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KlassikKompass – Musik im Mittelalter: Blut der Schlachten und Mut der Helden. Die Kreuzzüge

Die Zeit mit Beginn des 11. bis Mitte des 15. Jahrhunderts ist als die Geburt und Wiege der musikalischen Formen zu betrachten, die wir heute noch kennen und die Musik bis in unsere Zeit bestimmt.
Der KlassikKompass unternimmt in einer Serie in losen Folgen eine Reise in die Musik des Mittelalters. Wir setzen diese Fahrt fort und betrachten die Musik des Krieges, die auch in dieser Zeit ihre Wiege hatte.
Flammende Schlachtbeschreibungen, voll Blut und Heldenmut, Trauergesänge und das Elend der Soldaten, Heilige Heldinnen, die als Hexen verbrannt wurden. Drei kriegerische Szenearien werden wir besuchen: Die Kreuzzüge, den Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich und schließlich das christlich-kriegerische Reich Isabellas von Kastilien.
Wir enden unseren Reise an den Höfen an denen die friedlichen Schlachten der Liebe und des Tanzes die blutige Wirklichkeit parodierten.

Während der ersten Hälfte des Mittelalters wurde Musik ausschließlich an Höfen und in Kirchen praktiziert, nicht auf dem Schlachtfeld. Diese Praxis änderte sich grundlegend in der Zeit der Kreuzzüge. Urban II. (1035-1099), vormals: Odo de Chatillon, auch Otto von Châtillon, Bischof Otto von Ostiawar war Papst von 1088 bis 1099. Er rief am 27. November 1095 die christliche Ritterschaft zum Kreuzzug auf. Durch diesen ersten Kreuzzug sollte das morgenländische Christentum namentlich das ‚heilige’ Jerusalem von der Herrschaft der Muslime befreit werden. Papst Urban II. schließt sich in Clermont dem Aufruf an.

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Zeitzeugen berichteten, dass die versammelte Menschenmenge zu groß war, um in der Kathedrale Platz zu finden, weswegen Urban seinen leidenschaftlichen Aufruf auf freiem Feld vor den Stadttoren an die Menge richtete. Urbans stark dramatisierende Rede von den Leiden der Christenheit im Osten, der Misshandlung durch die Andersgläubigen sowie der Notwendigkeit der Befreiung der ‚Heiligen Stadt’ Jerusalem wurde den Chronisten zufolge begeistert aufgenommen.

Angeblich wurde hier bereits das spätere Motto der Kreuzzüge – ‚Gott will es!’ – geprägt. Adhemar de Monteil, Bischof von Le Puy, der später zum Führer des Zugs ernannt wurde, kniete in einem zuvor abgesprochenen Auftritt unmittelbar nach dem Ende der Rede vor Urban nieder und bat als erster um die Erlaubnis, ziehen zu dürfen, und viele andere sollen sich ihm umgehend angeschlossen haben. Ein Übriges taten die über das Land gesandten Wanderprediger der Kirche. Der Aufruf zum Kreuzzug war zumindest teilweise von Erfolg gekrönt.
Urban einte erstmals die seit langem in Streitereien untereinander verstrickten französischen Adeligen und gab ihnen mit dem Ziel eines ‚gerechten’ Kampfes im Dienste der christlichen Sache hierfür eine ideelle Grundlage, die zugleich den theologischen und weltlichen Führungsanspruch seines Amtes stärkte.
Der vor dem Aufruf geforderte ‚Gottesfrieden’, der die Begrenzung der noch ausstehenden Fehden brachte, bestärkte gleichzeitig die Autorität der hier eingreifenden Kirche und stellte ein wesentliches Ereignis der machtpolitischen Rolle der Kirche und des Papsttums in der mittelalterlichen Geschichte Europas dar.

