Musik
Carmen - Hamburgische Staatsoper

Carmen haucht in einer letzten, diesmal tödlichen Umarmung ihr Leben unter den Messerstichen des eifersuchtsrasenden Don José aus.
Derweil hockt das arbeitende Volk von Sevilla in Gestalt des Opernchores in einer schäbigen Kneipe und verfolgt den Triumph des Toreros Escamillo auf einem kleinen Fernsehschirm. Es bekommt das reale Ende des Dramas zwischen der Zigeunerin Carmen und dem baskischen Sergeanten, der dem Lockruf vermeintlicher Liebe gefolgt bis ins Verderben, gar nicht mehr mit.

Es dauert lange, bis die neue Hamburger „Carmen“ in der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog wenigstens in ihrem Schlusspunkt eine dramatische Fallhöhe erreicht, die anrühren kann. Dabei hatte es sich der derzeitige Intendant der Oper in Dortmund doch vorgenommen, den romantisierenden Kleister von Bizets Opern-Hit abzutragen und den Blick auf die wahre Geschichte freizulegen. Er ist ist auf halbem Wege anständig gescheitert, zu anständig und zu brav.

 
Musik
Theater Lüneburg: Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“

Das Theater Lüneburg findet außerhalb der eigenen Region kaum die Beachtung, die ihm eigentlich zukommen müsste.
Dabei leistet das Drei-Sparten-Haus – das seit einem halben Jahrhundert in einem einst vor der damaligen britischen Besatzungsmacht erbauten vormaligen Kino spielt – Beachtliches. Vor allem auf dem musikalischen Sektor. Das Musiktheater hat seit dieser Spielzeit einen neuen musikalischen Oberleiter, nach dem sich der langjährige Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus auf seine Aufgaben bei den Eutiner Festspielen konzentriert.

 
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Thomas Pietsch: „Sei Solo“

„Sei Solo“ – so prosaisch nannte Bach den Höhepunkt seiner Violinkunst.
Sechs Sonaten und Partiten für Violine solo, ein von den wenigsten Geigern bezwungenes Hochgebirge technischer Schwierigkeiten, Doppel- und Dreifachgriffe, rasend schneller Läufe, kunstvoller Tanzsätze, dreistimmiger Fugen und die berühmte Ciaccona in d-Moll. „Wer das heute neu aufnimmt, ist naiv, größenwahnsinnig oder hat sich jahrzehntelang damit beschäftigt. Sonst ist es sinnlos“, sagt Thomas Pietsch, Barockviolinist aus Hamburg.

 
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Carmen ohne Folklore

Als geradlinige Geschichte eines Außenseiters will Jens-Daniel Herzog die Begegnung von Don José und Carmen an der Hamburgischen Staatsoper erzählen.
Die Neuinszenierung von Bizets populärem Klassiker dirigiert Alexander Soddy, Elisabeth Kulman singt die kompromisslose Titelheldin.

Eine Feier des Lebens: Als Don José seine Strafe im Gefängnis abgesessen hat, empfängt Carmen ihn mit einer Unbedingtheit, die kein Morgen kennt. Das Geld, was er gespart hat, wird sofort ausgegeben: „Komm, wir verfuttern den Mammon!“, ruft sie dem zögernden Liebhaber zu. Und dann geht es ins nächste Geschäft: Wein, Süßwaren, Delikatessen, alles wird sofort und ohne Bedenken besorgt und verzehrt. Carmen verführt den braven Soldaten aus gutem Hause zum ultimativen Genuss: „Wir verbrachten den ganzen Tag mit Essen, Trinken und dem Übrigen“, bilanziert er lakonisch.

 
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Blank & Jones – It is Chilltronica Season

Wie der Rhythmus der Jahreszeiten oder mit der Verlässlichkeit des Wechsels von Sommer- und Wintermode haben die Elektronikmeister Blank & Jones ihre „Chilltronica N° 4“ auf den Markt gebracht.
Unter dem Arbeitstitel "The Chilltronica Sessions" fingen Blank & Jones im Winter 2012 an, eine weitere saisonale Albumproduktion in ihrem Repertoire zu starten – auch wenn die Anfänge dazu bereits ins Jahr 2008 zurückgehen. „Da ihnen das klassische Artist-Album-Konzept in diesem Zusammenhang jedoch nicht zeitgemäß erschien, begannen sie mit befreundeten Künstlern wie Bliss, Lulu Rouge, Antonymes und Charles Webster, an einem Konzeptalbum zu feilen [...]“, heißt es in einem Text des Labels.

