Das letzte Album „Bukovina“ von Tovte wurde für einen Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Im Sommer folgt nun das neue Album des Quintetts.
Es dreht sich um Wetter und Wolken, von „Cirrus“ bis „Mistral“, von „Nebulae“ bis zum griechischen Herrscher der Winde, „Aiolos“.
Mit Cumulus, so der Titel des am 19.06.2026 erscheinenden Werks, erhebt sich Tovte in neue musikalische Sphären. Eine aufquellende Wolke ballt Elemente aus Minimal und Jazz, aus Klezmer- und Balkan-Anleihen. Nebulöse Atmosphären durchbrechen und durchdringen die Stücke, mal mystisch, mal rhythmisch, oft in unregelmäßigen Grooves wie 5er- und 7er-Takten, mit viel Raum für Improvisation und den freien Ausdruck der Musiker*innen.
Viele der Stücke sind in gemeinsamen Sessions entstanden und zeugen von einer neuen Herangehensweise bei der Entwicklung des gemeinsamen Tovte-Sounds. Dieser wagt mehr Freiheit und lässt z.B. in Soli frischen Wind herein.
Den Stücken „Cirrus“, dessen Ausgangspunkt es war, „etwas unisono zu spielen“ (was sich als ein längerer Prozess herausstellte als vorab gedacht), und dem Titelstück „Cumulus“ merkt man direkt an, dass sie aus Improvisationen entstanden sind: statt fester Formen folgte dem Quintett die gemeinsame Intuition. Das Stück zeigt, so Tovte, dass die „Band auch ein ‚Cumulus‘ ist, eine Akkumulation von fünf Musiker*innen mit ihren jeweiligen musikalischen Hintergründen und Vorlieben, wir versammeln uns mit unseren verschiedenen Persönlichkeiten, Ideen und Musikstilen. Mit dem entstandenen Klanggebilde laden wir dazu ein, es mit Assoziationsvermögen selbst wie ein Wolkenbild frei zu deuten.“
Auch das poetisch-klare Stück „Mistral“ begann als „Tutti-Impro“ und bringt den Klangkern von Tovte zum Vorschein. Dabei erinnert es ein wenig an die ersten Tage der Band, als Tobias Gubesch (Klarinette) und Leonhard Spies (Gitarre) an einem Sommertag begannen, Straßenmusik zu machen. Auch „Paquito“ und „Notos“ weisen in Richtung des schon vertrauten Tovte-Klangs, und „Nuvole“ stellt die Verbindung zwischen diesem Sound und dem Wolkenthema des neuen Albums (mit einer Verneigung an Debussys „Nuages“) sowie zu offenen Klangflächen her.
Bei einigen anderen Stücken des Albums stehen die jeweiligen Instrumente der Band im Vordergrund: Bei Tobias Gubeschs „Paquito“ die Klarinette mit ihrer zuversichtlichen Melodie und ihren Latin-Jazz-Anleihen als Hommage an den kubanischen Saxophonisten und Klarinettisten Paquito D’Rivera, oder bei Leonhard Spies‘ „Brücke bei Nacht“ die Gitarre, die eine mystisch-dichte Atmosphäre zeichnet.
Das von Anna Neubert (Violine) aus einer einfachen Zelle von Tönen kurz vor dem Schlafengehen gezupfte Stück „Nebulae“ veränderte sich durch das versetzte Wiederholen zu einer dichten, sich ständig verändernden Struktur, durch die „leicht verrückt und verfremdet eine Klezmermelodie durchscheint“, so Anna Neubert, „und damit weniger an irdische, sondern an kosmische Nebelwolken denken lässt, in denen aus verwirbeltem Weltraumdreck vielleicht ein neuer Stern entsteht.“
„Wetterleuchten“ stammt von Silas Eifler (Kontrabass). Nachdem er aufgedreht von einer Feier nach Hause kam, improvisierte er zum Runterkommen eine meditative Bassstimme, die ihn prompt zu einer Melodie für die Geigenstimme inspirierte. Über gemeinsame Bandproben entwickelte er die Stimmen der anderen und als zusätzliches Element kam der befreundete italienische Musiker Francesco Imbriaco bei den Aufnahmen im Friauler Eastland Studio in Cormons hinzu, der mit Improvisationen die vorab teilweise komponierte Melodie weiterentwickelte. Über den Arbeitsprozess sagt Silas Eifler: „Es erinnert mich daran, mich ab und zu mal aus dem Geschehen herauszuziehen und Dinge von außen zu betrachten. Wie beim Wetterleuchten, einem Phänomen, das nur aus der Ferne betrachtet werden kann."
Einen Gegenpol zu den experimentelleren Stücken des Albums bildet „Blaue Stunde“, die erste Komposition von Nathalie Litzner (Bratsche), die sie gemeinsam mit Silas Eifler geschrieben hat. Das Stück knüpft an einfache Volksweisen und Melodien an und beschreibt das Gefühl, zu später Stunde durch eine einst vertraute Stadt zu spazieren, dabei Melancholie und Sehnsucht nach dem Vergangenen, aber auch Optimismus zu verspüren.
Mit einer kleinen musikalischen Überraschung schließt das Album: Im Stück „Stroboskop“ treffen globale Musik und Minimal Groove auf akustischen Instrumenten zusammen. Bewusst verzichtet es auf Klezmer-Rhythmen und setzt stattdessen auf einen treibenden, tranceartigen perkussiven Beat, der wie eine Bassdrum die repetitiven Motive der Instrumente zusammenhält.
Frischer Wind, Unvorhersehbarkeit und das Experimentieren außerhalb der Genregrenzen, auch für Tovte gilt: nur wer sich ändert, bleibt sich treu – und hat Spaß, ob heiter oder wolkig.
Tovte, das sind: Tobias Gubesch (Klarinette), Nathalie Litzner (Bratsche), Anna Neubert (Violine), Leonhard Spies (Gitarre) und Silas Eifler (Kontrabass). Gefunden hat sich die Gruppe im Sommer 2012, zunächst als Straßenmusik-Kapelle um Tobias Gubesch.
Direkt von der Straße weg wurde Tovte zu einer jüdischen Hochzeit in die Synagoge in Köln eingeladen, um zu spielen. Dies war die Geburtsstunde der Band und die Initialzündung für eine Reise in die Welt des Klezmer.
Seitdem haben sich die fünf Musiker stetig weiterentwickelt und verbinden in ihrer Musik Einflüsse aus Jazz-Manouche, Ethno-Pop, Folk und Klassik, wodurch sie einen einzigartigen Stil kreieren. Inspiration erhielten Tovte von namhaften Musikern wie dem David Orlowsky Trio und Giora Feidman. 2019 erspielte sich Tovte den Sonderpreis beim NRW Creole Wettbewerb für Weltmusik. Tovte ist zu Gast bei Festivals wie dem Kurt-Weill-Fest in Dessau oder dem Fratopia-Festival der Alten Oper Frankfurt. Das letzte Album „Bukovina“ (2024) wurde für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.
Tovte: Cumulus
Label: Nußbaum Records | Vertrieb: Broken Silence
CD, digital
EAN/UPC: 4250137256399
VÖ: 19.06.2026
Weitere Informationen (Tovte)
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CUMULUS Album Release Teaser 19.06.2026 (0:57 Min.)

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