Kultur Kolumne
- Details
- Geschrieben von: Redaktion -
Für diejenigen, die Martin Kohlstedts Arbeit verfolgt haben, wird das neue Album „Flur“ ein Bruchpunkt sein.
Alle Strukturen, die er im Laufe der Jahre gebaut und verfeinert hat – avantgardistische Arrangements und komplexe experimentelle Systeme – sind außer Kraft gesetzt. Was jedoch übrig bleibt, ist von grundlegender Bedeutung: „Flur“, das zwar seinen ersten Soloklavieralben „Tag“ und „Nacht“ nahekommt, jedoch in der Konsequenz keine Rückkehr zu seinen Wurzeln bedeutet. Mit dem Album hat der Musiker ein neues Vokabular benutzt und einen fruchtbaren Boden geschaffen, um etwas Neues aufzubauen. „Dies ist der Anfang von etwas für mich“, sagt Martin Kohlstedt.
- Details
- Geschrieben von: Marion Hinz -
Brian Mc Neill, geboren 1950 in Falkirk, Schottland, Schottlands Botschafter der Folkmusik, hat sich längst auch als Romanautor einen Namen gemacht.
Nun zeigt er, dass er auch großartige Kurzgeschichten erzählen kann. In „The Horseman’s Word“ beweist McNeill ein feines Gespür für die Eigenheiten verschiedener Klassen und Kulturen. Natürlich auch für die Spannungen, die daraus entstehen können. Sechs Erzählungen sind es, die ein ganzes Jahrhundert umspannen: 1913 (The Horseman`s Word) bis 2016 (Das letzte Gefecht).
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
Der aus Basel stammende Pianist Jean-Paul Brodbeck gehört zu jenen Pianisten, für die es nur wenige stilistischen Grenzen gibt.
In Luzern, an der Musikhochschule lehrend, müssen sich die Klavier- und Ensemble-Studenten freuen dürfen, mit einem solchen Universalmusiker arbeiten zu können. Ob Jazz, Klassik, Rap, Klezmer oder Filmmusik, der Mann am Flügel hat immer ein zuhause.
Gewöhnlich spielt er in unterschiedlichen Formationen, mal im Duo, mal im Trio und mal im Quartett. Die Liste der Kollegen, mit denen er auf der Bühne und im Studio stand, ist lang.
- Details
- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Ist es das wichtigste philosophische Buch des Jahres? Ich glaube das ganz unbedingt.
Endlich – siebzig Jahre nach seinem Tod – sind die „Cirkelprotokolle“ von Nicolai Hartmann erschienen. Es dürfte schwerfallen, anregendere und interessantere Texte zu den zentralen Fragen der klassischen Philosophie zu finden.
- Details
- Geschrieben von: Mirjam Kappes -
In ihrem Debütroman „Streulicht“ erzählt Deniz Ohde vom Erwachsenwerden zwischen den Existenzentwürfen: vom falschen Versprechen der Bildungsgerechtigkeit, vom verzögerten Aufstieg als Arbeiterkind und der konstanten Angst des Scheiterns, vom Erwartungsdruck und der Enge des Heimatorts, aus dem sie ausbrechen will, auch wenn alle anderen bleiben. Ohde entwirft ein einfühlsames und ehrliches Portrait einer Existenz, die geprägt ist von alltäglichen Erfahrungen der Ungleichheit und dem verinnerlichten Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, bei dem der Aufschrei jedoch ausbleibt – und das Aufbegehren erst spät gelingt.
Ein kleiner Ort neben einem Industriepark, irgendwo in Deutschland. Fabrikschlote ragen in den Himmel, eine feine Säure liegt in der Luft, in der Ferne das konstante Brummen der Werkhallen. Hier hat ihr Vater 40 Jahre lang Aluminiumbleche durch Laugen gezogen, hier ist die namenlose Ich-Erzählerin selbst aufgewachsen.
- Details
- Geschrieben von: Redaktion -
„RAAZ“ ist die erste Veröffentlichung auf dem jungen Label „30M Records“, das von Hamburg aus einer neuen Generation von Komponisten im Iran eine Plattform gibt.
- Details
- Geschrieben von: Redaktion -
Mariza, die den Fado, die traditionelle Liedform Portugals, in den vergangenen zwei Dekaden modern gestaltete, erzählt auf ihrem neuen Album „Mariza Canta Amália“ von Freude, Liebe, Fernweh und Weltschmerz.
Mit warmem Timbre schafft sie Bilder voller melancholischer Schönheit, die inzwischen überall auf der Welt wie kostbares Seelenfutter gehandelt werden. Gebettet in glänzende Akustik-Arrangements, erhebt Mariza ihre Stimme zur Feinausrichtung unserer individuellen und kollektiven Sinne. Eine Sängerin, deren großes, melodisches Stehvermögen, und deren Phrasierungen heilen können? Geht das?
- Details
- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Von Alois Riehl stammt der beherzigenswerte Satz: „Nur wer sein Denken vorzugsweise an Sprachen erzogen und an die Regeln der Grammatik gewöhnt hat, mag auch von den Regeln des Geschehens in der Natur Ausnahmen für möglich halten oder die Naturgesetze bloß als Text-Interpretationen der Naturforscher betrachten“ 1.