 
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Hype um Haim: Mädels-Trio aus Kalifornien mischt den Pop-Rock auf

Wenn jemand den Titel als meist gehypte Band des Jahres 2013 verdient, dann ist es Haim.
Das Trio aus Los Angeles, bestehend aus den Schwestern Este (27), Danielle (24) und Alana (22), hat Kritiker weltweit von sich begeistern können. Auf der aktuellen Europa-Tour „Days Are Gone“ machte Haim auch in Hamburg Halt – ein Grund mehr, die Band einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 
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Hamburger Tour-Auftakt: „Fettes Brot in Roter Flora“

Feiern trotz Hausverbot: Das Hamburger Hip-Hop-Trio Fettes Brot hat im proppenvollen Konzertsaal der „Roten Flora“ ihr neues Album „3 is ne Party“ vorgestellt. Mehr als 2.000 Leute feierten mit – trotz Verbot von Besitzer Klausmartin Kretschmer.
Wer zu spät kam, hatte das Nachsehen: Schon mehrere Stunden vor dem Rote Flora-Konzert von Fettes Brot am 3. November wuchs die Schlange auf dem Hamburger Schulterblatt um mehrere hundert Meter an, stündlich kamen mehr Menschen dazu, und bis zum Einlass-Stopp standen die Massen immer noch fast die gesamte Länge der anliegenden Juliusstraße hoch. Und das, obwohl im Vorfeld schon die Absage des Auftritts drohte: Rote Flora-Besitzer Klausmartin Kretschmer hatte der Hip-Hop-Gruppe das Konzert in dem links-besetzten Kulturzentrum untersagt und der Band Hausverbot erteilt. Grund dafür war der Streit um eine vom Besitzer eingeforderte Saalmiete. Fettes Brot kümmerte das wenig: Auf Twitter versorgten sie ihre Fans schon vorab mit regelmäßigen Updates der Aufbauarbeiten vor dem Gebäude und versicherten ihren Anhängern wiederholt, dass sie auf jeden Fall auftreten werden. Nach knapp drei Stunden Anstehen in frostigen Temperaturen und eineinhalb Stunden Verspätung ging’s dann für 1.000 glückliche Besucher im Saal der Roten Flora los – der große Rest der Menge musste sich das Konzert über Boxentürme und Leinwand übertragen draußen ansehen. Die erwartete Polizeipräsenz blieb dabei aus, die Beamten sperrten das Schulterblatt lediglich für den Straßenverkehr ab.

 
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Die Beatniks in „USA: poetry on stage“ - Opera Stabile/Hamburgische Staatsoper

„America, I’ve given you all and now I’m nothing.“
Aus dem jungen Schriftsteller Allen Ginsberg bricht seine ganze Frustration heraus: Das Amerika der Nachkriegszeit ist keineswegs das „land of the free“, als das es in der Nationalhymne besungen wird, sondern vollzieht im politischen und gesellschaftlichen Klima der McCarthy-Zeit eine heftige Rolle rückwärts. Mit dem Gedicht ‚Howl’ (Geheul) schreibt Allen Ginsberg 1955 das Manifest einer ganzen aufbegehrenden Generation: zorniger Aufschrei, zärtliches Requiem, sprachgewaltiges Formexperiment. Das Skandal-Poem ist die Geburtsstunde der Beatniks, die als junge Wilde gegen die verlogene Spießigkeit und puritanische Sinnesfeindlichkeit ihrer Eltern rebellieren. Die Beatniks etablieren sich in den New Yorker Clubs als intellektuelle Subkultur. Das Leben, ein Rausch: Sex, Bebop, Drogen, grenzenloser Tabubruch ist ihr Programm gegen die gesellschaftliche Kälte.

 
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Drei Stücke in einem Kosmos. Verdi im Visier - Battaglia

Im Verdi-Jahr 2013 würdigt die Hamburgische Staatsoper den 200. Geburtstag des Jubilars mit einer außergewöhnlichen Trilogie.
Hamburgs GMD Simone Young, Regisseur David Alden, Bühnenbildner Charles Edwards und Kostümbildnerin Brigitte Reiffenstuel setzen drei frühe Werke des italienischen Maestro in Szene. Annedore Cordes sprach mit Simone Young über das spektakuläre Projekt.

