Die Kunstsammlung Cserni legt ihren Fokus auf österreichische Kunst seit den 1960er-Jahren mit Schwerpunkt auf Malerei und Skulptur.
In der Kunsthalle des Kunsthauses Nexus in Saalfelden am nördlichen Zipfel des Pinzgaus ist noch bis Ende Mai eine Auswahl aus der Sammlung zu sehen.
Die Ausstellung zeigt zwanzig bedeutende Werke, die in den vergangenen 40 Jahren von acht Künstlern aus der Sammlung entstanden sind. Diese bilden den Schwerpunkt malerischer und skulpturaler Positionen der 80er- und 90er-Jahre bis hin zu Statements junger, aktueller Künstler.
Das Holding-Unternehmen Cserni mit Sitz in der Steiermark (seit 1930), in Wien, in Tirol, in Kärnten und in Hamburg ist bekannt für seine präzisen Architekturen und Innovationen im Innenausbau. Eines der bekanntesten Gebäude in Wien ist die von der ägyptischen Architektin Zaha Hadid (1950–2016) entworfene Wirtschaftsuniversität in Österreichs Hauptstadt, für deren Interieur DI Martin Cserni verantwortlich war. Auch die Realisierung des „Zaha-Hadid-Hauses" in Graz, eines exklusiven Wohnprojekts in der Altstadt, im Jahr 2020 geht auf diese Zusammenarbeit zurück. International ist Cserni auch in Deutschland, Frankreich und den USA tätig.
Franz Cserni, der durch seine eigene Auseinandersetzung mit der Malerei seinen Blick auf die zeitgenössische Kunst schärfte, übertrug seine Leidenschaft für die Kunst auf seinen Sohn Martin. Beide haben im Laufe von über 30 Jahren eine Sammlung von mehr als 350 Werken geschaffen und mit diesen Exponaten einen über 600 m² großen Schauraum in der Steiermark eingerichtet, der als dauerhafter Ausstellungsraum dient.
Die Faszination im täglichen Umgang mit der Kunst ermöglicht, die Werke immer wieder aus einem anderen Kontext zu betrachten und damit die Sammlung „lebendig“ zu halten. Weder der wissenschaftliche Zugang noch der spekulative Blick auf die marktetablierte Kunst sind die Motivationen der Sammler, sondern es sind das persönliche Erleben, das Berührtsein, die Ansprache durch das Kunstwerk, die Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern sowie die langjährige Pflege der Kontakte. Es ist im Besonderen der persönliche Blick, der das Profil dieser Sammlung ausmacht. Neben dem Sammeln von Kunst ist es das Begleiten der Kulturschaffenden – oft über Jahrzehnte hinweg –, das den Umgang so besonders macht.
Gleich zu Beginn des Ausstellungsrundgangs hängen zwei aktuelle Werke von Franz Cserni „Hochsommer I“ (2023) und „Hochsommer II“ (2025). Die sich in geometrischen Formen durch starke Kontraste auszeichnenden Werke schienen in einem lichtdurchfluteten Kosmos zu schweben.
In etwas Abstand daneben ein typisches Bild der Malerin Maria Lassnig (1919–2014) „Senner auf der Alm / Sensenmann“ (1985). Vor einer Berglandschaft in Braun- und Grüntönen ist der Oberkörper eines merkwürdigen Wesens zu sehen, das eine Sense in der linken grobgemalten Hand hochhält. Die Gestalt erinnert eher an einen Alpen-Yeti als an einen Bauern.
„Haini“ nannte Franz West (1947–2012) seine aus hell opalfarbig lackiertem Fieberglas geformten Sessel, die an Baumstümpfe erinnern. Als ob sie mit einer Säge aus einem Stamm geschnitten wären, ist die Rindenmusterung als Umhüllung erkennbar.
Eine der berühmten Papp-Maché-Skulpturen thront am Kopfende der oberen Galerie der Kunsthalle. Die weiß gestrichene Transportkiste dient zugleich als eigener Sockel.
Blick in die Ausstellung. Foto: Claus Friede
Geht man hinab in den großen Ausstellungsraum, empfängt die Betrachter ein Werk von Clemens Wolf, dem in Wien lebenden Künstler. Es ist ein dunkles Werk zu sehen, das geheimnisvoll mit „UTW. Double You“ betitelt ist und aus zwei scheinbar spiegelbildlich und aneinander montierten Leinwänden besteht. Auf einer malerischen anthrazitfarbigen Grundfläche sind schablonierte Gitter und Linien wie mit einem Siebdruck überdeckt. Teilweise sind diese matt oder leicht glänzend. Erst in der Bewegung vor dem Bild wird langsam klar, dass es sich um Bauzäune handelt. Wolf setzt in vielen seiner Bilder diese Symbole der Abgrenzung und Rasterung ein.

