Kolumne – Meinung und Widerspruch
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- Geschrieben von: Dagmar Reichardt -

Die Frankfurter Buchmesse öffnet vom 6. bis 10. Oktober 2010 wieder ihre Tore – dieses Jahr mit dem Ehrengast Argentinien. Für das interessierte Publikum geht es vor allem um Orientierungshilfe, um in der Flut neuer Titel nicht zu ertrinken.
Wohingegen sich die Fachleute längst nicht mehr nur über die Neuerscheinungen informieren, sondern schon seit Jahren gespannt auf die technischen Schnäppchen und ultimativen Errungenschaften im elektronischen Literaturbetrieb blicken: Welches sind die diesjährigen Messe-Projekte – Stichwort „Flying Sparks“, „Frankfurt Hot Spots“ oder „StoryDrive“ – und wie funktionieren sie? Welche neuen Kreativpotenziale erschließt sich der „Crowdsourcing-Wettbewerb“? Was bietet die letzte Generation des „All-New Kindle“-Readers und welche Titel erscheinen in Deutschland transmedial, als Film, Hörbuch oder deutsches E-Book?
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- Geschrieben von: Dagmar Gaussmann-Läpple -

Seit fünf Jahren sind wir mit wachsendem Erfolg unserer Arbeit zu Gast im Altonaer Museum. Nun hat der neue Senat beschlossen, dieses traditionsreiche Haus ohne Prüfung von Alternativen zum 1.1.2011 zu schließen.
Es gibt zahlreiche Gründe, um diese Schließung zu verurteilen. Wir, das Team des Kinderbuchhauses, möchten unser Unverständnis für diese zerstörerische Art von Kulturpolitik zum Ausdruck bringen. Die Schließung eines ganzen Museums, die Auflösung einer gewachsenen Sammlung zerstört einen großen Teil des Gedächtnisses unserer Stadt und gibt ein verhängnisvolles Zeichen für die Wertschätzung der Kultur in Hamburg.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -

Das Altonaer Museum wird geschlossen, aber das Polizei-Orchester bleibt. Was für eine eklatante Fehlentscheidung!
Und dazu das unsägliche Prozedere: Kultursenator Reinhard Stuth fand vor der Senats-Pressekonferenz nicht die Zeit, Direktor Torkild Hinrichsen vom Aus seines Hauses zu informieren. Er meldete sich erst danach telefonisch. Einen schlechteren Führungsstil kann man sich kaum vorstellen.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -

Nun also Schirmer. Der dritte Rücktritt in kürzester Zeit.
Frank Baumbauer mutmaßte eine „Hamburger Krankheit“ und dieser Gedanke ist nicht abwegig. Doch wie bei jeder Krankheit hat es keinen Zweck auf die Opfer einzuprügeln.
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- Geschrieben von: Jürgen Rau -

Die Stadt Hamburg und ihre Medien haben kläglich versagt, um auf ihren unglaublichen Anteil an der an der noch unglaublicheren Geschichte der nach wie vor größten und besten Band der Welt hinzuweisen!
Gestern war es auf den Tag genau 50 Jahre her, dass die Beatles ihren ersten Auftritt in einem kleinen Club auf dem Hamburger Kiez spielten. Gemerkt hat dieses Ereignis an diesem historische Datum wahrlich gestern fast keiner.
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- Geschrieben von: Claus Friede -

Die Musik braucht ihre Orte wie der Wein seinen Ort braucht.
Fast jeder hat es schon einmal erlebt: Eine schöne Sommernacht im Freien in Südfrankreich und der provencalische Wein entfaltet sein ganzes Aroma an sämtlichen Genussrezeptoren. Von diesem Wein nimmt man sich dann eine Flasche mit in die Heimat und stellt betrübt fest, hier schmeckt er nicht!
Nur dort, am originären Ort entfaltet der Wein jenes Aroma – in der Landschaft mit deren Geruch und dem warmen Wind seiner Jahreszeit.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Seit zwei Tagen ist es Sommer, die Temperaturen, das Licht und der Himmel sind wie sie zu dieser Jahreszeit sein sollen.
Vor zwei Tagen begann das Filmfest Emden-Norderney, die Kinos sind dunkel und wenn man sich seine Filmliste festivalmäßig quantitativ (und natürlich qualitativ) zusammengestellt hat, so wie ich, genießt man vielleicht unter Umständen das schöne Wetter auf der Leinwand und stellt schließlich betrübt fest – es ist doch etwas anderes als draußen zu sein.
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- Geschrieben von: Claus Friede -