Ist dies die ahnungsvoll vorweggenommene Position des Wiener Kreises, dann kontrastiert dieser Mischung von Impressionismus und Formalismus bei dem Realisten Riehl die Einschätzung, dass das „Gesetz der Gravitation [...] mit allen Bewegungen der Himmelskörper und irdischen Fallerscheinungen (zwar, F.-P.H.) noch nicht gegeben (sei, F.-P.H.), obgleich es in jeder Fallbewegung enthalten ist.
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
„Stardust Crystals” (dt. Sternenstaubkristalle) ist nicht das erste Album von Yumi Ito, aber ein sehr besonderes.
Alle acht Stücke darauf sind selbst komponiert, arrangiert und gesungen und begleitet von einem zehnköpfigen Ensemble und lässt sich stilistisch kaum in wenige Begriffe packen – und das ist gut so, denn die klangliche Vielfalt ist eines der qualitativen Merkmale. Daneben verfügt die Schweizerin über eine wunderbare, variantenreiche Stimme.
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
Die Umschreibung „Rückkehr einer Legende“ wird gewöhnlich immer dann benutzt, wenn historische Objekte oder Sportler plötzlich wieder sichtbar (gemacht) werden. Wenn es um eine Automarke wie den Borgward geht oder den „Silberpfeil“ von Mercedes, ein Iron Man es schafft, nach Hawaii zurückzukehren und dort zu siegen oder wenn zukünftig der HSV wieder in der 1. Bundesliga anklopfen sollte.
Wobei – mit dem HSV sind wir schon bei der richtigen Verortung, denn die Freie und Hansestadt Hamburg spielt eine mehrfach zentrale Rolle bei der Rückkehr eines Segelschiffs, präzise gesagt einer Viermastbark in ihren ursprünglichen Heimathafen.
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
Der Alt-Folk Musiker James Auger aka A Choir of Ghosts (UK/SE) veröffentlicht am 20. November 2020 seine neue Single „Skin & Bones“.
Der skandinavische Songwriter mit britischen Wurzeln hat eine bemerkenswerte und einprägsame Stimme. Nachdem er seine Europa-Tournee im April wegen der Corona-Pandemie absagen musste, hörte man eine ganze Weile nichts von ihm. Nun stellt er einen hörenswerten, energischen, modernen und sehnsuchtsvollen Song in die Medien, der als Single und Video veröffentlicht wird und der mehr als nur Haut und Knochen ist.
- Details
- Geschrieben von: Claus Friede -
Das musikalisch-facettenreiche Reisetagbuch „28 DAYS“ von Jürgen Saalmann umfasst 28 Kompositionen. Jede ist an einem einzigen Tag, inspiriert durch Augenblicke, entstanden. Jede ist ein musikalischer Eintrag in ein Tagebuch einer Reise durch Dänemark und Norwegen.
Die einzelnen Titel sind geographische Koordinaten eines spontanen Selbstexperiments. Sie sind die klanglichen Markierungen der vierwöchigen Route – jedem Reisetag ist eine Komposition gewidmet.
- Details
- Geschrieben von: Redaktion -
„The See Within“ ist das Debütalbum des in Brüssel ansässigen Ensembles „Echo Collective“ mit ausschließlich eigenem Material.
Dabei verknüpft es die Vergangenheit des postklassischen Kollektivs mit der Gegenwart und bündelt den reichen Erfahrungsschatz zahlreicher Kollaborationen, der nun die eigene schöpferische Schönheit nährt: „Wir haben in den vergangenen Jahren Musik mit wunder- vollen Menschen erschaffen und dabei so viel gelernt, sagt Neil Leiter. „Wenn Du dann Deine eigene Musik schreibst, kannst Du gar nicht anders, als all diese Menschen irgendwie mit einzubringen.“
- Details
- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Wem sagt heute der Name Johann Eduard Erdmann noch etwas? Wer hat ihn im Original gelesen? Philosophiehistorikern des 19. Jahrhunderts sicherlich.
Womöglich einer Handvoll Psychologen, des „Grundrisses der Psychologie“ wegen, den dieser den Alt- oder Rechtshegelianern zugerechnete Autor verfasst hat. Aber darüber hinaus? Dubito. Dabei empfiehlt sich eine aufmerksame Lektüre seines erstmals 1841 erschienenen „Grundrisses der Logik und Metaphysik“ (Vierte, verbesserte Auflage, Halle 1864). Weshalb? Diese Frage soll gleich beantwortet werden. Zuvor nur noch ein Weniges zur Person des weithin vergessenen Philosophen.
Johann Eduard Erdmann kam 1805 in Wolmar (Livland/Russisches Kaiserreich. Heute: Valmiera/Lettland) zur Welt. Er bekleidete seit 1836 in Berlin eine A. o. Professur und wurde 1839 in Halle a. d. Saale Ordentlicher Professor. Daselbst ist er im Jahre 1892 gestorben.