Neue Kommentare

NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Hans Joachim Schneider zu Tina – das Tina Turner Festival: Was soll aus einem Stück werden, wenn die Dame, ...
Marion Sörensen zu Leipziger Buchmesse – Impressionen: Das ist wieder einmal ein wunderbar geschriebener...
Dagmar Reichardt zu Ennio Morricone: Farewell-Tour 2019: Danke, lieber Herr Cvek! Ja, das war ein wirklich...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Kultur, Geschichte und Management

„Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit

Drucken
(88 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 07. November 2017 um 10:16 Uhr
„Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit 3.9 out of 5 based on 88 votes.
„Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit

Es gilt als „Bibel der Arbeiterklasse“ und Pflichtlektüre kommunistischer Parteien – doch vermutlich hat nur ein Bruchteil der internationalen Arbeiterschaft dieses Bergwerk von einem Buch tatsächlich gelesen. Vor genau 150 Jahren, im September 1867, erschien der erste Band „Das Kapital“ von Karl Marx.
Was die wenigsten wissen: Es kam in Hamburg heraus, im Verlag Otto Meissner. Grund genug für das Museum der Arbeit in Hamburg dem Mammutwerk, an dem der wohl berühmteste ökonomische Theoretiker des 19. Jahrhunderts mehr als 20 Jahre lang gearbeitet hatte, eine Ausstellung zu widmen.

Diese Ausstellung klebt am Text. Schrift, Schrift, Schrift – wohin das Auge blickt. Dabei ist doch gerade das Museum der Arbeit voller historischer Maschinen, Werkzeuge und Fotografien, die anschaulich belegen können, unter welchen Bedingungen die Menschen damals geschuftet haben und wie enorm die Kluft zwischen den Fabrikbesitzern, den Kapitalisten, und der besitzlosen Klasse der Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung war. Die prekären Arbeitsbedingungen, die unzumutbaren Wohnbedingungen in den Ballungsräumen der Großstädte, die allgemeine Verelendung des Proletariats, die Marx vor allem in London beobachtet hatte und die den Anstoß zu seiner „Kritik der politischen Ökonomie“ gab, hatte die MKG-Schau „Jugendstil, die große Utopie“ Anfang 2016 mit frühen Filmen aus Fabriken und Manufakturen eindringlich vor Augen geführt. Sinnliche Bilder wie diese fehlen hier, oder sind marginal klein zwischen den Bleiwüsten versteckt. Wenn jetzt das Argument kommen sollte, die Dokumentaraufnahmen entstanden erst 20, 30 Jahre später, ist das zwar richtig, doch unerheblich. Um die Auswüchse des Kapitalismus deutlich zu machen, die Marx anprangert, braucht es Eindrücke von Arbeitsfron und Ausbeutung, keine Pinnwände von verkopften Thesen, keine Karl-Marx-Spieluhren und auch kein Puppenhaus als Model, wo Marx in London lebte.

Der Auftakt allerdings ist eindrucksvoll: Eine Rauminszenierung voller hochgetürmter Dosen mit Aufschriften wie „Brot, Reis, Kartoffeln, aber auch Liebe, Luft und Zeit. Dosen also, die den ersten Satz des „Kapital“ verdeutlichen: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform“.

Im Museum der Arbeit erscheint sie als eine ungeheure Textansammlung. Und so muss man reichlich Zeit mitbringen und guten Willens sein, sich in die Briefe, Buchauszüge, Plakate und Pinnwände zu vertiefen, sonst ziehen die Kapitel „Schreiben“, „Publizieren“, „Lesen“, „Begreifen“ und „Diskutieren“ einfach vorbei. Wieviel anschaulicher ist da doch „Karl Marx in Hamburg“, das Buch von Jürgen Bönig zum Produktionsprozess des „Kapital“. Auch Text, wohl wahr, doch reich bebildert und sehr lebendig beschrieben, wie mühsam dieses Schwergewicht entstand. Allein der Druck: Rund 1,9 Millionen Lettern haben die Leipziger Setzer bewegt - 3,2 Tonnen Blei.

