Kolumne – Meinung und Widerspruch
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- Geschrieben von: Dacia Maraini – Übersetzt und redaktionell bearbeitet von Dagmar Reichardt -
Erschießung per Livestream: Die Entscheidung der USA wirkt wie ein Rückschritt – selbst im Vergleich zu Cesare Beccarias Traktat Über Verbrechen und Strafen.
Was ist von diesem Anstieg und dieser Legitimierung von sozialem Hass, staatlicher Rache, dem brutalen und ungezügelten Sprachgebrauch sowie der Billigung der Herabwürdigung des Gegners zu halten? Wie lässt sich das verstehen?
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Seit Beethovens 9. Sinfonie zur Europahymne pervertiert wurde, weiß man, oder kann man wissen, dass schlechterdings alles – wohlwollend gesprochen – durch den Kakao gezogen werden kann.
Was in diesem speziellen Fall bedeutet und darauf hinausläuft, ein Stück Musik seinen eigenen partikulären – dieses falls weit ausgreifenden politischen – Interessen dienstbar zu machen.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Gesetzt den Fall, Gustav Mahlers Sicht auf und sein Verständnis der Weltbegebenheiten hatte, und dafür spricht Vieles, in etwa folgende Gestalt: Der Weltzustand ist einer voller „Lug und Trug, worin der Übermut in der Maske der Großmut und Wohltat, der Undank, die Verachtung und Empörung in der Maske der Dankbarkeit und Schmeichelei ihre Rollen spielen und sich wechselseitig anheucheln“.
Vor allem aber durchschaute er diese „Weltmaskerade“, hat sie mit musikalischem Geist geistreich erleuchtet und dekuvriert, „gleichsam die Musik zu diesem Karneval der Welt und Gesellschaft“ geschrieben. Der Tonsetzer konstatiert jedenfalls: „Zwischen Vergnügungen und Vergnügung besteht ein großer Unterschied.“ Ich jedenfalls habe selten Vergnügen an sogenannten Vergnügungen gehabt.“
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Der erste, kräftig und entschieden zu spielende Satz der 3., also der zwischen 1892 und 1896 komponierten d-Moll-Sinfonie Gustav Mahlers (1860–1911) für großes Orchester, Altsolo, Frauen- und Knabenchor, mag Robert Musil (1880–1942) den Gedanken eingegeben haben, seinen seit den 20er Jahren in Angriff genommenen „Fragment-Roman“ Der Mann ohne Eigenschaften zu komponieren, um damit letztlich zu … scheitern.
Nicht zuletzt auch deswegen zu scheitern, weil – ich werde es gleich vor dem Hintergrund der Haupt- und Staatsaktion, also der berüchtigten Parallelaktion, zu verifizieren versuchen – ein alles überwältigender militärisch-gewalttätiger Bombast sich zwangsläufig selbst ad absurdum führt, bzw. unwillkürlich der lächerlichsten, grotesk aufgeblasenen Lächerlichkeit überführt.
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- Geschrieben von: Peter D. Schmidt -
Man kann behaupten, es sei eine Tradition: Zum wiederholten Mal fand im Marmorsaal des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg am Sonntag, den 18. Januar 2026, der Neujahrsempfang der Hamburger Autorenvereinigung statt.
Über die Jahre – mit einem Aussetzer durch die Corona-Pandemie – werden von der 1977 gegründeten Hamburger Autorenvereinigung (HAV) Ehrengäste eingeladen, die sich durch Vortrag, Gespräch oder Interview zu unterschiedlichen Themen der Kultur, Literatur, Kritik und des Arbeitsalltags vorstellen oder vorgestellt werden.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
„Die Chaconne ist mir eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf ein System für ein kleines Instrument schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen. Hätte ich das Stück machen, empfangen können, ich weiß sicher, die übergroße Aufregung und Erschütterung hätten mich verrückt gemacht.“ (Johannes Brahms)
Mit diesem Solostück für die Violine, der Chaconne aus der Partita d-Moll, BWV 1004, hat Johann Sebastian Bach das Disparateste in eine Einheit seligen Selbstvergessens überführt.
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- Geschrieben von: Salzburger Festspiele -
„Christoph von Dohnányi war ein Spezialist für Vieles, ein Grandseigneur unter den großen internationalen Dirigenten, denen die Salzburger Festspiele ihren Weltruf verdanken. Zwischen 1962 und 2014 gelangen ihm immer wieder unvergessliche Opern- und Konzertabende,“ erklärte Festspielintendant Markus Hinterhäuser zum Tod von Christoph von Dohnányi.