Zwischen dem ersten Kreuzzug dessen Ziel die Befreiung Jerusalems war, wurden insgesamt zwischen 1096 und 1396 sechs weitere Kreuzzüge unternommen, deren Ziele unter anderem auch Damaskus, Tunis und Ägypten waren.
Im 14. Jahrhundert wurden dann weitere 50 Kreuzzüge gegen die damals ‚heidnischen’ Pruzzen und Litauer geführt. Diese vom Deutschen Orden organisierten Feldzüge bezeichnete man auch als ‚Preußenfahrten’ oder ‚Litauerreisen’. Das Großfürstentum Litauen war zu jener Zeit Weltmacht und das flächenmäßig größte Land Osteuropas und erstreckte sich bis zum Schwarzen Meer.
Das 15. Jahrhundert weist weitere vier Kreuzzüge gegen die Hussiten auf. Von 1443 bis 1444 fand ein meist als ‚letzter Kreuzzug’ eingestufter Feldzug gegen das Osmanische Reich statt, der in der Schlacht bei Warna scheiterte.

Der erste Kreuzzug hatte jedoch Jerusalem, die ,Heilige Stadt’ zum Ziel, die in christliche Hände zurückfallen sollte. 1071 war Jerusalem nämlich praktisch kampflos in die Hand sunnitischer Seldschuken gefallen. Wenige Jahre darauf kam es 1076 zu Unruhen und Straßenkämpfen zwischen verfeindeten Sunniten und Schiiten.

Christliche Pilgerfahrten ins Heilige Land wurden wegen der andauernden Kriege zwischen Seldschuken und Schiiten fast unmöglich. Zwar blieb die Grabeskirche auch unter türkischer Herrschaft Christen zugänglich, doch verboten die Seldschuken die Reparatur der in den Unruhen beschädigten Kirchen. Die blutigen Konflikte erschwerten den Zugang zu den heiligen Stätten. Im August 1098 stießen dann die Fatimiden unter dem Kommando des Wesirs al-Adfal gegen Jerusalem vor und eroberten die Stadt mithilfe moderner Kriegsmaschinen in sechswöchiger Belagerung. Nur wenige Monate später standen die Kreuzritter vor Jerusalem und begannen ihrerseits mit der Belagerung der Stadt. Nachdem es dem Kreuzfahrerheer gelungen war, drei Belagerungstürme zu bauen, eroberten die Kreuzritter am 15. Juli 1099 unter Gottfried von Bouillon und Raimund von Toulouse die ‚Heilige Stadt’ Jerusalem, deren ‚Reinigung’ von den ‚Heiden’ das Ziel ihrer bewaffneten Wallfahrt gewesen war. Im Zuge der Besetzung der Stadt töteten die Kreuzritter innerhalb von drei Tagen an die 20.000 Bewohner. Über dieses Massaker schrieb der Augenzeuge Raimund von Aguilers: „In allen Straßen und auf allen Plätzen waren Berge abgeschlagener Köpfe, Hände und Beine zu sehen. Die Menschen liefen über die Leichen und Pferdekadaver. Aber ich habe bis jetzt nur die kleineren Schrecken beschrieben beschreibe ich was ich tatsächlich gesehen habe, würdest du mir nicht glauben...“

Auch der arabische Historiker Ibn al-Atir beschrieb die Bluttat: „Die Franken nahmen die Stadt von der Nordseite, morgens des 15. Juli 1099. Die Einwohner wurden ans Schwert geliefert, und die Franken blieben eine Woche in der Stadt, während sie die Einwohner mordeten…“
Nach der Eroberung von Jerusalem gründeten die Kreuzritter das ‚christliche Königreich Jerusalem’ und bauten eine Reichsverwaltung auf. Die kirchliche Hierarchie des Heiligen Landes wurde mit der Neugründung des Patriarchats von Jerusalem von lateinischen Bischöfen okkupiert und neu organisiert. Nicht nur machtmäßig hatte sich die Welt gründlich verändert – auch die Musik fand ihren Weg auf die Schlachtfelder.
Beeindruckt durch die sarazenischen Militärkapellen, die von den arabischen Feldherren zur Übermittlung von ‚musikalischen Befehlen’ an verschiedene Feldformationen eingesetzt wurden und außerdem zur Abschreckung des Feindes dienten - wie der franziskanischer Scholastiker und Autor von ‚De Proprietatibus Rerum’, einem Vorläufer der Enzyklopädie und einem der ersten Nachschlagewerke des Mittelalters, Bartholomäus Anglicus, im 13. Jahrhundert staunen berichtete – begannen die Kreuzfahrer Heere die sarazenische Kriegsmusik-Praxis zu übernehmen und in ihrem Sinne umzubilden.