Zuerst dachte ich, es sei eine Ente. Ungläubig sitze ich vor der Pressemeldung der „Freunde der Hamburger Kunsthalle“, dass die Galerie der Gegenwart, in der so erfolgreich die „PopLife“ gezeigt wurde, bis Oktober 2010 weitgehend geschlossen bleiben soll.
Begründet die Behörde für Kultur, Sport und Medien die zeitlich begrenzte Schließung mit "notwendigen Umbaumaßnahmen" wegen des Brandschutzes, so heißt es aus der Kunsthalle, die Finanznot treibe diese Notwendigkeit an. In der Tat ist die Situation dramatisch - und nicht nur für die Hamburger Kunsthalle. Von Beginn der Überführung zu privaten Stiftungen an, sind das Finanzmodell und die Verwaltungs, Ausstellungs- und Ankaufsbudgets - wenn es letztere überhaupt noch gibt - für die Museen kaum tragbar.
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- Geschrieben von: Claus Friede -

Sie heißen Marina, Olga, Elena oder Natascha, zumindest behaupten Sie das in den Mails, die in der Redaktion eintreffen.
Sie schreiben in englischer Sprache, nicht fehlerfrei und manchmal hundsmiserabel, aber der Leser soll ja auch merken, dass diese nicht ihre Muttersprache ist. Sie stammen aus dem Osten Europas...
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- Geschrieben von: Steven Gätjen -
Ich habe mich immer gefragt, was Kino in den Menschen auslöst, das sie seit den Anfängen des 20ten Jahrhunderts Jahr für Jahr, zu Millionen in die Säle stürmen und manchmal bis zu 3 Stunden gebannt auf die Leinwand starren.
Was ist die Faszination, was ist das Interessante, was ist das Magische an diesem einen gesellschaftlichen Ereignis oder dieser Art der Freizeitbeschäftigung?
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- Geschrieben von: Dagmar Seifert -
Dieser betrüblichen Auffassung möchte ich entgegensetzen, dass es durchaus auch in unserer dekadenten Zivilisation noch einige Herausforderungen für’s Oberstübchen gibt, rein kulturell gesehen, meine ich.
Da wäre zunächst mal die Filmkunst. Die hat sich im Lauf des vergangenen Jahrhunderts, was den Faktor ‚Verstand bemühen’ angeht, sehr verändert.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Ein vermeintlich hoch verschuldetes Emirat namens Dubai baute das höchste Haus der Welt und weihte dies in der vergangenen Woche am 4. Januar 2010 ein.
Mit 828 Metern Höhe ist es damit doppelt so hoch wie das Empire State Building in New York.
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- Geschrieben von: Christine Adam -
Waren es jahrzehntelang Tabuverstöße wie gewagte Nacktheiten oder Blut- und Fäkalorgien auf der Bühne, die mehr oder weniger gezielt die Gemüter erregen sollten, sind es seit einiger Zeit vor allem politische Provokationen, die die Rechtsanwälte auf den Plan rufen. Denn: An die Stelle der Staatsautorität sind Interessengruppen getreten, an die des radikalen Verbots der juristische Streit.
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- Geschrieben von: Dagmar Seifert -
Ein Reflex ist eine unwillkürliche Reaktion. Deutsche Fernsehzuschauer, die älter als fünfzig sind (oder die redselige Eltern besaßen) denken beim Wort ‚Seewolf’ keineswegs an Jack London, sondern reflexartig: ‚Raimund Harmstorf, Kartoffel’.
Diesen Tatbestand machte sich SPIEGEL-ONLINE-Kultur zunutze mit einer Ankündigung oder eigentlich einer Kritik zum neuen ZDF-Zweiteiler mit Sebastian Koch.
Bereits in der Überschrift brachte man die Sache auf den erdigen Punkt: ‚Drückeberger statt Kartoffeldrücker’ hieß es. Beklagt wurde die Blässe des Remakes sowie vor allem, die Fehlbesetzung der Hauptrolle. Der alte Harmstorf mit seinem Comic-haften Machismo sei der Figur letztlich näher gekommen. Durch Kochs nuancierteres Spiel würde dieser Larsen zu einem zynischen Grübler, dessen Vitalität sich in ein paar unglaubwürdigen Prügeleien erschöpfe.
