Theater - Tanz
Simply the Best – Die Tina Turner-Show. Coco Fletcher. Foto: Estrel Berlin

Schon wieder Tina Turner? Ja, aber diesmal ganz anders. „Simply The Best“ im HANSA Theater Hamburg setzt ausschließlich auf Musik, Originalaufnahmen und eine überragende Hauptdarstellerin. Im Vergleich zum Tina-Turner-Musical im Operettenhaus vor ein paar Jahren ist dieser Abend kleiner, aber sehr authentisch.

Eine beeindruckend dichte Revue durch das Leben der Legende.

 

Es gibt diese seltenen Bühnenmomente, in denen man sich für einen Wimpernschlag in der Illusion verliert, das Original leibhaftig vor sich zu haben.  Bei der Premiere von „Simply The Best“ konnte man diesen Eindruck gewinnen. Dabei sieht Coco Fletcher Tina Turner nicht einmal besonders ähnlich. Es liegt auch nicht an den Kostümen, an der wilden Mähne oder den exakt kopierten Gesten. Selbst an ihrer großartigen, soulig-kraftvollen Stimme liegt es nicht. Ihr Geheimnis ist ihre Energie! Tina Turner war eine Künstlerin, die einen Song nicht einfach sang. Sie hat ihn sich einverleibt und mit ungeheurer Wucht aus sich herausgeholt. Und genau diese Wucht schafft Coco Fletcher auf die Bühne zu bringen.

 

Allen Tina-Turner-Fans, die meinen, auf diese Show verzichten zu können, sei versichert:  Die Produktion von Bernhard Kurz („Stars in Concert“) im HANSA Theater ist nicht vergleichbar mit dem opulenten Musicalspektakel im Operettenhaus der Jahre 2019 bis 2022. Auf der Reeperbahn wurde die Biografie der Sängerin als große Musicalerzählung präsentiert, mit aufwendiger Ausstattung, vielfach wechselnden Bühnenbildern, zahlreichen Darstellern, ebenso vielen Choreografien und einer entsprechend komplexen Dramaturgie.

 

„Simply The Best“ hingegen gehört eher in die Kategorie Kammerspiel. Eines, in dem die Persönlichkeit und die Songs den kompletten Raum einnehmen. Und gerade in der Verdichtung geht auf dieser kleinen Bühne am Steindamm die Post ab. Dazu laufen im Hintergrund historische Filmausschnitte und Fotos über eine große Leinwand. Diese Projektionen machen den Abend zu einer veritablen Zeitreise und geben Einblicke in kaum bekannte frühe Aufnahmen der jungen Anna Mae Bullock und in Mitschnitte erster Auftritte. Sie schaffen so einen reizvollen Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, und wenn es gut läuft, verschmelzen sie regelrecht zu einem einzigen Bild.

 

Man erlebt so noch einmal intensiv die Anfänge der Ausnahmesängerin, ihre frühen, von Soul, Blues und Gospel geprägten Songs, die Stationen der toxischen Beziehung mit Ike Turner. Und schließlich jene Tina Turner, die sich aus dem Leben häuslicher Gewalt befreite und eine zweite Karriere startete. Eine Karriere, die zu den erstaunlichsten Comebacks der Popgeschichte gehört.

Besonders stark dabei ist Coco Fletchers körperliche Präsenz. Tina Turner war auf der Bühne immer eine explosive Granate. Sie rannte, sprang, tanzte, schüttelte die Haare und sang dabei mit einer Kraft, die schier unerschöpflich schien. Fletcher kann da mithalten. Und sie besitzt eine Stimme, die von den Stühlen reißt.

 

Tina Turner F Estrel Berlin

Simply the Best – Die Tina Turner-Show. Coco Fletcher. Foto: Estrel Berlin

 

Dennoch ist „Simply The Best“ keine reine One-Woman-Show. Gegenspieler ist David Junior Serame als Ike Turner, selbst ein absolut überzeugender Musiker.  Serame, der übrigens Wahl-Hamburger ist, verkörpert nicht ausschließlich den Bösewicht und das ist gut so. Schließlich war Ike mehr als ein alkohol- und drogensüchtiger Ehemann, der Tina das Leben zur Hölle machte. Er war über lange Zeit ein hervorragender Musiker, erkannte Tinas Talent, förderte sie und feierte gemeinsam mit ihr die ersten großen Erfolge.

 

Nicht zu vergessen die großartige fünfköpfige Live-Band: Gitarrist Will Jacobs, Bassist Björn Werra, Keyboarder Helmut Bruger, Schlagzeuger Brian Sauls und der phänomenale Saxofonist Nicky Manuputty aus Indonesien sind absolute Vollblutmusiker, die einen mitreißenden Mix aus Soul, Rhythm and Blues, Rock und Pop liefern. Die Dramaturgie des Abends gibt ihnen auch den Raum, zu zeigen, was sie sonst noch so draufhaben. Auch das ist ein wesentlicher Unterschied zum Reeperbahn-Musical: Hier wird die Musik nicht als durchorchestrierter Soundteppich gespielt – mit ihren Überraschungs-Soli verwandeln die Bandmitglieder das HANSA Theater in einen echten Rock-Club.

 

Zugegeben: Manche Übergänge bleiben schlicht, die Dramaturgie ist längst nicht so zwingend wie die Musik, die Chor- und Tanzgirls übertreiben es mitunter mit ihrer Aufgedrehtheit und auch Tinas Manager (Marten Krebs) ist keine Idealbesetzung. Aber wenn auf der Leinwand die echte Tina Turner erscheint und Coco Fletcher gleichsam synchron „What’s Love Got to Do with It“ singt, entsteht ein magischer Moment: Die beiden Rock-Ladies scheinen zu verschmelzen.    

 

Und wenn zum Schluss „Simply The Best“ erklingt, ist der Titel für diesen Abend Programm.


Simply the Best. Die Tina Turner Show

Im HANSA-Theatersaal, Steindamm 17, 20099 Hamburg

Weitere Vorstellungen: bis 12. September & 13. bis 24. Oktober 2026

Beginn: dienstags bis samstags jeweils 19.30 Uhr, sonntags um 15 Uhr

Dauer: ca. 140 Minuten, inkl. Pause

Weitere Informationen (Theater)

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