Musik
Elbphilharmonie. Offizielles Jubiläumsfoto (Giraffentoast)

Eine derart illustre Presserunde sah man selten in Hamburg. Ein ganzer Saal, genauer gesagt der Kleine Saal der Elbphilharmonie, voller Kollegen und Kolleginnen aus dem In- und Ausland. Sie alle waren begierig zu hören, was Generalintendant Christoph Lieben-Seutter, Architekt Pierre de Meuron, Kultursenator Carsten Brosda und die Perkussionistin Vivi Vassileva zum zehnjährigen Geburtstag der Elbphilharmonie zu verkünden hatten.

 

Moderatorin Muschda Sherzada ging dann auch gleich zur Sache und nannte eine jüngst veröffentlichte Liste der New York Times mit den umstrittensten Bauwerken der Welt.

 

Die Elbphilharmonie der Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron schaffte es auf Platz 8, der Turmbau zu Babel auf Platz 1. Worauf Pierre de Meuron locker bemerkte: „Im Gegensatz zum Turmbau zu Babel wurde die ‚Elphi‘ immerhin fertiggestellt.“ Wohl wahr, aber was war das für ein Kampf!

 

Zehn Jahre nach der Eröffnung am 11. Januar 2017 ist das einstige Bau- und Politdrama kein Thema mehr. Die Hamburger lieben ihre „Elphi“ und die renommiertesten Orchester der Welt, so Lieben-Seutter stolz, würden zunächst in Hamburg um ein Gastspiel anfragen, ehe sie ihren Tourneeplan für das nächste Jahr zusammenstellen. Für ein Konzerthaus ist das vielleicht das größte Kompliment überhaupt: Künstler und Orchester warten nicht auf Einladungen, sie fragen an, weil sie sich wünschen, in diesem spektakulären Konzerthaus aufzutreten. Aus dem architektonischen Wahrzeichen ist ein internationaler musikalischer Magnet geworden – und nicht zuletzt ein Ort, der sich so selbstverständlich in die DNA der Stadt eingeschrieben hat wie der Hamburger Michel und die Reeperbahn.

 

Raetzke ELBPHILHARMONIE

Elbphilharmonie, Außenfassade. Foto: Thies Rätzke

 

Die Bilanz der letzten zehn Jahre kann sich denn auch mehr als sehen lassen: Rund 7,4 Millionen Menschen haben seit dem 11. Januar 2017 etwa 6.600 Konzerte und Veranstaltungen besucht. Fast 29,5 Millionen Gäste werden bis zum Jubiläum im Januar 2027 auf der Plaza gewesen sein, der öffentlichen Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe. Der Große Saal erreicht eine Auslastung von rund 96 Prozent. Und besonders bemerkenswert: Seit der Eröffnung hat sich die Zahl der Besuche klassischer Konzerte im Großraum Hamburg verdreifacht.

 

Doch die Erfolgsgeschichte dieses Jahrhundertbaus lässt sich nicht allein in Besucherzahlen messen. Für Pierre de Meuron ist die Elbphilharmonie heute vor allem ein Ort, an dem „Musik, Architektur und Stadtraum zusammenkommen“.

Für Kultursenator Carsten Brosda ist es schlicht und ergreifend einer der Orte, „an denen wir uns vormachen, wozu wir als Menschen fähig sind“.

Und Perkussionistin Vivi Vassilela fügte hinzu, dass die Elphi ein Ritterschlag für jeden Musiker sei: „Wer hier gespielt hat, hat es geschafft.“

 

Das Pittsburgh Symphony Orchestra unter seinem charismatischen Chefdirigenten Manfred Honeck gehört zweifellos dazu. Zum Auftakt der Jubiläumssaison spielte es am Abend im Großen Saal mit dem begnadeten, erst 29-jährigen Pianisten Alexandre Kantorow Brahms’ Erstes Klavierkonzert und Schostakowitschs Fünfte Sinfonie.

Was für eine Perfektion! Kantorow begegnete Brahms mit einer Mischung aus Kraft, klanglicher Delikatesse und innerer Ruhe; besonders im langsamen Satz zeigte sich seine Fähigkeit, Spannung nicht durch Pathos, sondern durch Konzentration entstehen zu lassen. Das Pittsburgh Symphony Orchestra erwies sich als hochpräziser, zugleich ungemein farbenreicher Klangkörper.

 

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Pittsburgh Symphony Orchestra, Manfred Honeck und Yefim Bronfman. Foto: Daniel Dittus

 

Und dann Schostakowitsch: beklemmend, aufgewühlt, mit einer Schärfe, die den Großen Saal bis in die letzten Reihen zu erreichen schien. Honeck ließ die berühmte Fünfte nicht als sowjetisches Pflichtstück vorbeiziehen, sondern als vieldeutiges Drama. Das Ergebnis war intensiv und elektrisierend – und ein eindrucksvolles Statement, warum dieser Saal nach zehn Jahren noch immer fasziniert: Weil er jeden Ton geradezu körperlich erfahrbar macht.

Der Auftakt der Pittsburger war gleichsam programmatisch: Die Jubiläumssaison 2026/27 steht ganz im Zeichen des 250. Geburtstags der USA. Sieben führende amerikanische Orchester kommen für insgesamt 13 Konzerte nach Hamburg. Das New York Philharmonic ist erstmals seit 2017 wieder dabei.

 

Dazu kommen ein mehrtägiges „Reflektor“-Festival über die globalen Wurzeln amerikanischer Musikkultur, kuratiert von der Musikerin und Komponistin Rhiannon Giddens; die „Elbphilharmonie Visions“, die mit aktueller Orchestermusik eine Brücke zur aktuellen Kunst des Schweizer Künstlers Zimoun schlägt, sowie Würdigungen von John Adams, John Coltrane und Steve Reich. Auch die Musik des Libanon, Jazz, Pop und außereuropäische Traditionen gehören zum Jubiläumsprogramm.

 

Und zu Beethovens 200.Todestag, der sich 2027 jährt, präsentiert die Elbphilharmonie die Gesamtzyklen seiner Klaviersonaten, Klavierkonzerte und Streichquartette.

Zum eigentlichen zehnten Geburtstag am 11. Januar treffen schließlich das NDR Elbphilharmonie Orchester und die Hamburger Band „Meute“ beim großen Festkonzert aufeinander.

 

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Blechblasband „Meute“ auf dem Dach der Elbphilharmonie. Foto: Sophie Wolter

 

Zehn Jahre Elbphilharmonie – das ist viel mehr als nur die Geschichte eines spektakulären Gebäudes. Es ist die Geschichte einer Stadt, die ihr Verhältnis zur Kultur verändert hat. Und was wünscht der Intendant dem Haus für die Zukunft?  Lieben-Seutter sagt es mit Steve Jobs: „Stay hungry, stay foolish.“ Wir freuen uns darauf.  


10 Jahre Elbphilharmonie

Weitere Informationen (Saison-Programm)

 

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Die Elbphilharmonie feiert 10. Geburtstag. Hochkarätiges Programm zum Jubiläum

Geschrieben von: Marion und Ernst-Günter Hinz - Dienstag, 05. Mai 2026

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