Anschließend war zur Diskussion aufgerufen: Ihre Meinung ist gefragt!
Es handelte sich, wie gesagt, um eine Vorab-Kritik, der erste Teil sollte ja erst am gleichen Abend gesendet werden. Insofern konnten die Leser sich nicht zum Zweiteiler selbst äußern, sondern nur zu der Kritik. Da sich Menschen selten durch Unkenntnis davon abhalten lassen, eine Meinung zu haben, gab es bald etliche Beiträge, die man überwiegend bündeln und ins selbe Fach stecken konnte: Ja, an Harmstorf kommt keiner ran, nein, Sebastian Koch kann nicht halb so kartoffelig sein.
Ich konsumierte am Abend, neugierig geworden, den ersten Teil des neuen Seewolfs, ging mit gesträubten Haaren zu Bett und las am nächsten Tag noch neugieriger, was für Beiträge denn nun im Spiegel-Blog stehen würden.
Zu meiner Überraschung hatte sich kaum etwas geändert. Es ging mehr oder weniger immer noch um den Männlichkeitsvergleich zwischen Koch und Harmstorf. Wem zauselte der Bart wilder?
Mit keiner Silbe wurde erwähnt, was mich schockiert hatte: die Gewaltszenen im neuen Seewolf.
Zum einen das Abschießen und Schlachten der Robben; doch das lässt sich relativieren. Die quiekenden, blutenden, sich bäumenden Tiere waren sicher überwiegend computeranimiert (welche Produktion würde es riskieren, sich mit Tierschützern anzulegen!) und außerdem mag es sinnvoll sein, zu zeigen, wie grausam das aussieht und wie überflüssig es ist, untermauert durch eine Bemerkung des Kapitäns, dass dies geschehe, um die Eitelkeit der Frauen zu befriedigen.
Vor allem und viel mehr jedoch erschreckte mich das, was der SPIEGEL-Kritiker ‚ein paar unglaubwürdige Prügeleien’ nannte.
Vor fast vierzig Jahren hat sich auch Raimund Harmstorf ja durchaus nicht nur am Erdapfel ausgetobt, sondern bei Bedarf etwa Mr. Johnson oder den Smutje zusammengedroschen. Nur hatte das damals eine ganz andere Qualität.
Den neuen Zweiteiler gibt es bereits als Blu-ray oder DVD und er wird als ‚zeitgemäße Inszenierung’ angepriesen.
Genau das ist es. Eine zeitgemäße Inszenierung.
Mag Sebastian Koch noch so intellektuell-sensibel wirken, er schlägt seine Gegner sadistisch, kaltschnäuzig, unendlich brutal zusammen. Da ist noch lange nicht Schluss, wenn der Verlierer blutend und laut stöhnend am Boden liegt, tritt der Seewolf ihm, völlig zeitgemäß, immer wieder mit aller Kraft ins Gesicht oder in den Leib. So macht man das nämlich derzeit. Das gehört, bei fast jedem Krimi, immer da, wo Prügeleien inszeniert werden, obligatorisch dazu. Findet das abschließende Getrete auf ein am Boden liegendes Opfer nicht statt, dann ist das Machwerk älter.
Vielleicht sind die Zuschauer anfangs noch zusammengezuckt. Inzwischen dürften sie sich daran gewöhnt haben. Deshalb wird die gezeigte Brutalität natürlich kontinuierlich ärgerlicher, man will ja dem Publikum was bieten. Wenn im Film gefoltert wird, beispielsweise im zeitgemäßen „James Bond’, in der Serie ‚24’ oder in ‚Kill Bill’, fliegen die Backenzähne, werden Augen eingedrückt oder Finger abgesäbelt.
Lustig eigentlich, dass wir uns darüber wundern, weshalb unsere knospende Jugend auf Bahnsteigen hin und wieder Mitbürger nicht nur vermöbelt, sondern die blutend und ohnmächtig Daliegenden auch noch kräftig zusammentritt. So macht man das nun mal.
Und deshalb ist es letztlich durchaus begreiflich, warum sich sowohl der Spiegel-Kritiker als auch die Diskutierenden im Blog nicht an diesen Selbstverständlichkeiten stießen, sondern sich nur darüber aufregten, wie man ihre Gebührengelder verschleudert, indem man den sowieso nie zu übertrumpfenden Seewolf Harmstorf durch den Seewolf Koch zu übertrumpfen versucht.
Ihre Dagmar Seifert
(Dagmar Seifert ist stellvertretende Chefredakteurin von Kultur-Port.De, Autorin zahlreicher Romane, Drehbücher, Rundfunk-Features und Theaterstücke.)