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Film & Kino aktuell

Film

„Gundermann”. Oder die Dialektik des Widerspruchs

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Geschrieben von: Anna Grilet - Montag, 20. August 2018 um 08:37 Uhr
Gundermann

Er war Baggerfahrer und Liedermacher, ein Querdenker, Poet, Arbeiteridol, Rebell und Stasi-Spitzel. Gerhard “Gundi” Gundermann, der ungelenke Brillenträger und eigenwillige Sozialist aus der Lausitzer Braunkohle-Region, hofft, träumt und kämpft für eine bessere Welt und um seine große Liebe.
Regisseur Andreas Dresen inszeniert das ungewöhnliche Künstler-Porträt mit Alexander Scheer in der Hauptrolle als ein Stück deutsch-deutscher Geschichte, so behutsam, so klug, mit verhaltener Zärtlichkeit, wie es zuvor noch keinem anderen gelang. “Gundermann” erzählt von Schuld und Verstrickung, Verdrängen und Sich-Stellen-Wollen, eröffnet eine neue, differenziertere Perspektive auf jenes längst verschwundene Land.

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Film

„Grenzenlos”. Wim Wenders und die Metaphorik der Finsternis

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Geschrieben von: Anna Grillet - Donnerstag, 02. August 2018 um 08:16 Uhr

Grenzenlos Wim Wenders

 

„Grenzenlos” ist eine wundervolle, melancholische moderne Liebesgeschichte zwischen Rettung und Untergang unseres Planeten.
Regisseur Wim Wenders will nicht verzaubern sondern behutsam seine Wahrnehmungen vermitteln, so entstand ein vielschichtiges fragiles Kunstwerk über Entfremdung, Erlösung und Einsamkeit. Die meisten Kritiker verweigern sich, reagieren mit wohlfeilem Zynismus, verlangen nach einem zweiten „Paris Texas“ (1984), außer Acht lassend, dass sie wahrscheinlich solch Epos heute ebenso gnadenlos verreißen würden. Der Blick fürs Subtile geht zunehmend verloren, während sich auf den Leinwänden der Kinos die Protagonisten des Comic-Universums zusammenrotten. Action-Spektakel als grandioser post-apokalyptischer Mix aus Operninszenierung und Rockkonzert, „Mad Max” & Co veränderten Sehgewohnheiten wie auch Erwartungen, ‚Netflix‘ produziert, wir konsumieren.

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Film

„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls

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Geschrieben von: Anna Grillet - Mittwoch, 11. Juli 2018 um 08:25 Uhr
Foxtrot von Samuel Moaz

Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, zugleich poetisch und verstörend schön, aber auch absurd komisch. Ein wahres Meisterwerk.
Das menschliche Dasein inszeniert der israelische Regisseur als surrealen Tanz der Ausweglosigkeit zwischen nationalen und persönlichen Traumata, es gibt kein Entrinnen, kein Aufbegehren. Jenes frappierende irrwitzige Wechselspiel von Realität und Symbolik wurde in Venedig mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, Israels Kultusministerin Miri Regev dagegen verurteilte aufs Schärfste den Film, da er ihrer Ansicht nach eine Diffamierung der heimischen Streitkräfte sei.

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Film

„Love, Cecil“. Auf der Jagd nach Schönheit: Cecil Beaton

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Geschrieben von: Anna Grillet - Montag, 02. Juli 2018 um 08:50 Uhr
Love Cecil

Er kreierte den Look von Audrey Hepburn, porträtierte die Queen und Marilyn Monroe, hasste Mittelstand und Mittelmaß: Lisa Immordino Vreeland schildert den legendären britischen Fotografen und Dandy in ihrem Dokumentarfilm „Love, Cecil” mit all seinen Widersprüchen, charmant, brillant, bösartig, ein interdisziplinärer Künstler, süchtig nach Anerkennung und voller Selbstzweifel.
Ob als Maler, Innenarchitekt, visueller Chronist, Setdesigner oder Kostümbildner, Cecil Beaton (1904-1980) faszinierte die Oberen Zehntausend diesseits und jenseits des Atlantiks. Rupert Everett leiht dem ruhelosen Multi-Talent seine Stimme, die Tagebucheintragungen aus dem Off geben dem Leinwand-Epos Intimität, Melancholie, fast ist es, als würden wir Seite an Seite mit dem Protagonisten in der Vergangenheit stöbern.

