eine große Rolle: obwohl sie stets mit „den Juden“ haderte, hat sie sich doch zuweilen selbst mit dem Begriff identifiziert.

 
Film
der distelfink goldfinch

Donna Tartt erhielt für ihren Roman „Der Distelfink“ 2014 den Pulitzer Preis. Der Bestseller galt ob seiner literarischen Opulenz als unverfilmbar. Manche Kritiker priesen jene emotionale Odyssee eines Dreizehnjährigen als Meisterwerk in der Tradition von Charles Dickens, andere dagegen erinnerte die detailverliebte Cominig-of-Age-Fabel eher an Harry Potter.
Regisseur John Crowley inszeniert das Schuld-und-Sühne-Epos in verstörend schönen, suggestiven Bildern. Auf der Leinwand entwickelt sich „Der Distelfink“ zum gigantischen wundervoll choreographierten Puzzle, eine manchmal fast surrealistisch anmutende Crime Story, die ihre ganz eigenen Gesetze hat und der Fantasie wohltuend mehr Spielraum lässt.

 
Theater - Tanz
Dramatisierung von Houellebecqs juengsten Roman „Serotonin“ Deutsches Schauspielhaus

Woher kommt nur dieser Run auf Houellebecq-Romane in deutschen Theatern? Kaum eröffnet das Hamburger Deutsche Schauspielhaus seine Spielzeit im September mit der Dramatisierung von Houellebecqs jüngsten Roman „Serotonin“(2019), da folgt auch schon das Deutsche Theater in Berlin mit dessen Erstling „Ausweitung der Kampfzone“ (1994) nach.
Und das Berliner Ensemble steht mit „Die Möglichkeit einer Insel“ (2005) in der Warteschleife zur Premiere am 9. Oktober. Darin wird die Zukunftstauglichkeit jenes sexistischen, rassistischen, gewaltbereiten, vereinsamten und frauenfeindlichen Mannes untersucht, der als Prototyp eines europäischen Versagers – in den Rezensionen eifrig als weiß, heterosexuell und alt definiert – durch Michel Houellebecqs Romane geistert.

 
Film
midsommar

Mit ästhetischer Akribie inszeniert Ari Aster seinen Film „Midsommar” als makabres heidnisches Bacchanal mitten im digitalen Zeitalter. Der anspruchsvolle blutige Horrortrip ist eine Meditation über Macht und Dominanz, das Rollenspiel der Geschlechter, gibt der Darstellung von Leiden eine neue schmerzhafte Dimension und entwickelt sich zur triumphalen Oper des okkulten Grauens.
Während Krisenzeiten lechzt das Kino-Publikum nach Schauder und Schrecken besonderer Art, der 33jährige amerikanische Regisseur versteht sich darauf wie kaum ein anderer, mehr noch, er hat das Mystery-Horror-Genre verinnerlicht: Verlust, Furcht, Ekel, Gewalt, Tod. Sein surreales Familien-Drama „Hereditary” begeisterte 2018 Presse und Publikum.

 
Festivals, Medien & TV
Tallinn Design Festival Future Materials

Das 14. Tallinn Design Festival in der estnischen Hauptstadt widmet sich „Future Materials“ (Zukünftigen Materialien). Die Wahl des Themas – so sagt Festivalleiterin Ilona Gurjanova – deckt das Manko auf, dass Designer, Kunsthandwerker und Architekten relativ wenig über neue nachhaltige, zeitgenössische Materialien und deren Auswirkungen wissen.
Vorausschauend, denn es ist abzusehen, wann alle Plastik-, Kunststoffutensilien und einige andere umweltbelastende Gegenstände bald verboten werden. Es ist daher dringend erforderlich, nach alternativen und natürlichen Materialien zu suchen, sie zu erforschen und einzusetzen. In diesem Materialauswahlbereich arbeiten seit einiger Zeit europäische Designer nun auch zunehmend mit Forschern zusammen.

 

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