Literatur

„Wahre Freiheit beginnt dort, wo wir uns selbst erkennen“. So steht es auf dem Cover von Ralf Hilles jüngstem Werk „Der Schmetterling, der ein Vogel sein wollte“. Es ist ein kleines Büchlein. Nur gut 60 Seiten umfasst diese Geschichte, die von einem Schmetterling erzählt, der davon träumt, ein Vogel zu sein.

Er glaubt, nur so kann er seine Sehnsucht stillen: höher, weiter und schneller zu fliegen, als es seiner Art möglich ist.

 

Der Schmetterling der ein Vogel sein wollte COVERRalf Hilles nennt sich selbst „Herzensschreiber“. Seine Geschichten richten sich an Erwachsene und Kinder. So auch sein jüngstes Produkt, das ein poetisches Gleichnis über Selbstannahme, Veränderung und die stille Kraft, sich selbst zu finden, sein will, wie es auf der Webseite des Autors heißt. Es will zudem ein Buch sein für Menschen, die manchmal das Gefühl haben, im falschen Leben zu flattern – und die den Mut haben, ihre eigenen Flügel und deren Reichweite zu erkennen, sprich: ihre eigenen Flugmöglichkeiten auszutesten und (mit) Sicherheit zu finden.

 

Als ein solches Buch darf „Der Schmetterling, der ein Vogel sein wollte“ von großen und kleinen Leuten gelesen werden. Gut wäre es, wenn Eltern diese Geschichte gemeinsam mit ihren Kindern lesen. Noch besser wäre es, wenn Eltern ihren Kindern diese Geschichte vorlesen. Vielleicht wachsen den Kindern dann – poetisch gesehen – wie in einem Märchen kleine Flügel. Mich hat die erste kurze Leseprobe motiviert, weiterzulesen, dem leichten, mitunter lyrischen Fluss zu folgen und den zarten Versuchen des Schmetterlings, sein Ziel zu erreichen.

 

Ralf Hilles selbst hat keine leichte Kindheit gehabt. Aufgewachsen ist er bei seiner Großmutter in Willingen im Sauerland in einem Umfeld von „Wärme, Güte, Nähe“, wie er über seine Kindheitserinnerungen schreibt. Cousin und Cousinen vermittelten ihm ein Wir-Gefühl, von dem er bis heute getragen wird. Doch das Leben zeigte auch grausame Härte: Der frühe Verlust des Vaters und der Tod seiner Tochter rissen tiefe Wunden bei Ralf Hilles. Trotz oder wegen dieser traurigen Erfahrungen erkannte er, wie wichtig es ist, nicht in Erinnerungen zu versinken, sondern Kraft aus ihnen zu schöpfen und diese Kraft anderen Menschen weiterzugeben. Ein weiterer wichtiger Punkt der Lebensphilosophie von Ralf Hilles heißt Hoffnung. Diese gibt ihm die Kraft und den Mut, auch nach Rückschlägen weiterzumachen und neue Ziele zu verfolgen. Und neue Geschichten zu schreiben wie die vom Schmetterling, der ein Vogel sein wollte. Nicht nur der Text, auch Cover und Illustrationen stammen aus der Feder des Autors.

 

Ralf Hilles F privat Muster C Vicki HamiltonHintergrund: Vicki Hamilton,. Foto Ralf Hilles: privat

 

Das Buch hat ein Vorwort, einen Prolog und einen Epilog. Das ist ein bisschen viel für so wenig Text, inhaltlich aber passt es. Im Vorwort erklärt uns der Autor, worum es dabei geht: „Es ist die Geschichte eines Schmetterlings, der glaubte, ein Vogel sein zu müssen, um wertvoll zu sein.“ Auch wird uns dort gesagt, dass es Geschichten gibt, „die beginnen nicht aufregend oder laut, sondern mit einem leisen Atemzug“. Das ist so und das ist gut so. Das gilt auch für diesen leicht lesbaren und verständlichen Text, der in Kapitel eingeteilt ist, mit Titeln wie „Wenn Flügel erwachen“, „Flügel wie Pergament“, „Die Stimmen über den Bäumen“. Am Ende eines jeden Kapitels wird ein jeweiliges Fazit gezogen, ein fettgedrucktes Resümee. Da heißt es beispielsweise: „Manchmal verlieren wir uns in Träumen von dem, was wir nie sein werden. Doch jeder Traum erinnert uns auch daran, dass wir Sehnsucht haben – und Sehnsucht ist der Beginn von Wahrheit“. Das klingt ein bisschen kitschig und ist als These anzweifelbar, regt aber zu eigenen positiven Gedanken an.

 

Im Kapitel „Gespräche mit dem Wind“ lesen wir: „Auch deine Flügel sind genug – sie tragen dich dorthin, wo nur du hingehörst. / Du bist nicht für die Höhe geboren. / Dein Geschenk ist ein anderes. / Du bist der Atem des Gartens, die Leichtigkeit des Augenblicks. / Ohne dich wäre der Sommer stumm.“ Das ist hübsch gesagt und mutet lyrisch an.


Ralf Hilles: Der Schmetterling, der ein Vogel sein wollte

Eine Geschichte für Erwachsene und Kinder

Verlag: BoD (Books on Demand)

Paperback

64 Seiten

ISBN-13: 9783695134915

Weitere Informationen (Ralf Hilles)

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