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Film

„The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao

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Geschrieben von: Anna Grillet - Montag, 25. Juni 2018 um 09:20 Uhr
The Rider

Im Pine Ridge Reservat von South Dakota lernen Cowboys reiten, bevor sie krabbeln können. Brady Jandreau war gerade fünfzehn Tage alt, als er das erste Mal auf einem Pferd saß. Mit kaum achtzehn Jahren ist der indianische Rodeo-Reiter ein umschwärmter Champion. Dann 2016 ein beinahe tödlicher Unfall in der Arena, der Huf des Pferdes zertrümmert seine Schädeldecke, mehrere Tage Koma, die Ärzte setzen eine Metallplatte ein. Brady darf nie wieder reiten, er kann und will es nicht akzeptieren, für ihn als direkter Sioux-Nachkomme würde es mehr als das Ende einer Karriere bedeuten, Pferde sind sein Leben.
„The Rider“ ist von herzzerreißender Schönheit, lakonisch und zutiefst bewegend. Kein Neo-Western hat je so radikal mit den Stereotypen des Genres gebrochen. Regisseurin Chloé Zhao drängt sich nie in den Vordergrund, nähert sich behutsam ihren Protagonisten und dem trügerischen Mythos vom unzerstörbaren Cowboy.

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Film

„Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk

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Geschrieben von: Anna Grillet - Freitag, 15. Juni 2018 um 09:16 Uhr
Hereditary – Das Vermächtnis

Während Krisenzeiten lechzt das Kino-Publikum nach Schauder und Schrecken besonderer Art, der US-amerikanische Regisseur Ari Aster ist ein Meister darin.
Seine blutige mysteriöse Familien-Saga „Hereditary – Das Vermächtnis” feierten die Journalisten schon bei der Weltpremiere in Sundance als besten Horrorfilm des Jahrzehnts und Hauptdarstellerin Toni Colette als brillante Furcht-Maschine.

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Film

„Goodbye Christopher Robin”. Die Einsamkeit des A.A. Milne

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Geschrieben von: Anna Grillet - Freitag, 08. Juni 2018 um 08:42 Uhr
Goodbye Christopher Robin

Wie die legendären Abenteuer von Winnie-the-Pooh und dem Hundert-Morgen-Wald entstanden, schildert Simon Curtis ästhetisch virtuos in seinem Biopic über den Schriftsteller Alan Alexander Milne.
Der britische Regisseur („My Week With Marilyn“) versteht sich auf filigrane spannungsreiche Beziehungen. Er inszeniert das melancholische Familien-Epos „Goodbye Christopher Robin” als trügerische Idylle und schillerndes Gesellschaftsporträt: Der Bär von geringem Verstand, das ängstliche Ferkel und der permanent missmutige I-Ah verzaubertenMillionen von Lesern, tun es heute noch, nur das Leben eines Kindes zerstörten sie.

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Film

„Augenblicke: Gesichter einer Reise” mit Agnès Varda und JR

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Geschrieben von: Anna Grillet - Montag, 04. Juni 2018 um 09:12 Uhr
Augenblicke Gesichter einer Reise

Sie sind gewiss das ungewöhnlichste Regie-Duo des französischen Kinos: die 90jährige Filmemacherin Agnès Varda, Ikone der Novelle Vague, deren kreative Energie ungebrochen scheint und der 34jährige Street Artist und Fotograf JR.
Ihr gemeinsamer Dokumentarfilm fühlt sich an wie ein Roadmovie und schildert auch die Entstehung ihrer Freundschaft. In JRs Truck, der einer Kamera mit Rädern ähnelt, begeben die beiden sich auf eine Fahrt quer durch Frankreich, von der Provence bis zur Normandie, um Geschichten und Gesichter zu entdecken und in gigantische Schwarz-Weiß-Porträts an Fassaden, Zügen oder Schiffscontainern zu verwandeln. Sie widmen ihre Kunst Fabrikarbeiten, Briefträger und Kellnerin, den Menschen ohne Macht. Aus Landschaften werden so Bühnen, aus Blicken unvergessliche Begegnungen. Varda und JR verbindet als Grenzgänger zwischen den Genres nicht nur die Leidenschaft für Bilder sondern auch ein Gespür für die Poesie des Moments.

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Film

„The Happy Prince”. Rupert Everett und die Ästhetik der Melancholie

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Geschrieben von: Anna Grillet - Donnerstag, 24. Mai 2018 um 08:59 Uhr

Paris, 1898, der Regen prasselt auf die Tische des Straßencafés, nur ein älterer, etwas verwahrloster Mann sitzt draußen, geduldig darauf hoffend, dass noch jemand vorbeikommt, ihm einen Drink spendiert. Es ist Oscar Wilde (Rupert Everett). Vorbei die Zeit grandioser Triumphe und grenzenloser Bewunderung, der einst umjubelte irische Schriftsteller ist nach Zuchthaus und Zwangsarbeit ein innerlich gebrochener Mann, auch wenn er es hinter seinem Zynismus zu verstecken versucht.

Wo die Filme anderer Regisseure über den Liebling des viktorianischen Bürgertums enden, genau dort setzt Rupert Everett mit „The Happy Prince” an. Lange und oft verzweifelt hat er für die Realisierung dieses Projekts gekämpft, inszeniert nun die letzten Lebensjahre des schwulen Künstlers als leidenschaftliches Porträt eines verfemten Außenseiters auf der Suche nach Erlösung.

