Meinung

Ein vermeintlich hoch verschuldetes Emirat namens Dubai baute das höchste Haus der Welt und weihte dies in der vergangenen Woche am 4. Januar 2010 ein.

Mit 828 Metern Höhe ist es damit doppelt so hoch wie das Empire State Building in New York.

Bereits 2007, als Rohbau, überholte das über 189 Etagen hohe Gebäude den Taipei Tower 101 in Taiwan. Längst sind die Planungen im Gange für ein Bauwerk, das über einen Kilometer hoch werden soll: in Shanghai.

Was für eine Freude für ungebetene Fassadenkletterer und wagemutige Draufgänger, die sich per Fallschirm oder sonstiger Gerätschaft in die Tiefe stürzen. Sicherlich ist der strahlend silberne Turm mit dem klingenden Namen „Burj Khalifa“ (Khalifa Turm) nicht für jene errichtet worden. Aber für wen eigentlich? Für seinen Namensgeber, Scheich Chalifa ben Sajed al Nahjan, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate?

Die Wirtschaftskrise zieht noch immer ihre Kreise, die Verschuldung des Emirats und stark sinkende Immobilienpreise sind die Folge; soviel Büroraum kann man gar nicht vermieten, um die 1,5 Milliarden Dollar Baukosten einzuspielen. Größenwahn, Meisterleistung, Wettbewerb, Leistungsshow oder Übermut? Himmelwärts und kurz vor Babylon?
Irgendjemand steht jedenfalls immer im kilometerlangen Schatten des riesigen Gebäudes. Und wir sollten uns fragen, ob dieser Weg des "höher, schneller, weiter" wirklich noch die Herausforderung des 21. Jahrhunderts sein sollte oder ob wir nicht längst am Ziel weit vorbei geschossen sind.

Ihr Claus Friede

(Claus Friede ist Chefredakteur von Kultur-Port.De, Kulturjournalist, Moderator, Ausstellungs- und Filmreihenkurator. Er ist Mitgründer des Kulturklub Hamburg, leitet die Fokus-Reihe beim Filmfest Hamburg und seit knapp 20 Jahren die Kunstagentur Claus Friede*Contemporary Art)

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