„Karl Marx, Das Kapital“

Zu sehen bis zum 4. März 2018 im Museum der Arbeit
Weitere Informationen

Jürgen Bönig, „Karl Marx in Hamburg“, VSA Verlag, 19.80 Euro.


Abbildungsnachweis:
Header: Marx als Streetart, Neue Große Bergstrasse in Hamburg-Altona, Juni 2017. Foto Daniel Nide
Galerie:
01. links: Karl Marx, 1875. Foto: Karl Dietz Verlag. Rechts: Das Kapital. Erster Band, September 1867, Widmungsexemplar von Karl Marx an Johann Georg Eccarius
Antiquariat Inlibris Wien
02. Straßenschild der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln, 2016. Foto: picture alliance, Sascha Steinach
03. Karl-Marx-Spieluhr, Leihgabe von Peter Hess. Foto: Wolfhard Struck, Museum der Arbeit
04. Rudi Dutschke und Das Kapital von Karl Marx, 1968. Foto: bpk Charles Wilp
05. Protestdemonstration zum G20-Gipfel in der Hamburger Innenstadt, 8. Juli 2017. Foto: Rafael Heygster
06. Performance anlässlich des G20-Gipfels in der Hamburger Innenstadt, 5. Juli 2017. Foto: Rafael Heygster
07. Demonstration mit Marx-Konterfei, Toronto 2012
08. Wheatpaste Karl Marx, Sao Paulo, 2016. Foto: picture alliance, ZUMA Press
09. Karl-Marx-Büste, Museum der Arbeit. Foto: SHMH, Elke Schneider
10. Buchumschlag: Jürgen Boenig, „Marx in Hamburg“

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Sabine Carbon
+2
 
 
Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuch über Karl Marx: "Ohne Schein kein Sein - Maria rettet Karl Marx", in dem es nicht nur um Marx´ Ideen und sein Leben in London geht, sondern auch um Probleme und Widersprüche. Alles wunderbar illustriert von Maren Barber, erschienen bei edition.SABA.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Kultur & Management > „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im...

Mehr auf KulturPort.De

Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance
 Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance



Wer sakrale Kunst schätzt, sollte eine bemerkenswerte Ausstellung in Berlin nicht versäumen. In Kooperation mit der National Gallery, London, präsentieren die [ ... ]



„Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.
 „Ein letzter Job”. Oder der diskrete Charme des Michael Caine.



Das Alter ist ein besonders tückischer gefräßiger Moloch, die Zeit drängt, doch Schauspieler wie der 86jährige Michael Caine in „Ein letzter Job” trotze [ ... ]



Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
 Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze



„Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leic [ ... ]



Wolfgang Marx: Am grauen Meer
 Wolfgang Marx: Am grauen Meer



„Warum“, möchte „Der Freitag“ von einer erfolgreichen Drehbuchautorin wissen, warum „kommt bei Angst so viel Rosamunde Pilcher heraus?“ Mit Angst sp [ ... ]



Jean Molitor: BauhausGlobal – die Moderne in der Welt
 Jean Molitor: BauhausGlobal – die Moderne in der Welt



2019 werden in Hamburg zwei Jubiläen begangen, die eng mit der Architektur verknüpft sind, national und darüber hinaus: die Gründung des Bauhauses vor 100 Ja [ ... ]



Tomasz Różycki: „Der Kerl, der sich die Welt gekauft hat“ – Chaos mit Sprache gezähmt
 Tomasz Różycki: „Der Kerl, der sich die Welt gekauft hat“ – Chaos mit Sprache gezähmt



„Leben ist Chaos und die Sprache ein Mittel, dieses Chaos zu zähmen und zu ordnen. Dabei schafft jede Sprache eigene Ordnungen und Weltmodelle“, schreibt de [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.