Literatur
Foto: Alexandra Koch

„Könnte ich nicht auch ein Wolkenschwimmer werden?“, so lautet eine vielzitierte Frage der jungen Bettine von Arnim, eine der beiden Hauptpersonen in diesem biographischen Roman.

 

Schon oft wurde über Bettines Freundschaft mit der fünf Jahre älteren Dichterin Karoline von Günderrode geschrieben (und darüber spekuliert); im neuen Buch von Kerstin Campbell kommen sie beide zu Wort, immer abwechselnd, von Kapitel zu Kapitel.

 

in den wolken schwimmen coverZwischendurch meldet sich die Autorin zu Wort, sucht Orte auf, die im Leben der Freundinnen wichtig waren – und, wenn man so will, auch im Tod der Günderrode, mit nur sechundzwanzig Jahren in Winkel am Rhein ihrem Leben ein Ende setzte.

 

Davor aber liegen fünf Jahre enger Freundschaft mit Bettine. Anfangs wird Karoline von Bettines älteren Brüdern sozusagen als Privatlehrerin angeheuert; sie soll dem ungebärdigen Wildfang Bildung beibringen. Karoline kommt das wie gerufen, denn sie wartet doch darauf, dass der Gelehrte Savigny sich nach einer romantischen Begegnung endlich erklärt. Und nicht nur sie wartet, sondern ihre gesamte Verwandtschaft – Privatsphäre gab es am Beginn des 19. Jahrhunderts kaum, der Klatsch blühte, und der gute Ruf einer jungen Frau war im Nu ruiniert.

 

Bettine, mit ihrer quirligen Art, ist begeistert von der neuen Freundin und lenkt sie mit ihrer ungebärdigen Phantasie wunderbar ab. In ihrer Vorstellung gehen sie auf weite Reisen, verkleiden sich als junge Männer und tun all das, was Bettines Brüdern zugestanden wird, den Schwestern jedoch nicht. Savigny erklärt sich nicht, er verlobt sich mit Bettines Schwester Gunda, aus der eine brave Hausfrau werden kann, was der an Philosophie interessierten, hochgebildeten Karoline niemand zutraut.

 

Ebenbürtige Gesprächspartnerin kann Gunda ihm nicht sein, weshalb er sich doch nicht ganz von Karoline trennen kann – sie dagegen ist für die Veröffentlichung ihrer Gedichte auf seine Vermittlung angewiesen. Dass er es nur ungern sieht, dass sie mit seinem Kollegen Creuzer eine neue Verbindung eingehen will, versteht sich von selbst – und dass er, mit Hilfe seiner Stammtischbrüder, die Karoline ihr sogar von Goethe geschätztes dichterisches Talent neiden, die neue Verbindung hintertreibt, ist ebenfalls klar. Ach, die Männer, sie haben es schwer, sie möchten eine Frau, mit der sie auf Augenhöhe diskutieren können, aber wenn ihnen eine solche begegnet, bekommen sie es mit der Angst zu tun, und sie retten sich in Plattitüden über das wahre Wesen der Frau, das bei Karoline, die angeblich wie ein Mann schreibt, nicht zu finden ist. In dieser ganzen Zeit hält nur Bettine zu ihrer Freundin Karoline – also müssen die missgünstigen Männer auch diese Freundschaft auseinanderbringen.

 

Wie sie es versuchen, wie Bettine kämpft, ist hervorragend recherchiert und ungeheuer spannend erzählt und wirft ein neues Licht auf die so gar nicht romantischen Machenschaften der Literaten der frühen Romantik.


Kerstin Campbell: In den Wolken schwimmen

Roman

AvivA Verlag, 2025

Hardcover, 273 Seiten

ISBN 978-3-949302-36-7

Weitere Informationen (Verlag)

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