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Hamburger Architektur Sommer 2019

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Guttenberger Brothers: One

Manouche ist ein Begriff, der wohl nicht häufig mit dem Jazz zusammengebracht wird. Manouche nennen sich die in Südfrankreich und angrenzenden Regionen lebenden Sinti.
Die Guttenberger Brothers aus Stuttgart bringen nun die musikalischen Wurzeln ihres Volkes mit in den Jazz – sie machen eben Jazz Manouche. Das erste Album von Knebo und Mano Guttenberger sowie Branko Arnsek heißt „One“ und soll wohl ihr Anfang auf genau diesem Feld sein – wie so häufig beim Manouche passiert das „en famille“.

 
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Tha Bad plus Joshua Redman

Muss das Runde eigentlich immer in das Eckige? Die meisten Alben von Joshua Redman gefallen mir: auch seine Live-Auftritte.
The Bad Plus, ein Trio aus Minneapolis, mag ich ebenfalls: live wie auf Platte. Äußerst gewöhnungsbedürftig erscheint mir die Kombination dieser beiden unterschiedlichen musikalischen Welten – wenn das Kantige, Eckige von Bad Plus mit dem vollen runden, manchmal auch hektischen Ton von Redman verschmolzen wird. Um eine Anleihe beim Fußball zu machen. Das Runde will anscheinend nicht in das Eckige!

 
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Hendrika Entzian Quartet: Turnus F Stefani Marcus

Der Kontrabass steht selbst im Jazz-Orbit nicht immer im Rampenlicht. Esperanza Spalding hat begonnen, das zu ändern.
Ihrem Beispiel folgt die 30-jährige Hendrika Entzian und hat dabei genügend Selbstbewusstsein, um ihrem eigenen Quartett vorzustehen und es mit Eigenkompositionen auszustatten. Auf dem Debütalbum des Hendrika Entzian Quartets wird allerdings auch ein wenig improvisiert. Mit ein paar „Song-artigen Strukturen“ als Basis, wie Entzian erläutert. Und einem großen Klecks Intuition aller Beteiligten, wie man hört.

 
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Ron Carter & WDR Big Band: My Personal Songbook

Begeisterung: Frank Zappa hat sich geirrt! Der Jazz ist nicht tot – und er riecht auch nicht schlecht.
Dies beweist Ron Carter (*1937) mit seinem neuen Album, das er mit der WDR-Bigband eingespielt hat. Auf “My Personal Songbook” kultiviert das Ausnahmetalent aus Michigan die besten Momente zeitlos guten Jazz’. Schon der Opener “Eight” zeigt wohin die Reise geht – zu der lebendigen Tradition großer moderner Orchester in den fünfziger und sechziger Jahren.

 
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Dee Dee Bridgewater: Dee Dee’s Feathers F:Greg Miles

Waren Sie schon mal in den Salons von New Orleans? So richtig fesch aufgerüscht und in bester Stimmung? Ein lauer Abend direkt am Mississippi wartet auf sie: Kleider rascheln auf einer Veranda nah am Fluss, Marabu-Federn wippen, es gibt einen rauchigen Scotch und feine Musik.
Dee Dee Bridgewaters neues Album bringt Ihnen das alles nach Hause. Denn die 65-jährige Jazzsängerin fängt die Atmosphäre unvergleichlich ein. Man hört förmlich, wie die Eiswürfel im Glas klickern, sieht die Rocksäume schwingen, fühlt den Wind in den Uferbäumen. Und ist dort – in New Orleans.

 
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Agathe Jazz Quartet: Feeling Alive

Was für ein frisches, sympathisches Gesicht ist da jetzt auf der Jazz-Bühne?
Agathe Iracema bietet auf ihrem neuen Album “Feeling Alive” gelungene, moderne Arrangements und ein sympathisches Klangbild. Die 25-Jährige hat relaxten Spaß und ihren umwerfenden Charme in Noten übersetzt. Es schwingt überall auf der CD, sie hat Energie, ist stetig im Fluss – und macht einfach gute Laune.

 
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Nils Wülker: Up

Up – nach oben – soll es mit diesem Album gehen. Vor allem, weil Trompeter und Songwriter Nils Wülker mit seiner achten CD sich in vielen Facetten sowie als Komponist präsentieren will.
Wülker mischt Jazziges mit Melodisch-Schmeichelndem und schmückt sich dabei mit bekannten Stimmen. Schon früher hatte der 37-Jährige Torun Eriksen, Silje Nergaard und Ulita Knaus für eine Zusammenarbeit begeistern können. Mit „Up“ füllte er sein Portfolio nun weiter auf: Craig Armstrong, Jill Scott, Max Mutzke, Sasha, Xavier Naidoo sind zum Beispiel mit von der Partie.