Unter anderen setzten die sarazenischen Kriegskapellen das ‘Anafil’ ein, eine ventillose Naturtrompete, dazu die ‚Tabor’, eine kleine Trommel die manchmal wie eine moderne ‚snare-drum’ klang, dazu den ‚Naker’ eine kleine Kesselpauke die im Duo gespielt wurde.
In einer Schlacht in Syrien 1191, wurde zum Beispiele beschrieben, das die Trompeten zum Start eines Kavallerie Angriffs erstmals eingesetzt wurden.

Als die Veteranen der Kreuzzüge nach Europa zurückkehrten, brachten sie auch musikalische Kriegs-Instrumente und die Kunst sie auf dem Schlachtfeld einzusetzen mit nach Europa.
Da diese Veteranen zumeist hochgeachtete und erfahrene Soldaten waren wurden sie bald in Söldnerheere und königliche Armeen übernommen und mit ihnen verbreitete sich dann sehr schnell die Praxis der Militärmusik in Europa.
Diese matrialische Musik wurde natürlich den europäischen Musikgewohnheiten angepasst. Zu den Trompeten gesellten sich sogenannte ‚Swarm’ (ein frühes Doppelrohr Blasinstrument) und sogar erstmals schon Dudelsäcke.
Ganze Militärkapellen begleiteten bald Armeen in den Feldzug, spielten sogar an Bord von Kriegsschiffen oder trugen zum Pomp von Turnieren, Ritter-Wettkämpfen und militärischen Aufzügen und Anlässen am Hofe bei.

Der katalanische Gambist, Musikforscher und Dirigent Jordi Savall hat mit seiner Gruppe Hesperion XXI und der La Capella Reial de Catalunya ein faszinierendes musikalisches Gemälde der ‚Heiligen Stadt’ Jerusalem von den ‚Posaunen vor Jericho’ um 1200 vor Christus bis in unsere Zeit auf 2 CD und in einem umfangreichen 435 Seiten starken 8 sprachigen (französisch, kastilisch, englisch, katalanisch, deutsch, italienisch, arabisch und jüdisch) reich bebilderten Buch veröffentlicht.

Diese einmalige Aufnahme unter dem Titel ‚Jerusalem – Stadt des irdischen und des himmlischen Friedens’ die in ihrem Textteil einen tiefen Einblick in die wechselvolle und oft tragische Historie Jerusalems gibt, nehmen die Kreuzzüge einen breiten Raum ein.
Savall engagierte arabische und jüdische Musiker, letztere aus Galiläa, um ein möglichst authentisches Klangbild dieser Epoche zu erzeugen.
Unter anderem findet sich darauf das bekannteste lateinische Kreuzfahrer Lied ‚Pax in nomine Domini’.
Zeugnis der Eroberung Jerusalems durch die christlichen Heere gibt auch Wilhelm von Tyrus (1130-1186), Erzbischof und Kanzler des eroberten Jerusalems: „Die Heilige Stadt Jerusalem, von Gott geliebt, fiel wegen unserer Sünden in die Hände unserer heidnischen Feinde. Doch sie wurde rückerobert in Jahr der Menschwerdung unseres Herrn 1099 am Freitag den 15. Juli gegen neun Uhr am Vormittag. Überall war ein furchtbares Gemetzel, überorts häuften sich so viele enthauptete Köpfe, dass es bald nur möglich war, über die Leichen der Hingerichteten von einem Ort zum anderen zu gelangen.“

Das CD-Buch ‚Jerusalem’ von Jordi Savall gibt einen geklungenen Abriss nicht nur der Geschichte der Stadt der drei Religionen – Christentum, Judentum und Muslim – sondern auch einen farbige musikalische Bogen der Zeit der Kreuzfahrer – sehr empfehlenswert!
2 CD mit ausführlichen 435 Seiten starken Buch „Jerusalem“ mit Jordi Savall, Hesperion XXI und Gastmusikern ist zu haben bei Alia Vox Records unter der Bestellnummer AVSA 9863 A+B.