 
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Dave Stewart in Hamburg – (eu)rythmisch begleitet von jungen Talenten

Als Mitglied der Eurythmics schrieb Dave Stewart Popmusikgeschichte. Nun trat er im Hamburger Mojo Club auf.
Im Programmheft war der Abend des 4. Oktober als Zusammenspiel von Dave Stewart und Saint Lu ausgewiesen. Die junge Österreicherin startete mit ihren Bandkollegen scheinbar als gewöhnliche Vorband. Mit enormer Stimmgewalt und ausdrucksstarken Bewegungen baute die Sängerin, die bereits 2009 beim Reeperbahn Festival auftrat und in diesem Jahr bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest einen vierten Platz belegte, schnell Kontakt zum hanseatischen Publikum auf. Einige Stücke spielte sie gar vor der Bühne im Zuschauerraum und ließ mit ihrer rauen, lauten Stimme den Soul Train durch den Jazz-Keller an der Reeperbahn rauschen.

 
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Himmelwärts und erdverbunden - Saisoneröffnung  des Ensemble Resonanz. Copyright Jann Wilken

Der Herr ruft „Bravi“ nach einem solchen Konzert. Was immer er damit sagen will, es ist der Herr, der ruft, und nicht die Dame. Wir befinden uns im großen Saal der Laeiszhalle, einem Ort, wo nach wie vor feste Konventionen das Verhalten bei einem Konzert regeln.
„Bravi“. Mehrere Male muss das Ensemble auf die Bühne zurück, und es kommt auch gerne und genießt den freundlich frenetischen Applaus, die nur zu verdiente Begeisterung. Verbeugen, der Blumenstrauß für die Starsolistin, und noch einmal raus, weil es so schön ist. Auftakt zur neuen Saison der „Resonanzen“, der Konzertreihe, mit dem das in der Laeiszhalle residierende Ensemble Resonanz seit mehr als zehn Jahren den notorisch trutschigen Hamburger Konzertbetrieb erfrischt.

 
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Manuskripte brennen nicht - Meister und Margarita

York Höllers Musiktheater „Der Meister und Margarita“, ursprünglich ein Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper, kehrt nach 24 Jahren nun endlich „heim“: ein theatralisches Klangereignis nach Michail Bulgakows berühmtem Roman, eine große Liebes- und Passionsgeschichte mit teuflischem Beistand.

Ein Kultroman als Oper – geht das überhaupt?
Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“ war bei seinem Erscheinen 1966 eine literarische Sensation, gedruckt als immer noch zensierter Fortsetzungsroman in einer sowjetischen Zeitung. Die Auflage war in Windeseile ausverkauft, die Ausgaben wanderten von Hand zu Hand und fanden ein lesegieriges Publikum im Untergrund. Den Erfolg konnte sein Autor nicht mehr miterleben – Michail Bulgakow war 1940 gestorben, zermürbt von den Repressalien des Stalin-Regimes, das ihm ein freies Arbeiten unmöglich machte.

 
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The Boy from Ipanema – Marcos Valle im Mojo Club

Am Samstagabend wurde der Jazzclub unter der Reeperbahn zumindest musikalisch nach Südamerika verlegt. Der in Deutschland weitgehend unbekannte, in Brasilien dagegen berühmte Musiker und Sänger Marcos Valle stand mit Freunden und Ehefrau auf der Bühne des Mojo Clubs.

Das brasilianisch-deutsche Publikum ließ sich nicht lange bitten und feierte ausgelassen.

 
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Klezmer Talers - Fargint Zikh - Yxalag

Regeln sind da um gebrochen zu werden, nicht aus Prinzip, sondern weil es Horizonte erweitert.
Das gilt zwar nicht für Glaubensfragen und schon gar nicht für orthodox-jüdische, aber für musikalische allemal.
"A Yiddishe Mamme" hieß das Debütalbum einer Gruppe von sieben Lübecker Musikstudenten, die sich 2008 den merkwürdigen Auftrittsnamen "Yxalag" gegeben haben. Behutsam und ungestüm zugleich tauchten die drei Musikerinnen und vier Musiker in die Welt der Klezmorim - und brechen Regeln.

 

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