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Film

„The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur

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Geschrieben von: Anna Grillet - Montag, 21. Mai 2018 um 09:28 Uhr

Unsere Bilderflut ist apokalyptisch: Jede Minute 500 Stunden Video auf YouTube, 450.000 Tweets auf Twitter. Nicht alles was hochgeladen wird, bleibt. Die Silicon-Valley-Konzerne entscheiden über Kriterien und Vorgaben, die Arbeit selbst wird an Dienstleistungsunternehmen fern der Heimat delegiert.

Der Dokumentarfilm „The Cleaners” enthüllt die geheimen Praktiken des weltweit größten Outsourcing-Standorts für Content-Moderation in Manila. Hier arbeiten zehntausende von Menschen, globalen Putzkolonnen gleich, im Auftrag von Facebook, Instagram & Co.

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Film

„Isle of Dogs – Ataris Reise”. Die postmoderne Schwermut des Wes Anderson

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Geschrieben von: Anna Grillet - Donnerstag, 10. Mai 2018 um 09:27 Uhr

Wieder gilt die Liebe von Wes Anderson den Vertriebenen, den politisch Verfolgten: der amerikanische Kultregisseur lehrt uns das Erinnern, während er von der Zukunft erzählt und die Gegenwart alles überschattet.
Der skurrile Humor seiner dystopischen Stop-Motion-Parabel „Isle of Dogs – Ataris Reise” ist um vieles düsterer als in der melancholisch grotesken Gaunerkomödie „The Budapest Hotel”. Trotzdem lachen wir, sind hingerissen von dem überbordenden bizarren Zauber dieses neu entdeckten Miniaturkosmos zwischen schillernden Müllhalden und fernöstlicher Kunst, Diktatur und Rebellion, Wuff und Wau. Ein Tanz auf dem Vulkan.

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Film

„7 Tage in Entebbe”. José Padilha und die Ästhetik des Widerstands

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Geschrieben von: Anna Grillet - Donnerstag, 03. Mai 2018 um 09:08 Uhr
7 Tage in Entebbe

27. Juni 1976- deutsche und palästinensische Terroristen kapern die Air France Maschine 139 auf ihrem Flug von Tel Aviv nach Paris und erzwingen eine Landung in Entebbe, Uganda. Unter Androhung, die Passagiere nacheinander zu töten, fordern die Entführer fünf Millionen Dollar Lösegeld und die Freilassung von mehr als 50 inhaftierten Palästinensern.
José Padilha inszeniert sein kontroverses Geiseldrama „7 Tage in Entebbe” bewusst nicht als spannungsgeladenen Action-Thriller sondern als gefährliche Gratwanderung zwischen den Ideologien, nie bezieht er, der brasilianische Regisseur, selber politisch Position. Wie ein rast- und ratloser Unterhändler pendelt er zwischen Fronten und Gegnern, Fiktion und Fakten, die Perspektive auf das Geschehen wechselt ständig.

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Film

„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?

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Geschrieben von: Anna Grillet - Freitag, 20. April 2018 um 10:10 Uhr

Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.

Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er tötet, nur wenn es sein muss: schnell, effizient, ohne zu zögern mit einem Rundhammer. Der Kriegsveteran und ehemalige FBI-Agent hat sich spezialisiert auf die Rettung entführter Minderjähriger, Mädchen, die in Nobel-Bordellen zur Prostitution gezwungen werden wie die dreizehnjährige Nina (Ekaterina Samsonov), Tochter des ambitionierten New Yorker Senators Votto. Joes Klientel zahlt gut, begrüßt Gewalt als Lösung und dementsprechend fließt viel Blut, aber außerhalb unseres Blickfeldes.

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Film

„3 Tage in Quiberon". Romy Schneider und die Flucht vor dem eigenen Mythos

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Geschrieben von: Anna Grillet - Donnerstag, 12. April 2018 um 09:07 Uhr

Ein felsiger Strand in der Bretagne. Das Rauschen der Wellen wird übertönt vom Geschrei der Möwen. Eine Familie lässt einen Drachen steigen. Etwas weiter weg sitzt Romy Schneider auf der Hotelterrasse, unverwechselbar ihr Stil, Trenchcoat, Pferdeschwanz, Zigarette, sehnsüchtige Ausstrahlung. So beginnt Emily Atefs Film „3 Tage in Quiberon" über die damals berühmteste europäische Schauspielerin und jenes legendäre letzte Interview 1981 mit dem Magazin ‚Stern’.

Es ist das Porträt eines verzweifelten Befreiungsversuchs: intensiv, leidenschaftlich, schmerzvoll, ungeschminkt in der Tradition von John Cassavetes’ „A Woman Under the Influence” (1974). Momentaufnahmen hinreißend melancholischer Schönheit und doch erschreckend realistisch, die Traumrolle par excellence für Marie Bäumer.

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