Musik
Elbphilharmonie Hamburg. © giraffentoast

Ein alter, nicht mehr vorhandener Hafenspeicher bildete den Ursprung für den Bau der Elbphilharmonie, die in der kommenden Saison 2026/27 ihren zehnten Geburtstag mit einem großen Jubiläumsprogramm feiern wird.

 

Längst ist die 2017 eingeweihte Elbphilharmonie fest verankert im Hamburger Kulturleben und zieht Konzertierende und Gäste aus aller Welt an. Das liegt nicht nur am imposanten Gebäude, sondern auch und vor allem am hochkarätigen Programm, das in den beiden Konzertsälen geboten wird. Das gilt natürlich auch für die Jubiläumssaison. Von Alter Musik über Jazz bis hin zu Elektronik ist für jeden Konzertliebhaber etwas dabei.

 

Thematisches Zentrum USA

Die Jubiläumssaison 2026/27 der Hamburger Elbphilharmonie wird mit vielen internationalen Topstars und Orchestern gefeiert. Die Planungen für das Programm präsentierten kürzlich Generalintendant Christoph Lieben-Seutter und Alan Gilbert, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Im thematischen Zentrum steht der 250. Geburtstag der USA. Mit 13 Konzerten sind sieben der besten US-Orchester zu Gast, darunter das New York Philharmonic. Dieses Orchester tritt hier erstmals seit 2017 wieder auf. Rhiannon Giddens wird in einem „Reflektor“-Festival als Kuratorin, Komponistin und Performerin den globalen Wurzeln amerikanischer Musikkultur nachspüren und ihren Blick auf oft verdrängte Wegbereiterinnen und Wegbegleiter richten. Die runden Geburtstage der Komponisten John Adams und Steve Reich werden ebenso gefeiert wie der von Jazz-Giganten John Coltrane. Die US-Komponistin Missy Mazzoli ist mit ihren hochaktuellen Arbeiten „NDR Artist Across Ensembles“; Residenzkünstler sind der Geiger Augustin Hadelich und der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes.

 

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John und Alice Coltrane. © www.thecoltranehome.org

 

Fünf Konzerte zu John Adams 80. Geburtstag

Der Amerikaner John Adams gilt als einer der erfolgreichsten Komponisten unserer Zeit. Seine raffinierten, klangsinnlichen Stücke wurzeln in der rhythmischen Energie der Minimal Music. 2027 wird Adams 80 Jahre alt – Grund genug für die Elbphilharmonie, einige seiner Hauptwerke in fünf Konzerten zu versammeln: Adams „Harmonielehre“ taucht zum zehnten Geburtstag der Elbphilharmonie den Großen Saal in prächtige Klangfarben (11.1.). In zwei weiteren Programmen des NDR Elbphilharmonie Orchesters erklingen „Lollapalooza“ (10./11.9.) sowie „Absolute Jest“ (25./26.6.). Das New York Philharmonic steuert „On the Transmigration of Souls“ bei, das zur Erinnerung an die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 komponiert wurde (19.10.). Beim Konzert des London Symphony Orchestra tritt Adams sogar selbst ans Pult, um einige seiner größten Erfolge zu dirigieren, darunter „Shaker Loops“ und „Short Ride in a Fast Machine“. Víkingur Ólafsson ist Solist des für ihn geschriebenen Klavierkonzertes „After the Fall“ (24.1.).

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„Reflektor“ mit Tanz-Ikone Sasha Waltz

