Meine erste Begegnung mit ihm hatte ich als Politiker. 1979 reiste ich mit meiner CDU-Bürgerschaftsfraktion nach London. Bei einem Gesellschaftsabend in unserem Hotel wurde er als ARD-Korrespondent an meiner Seite platziert, da ich für die Medien in Partei und Fraktion zuständig war.
Unser Besuch in London war gerade kurz nach dem Regierungswechsel von der Labor auf die Konservative Partei. Als Regierungschefin hatte Margaret Thatcher den Prime Minister James Callaghan abgelöst.
In Erinnerung ist mir Seelmann-Eggeberts Kritik an der Tagesschau. Er habe vergeblich versucht, der Tagesschau einen Bericht über Thatcher und ihren Wahlkampf anzubieten. Abgenommen wurde dagegen der Wahlkampf des Amtsinhaber Callaghan. Für die
Tagesschau-Seher wäre die Wahlsiegerin eine unbekannte Politikerin. Auf den Einwand des Korrespondenten, dass man doch ausgewogen berichten müsse, kam die Ablehnung, welche in Deutschland bei der Berichterstattung in Sachen SPD-lastig üblich war. Nach dem Motto, für die Konservativen habe man den Landfunk für die Landwirtschaft am Nachmittag, was in Deutschland wenig später durch den Aufstand der CDU-Ministerpräsidenten von Schleswig- Holstein und Niedersachsen korrigiert wurde.
Als Fernsehzuschauer sah man später gern die von Seelmann-Eggebert vor Ort kommentierten BBC-Proms in der Royal Albert Hall. Das allein war Kult, der leider von den Nachfolgern nicht erreicht wurde.
Meine erneute Begegnung mit ihm war meine Zeit bei einem Lebensmittel-Unternehmen, das seinerzeit Hauptsponsor der Hamburger Camerata war. Er, dessen Hobby Musik war, unterstützte das Kammerorchester und war auch bei den von mir eingeführten
Empfängen im Brahms-Foyer nach den Konzerten in der Laeiszhalle oft Redner.
Auch hier ist mir seine Kritik an die weitgehende Abschaffung von Rundfunkorchestern in Erinnerung. Das sorgte, so der Verstorbene, schon vor vielen Jahren für die immense Einschränkung der Kammermusik, immerhin eines musikalischen Juwels in Deutschland.
Seelmann-Eggebert stellte ohnehin fest, dass das Repertoire der verbliebenen Orchester sich seitdem auf relativ wenige Werke der Komponisten beschränkt. Also die Breite unseres musikalischen Schatzes, auch aufgrund weniger Übertragungen in Rundfunk und Fernsehen, sich in der Wahrnehmung der Bevölkerung nicht widerspiegelt.
Er hat auch noch erlebt, dass klassische Musik, der er sehr angetan war, weitgehend in Spartensender verlagert wurde. Wir trauern um einen, in der Geschichte der Bundesrepublik bedeutenden Journalisten.
Peter D. Schmidt

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