Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Kultur, Geschichte und Management

„Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit

Drucken
(89 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 07. November 2017 um 10:16 Uhr
„Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit 3.9 out of 5 based on 89 votes.
„Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit

Es gilt als „Bibel der Arbeiterklasse“ und Pflichtlektüre kommunistischer Parteien – doch vermutlich hat nur ein Bruchteil der internationalen Arbeiterschaft dieses Bergwerk von einem Buch tatsächlich gelesen. Vor genau 150 Jahren, im September 1867, erschien der erste Band „Das Kapital“ von Karl Marx.
Was die wenigsten wissen: Es kam in Hamburg heraus, im Verlag Otto Meissner. Grund genug für das Museum der Arbeit in Hamburg dem Mammutwerk, an dem der wohl berühmteste ökonomische Theoretiker des 19. Jahrhunderts mehr als 20 Jahre lang gearbeitet hatte, eine Ausstellung zu widmen.

Diese Ausstellung klebt am Text. Schrift, Schrift, Schrift – wohin das Auge blickt. Dabei ist doch gerade das Museum der Arbeit voller historischer Maschinen, Werkzeuge und Fotografien, die anschaulich belegen können, unter welchen Bedingungen die Menschen damals geschuftet haben und wie enorm die Kluft zwischen den Fabrikbesitzern, den Kapitalisten, und der besitzlosen Klasse der Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung war. Die prekären Arbeitsbedingungen, die unzumutbaren Wohnbedingungen in den Ballungsräumen der Großstädte, die allgemeine Verelendung des Proletariats, die Marx vor allem in London beobachtet hatte und die den Anstoß zu seiner „Kritik der politischen Ökonomie“ gab, hatte die MKG-Schau „Jugendstil, die große Utopie“ Anfang 2016 mit frühen Filmen aus Fabriken und Manufakturen eindringlich vor Augen geführt. Sinnliche Bilder wie diese fehlen hier, oder sind marginal klein zwischen den Bleiwüsten versteckt. Wenn jetzt das Argument kommen sollte, die Dokumentaraufnahmen entstanden erst 20, 30 Jahre später, ist das zwar richtig, doch unerheblich. Um die Auswüchse des Kapitalismus deutlich zu machen, die Marx anprangert, braucht es Eindrücke von Arbeitsfron und Ausbeutung, keine Pinnwände von verkopften Thesen, keine Karl-Marx-Spieluhren und auch kein Puppenhaus als Model, wo Marx in London lebte.

Der Auftakt allerdings ist eindrucksvoll: Eine Rauminszenierung voller hochgetürmter Dosen mit Aufschriften wie „Brot, Reis, Kartoffeln, aber auch Liebe, Luft und Zeit. Dosen also, die den ersten Satz des „Kapital“ verdeutlichen: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform“.

Im Museum der Arbeit erscheint sie als eine ungeheure Textansammlung. Und so muss man reichlich Zeit mitbringen und guten Willens sein, sich in die Briefe, Buchauszüge, Plakate und Pinnwände zu vertiefen, sonst ziehen die Kapitel „Schreiben“, „Publizieren“, „Lesen“, „Begreifen“ und „Diskutieren“ einfach vorbei. Wieviel anschaulicher ist da doch „Karl Marx in Hamburg“, das Buch von Jürgen Bönig zum Produktionsprozess des „Kapital“. Auch Text, wohl wahr, doch reich bebildert und sehr lebendig beschrieben, wie mühsam dieses Schwergewicht entstand. Allein der Druck: Rund 1,9 Millionen Lettern haben die Leipziger Setzer bewegt - 3,2 Tonnen Blei.

„Karl Marx, Das Kapital“

Zu sehen bis zum 4. März 2018 im Museum der Arbeit
Weitere Informationen

Jürgen Bönig, „Karl Marx in Hamburg“, VSA Verlag, 19.80 Euro.


Abbildungsnachweis:
Header: Marx als Streetart, Neue Große Bergstrasse in Hamburg-Altona, Juni 2017. Foto Daniel Nide
Galerie:
01. links: Karl Marx, 1875. Foto: Karl Dietz Verlag. Rechts: Das Kapital. Erster Band, September 1867, Widmungsexemplar von Karl Marx an Johann Georg Eccarius
Antiquariat Inlibris Wien
02. Straßenschild der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln, 2016. Foto: picture alliance, Sascha Steinach
03. Karl-Marx-Spieluhr, Leihgabe von Peter Hess. Foto: Wolfhard Struck, Museum der Arbeit
04. Rudi Dutschke und Das Kapital von Karl Marx, 1968. Foto: bpk Charles Wilp
05. Protestdemonstration zum G20-Gipfel in der Hamburger Innenstadt, 8. Juli 2017. Foto: Rafael Heygster
06. Performance anlässlich des G20-Gipfels in der Hamburger Innenstadt, 5. Juli 2017. Foto: Rafael Heygster
07. Demonstration mit Marx-Konterfei, Toronto 2012
08. Wheatpaste Karl Marx, Sao Paulo, 2016. Foto: picture alliance, ZUMA Press
09. Karl-Marx-Büste, Museum der Arbeit. Foto: SHMH, Elke Schneider
10. Buchumschlag: Jürgen Boenig, „Marx in Hamburg“

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Sabine Carbon
+2
 
 
Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuch über Karl Marx: "Ohne Schein kein Sein - Maria rettet Karl Marx", in dem es nicht nur um Marx´ Ideen und sein Leben in London geht, sondern auch um Probleme und Widersprüche. Alles wunderbar illustriert von Maren Barber, erschienen bei edition.SABA.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Kultur & Management > „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im...

Mehr auf KulturPort.De

Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig
 Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig



Sie gilt als bekannteste „Mafia-Fotografin“ und als „eine der wichtigsten Fotografinnen unserer Zeit“, aber auch als politisch, ökologisch, sozial und f [ ... ]



DDR-Schlager, Weltraum-Fuzzys und Russische Rapper
 DDR-Schlager, Weltraum-Fuzzys und Russische Rapper



Das erste Wochenende nach der Eröffnung des Sommerfestivals auf Kampnagel
„Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200...“ Manchen mögen  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.