Mit der Elbphilharmonie verbindet die weltberühmte Choreografin Sasha Waltz ein besonderer Moment: Noch vor der offiziellen Eröffnung am 11. Januar 2017 bespielte sie mit mehr als 80 Musiker:innen und Tänzer:innen die Foyers des Großen Saals und setzte die spektakuläre Architektur in Szene. Zum zehnjährigen Jubiläum kehrt Sasha Waltz mit ihrer Compagnie für ein langes, von ihr kuratiertes Wochenende zurück. Zweimal steht sie dabei selbst auf der Bühne: in einer intimen Begegnung mit der Cellistin Anastasia Kobekina und Bachs Cello-Suiten und – gemeinsam mit weiteren Tänzer:innen – in „for the time being“ zu den Ambient-Sounds von Diego Noguera. An zwei Abenden wird sie zudem die explosive Kraft von Beethovens Siebter Sinfonie auf die Bühne bringen. Im Projekt „Fluence“ tritt der Tanz in einen spontanen, teils improvisierten Dialog mit der Musik. Mit von der Partie ist beim „Reflektor“ die Post-Industrial-Band The Young Gods. Sie wird gemeinsam mit Waltz’ Compagnie Terry Rileys „In C“ wieder aufleben lassen. Das Publikum kann dies hautnah miterleben, mal direkt im Geschehen oder auch - wie bei „The Singing Project“ von Ayumi Paul – sogar als integraler Bestandteil der Performance (11.–14.3.).

 

Sasha Waltz Beethoven 7 c Sebastian Bolesch

Sasha Waltz: Beethoven 7. Foto: © Sebastian Bolesch

 

Weitere thematische Schwerpunkte

Die Musik des Libanon und die musikalische Auseinandersetzung mit dem Prometheus-Mythos sind weitere Schwerpunkte des  Jubiläumsprogramms. „Elbphilharmonie Visions“, das von Alan Gilbert initiierte Festival für Orchestermusik der Gegenwart, findet zum dritten Mal statt. Auch das Beethoven-Jahr 2027 wird umfassend zelebriert: Das Quatuor Ébène spielt alle Streichquartette, Igor Levit beginnt einen auf zwei Spielzeiten angelegten Zyklus aller Klaviersonaten, Lang Lang interpretiert sämtliche Klavierkonzerte. Abseits der Klassik gibt es ein Wiedersehen mit Publikumslieblingen wie Mariza, Angélique Kidjo, Youssou NDour, Sophie Hunger, Dianne Reeves oder den Punch Brothers. Zahlreiche aufwendige Sonderprojekte, wie Aufführungen von Mieczysław Weinbergs Oper „Die Passagierin“ und Luigi Nonos Opus magnum „Prometeo“, runden das Programm ab.


10 Jahre Elbphilharmonie

Elbphilharmonie, Platz der Deutschen Einheit 4. 20457 Hamburg

Weitere Informationen zum Programm unter www.elbphilharmonie.de. Dort sind auch schon Abonnements für die Saison 2026/27 erhältlich; der Vorverkauf für Einzelkarten beginnt am 19. Mai.

 

Zum Bau der Elbphilharmonie

Eigentliche Grundlage der Elbphilharmonie ist der 1875 erbaute Kaiserspeicher. Er war einst mit rund 19.000 Quadratmetern Hamburgs größter Hafenspeicher. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Speicher zerstört und später gesprengt. An seine Stelle trat 1966 der neue Kaispeicher. Er diente, wie sein Vorgänger, der Lagerung von Kakao, Tee und Tabak. In den 90er-Jahren stand der Speicher allerdings leer. In dieser Zeit entstand die Idee, auf dem Dach des Speichers ein Konzerthaus zu errichten. Mit einer ersten Projektskizze beauftragte der Initiator des Baus der Elbphilharmonie, Architekt Alexander Gérard, 2002 die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. Viele weitere Skizzen, Planungen, Verwerfungen und andere aufreibende und aufregende Vorgänge folgten, bis 2003 das Projekt endlich der begeisterten Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Die Grundsteinlegung erfolgte 2007; 2010 war auch das letzte, das 25. Stockwerk, fertiggestellt und die Montage der charakteristischen Glasfassade konnte beginnen. Zwei Monate vor der Inbetriebnahme des Konzertbereiches eröffnete im November 2016 die Dachterrasse, die Plaza als öffentlicher Platz mit fantastischem Rundblick auf Hamburg und seinen Hafen. Am 11. Januar 2017 erfolgte dann die feierliche Eröffnung der „Elphi“ mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gästen aus Politik und Wirtschaft.

Weitere Informationen zur Historie/Baugeschichte (Elbphilharmonie)

sowie ein Interview mit Initiator/Ideengeber Alexander Gérard (Bauwelt)

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