Clemens Wolf: „UTW. Double You“, Öl auf Leinwand, 200 × 280 cm. © Sammlung Cserni
Gegen jedes physikalische Gesetz stehen drei „Privat Lampen“ von Franz West in der Ecke des Saals. Die nur mit einer Glühbirne versehenen Stehleuchten bestehen aus einzelnen Kettengliedern, die so fixiert sind, dass sie ihre aufrechte Position beibehalten. Gleich einer sich nach oben windenden Schlange steigt die Kette aus den zusammengerollten Füßen empor.
In der Ausstellung hängt ein über 360 Zentimeter breites Bild von Erwin Bohatsch. Angelehnt an die Landschaftsmalerei der Tang-Dynastie-Zeit erheben sich bergartige dunkle Formen aus dem violetten pastosen Farbhintergrund. Farbfeldmalerei mit vielen kleinen Nuancen an Farbe und Form entwickelt einen Tiefenraum.
Erwin Bohatsch: o.T., 2003, Acryl auf Leinwand, 155 × 360 cm. Foto: Claus Friede
Von Heimo Zobernig hängt ein großes, quadratisches, dunkelblaues Bild gegenüber. „Fuck Painting Sculpture“ ist es betitelt und am oberen Rand ebenfalls, allerdings kaum lesbar – in Industriebuchstaben. Im monochromen Bildraum darunter sind Malereispuren, gestische Pinselstriche und amorphe Formen erkennbar, wie in einem informellen Bild – sehr ungewöhnlich für den Künstler.
Karl Karner, der einstige Student bei Zobernig an der Akademie in Wien, gilt als einer der interessantesten bildnerischen und darstellenden Künstler. Von ihm sind zwei Bronzeskulpturen auf einem Sockel zu sehen. Die aus einer Performance stammenden Masken sind in sich zusammengesunken und dienten anschließend als Gussformen. Den nun aus Metall geformten Skulpturen haftet dennoch unwiderruflich ihr einstiger performativer Charakter an.
TOMAKS Arbeiten sind Tableaus in der doppelten Bedeutung des Wortes. Im Französischen bezeichnet Tableau nicht nur das Gemälde, sondern auch eine „Serie von Serien“, eine „Folge von Folgen“, den „Raum einer Streuung“, wie Michel Foucault dies so treffend definiert hat. Der Künstler schafft ein Ensemble von Bildern, das er anschließend in Beziehung zueinander setzt und dadurch einen „Raum des Wissens“ kreiert. Die Dreier-Serie „Be an Artist“, die stilistisch an Plakate erinnert, spielt mit dem Gedanken, dass jeder Künstler auch ein Antikünstler ist. TOMAK stellt in seinem Werk sich und die Kunstwelt schon aus Prinzip in Frage.
Alle Künstler sind mit Werken auch in internationalen Museen vertreten und haben an großen Ausstellungen wie der „documenta“ in Kassel, der Biennale in Venedig sowie an weiteren wichtigen Ausstellungen teilgenommen. Viele von ihnen sind in der Lehre tätig und geben ihre Erfahrungen an die nächste Generation weiter.
Der Ausstellungstitel „States of Becoming“, der sich mit „Zustände des Werdens“ oder „Seinszuständen“ übersetzen ließe, fokussiert die künstlerische Praxis zeitgenössischer Künstler auf die Identitätsbildung in der österreichischen Kunst. Die Arbeitsweisen der Künstler und die langjährige Praxis werden mit dieser Ausstellung bewusst miteinander in ein kommunikatives Verhältnis gebracht.
States of Becoming. Sammlung Cserni: Kunst aus Österreich
Zu sehen bis zum 22. Mai 2026 in der Kunsthalle des Kunsthaus Nexus, Am Postplatz 1, A-5760 Saalfelden
Mit Werken von: Erwin Bohatsch, Franz Cserni, Karl Karner, Maria Lassnig, Tomak, Franz West, Clemens Wolf und Heimo Zobernig
Kuratiert von Prof. Claus Friede (Autor dieses Beitrags)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 17:00 – 20:00 Uhr, sowie nach telefonischer Voranmeldung
YouTube-Video:
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States of Becoming (Ausstellungsrundgang. 3:43 Min.)

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