Kultur Blog
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Yuja Wang hat sich zu einem Zeitpunkt, als sie die 30 noch nicht erreicht hatte, in einem Interview sinngemäß dahingehend geäußert, dass sie sich dem Musikschaffen Beethovens nicht gewachsen fühle und folglich davon Abstand nehme, als Interpretin seiner Kompositionen die Bühnen der Welt zu betreten.
Sie hatte bei dieser Aussage vermutlich vor allem die späten Klaviersonaten Nr. 28–32 (Opus 101 bis 111) – im Speziellen höchstwahrscheinlich Beethovens letzte Klaviersonate, also die Nr. 32 in c-Moll, op. 111 mit ihrem in der doppelten Bedeutung des Wortes Finalsatz, der Arietta: Adagio molto, semplice e cantabile – im Sinn. Und exakt deswegen war diese Pianistin, was verwundern mag, als werdende Künstlerin eben kein Rising star oder so etwas wie ein frühreifes Genie.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Als das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg im Februar 2025 das Ende der traditionsreichen Messe für Kunst und Handwerk verkündete, war der Schock in der Szene der angewandten Kunst groß. Wie konnte es möglich sein, eine derart renommierte, über 140 Jahre alte Institution im Handstreich zu beenden?
Wie sollte es möglich sein, eine exklusive Plattform für hochkarätiges zeitgenössisches Kunsthandwerk zu ersetzen? Gerade mal neun Monate später, eröffnet Anfang November „The Artisan Affair“ in den Mozart-Sälen des Logenhauses Hamburg an der Moorweide – eine Messe mit dem Anspruch, die Lücke zu füllen.
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Johann Paul Friedrich Richter, der seinen Namen zu Jean Paul abkürzte, galt nie als einer der ganz Großen – aber vergessen war er ebenso wenig. Viele konnten seine Bücher nicht leiden, aber andere schwärmten auch für ihn; und zu beiden Gruppen zählen einige der bedeutendsten deutschen Autoren. Am 14. November 1825 verstarb der große Dichter Jean Paul.
Stefan George widmete ihm ein Gedicht – es findet sich in dem Band „Der Teppich des Lebens“ –, und der so ganz anders gestrickte Arno Schmidt (so ganz anders als George…) eröffnete sein Meisterwerk „Kaff auch Mare Crisium“ von 1960 mit einem Zitat aus dem ersten Roman Jean Pauls: „Nichts Niemand Nirgends Nie!“ Es liegt nahe, das Zitat als eine Liebeserklärung des einen Außenseiters an einen anderen Außenseiter zu lesen. Oder war es sogar ein Kniefall?
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- Geschrieben von: Marion Hinz -
Nelio Biedermann ist mit seinem Roman Lázár ein Bestseller gelungen, der in 28 Sprachen übersetzt werden soll. Dieses Buch ist ein Pageturner, der nicht nur die Leserschaft, sondern auch Buchhändler in ganz Deutschland überzeugt hat: Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2025 wurde das Buch zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ gekürt.
Nominiert waren rund 250 Titel. Auf der Shortlist standen fünf Bücher. Mehrheitlich entschieden sich die an der Abstimmung Beteiligten für diese „sinnenfroh und verwegen erzählte Geschichte vom Fall einer ungarischen Adelsfamilie im 20. Jahrhundert“. Die Auszeichnung, die seit 2015 vergeben wird, ist der einzige Preis, der ausschließlich durch Stimmen der Buchhändler und Buchhändlerinnen ermittelt wird.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Nach dem weltweiten Kinostart des Konzertfilms „Björk: Cornucopia" wird dieses visionäre Live-Erlebnis nun erstmals auf physischen Tonträgern veröffentlicht.
Über den Film, der live in Lissabon am 1. September 2023 aufgenommen wurde, sagt Björk: „Ich freue mich riesig, euch den Film zu meinem Konzert Cornucopia präsentieren zu können. Es war ein langer Weg, an dem Hunderte von Menschen mitgewirkt haben. Ich bin jedem Einzelnen von ihnen unendlich dankbar.
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- Geschrieben von: Frauke Hartmann -
Christoph Marthaler hat einen Abend mit frühen Texten von Elfriede Jelinek im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses gestaltet und damit seine Trilogie über zurückgezogene Künstlergenies vollendet.
Star des Abends ist eine angerostete Wäscheschleuder der Firma Zanker, Boomern wahrscheinlich wohlvertraut aus der elterlichen Waschküche und heute als gute deutsche Wertarbeit immer noch im Ebay-Angebot.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Am 19. Oktober, nachmittags um 15.30 Uhr, fand in der Berliner Philharmonie, unter der Leitung des isländischen Gastdirigenten Gudni Emilsson, mit den Berliner Sinfonikern ein in zweifacher Hinsicht ungewöhnliches ‚Doppelkonzert‘ statt.
Außergewöhnlich war einerseits, dass gleich zwei Klavierkonzerte auf dem Programm standen. Das 2. Klavierkonzert op. 18 in c-Moll von Sergei Rachmaninow vor der Pause, das 1. Klavierkonzert op. 23 in b-Moll von Piotr Tschaikowski zum Finale.
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- Geschrieben von: Claus Friede und Cornelia Stegner -
Mehr als 135 Jahre nach seiner Erfindung kehrt ein Stück deutscher Industriekultur und Innovationsgeist an seinen Ursprungsort zurück: Auf der Veste Coburg wird die originalgetreue Rekonstruktion des „Coburger Elektrowagens von 1888 nach Andreas Flocken“ öffentlich vorgestellt.
Das Projekt würdigt den Coburger Maschinenbauer Andreas Flocken, der 1888 mit seinem elektrisch angetriebenen Fahrzeug Pionierarbeit leistete – lange bevor das Automobil mit Verbrennungsmotor seinen Siegeszug begann.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Für China waren die 1920er Jahre eine Zeit des Aufbruches. Rasanter Wandel, technische Neuerungen und eine regelrechte Bilder- und Medienflut förderten während der späten Qing-Dynastie (1611–1912) und der darauffolgenden Republikzeit (1912–1949) neue Vorstellungen von Nation, Fortschritt und Identität.
Das Museum an der Rothenbaum Chaussee (MARKK) in Hamburg widmet sich mit der Ausstellung „Druckfrisch aus den Zwanzigern. Einblicke in Chinas Moderne“ in sechs Themenbereichen den politischen, kulturellen, kommerziellen und wissenschaftlichen Aspekten, die die chinesische Moderne maßgeblich prägten: Drucke, Mode, Populärkultur.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -
Hannah Arendt (1906–1975) hat sich selbst nie als Philosophin verstanden. Gleichwohl war sie die bedeutendste politische Theoretikerin des 20. Jahrhundert.
Im Hamburger Thalia Theater lässt Rhea Lemans Stück „Arendt – Denken in finsteren Zeiten“[1] mit Corinna Harfouch in der Titelrolle das Leben dieser so klarsichtigen, furcht- und kompromisslosen deutsch-amerikanischen Jüdin Revue passieren. Und dieses Wort „Revue“ ist wörtlich zu nehmen.
