CDs JazzMe
Linus Rebmann Trio. Foto: Laura Rukavina

Junger Jazz, der seinen eigenen Fluss findet: Mit „Listen To The River“ präsentiert das Linus Rebmann Trio ein Debüt voller Spielfreude, Dynamik und wacher musikalischer Neugier.

 

Ein Debütalbum, das zeigt, wie lebendig und überraschend moderner Jazz klingen kann.

 

Mit seinem Debütalbum „Listen To The River“ legt das Linus Rebmann Trio ein Werk voller Leidenschaft und klanglicher Vielfalt vor und steht für jungen, modernen und energiegeladenen Jazz. Pianist und Bandleader Linus Rebmann formt gemeinsam mit Gabriel Widmaier am Kontrabass und Johnny Walker am Schlagzeug einen transparenten und kraftvollen Sound, der von enormer Spielfreude und spürbarer Vertrautheit geprägt ist. Die zehn Eigenkompositionen des Albums erzählen von Beobachtungen, inneren Bewegungen und Momenten, die sich in ihrer Tiefgründigkeit besser mit Musik als mit Worten beschreiben lassen.

 

Linus Rebmann Listen To The River COVERDie drei jungen Musiker lernten sich im Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg kennen, und nach dem Gewinn des Wettbewerbs „Jugend jazzt South-West“ 2024 wurde das Trio bei der anschließenden Bundesbegegnung mit dem renommierten Studiopreis des Deutschlandfunks ausgezeichnet. Dieser machte eine Albumproduktion im legendären Kammermusiksaal des Deutschlandfunks in Köln möglich, einem Raum, der seit Jahrzehnten zu den klanglich feinsten Aufnahmeorten des Landes gehört. Die Bandmitglieder entschieden sich bei den Aufnahmen bewusst für ein intimes Setting. Gespielt wurde über ein gemeinsames Hauptmikrofon – ohne nachträgliche Korrekturen einzelner Instrumente. Eine Arbeitsweise, die absolute Präsenz und gegenseitiges Vertrauen erfordert. Gerade diese Unmittelbarkeit prägt den Klang von „Listen To The River“: Das Album ist transparent, organisch, fließend, fast atmend.

 

Am letzten Aufnahmetag kam mit dem vielfach prämierten Tenorsaxophonisten und WDR Big Band-Mitglied Paul Heller ein bekannter Name der Jazzszene hinzu. Er lernte das Trio beim Preisträgerkonzert von Jugend jazzt in Dortmund kennen und die Chemie passte von Anfang an. In Quartettbesetzung spielten sie die Titel „The Walker“ und „Walking Birds“ ein. Letzterer geht auf die Beobachtung eines kleinen Vogels zurück, dessen „halb laufende, halb hüpfende“ Bewegung Linus Rebmann faszinierte. So entstand ein Stück mit federndem Beat, spielerischer Leichtigkeit und Humor. Ein Beispiel dafür, wie die Inspiration für das Album teilweise aus dem Alltäglichen entsteht und zu etwas Besonderem wird.

 

Im Zentrum des Albums steht das titelgebende Stück „Listen To The River“ mit seiner einfachen, puren Melodie. Die entscheidende Inspiration fand Linus Rebmann bei der Lektüre von Hermann Hesses Siddhartha: „Die bewegte Reise, die Siddhartha auf seiner langen Suche nach der Erkenntnis durchmacht, kulminiert am Fluss. Indem er dem Fluss zuhört, also alle Ereignisse und Facetten des Lebens als ein großes, wundervolles Ganzes versteht, findet er sich selbst und die Wahrheit.“ Der ruhige, fließende Charakter der Musik greift genau diese Idee auf: Bewegung und Stillstand, Suchen und Ankommen zugleich. Doch Stücke wie „Drive“ oder „Grow Up“, die durch ein druckvolles Schlagzeug und rhythmische Akzente gekennzeichnet sind, bringen Tempo ins Spiel und verwandeln den sanften Fluss in einen kraftvollen Strom.  Mut zum Experiment mit verschiedenen Kunstformen, Stilen und Epochen zeigt die Band mit dem Stück „Scotty’s Case“: Thematisch inspiriert von der tragischen Liebesgeschichte zwischen Scotty und Madeleine in Hitchcocks Filmklassiker Vertigo, nimmt die Komposition ihren Ausgangspunkt in Mozarts berühmtem Dissonanzenquartett und spinnt dessen dramatisch abwärts führende Linien weiter, bis aus der klassischen Vorlage ein moderner Jazz-Titel entsteht. Das abwechslungsreiche Album bewegt sich so unentwegt zwischen den Polen Ruhe und Bewegung, treibende Kraft und Kontemplation.

 

Linus Rebmann Trio 01 F Laura Rukavina

Linus Rebmann Trio. Foto: Laura Rukavina

 

Lunar

Lunar ist eine Liebeserklärung an den Mond, entstanden nach einem nächtlichen Spaziergang bei Vollmond. Die Komposition befindet sich stets auf der Linie zwischen Erwartetem und Unerwartetem und verdeutlicht, dass der Mond zugleich eine Konstante im Leben ist, die uns den Weg zeigt, wenn es dunkel ist, und dennoch so unerreichbar weit entfernt ist.

 

Untitled

Manchmal fällt es schwer einen passenden Titel für eine Komposition zu finden. Nach langer Suche nach einem geeigneten Titel hatte sich der Name „Untitled“ schon so etabliert, dass er geblieben ist und nun zu dem Stück dazugehört. Manchmal ist es gut, Dinge nicht zu benennen, sondern die Aussage der Musik überlassen.