In Jerusalem entstanden zu dieser Zeit die geistlichen Ritterorden, insbesondere die Hospitaliter – benannt nach dem Pilgerspital, in dem der Orden ursprünglich als Krankenpflegerbruderschaft begonnen hatte – und die Templer – benannt nach ihrem Hauptquartier in einem Flügel des in der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg untergebrachten ersten königlichen Palastes der Kreuzritter.

Nach der vernichtenden Niederlage der christlichen Ritter in der Schlacht bei Hattin im Jahre 1187 gelang es Saladin (arabisch: Salah ad-Din Yusuf ibn Ayub), Jerusalem nach kurzer Belagerung zu erobern. Er ließ nach Einnahme der Stadt das von den Kreuzfahrern errichtete goldene Kreuz auf der Kuppel des Felsendoms, der den Kreuzfahrern neben der Grabeskirche als Hauptkirche gedient hatte und von ihnen ‚Templum Domini’ genannt wurde und die Marmorverkleidung des Felsens samt Altar entfernen.

Im Verlauf des dritten Kreuzzuges plante der englische König Richard Löwenherz nach seinem Erfolg bei der Belagerung von Akkon (1189-1191) und der Wiederbesetzung der meisten Küstenstädte auch die Rückeroberung Jerusalems, führte den Feldzug aber wegen militärischer Aussichtslosigkeit nicht mehr aus. Kurzzeitig gelangte Jerusalem noch einmal in den Besitz der Kreuzfahrer, als Kaiser Friedrich II. (1194-1220) die Stadt 1229 gegen den Widerstand des mit ihm verfeindeten Papstes Gregor IX. (1167-1241) durch Verhandlungen mit dem Ayyubiden-Sultan al-Kamil ohne militärische Aktionen gewann und sich zum König von Jerusalem proklamierte, aber nur wenige Monate im Heiligen Land blieb. Er stützte seine Herrschaft vornehmlich auf den ihm ergebenen Deutschen Orden, während die anderen Ritterorden und der einheimische Kreuzritteradel in eine päpstliche und eine kaiserliche Partei gespalten waren.
Nach seiner Rückkehr nach Italien stand Jerusalem bis zur unerwarteten Eroberung durch marodierende ägyptische Söldner im Jahre 1244 unter der Verwaltung wechselnder Kreuzfahrerherrschaft.

Im August 1244 eroberten choresmische Söldner ohne ausdrücklichen Auftrag des ägyptischen Sultans as-Salih die nur schwach verteidigte Stadt und plünderten sie. Nach der Niederlage der Kreuzritter und ihrer syrischen Verbündeten in der Schlacht von La Forbie zwei Monate später war eine christliche Rückeroberung ausgeschlossen.

1291 vertrieb der Mamluken-Sultan Kalil nach der Eroberung von Akkon die letzten Kreuzritter aus Palästina. Jerusalem, das damals weniger als 10.000 Einwohner und keine politische Bedeutung hatte, blieb bis zur osmanischen Eroberung Anfang des 16. Jahrhunderts unter ägyptisch-mamlukischer Verwaltung.

