Nach dem Kultfilm nun das Kultmusical – zumindest hat „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ im Stage Operettenhaus auf der Hamburger Reeperbahn das Zeug dazu: Hier stimmt einfach alles
Es gibt tatsächlich Musicals, die glücklich machen. „Der König der Löwen“, „Mama Mia“, „Tina Turner“ gehören dazu – und jetzt auch „Zurück in die Zukunft“.
Die Kurzfassung dieser Kritik lautet: Hamburg hat wieder einen echten Knaller! Und das ist durchaus wörtlich gemeint, denn der zur Zeitmaschine umgebaute legendäre DeLorean knallt, zischt und dampft im Stage Operettenhaus was das Zeug hält. Überhaupt sind die Licht- und visuelle Multimedia-Effekte spektakulär, besonders zum Schluss, wenn der DeLorean zum Raumschiff mutiert.
Doch technisch innovativer Bühnenzauber allein macht noch kein Spitzen-Musical. Dafür braucht es noch eine nötige Portion Herz und Gefühl und auch davon gibt es reichlich – immer mit einem Augenzwinkern versehen. Die deutsche Produktion (Uschi Neuss) von „Zurück in die Zukunft“ schafft es einfach, in allen Bereichen zu überzeugen: Darsteller*innen, Tänzer*innen, Bühnenbild, Choreografie, es gibt keine Ausnahme. Die Band des Stage Operettenhauses unter der Leitung von Philipp Glas bringt den powervollen Sound der 80er-Jahre von Alan Silvestri und Glen Ballard (Musik und Lyrics) mitreißend über die Bühne. Klassiker wie „The Power of Love“ oder „Johnny B. Goode“ sorgen für echte Partystimmung im Publikum, während neu komponierte Songs die Handlung vorantreiben.
Vor allem gebührt der deutschen Übersetzung von Heiko Wohlgemuth höchstes Lob. Die Lyrics sind hervorragend übersetzt. Nicht wortwörtlich, sondern inhaltlich, sodass sie den Witz und die Anspielungen des Originals bewahren, ohne jemals bemüht oder konstruiert zu wirken. Deutsch kann ja so sexy sein – warum hat das bloß noch niemand bemerkt?
Absolut hinreißend ist auch die Choreografie (Chris Bailey, David Chase), die immer wieder mit guter alter Broadway- und Hollywood-Musical-Tradition spielt. (Fred Astaire und Ginger Rogers lassen grüßen!) Dabei wirbelt das 13-köpfige Ensemble durch Szenen, in denen es eigentlich nichts zu suchen hat. Doch genau das gibt der Aufführung einen verrückten, leicht surrealen Touch, der über die Filmvorlage hinausgeht und einen ganz eigenen Charme verleiht. Hinreißend, wenn sich das Musical-Genre dabei selbst auf den Arm nimmt. Wenn beispielsweise Revue-Girls mitten in der Nacht vor der Twin Pines Mall tanzen, Marty verblüfft fragt: „Wer sind diese Frauen?“ Und Doc Brown trocken antwortet: „Keine Ahnung. Sie tauchen einfach auf, sobald ich anfange zu singen“. Das ist einer der Momente, an dem man spürt, wie viel Spaß in dieser Produktion steckt.
Dass die Dramaturgie dennoch klar und stringent bleibt, ist dem Buch von Bob Gale zu verdanken, der mit Robert Zemeckis schon das Film-Drehbuch geschrieben hat. Gale hat auch bei den Bühnenfassungen (das Stück läuft im Londoner West End erfolgreich seit 2021) dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht in Effekten untergeht.
Die Rollen sind alle hervorragend besetzt: Lorraine Baines (Sandra Leitner) sieht zwar als Martys Mutter viel zu jung aus (da hätte die Maske ruhig noch etwas nachhelfen können) – dafür brilliert sie umso mehr als verliebter Teenager. Der George McFly von Terence van der Loo ist ein herrlich verklemmt-schüchterner Schwächling und Florian Sigmunds Biff Tannen ein brutal-dümmlicher Macker wie er im Buche steht. Täuscht es oder ähnelt er Donald Trump? Egal, so einem Typen will man nicht in die Quere kommen.

Jan Kersjes und Raphael Groß. Foto: Matt Crockett
Mit Jan Kersjes und Raphael Groß hat die Stage zwei unschlagbare Hauptdarsteller für Hamburg engagiert. Die Spielleidenschaft und Bühnenpräsenz dieser beiden sind einfach umwerfend. Raphael Groß kopiert den Film-Marty von Michael J. Fox nicht einfach, sondern schafft es mit jungenhaftem Charme und Draufgängertum, Mary als modernen Helden neu zu erfinden. Deshalb sieht man auch gern nach, dass seine Stimme mitunter noch ein wenig an Volumen zulegen könnte. Die Rocksongs am Schluss interpretiert er jedoch prima.
Jan Kersjes als Doc Brown rockt den Abend. Nur seine Optik irritiert anfangs, denn sein Doc aus dem Jahr 1985 wirkt einfach viel zu jung (ein wenig Maske hätte auch hier gut getan). Doch das ist schnell vergessen, denn Kersjes emanzipiert sich umgehend vom Filmoriginal und setzt eigene, mitunter rührende, meist irrekomische Akzente. (Die Art und Weise, wie er herumalbert und mit dem Publikum flirtet, erinnert mitunter an Otto Waalkes.)
Fazit: „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ im Stage Operettenhaus ist weit mehr als die nostalgische Bühnenadaption eines Kultfilms – es ist ein verrückter, wilder Ritt durch Zeit und Raum, ein rauschendes Fest mit grandiosen visuellen Überraschungen für die ganze Familie.
So macht Musical Spaß!
„Zurück in die Zukunft – Das Musical“
Zu sehen im Stage Operettenhaus, Spielbudenplatz 1, 20359 Hamburg
Aufführungsdauer: 2 Std. 40 Min.
Einlass 1 Stunde vor Beginn. Bei Foyereinlass findet eine Sicherheitskontrolle statt. Ab 6 Jahren
Weitere Informationen (Stage)

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