 

Blurred Vision

Dieses Stück erforscht die Möglichkeiten zwischen den Polen „Komposition“ und „Improvisation“. Der erste Teil ist eine auskomponierte Melodie und führt in einen gänzlich improvisierten Teil, der jedes Mal neue Formen annimmt und schließlich in die Komposition Kafkaesque übergeht. Die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation verschwimmen – Blurred Vision.

 

Kafkaesque

Die Prämisse im Kompositionsprozess von Kafkaesque lautete: Wie weit kommt man harmonisch, wenn stetig kleine Veränderungen an der Ausgangsharmonie vorgenommen werden? So entfaltet sich das Stück auf dem Weg von seinem harmonischen Zuhause in immer fremdere, dissonante Gebiete. Diese Art von Entwicklung ist sehr oft bei Kafkas Figuren zu finden, die sich nach und nach von ihrer Umgebung entfremden und dadurch beim Lesen dieses „kafkaesque“ Gefühl auslösen.

 

Grow Up

Mit halsbrecherischem Tempo beschreibt diese Komposition die Herausforderungen auf dem Weg zum Erwachsensein. Johnny Walker leitet das Lied mit einem gewaltigen, energiegeladenen Schlagzeugintro ein und setzt damit den Ton für das Stück.

 

Scotty’s Case

Die Komposition basiert auf einer Stimmführung aus W.A. Mozarts „Dissonanzenquartett“. Dieses Streichquartett beginnt mit einer dramatisch absteigenden Stimmführung, die in Scotty’s Case weitergesponnen und in verschiedene Richtungen gedreht und gewendet wird und so diese ungewohnte Seite Mozarts in einem Modern-Jazz-Gewand ins Hier und Jetzt holt. Der Titel entspringt der Assoziation mit der tragischen Liebesgeschichte zwischen John „Scotty“ Ferguson und Madeleine im cinematographischen Meisterwerk „Vertigo“ von Alfred Hitchcock. Die obsessive Beziehung der beiden Protagonisten, die in der schwindelerregenden und legendären Turmszene kulminiert, wird durch das harmonische Auf und Ab in Scotty’s Case nachgeahmt.

 

The Walker

The Walker ist eine entspannte Komposition im Tempo eines Spaziergangs in der Natur. Hier und da muss man vielleicht etwas Unerwartetem ausweichen, aber der Weg geht immer weiter, lässig und entspannt. Der Saxophonist Paul Heller läuft hier mit uns und erzählt manch aufregende Geschichte.

 

Walking Birds

Walking Birds ist aus einer musikalisch-ornithologischen Beobachtung des Komponisten entstanden, der einem kleinen Vogel zusah, wie dieser sich mit einem ganz besonderen Bounce über den Schulhof bewegte, eine kuriose Mischung aus Laufen und kleinen Hüpfern. Paul Heller leiht dem Vogel mit Bravour seine Stimme, bringt ihn zum Swingen und die Band zum Kochen.

 

Drive

Dieses rastlose Stück symbolisiert durch den häufigen Wechsel der Taktarten und energetisches Spiel das Verlangen nach Entdeckung und die stetige Suche nach Neuem.

 

Listen to the River

Das Titelstück des Albums ist das komplette Gegenstück zu Drive, denn Listen To The River handelt vom Ankommen und von der Erkenntnis. Inspiriert von den Erfahrungen „Siddhartas“ in Hermann Hesses gleichnamiger Erzählung, fordert diese Komposition dazu auf, dem Fluss des Lebens zuzuhören und ihn als Ganzes, als wundervolle Erfahrung mit Höhen und Tiefen zu betrachten, um so die innere Ruhe zu finden.

 

„Gemeinsam Musik erleben heißt, für einen Moment loszulassen und sich zusammen auf eine spannende Reise begeben zu können. Es ist für uns das schönste Kompliment, wenn wir das Publikum mit unserer Musik berühren“, sagt Linus Rebmann. Die Stücke leben von der vitalen Improvisation, die eingefleischte Fans wie auch Jazz-Neulinge gleichermaßen mitreißt. Das Trio zeigt seine junge, verspielte Seite virtuos und souverän – stets begleitet von erstaunlicher musikalischer Reife und Finesse. Mit ihrem Debütalbum unterstreicht die Band ihren Anspruch, zeitgenössischen Jazz eigenständig und authentisch weiterzudenken. Wie der Fluss in Hesses Erzählung bleibt die Musik auf dem Album ständig in Bewegung, steigt mal an, ist dann wieder ruhig und fließend, aber auch wild, frei und vor allem eins – lebendig.


Linus Rebmann Trio: Listen To The River

Linus Rebmann: Klavier und Komposition | Gabriel Widmaier: Kontrabass | Johnny Walker: Schlagzeug

Special Guest: Paul Heller: Tenorsaxophon

Label: Jazzhaus Records | Vertrieb: Inkaustik

EAN: CD 426007586283. Vinyl 4260075862842

Weitere Informationen (Label)

 

YouTube-Video:

Datenschutzhinweis zu YouTube-Videos. Um das verlinkte Video zu sehen, stimmen Sie zu, dass es vom YouTube-Server geladen wird. Hierbei werden personenbezogene Daten an YouTube übermittelt. Weitere Informationen finden Sie HIER.

Linus Rebmann Trio – Thema (3:42 Min.)

 

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Kommentare powered by CComment


Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.