Während es unter ayyubidischer und christlicher Verwaltung im 13. Jahrhundert für die Bewohner und besonders für das Pilgerwesen in der Praxis kaum einen Unterschied gemacht hatte, welcher Machthaber die Stadt besaß, galten unter mamlukischer Herrschaft nur Muslime als vollgültige Bürger. Christen und Juden mussten sich durch ihre Kleidung kenntlich machen. Sie durften ihre Religion als Anhänger einer Buch-Religion zwar ausüben, wurden aber rechtlich in fast allen Lebensbereichen diskriminiert und mussten eine Zusatzsteuer zahlen.

Dennoch existierte im 14. und 15. Jahrhundert weiterhin ein christliches und ein jüdisches Viertel in der Stadt und der Strom christlicher Pilger riss keineswegs ab. Die ausführliche Schilderung einer spätmittelalterlichen Jerusalempilgerfahrt enthält unter anderem der Reisebericht des Zürcher Dominikaners Felix Faber, der 1483 nach Jerusalem pilgerte und die Heiligen Stätten besichtigte.
Erste musikalische Zeugnisse erreichten Europa und berichteten von den Kreuzzügen und machten oft sogar ‚Werbung’ für die Teilnahme an ihnen.
Bekannte Minnesänger der Zeit nahmen sich des Themas an – so Walther von der Vogelweide (1170-1230) dessen ‚ Palästinalied’ überliefert wurde.

Kristen, juden unde heiden (Christen, Juden und Heiden)
jehent, daz diz ir erbe sî: (behaupten, dass dies ihr Erbe sei.)
got müeze ez ze rehte scheiden (Gott müsste es gerecht entscheiden,)
durch die sîne namen drî. (durch die drei seiner Namen.)
Al diu werlt diu strîtet her. (Die ganze Welt bekriegt sich hier.)
Wir sîn an der rehten ger: (Wir sind mit unserer Bitte im Recht,)
reht ist, daz er uns gewer (und daher ist es Recht, dass er sie uns gewähre.)

‚Palästinalied’ dem Minnesänger Walther von der Vogelweide (1170-1230) zugeschrieben. Und hochdeutsche Übertragung.

In poetischer Form thematisiert es die Teilnahme an einem Kreuzzug und stellt die religiöse Bedeutung des Heiligen Landes aus christlicher Sicht dar.
Mit der Strophe ‚Kristen, Juden unde Heiden’ weicht er nicht von der zeitgenössischen Meinung ab, indem er ausdrücklich den Anspruch aller drei Religionen auf das Heilige Land zugunsten des Christentums auslegt. Ob Walther von der Vogelweide persönlich an einem Kreuzzug teilgenommen und jene Orte selbst vor Augen gehabt hat, kann heute nicht mehr mit Bestimmtheit gesagt werden.

Überliefert sind 13 Strophen in mittelhochdeutscher Sprache. Das Palästinalied ist das einzige Werk Walthers, welches vollständig mit einer Melodie überliefert wurde. Die früheste Quelle für die Melodie ist das Münstersche Fragment, eine Liederhandschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, und stammt somit fast 100 Jahre nach Walthers Tod. Man kann daher nicht sicher sagen, ob sie nicht bereits verändert wurde, was besonders eine Rolle spielt hinsichtlich der Vermutung, dass Walther in ihr eine französische Melodie benutzte. Inhaltlich setzt das Palästinalied einen Schwerpunkt auf religiöse Aspekte und erzählt Inhalte aus der christlichen Glaubenslehre über das Leben Jesu Christi. Auch politische Ambitionen können darin gesehen werden. Walther von der Vogelweide vergegenwärtigt den christlichen Anspruch auf die Palästinaregion, indem das lyrische ‚Ich’ an einem Kreuzzug in das sogenannte Heilige Land teilnimmt.
Walters ‚Palästinalied’ sowie andere zeitgenössische Musiken, Aufzüge und Gesänge finden sich auf zwei faszinierenden CD Veröffentlichungen.
Einmal auf der drei CD umfassende Box ‚Time of the Templars’ – ‚Zeit der Tempelritter’ und auf der bereits 1970 als LP entstandenen und späterhin remasterten und auf CD überspielten Aufnahme ‚Music of the Crusades’ – ‚Musik der Kreuzzüge’ – des legendären britischen Musikforschers und ‚Vaters’ der originalen Aufführungspraxis David Munrow (1942-1976).