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- Geschrieben von: Peter D. Schmidt -
Meine erste Begegnung mit ihm hatte ich als Politiker. 1979 reiste ich mit meiner CDU-Bürgerschaftsfraktion nach London. Bei einem Gesellschaftsabend in unserem Hotel wurde er als ARD-Korrespondent an meiner Seite platziert, da ich für die Medien in Partei und Fraktion zuständig war.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Ich will mich an dieser Stelle lediglich über die Verbier-Variante äußern. Weil ich es dem zum akustischen Vergleich schreitenden Leser überlassen will, die implizierten Schlussfolgerungen im Sinne einer Übertragung auf eigene Faust zu ziehen. Denn sie scheinen mir auf der Hand zu liegen.
Es handelt sich, ehe ich’s vergesse zu erwähnen, um das Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll, op. 16 von Sergei Prokofjew, das in der zu besprechenden Einspielung, was zu betonen nicht überflüssig und durchaus von Belang ist, ungefähr vier Minuten weniger Zeit ‚in Anspruch genommen‘ hat. Weil die Gesamtdynamik damit in den Fokus des Interesses rückt.
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- Geschrieben von: Iain Chambers (Autor) | Dagmar Reichardt (Übersetzung) -
Im Schaufenster eines Latino-Supermarktes in der kalifornischen Kleinstadt Santa Cruz hängt ein Aushang mit einer Reihe von Telefonnummern.
Sie können in verschiedenen Bezirken Kaliforniens angerufen werden, wenn man auf eine schnelle Antwort in dem Fall hofft, dass bei einem die Strafverfolgungsbehörden – Polizisten des berüchtigten „Immigration and Customs Enforcement“ (ICE) – mit Abschiebungsabsicht an die Tür klopfen.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Die Lieder aus dem Taugenichts, von denen Thomas Mann als hochberühmten Kleinoden schwärmte, sind in dieser Komposition und speziell in dieser Einspielung ein zweites, und womöglich authentischeres Mal realisiert worden. Und zwar ohne den faden Beigeschmack einer unabsichtlich zu sich selbst auf Distanz gehenden, ironisch gebrochenen Biedermeierlichkeit.
Also dem Vortäuschen von Heil- und Ganzheit, da es sich doch in Wahrheit um eine frömmelnde Volkstümlichkeit, also den epigonalen Abguss eines scheinauthentischen Idylls handelt.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Verhält es sich so, dass nicht jede Komposition zu jedem Interpreten, oder, vielmehr, nicht jeder Interpret zu jeder Komposition ‚passt‘ – auf die Reihenfolge der Gewichtung ist in der Musik, wie sich von selbst versteht, unbedingt zu achten?
Dann verhält es sich mit Max Bruchs (1838–1920) 1868 endgültig fertiggestelltem 1. Violinkonzert in g-Moll, op. 26, das er, je länger, je mehr als ‚Fluch‘ empfand – „Ich kann dieses Concert nicht mehr hören – habe ich vielleicht nur dieses eine Concert geschrieben? Gehen Sie hin und spielen Sie endlich einmal die anderen Concerte, die ebenso, wenn nicht besser sind!“ – so, dass dieses mindestens drei Gefühlslagen auslotende, ihnen mit höchster Sensibilität nachsinnende Stück Musik in diesem Konzert mit dieser Soloviolinistin seine kongeniale Interpretation gefunden hat.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Ich will nicht über dieses Violinkonzert in D-Moll, Op. 77 von Johannes Brahms (1833–1897) aus dem Jahr 1878 sprechen. Allenfalls möchte ich, in einer Art Summary, die Grundtöne der drei Sätze kurz in Erinnerung rufen.
Im 1., Allegro non troppo überschriebenen Satz, ist ein ins Extreme gesteigerter Schrei des Schmerzes und der Verzweiflung sozusagen omnipräsent. Wobei der unerhört zaghaft-sanft-flehende Eintritt des Orchesters im Anschluss an die Solokadenz die Grundstimmung des 2. Satzes in nuce antizipiert. Der 2. Adagio-Satz ist ein auf Grund seiner Herzinnigkeit ebenfalls schmerzhafter (Liebes-) Dialog zwischen der Oboe (der Querflöte und dem Fagott) und der Violine. Das Allegro giocoso, ma non troppo vivace überschriebene Finale ist ein mit eruptiver Macht und begeisternder Verve herausplatzender Teufelstanz ungarischen Charakters.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Was passiert, wenn während eines Konzertauftritts die Saite eines Streichinstruments reißt? Ich erinnere mich an zwei Fälle, bei denen dieses Malheur passiert ist. Der Cellistin Jacqueline du Pré, die 1967 den Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim ehelichte, ist zu Beginn eines Satzes die Saite gerissen.
Sie verließ daraufhin die Bühne, um – das Ganze dauerte in etwa fünf Minuten – eine neue Saite aufzuziehen.
