Bildende Kunst

Der Schuppen 29 auf dem Baakenhöft im ehemaligen Hamburger Freihafen ist bis zum 4. September 2022 Schauplatz einer zweiteiligen Sound- und Videoinstallation, die akustische und visuelle Erinnerungen beschwört: „How To Live In The Echo Of Other Places“ von Annika Kahrs.

 

Mitten in der HafenCity, an der Spitze des Baakenhöfts, steht der Schuppen 29 wie ein Fossil aus längst vergangener Zeit: 1969 am ehemaligen Afrika-Terminal erbaut und bislang unsaniert will er so gar nicht in das schicke Ambiente der Stadterweiterung passen. Erstaunlich eigentlich, dass er überhaupt noch steht. Für Ellen Blumenstein, Direktorin des Vereins Kunst und Kultur in der HafenCity e.V., ist er in jedem Fall erhaltenswert. Der Schuppen als Industriedenkmal und „Kulturspeicher“ wäre ein idealer Ort, Hamburgs (aufgearbeitete) Kolonialgeschichte zu präsentieren.

 

Blumenstein entwickelte 2017 das Modellprojekt „Imagine The City“, um Kultur und Stadtentwicklung enger zu verzahnen. Die von ihr kuratierte Multimedia-Installation „How To Live In The Echo Of Other Places“ zeigt nun beispielhaft, was für fantastische Möglichkeiten die 7.000 Quadratmeter große Lagerhalle bietet.

 

Drei Jahre hat die Hamburger Künstlerin Annika Kars gemeinsam mit zehn Musiker:innen (Ferdinand Försch, Louis d’Heudières, Douniah, TinTin Patrone, Tam Thi Pham, Jesseline Preach, Carlos Andrés Rico, Freja Sandkamm, Nika Son und Derya Yldrm) an ihrem bislang größten Projekt gearbeitet. Entstanden ist eine rund achtzigminütige Klangcollage aus zehn sehr unterschiedlichen Kompositionen über persönliche Erinnerungsorte, die in einem begehbaren Soundparcours erfahren und entdeckt werden kann.

 

Zuvor befragten die Musiker:innen jeweils einen Menschen, dem sie sich verbunden fühlen, nach persönlichen Erinnerungen während eines Sonnenuntergangs. Auf der Grundlage dieser Gespräche entstanden kurze Kompositionen, die in der riesigen Halle zu einer gigantischen Klangkollage verschmelzen.

 

ITC 01 Annika Kahrs F Helge Mundt

„How To Live In The Echo Of Other Places". Foto ©: Helge Mundt

 

Die persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen der Musiker:innen während eines Sonnenuntergangs fließen in den zweiten, visuellen Teil der Installation ein. Annika Kahrs hat die Schilderungen der Künstler*innen Wort für Wort auf einen digital erstellten, schematisierten Sonnenuntergang projiziert. Am besten kann man die 14 Meter breite Videoprojektion von der Hafen-City-Universität aus betrachten. Und zwar die ganze Nacht über bis zum Sonnenaufgang in einer rund zweieinhalbstündigen Endlosschleife. Wenn das keine Erinnerungen und Emotionen weckt! Und so wird der geschichtsträchtige ehemalige Afrika-Terminal schon jetzt zu einem atmosphärisch ganz besonderen Ort, in dem ein dicht gesponnenes Erinnerungsgewebe aus Bildern und Klängen den umherstreifenden Besucher*innen einmalige Erlebnisse garantiert.


„How To Live In The Echo Of Other Places"

Zu erleben Baarkenhöft, Schuppen 29, Hamburg

Die Ausstellung findet im Rahmen der Triennale der Photographie statt und ist bis zum 4. September, (Do-Fr. 17-20h Sa+So 14-20h) geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Die Sound- und Videoinstallation wurde eigens für diesen Ort geschaffen und bespielt das Innere und auch die Fassade des Schuppens im Wechsel, teilten die Veranstalter mit. Kuratorin der Ausstellung im Rahmen der 8. Triennale der Photographie ist Ellen Blumenstein vom Kulturprogramm „Imagine the City".

Für die Soundinstallation im Inneren hat die Künstlerin mit zehn Hamburger Musikern zusammengearbeitet.

Weitere Informationen


Hintergrund
Das 2018 gegründete Kulturprogramm IMAGINE THE CITY – Ein Projekt von Kunst und Kultur in der HafenCity e.V. entwickelt neue Formate an der Schnittstelle von Kultur und Stadtplanung. Unter dem titelgebenden Leitmotiv intervenieren die Kuratorin Ellen Blumenstein und ihr Team mit langfristig angelegten Projekten im städtischen Kontext. Die multimediale Ausstellung THE GATE im Sommer 2021 etwa schuf mit internationalen Künstler:innen und einer interaktiven Audiothek Begegnungen und neue Vorstellungen von Kultur im öffentlichen Raum. Im Rahmen der 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 entwickelt IMAGINE THE CITY einen kostenlosen Digitalkanal „Die Unsichtbare Hand. Ihre Triennale-Begleitung“, die vom 18. Mai bis 15. Juli 2022 auf Telegram agiert.

 

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