Die Platten-Box über die Zeit der Tempelritter enthält drei unterschiedlich thematisierte CD die sich mit der Welt der Kreuzfahrer beschäftigen. Die erste Aufnahme mit dem Titel ‚ Music for a Knight’ ist den Rittern selbst gewidmet.
So ist eine instrumentale Fassung des ‚Palästina-Lied’ enthalten aber auch des Barden Blondels Gesang an den nach dem erfolglosen Kreuzzug gefangenen Königs Richard Löwenherz (1157 – 1199) ‚Ja nuls hom pris’.
Die erste CD ‘Music for a Knight’ enthält ebenso Auszüge aus den ‚Cantigas de Santa Maria’, spanischen Gesängen an die heilige Jungfrau die von Pilgern und Kreuzfahrern gleichermaßen gesungen wurden. Musikalische Visionen der Äbtissin Hildegard von Bingen sind auf dieser CD ebenso vertreten, wie ein provenzalischen Maienlied des Troubadours Raimbault de Vaqueiras von 1200.
Die zweite CD dieser Box beinhaltet ausschließlich gregorianische Choräle der frühen Kirche – sie ist der geistlichen Seite des Templer Rittertum gewidmet und gibt Einblick in ihre sakrale Klangwelt.
Die dritte Platte schließlich beschäftigt sich mit den Klängen der zumeist mediterranen Welt der Troubadoure aus der viele der adeligen Templer stammten.
So werden sogar syrische Gesänge neben Liedern aus Mazedonien, türkischen und christlich-arabischen Musiken den Liedern des Minnesängers Adam de la Halle (1245-1288) und sogar dem ‚ersten bekannten’ Weihnachtslied eines anonymen deutschen Sänger-Komponisten ‚Sei willekommen Herre Christ’ gegenüber gestellt. Erstklassige Originalklang Ensembles wie Unicorn oder Oni Wytars und Estampie sind auf diesen Aufnahmen zu finden und breiten ein Teppich der musikalischen Welt der Templer aus. Besonders spannend – auf den CDs 1 und 3 findet sich fast das gesamte Instrumentarium der damaligen Zeit – Drehleiern, Schlagwerk wie Trommeln und Schellen, Schalmeien, Zinken, Swarm. Die 3er-CD-Box wird dazu zum Preis um rund 12 Euro angeboten. Einzige Schwäche – etwas wenig Information auf den Beiblättern aber dennoch genug um die Sache zu verstehen – aber leider keine vollständigen, übersetzten Texte der Lieder. Da muss dann eben das Internet helfen.

3 CDs „Time of the Templars“ mit Unicorn, Oni Wytars und Estampie sowie der Nova Schola Gregoriana ist zu haben bei Naxos Records unter der Bestellnummer 8.503192.

König Richards Tod 1199 wurde von dem anglo-normannischen Chronisten Roger of Hoveden wie folgt kommentiert: „In seinem Tod vernichtete die Ameise den Löwen. O Schmerz, in einem solchen Untergang geht die Welt zugrunde!“ Zum Angedenken an seine Krönung am 3. September 1189 veröffentlichte die britische Gruppe ‚Gothic Voices’ eine CD mit Gesängen und Musiken am Hofe dieses legendären Helden der Kreuzzüge unter dem Titel ‚Music for the Lion Hearted King’ – eine vorzügliche sehr gelungene Mischung aus geistlichen und weltlichen Stücken von glasklaren Vokalisten aufgeführt – etwas für Liebhaber.

