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„RAAZ“ ist die erste Veröffentlichung auf dem jungen Label „30M Records“, das von Hamburg aus einer neuen Generation von Komponisten im Iran eine Plattform gibt.

 

30M simorg callipraphyDer Name 30M Records bezieht sich auf die Fabel der „Vogelkonferenz“, die im 12. Jahrhundert vom islamischen Mystiker Fariduddin Attar geschrieben wurde: Ein großer Vogelschwarm aus aller Welt macht sich auf den Weg, um den Vogelkönig Simorg (Perser si = 30, Morg = Vogel) zu finden, der hinter dem hohen Gebirge lebt. Am Ende einer langen und beschwerlichen Reise erreichen lediglich 30 Vögel das Ziel und entdecken, dass der verheißene König nicht existiert, sondern dass sie selbst Könige geworden sind.
Der Name 30M ist somit eine Hommage an die persische Tradition, die einen zeitgenössischen Kontext für ihre Existenz schafft. Das Suffix „Records“ wurde bewusst in englischer Sprache gewählt, um die internationale Relevanz dieser faszinierenden Musik hervorzuheben.

 

Die beiden persischen Musiker Hooshyar Khayam und Bamdad Afshar haben sich dazu in einem bahnbrechenden Projekt zusammengetan, um Teile traditioneller Melodien aus Belutschistan – der staatenübergreifenden und geographischen Region Iran, Pakistan, Afghanistan – in die Gegenwart zu katapultieren. Sie glauben, dass traditionelle iranische Musik „das Potenzial hat, direkt in verschiedenen Genres zeitgenössischer Musik eingebunden zu werden“. Parallel dazu hat der iranische Regisseur Dariush Gorgvand den gleichnamigen Kurzfilm vorgestellt, der das Projekt verbildlicht.

 

Khayam und Afshar haben einen innovativen Weg entwickelt, belutschische Melodien und modale Strukturen in moderne Musik einzubeziehen. Bamdad Afshar, der bereits für seine einzigartigen Kompositionen elektronischer Musik und seine Werke für Kino und Theater in Teheran bekannt ist, schloss sich mit dem klassisch ausgebildeten Hooshyar Khayam zusammen, um eine neue elektronische Interpretation belutschischer Rhythmen zu schaffen. Diese werden durch ein Streichquartett und Aufnahmen mit Khayams präpariertem Klavier sowie Gesangsaufnahmen dreier belutschischer Sänger (zwei Männer und eine Frau) ergänzt. Das Ergebnis ist ein hypnotisierendes Album, das sich auf ein breites Spektrum bisher ungehörter und ungeahnter Klänge sowie koloristischer Effekte stützt.

 

„Die Musik Belutschistans dient nicht nur der Unterhaltung“, erklärt Komponist und Pianist Hooshyar Khayam, „die Musik ist nicht nur ein Teil des Leben der Belutschen, sondern ihr Leben in seiner Gesamtheit, eine vollständige Kultur und Philosophie. Die Belutschen leben diese Musik vom ersten Moment an, wenn sie sie in der Wiege hören und leben damit fortan, wenn sie heiraten bis sie sterben. Sie ist immer bei ihnen.“

 

Der Begriff „Gwati“ hat seinen Ursprung in der Zeit, als afrikanische Schiffe an der Südküste des Irans anlegten und Sklaven brachten. Doch nicht nur sie kamen an der iranischen Seite des Persischen Golfs an, wo der Wind in Richtung Süden wehte. Auch ihr Schmerz, ihre Todesangst und ihre Verwirrung. Heute nennt man die Winde, die die Küstenbewohner verrückt machen, entweder Baad, Zaar oder Gwat. Im belutschischen Sprachgebiet bedeutet „Gwat“ Wind. Gwati bezeichnet hingegen eine Zeremonie, in der ortsansässige spirituelle Meister versuchen, den düsteren Wind mit Hilfe von stundenlang andauernder ekstatischer Musik und stürmischen Tänzen zu zähmen. Die Menschen Belutschistans glauben, dass es der Wind ist, der sie foltert und damit körperliche und geistige Schmerzen verursacht. Das musikalische Genre ist exotisch, orientalisch und mysteriös – durch Wiederholung und seine Muster bringt die Musik jeden in der Zeremonie in eine Ekstase.

 

RAAZ COVERAus dem Farsi und Urdu ins Deutsche übersetzt bedeutet RAAZ „Geheimnis“. Der Titel soll den mysteriösen Aspekt der belutschisch-basierten Gwati-Musik betonen und gleichzeitig auch die Wirkung der Musik bei der Heilung mentaler und physischer Schmerzen unterstreichen.

 

Die Musik ist tief verwurzelt in der Ekstase und dem Unterbewussten. Sie dient, neben der sufischen Musik, auch bei Besessenheitsritualen, um Patient und Heiler in Trance zu versetzen. „Es geht darum, seine inneren Gefühle zu entdecken, es geht um Selbstheilung und darum, dem Unbekannten zu begegnen. Die Gwati-Musik verändert den Bewusstseinszustand der Zuhörer und diese Charakteristik wollte ich in meiner Arbeit erhalten“, betont Khayam.

 

Mit RAAZ soll nun die Lücke zwischen der Musik aus der Persischen Provinz und der modernen Hörerschaft geschlossen werden. Zum einen sollen die wenigen Bewahrer der traditionellen iranischen Musik ins Licht gerückt werden, zum anderen soll ihr Sound den modernen Gesellschaften zugänglich gemacht werden. Das Ergebnis ist eine Form der Musik, die aufgrund ihrer Vermischung von Sounds und dem reichen Farbspektrum an Effekten bisher ungehört war – ja vermutlich sogar unvorgestellt blieb. Bis jetzt.


Hooshyar Khayam/Bamdad Afshar: RAAZ

Label: 30M Records
Digital, CD (12“Vinyl)
EAN: 4270001356734

Weitere Informationen

 

Tracklist:
1. Yə ́k
2. Do
3. Say
4. Chār
5. Pa'nj
6. Sha'sh
7. Ha ́p°t
8. Ha ́sht
9. Noh
10. RAZZ
11. Anthology

 

Raaz

ist außerdem ein Kurzfilm/Musikvideo von Dariush Gorgvand (GORG) – 2020
Produziert: Dariush Gorgvand & Hooshyar Khayam
Musik: Hooshyar Khayam & Bamdad Afshar
Choreography & Tanz: Shakiba Bahramian

 

Lokale Musiker aus den Provinzen Sistan und Belutschistan (Iran, Pakistan)
Khodadad Shakkal Zehi: Gheychak, Tanburak, vocals
Davoud Bameri: Tanburak, Doholak, vocals
Omar Sami: Benjoo
Hamed Bameri: Doholak
Sogol Khojasteh: Vocals

String recordings
Scheherazade Quartet
Tina Jamegarmi: Violin I
Yeganeh Hoseininia: Violin II
Niloofar Sohi: Viola
Negar Norad: Cello

 

YouTube-Video:
RAAZ – A film by Gorg (7:12)

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