 
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Akku Quintet - Molecules

Die Jazzmusik in der Schweiz ist beeindruckend. Was das kleine Land musikalisch auf diesem Gebiet anzubieten hat, kann sich weltweit sehen und hören lassen.
Auch wenn der Jazz finanziell bei weitem nicht so aufgestellt ist wie der Bruder in der Klassik, pflegen die Jazzmusiker – laut einer Studie der Zürcher Hochschule Winterthur – „zur Erweiterung der Auftrittsmöglichkeiten in verschiedenen Formationen zu spielen, und scheuen nicht davor zurück, schon mal unter dem Zaun hindurch zu fressen und Musik anderer Genres zu spielen.“ Eine eigenwillige Beschreibung, die aber gerade auf das neue Album des in Bern beheimateten Akku Quintets gut anzuwenden ist.

 
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Silje Nergaard

Das Jahr ist schon eine Reihe von Tagen alt und der Frühling bringt nun Silje Nergaard aufs Tapet mit ihrem 15. Album „Chain of Days“.
Wie schon so oft ist nicht ganz klar: Ist es nun Jazz? Deshalb sag ich mal: ein Album von Pop und Jazz geprägt, dazu eine Prise Folk. Eins, das klingt. Und zwar genau richtig.

 
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Diana Krall: Wallflower

Wallflower – Mauerblümchen. Das wäre ganz sicher nicht die erste Beschreibung, die mir zu Diana Krall eingefallen wäre. Und die Songs ihres neuen Albums?
Irgendwie auch nicht so recht. Sie kommen nach einer Lungenentzündung Kralls Monate später als geplant heraus, müssen sich aber in ihrem poppigen Gewand keinesfalls Mauerblümchen-like verstecken: “California dreaming”, “I can`t tell you why”, “Sorry seems to be the hardest word”… – Bekanntes aus Funk und Fernsehen, wenn auch großenteils schon 30, 40 Jahre alt.

 
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Andi Kissenbeck’s Club Boogaloo

Das Fachblatt „Jazzthetik“ schwärmte: Der Organist „Andi Kissenbeck swingt wie die Hölle“. Korrekt! Auf dem neuen Club-Boogaloo-Album “Monsoon Dance” finden sich jede Menge Songs die sofort in die Beine gehen. Hier ist der Name Programm: Während der Boogaloo-Ära Ende der sechziger Jahre waren viele Jazztempel auch Tanztempel.

 
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David Helbock Trio  Aural Colors

Ein paar offene Dissonanzen über grollendem Bass, perkussive Pattern auf dem Flügel mit teils sordinierten Saiten, dann legt das Trio los mit scheinbar luftigem Latin-Fusion-Jazz und einer harmlos anmutenden Melodie. Damit eröffnet David Helbock das Feld, auf dem dieses Album spielt.
Da wären einerseits die “Sechs kleinen Klavierstücke op. 19″ deren dreie Helbock in sein musikalisches Universum holt. Andererseits der ganz normale Helbock’sche Jazz, der frei assoziierend aber zwingend logisch durch die Jazzgeschichte pflügt und alles Material, das ihm unter die Finger kommt mal in kleinen Schritten mal direkt wie ein Prisma in seine verwertbaren Grundbestandteile zerlegt, die dann wiederum Rohmaterial für Rekombinationen werden können.

 
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Ryan Carniaux Quintet: Never Leave Your Baggage Unattended

Namhaft sind die Lehrer bei denen er am Berklee College in Boston studierte: Tiger Okoshi und Greg Hopkins. Der in New York City geborene Trompeter Ryan Carniaux ist selbst auf dem Weg namhaft zu werden.

„Never Leave Your Baggage Unattended“ ist sein zweites Album und das erste in Quintett-Formation. Die neun Stücke wurden von ihm, von seinem Mentor Wolfgang Lackerschmid und seinem Pianisten Mike Roelofs komponiert. Es ist eine Aneinanderreihung ausgesprochen lyrischer und melodischer Stücke und eine Reise durch die Traditionen unterschiedlicher Kontinente. Manchmal fühlt man sich sogar zeitversetzt in irgendeinen Jazzclub der 50er-Jahre.

 
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Omer Klein: Fearless Friday

„Fearless Friday - Angstfreier Freitag“ klingt ein wenig wie aus der Rubrik „Autofreier Sonntag“, nur lässt sich nicht eindeutig entschlüsseln, warum der Freitag angstfrei sein soll und warum nicht auch alle anderen Tage der Woche es sein sollten.
Omer Klein gibt verbal darüber keine zufriedenstellende Auskunft, er delegiert die Interpretation seines Albumtitels lieber an den Zuhörer. „Fearless Friday“ ist hingegen musikalisch von Beginn an spannungsaufbauend, oft rhythmisch schnell, drei aneinandergereihte Fragmente aus fliegenden Fingerbewegungen auf Klaviatur, Percussions-Instrumenten und Kontrabasshals.

 

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