Die CD „Music for the Lion Hearted King“ mit den Gotic Voices unter Christopher Page ist zu haben bei Helios Records, Bestellnummer CDH 55292.
Die Platte ‚Music of the Crusades’ – ‚Musik der Kreuzzüge’ ist ein nahezu idealer Einstieg in die Klangwelt des frühen Mittelalters. David Munrow und sein Early Music Consort of London forschte nach den Quellen und rekonstruierte die alten Instrumente, um ein lebendiges Bild dieser Zeit wiederzubeleben.
Es finden sich auf dieser CD neben dem gesungenen Palästina Lied verschiedene Gesänge der Troubadoure, auch sogenannte ‚Estampies’, das sind martialische Tanzstücke die öfter mit Schalmeien und anderen militärischen Blasinstrumenten vorgetragen wurden. Besonders beeindruckend sind auch die hochkarätigen Sänger die Munrow hier für seine Aufnahme beschäftigt. Der Contre-Tenor James Bowman und der Tenor Nigel Rogers sind auf dieser Aufnahme am Anfang ihrer Weltkarriere zu erleben – beide wurden später Stars der alten Musikszene. James Bowman gilt nach wie vor als einer der besten Altisten der Originalklang Szene der späterhin hocherfolgreich viele Heldenpartien in Opern von Georg Friedrich Händel unter der Leitung des jungen britischen Dirigenten Robert King gesungen hat. David Munrows Standardwerk auf CD ‚Instruments of the Middle Agens and the Renaissance’ – ‚Instrumente des Mittelalters und der Renaissance’ bildet nach wie vor die Grundlage aller modernen Aufführungspraxis im Originalklang. Wir empfehlen diese Doppel-CD ebenfalls für die heimische Mittelalter-Diskothek.

2 CD „Instruments of the Middle Ages and Renaissance’“ mit Early Music Consort London unter David Munrow ist zu haben bei Virgin Records. Bestellnummer 9463858112.
Die CD „Music of the Crusades“ mit Early Music Consort London unter David Munrow und den Saegnern James Bowman und Nigel Rogers ist zu haben bei Decca Records unter der Bestellnummer 5555368038.

Auch die Welt des Films entdeckte das Mittelalter und die Kreuzzüge: Eine besonders authentisches Bild des Lebens im ‚christlichen’ Königreich Jersualem und das Ende der Herrschaft der Kreuzritter durch die Eroberung der Stadt durch den sarazenischen Sultan Saladin bietet der 2005 entstandene Film ‚Königreich der Himmel’ (Originaltitel: ‚Kingdom of Heaven’). Unter der Regie von Ridley Scott (‚Gladiator’) spielen Orlando Bloom (Balian de Ibelin), der irische Schauspieler Liam Neeson seinen Vater den Kreuzritter Godfrey de Ibelin der seinem Sohn das Erbe hinterlässt Jerusalem zu verteidigen. Dieser Film ist wohl eines der besten Zeitgemälde des Lebens der Kreuzritter. Eroberer von Jerusalem, Sultan Saladin, der Syrische Schauspieler und Filmemacher Ghassan Massoud, im Kinofilm von Ridley Scott ‚Kingdom of Heaven’.

Ihr Herby Neubacher


Fotonachweis:
Header: Richard Löwenherz im Zweikampf mit Saladin. Englische Phantasiedarstellung, um 1340
Galerie:
01. Symbolische Darstellung der Eroberung Jerusalems. Oben: Jesus in Jerusalem, Zerstörung des Tempels. Mitte: Enthauptung der Juden durch die Feinde des Herrn. Unten: Kreuzfahrer erobern die Stadt und rächen die Kränkungen in Strömen von Blut. Darstellung um 1200 in England begonnen, im 14. Jahrhundert in Spanien fertiggestellt.
02. Buchmalerei: Urban als Kreuzzugsprediger bei der Synode in Clermont - dem heutigen Clermont-Ferrand.
03. CD-Buch-Cover ‚Jerusalem’ von Jordi Savall
04. CD-Cover „Music of the Crusades“ mit Early Music Consort London unter David Munrow
05. "Departure on Third Crusade", 15th century. Sébastien Mamerot and Jean Colombe, Les passages d'outremer
06. CD-Cover Jordi Savall, Hesperion XXI und Gastmusiker.

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