Kultur, Geschichte & Management
Drohnenaufnahme von Schloss Augustusburg. © Chemnitz von oben. Foto: Patrick Engert

Schloss Augustusburg, gelegen östlich von Chemnitz im sächsischen Erzgebirge, beherbergt in seinen Mauern gleich mehrere Museen: ein Motorradmuseum, ein Schlossmuseum, die Schlosskirche mit einem wundervollen Sakralbild aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515–1586) über dem Altar und die Renkewitz-Orgel, die zu den bedeutendsten Werken des deutschen Orgelbaus zählt. Und schließlich das Kutschenmuseum.

 

Letztgenanntes wird Ende September 2025 wiedereröffnet –, renoviert, neu konzipiert und gestaltet.

 

 

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Schlosskirche Augustusburg mit Altarbild von Cranach. Foto ©: ASL Schlossbetriebe gGmbH.

 

Ausgewählte historische Exponate

Fünfundzwanzig Kutschen und Schlitten, vom Königswagen bis zur Feuerspritze, prächtigen Staatswagen über Gesellschaftswagen bis hin zu einfachen Kutschen für das alltägliche Leben werden in sieben Themenräumen präsentiert.

Die Sammlung zeigt die Kulturgeschichte der Mobilität vom 18. bis ins 20. Jahrhundert – eingebettet in detailreiche geschichtliche Szenen und einem Kutschenfahrsimulator.

 

„Wir rücken die einzelnen Kutschen mit ihrer Geschichte, Funktion und Handwerkskunst in den Fokus“, erläutert Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der Augustusburg / Scharfenstein / Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH: „Dabei zeigen wir Exponate aus verschiedenen Bereichen: Höfische Wagen, Schlitten, Nutz- und Transport- sowie Stadt- und Gesellschaftswagen – eingebunden in Szenen, die einen Eindruck der Zeit und Lebenssituationen vermitteln.“

 

Herrschaftliche Wagen vom Dresdner Hof

Die vier herrschaftlichen Wagen in der Ausstellung sind Dauerleihgaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und eng mit dem kurfürstlichen und königlichen Hof verbunden. Der Galawagen von 1876/77 springt unmittelbar ins Auge – das liegt nicht nur an den sechs Pferden, die ihm in der Ausstellung vorgespannt sind. Das Fahrzeug von Hofwagenbauer Heinrich Gläser ist reich verziert: Die sächsische Raute findet sich im Königswappen und auch als gestalterisches Element auf dem Kasten und den Rädern. Die Galakutsche kam im Juni 1878 bei den Feierlichkeiten zur Silberhochzeit des Königs Albert von Sachsen (1828–1902) mit Carola von Wasa-Holstein-Gottort (1833–1907) zum Einsatz.

 

Ein weiteres Highlight ist der prächtige Staatswagen aus dem Jahr 1790. Kurfürst Friedrich August I. (1750–1827) ließ ihn eigens für die Krönungsfeierlichkeiten des Kaisers 1790 fertigen. Die Berline[1] des Wagenbauers Johann Christian Ginzrot aus Straßburg nutzte der Kurfürst bei den Feierlichkeiten als ersten Gesandtschaftswagen – und ging mit dem handwerklichen Kleinod behutsam um: Um die Kutsche unversehrt zu präsentieren, zerlegte man den Wagen für die Reise und baute ihn am Ziel wieder auf.

 

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Schloss Augustusburg. Berline Prachtwagen, 1876.  Foto: Oliver Loser. © ASL-Schlossbetriebe gGmbH

 

Für Alltag und Arbeit

Das neue Kutschenmuseum rückt in einem anderen Themenraum Alltag und Arbeit in den Fokus: Ein Posttransport-, ein Bäckerwagen und ein Wagen für Spazierfahrten zeigen die Mobilität der bürgerlichen und bäuerlichen Schichten. Ein Exponat stammt zudem aus der eigenen Schlossgeschichte. 1802 fertigte die Wagenbaufirma La War eine Handdruckfeuerspritze speziell für das ehemalige Jagdschloss. Das Zweizylinderpumpwerk wurde durch Wippenbalken betätigt. Sechs Personen waren notwendig, um die Feuerspritze zu bedienen, Pferde zogen die schwere Pumpe. Wahrscheinlich war der Wagen auch im Einsatz, als 1831 das Brunnenhaus brannte.

 

 

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Kutschen für jede Gelegenheit

Ein weiterer Ausstellungsraum zeigt charakteristische Gefährte, die für die unterschiedlichsten Anlässe genutzt wurden – von speziellen Kinderkutschen über prunkvolle Hochzeitskutschen bis zu Ausflugswagen unterschiedlicher Bauart. Ein faszinierendes Beispiel ist der Leichenwagen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Das Gefährt nutzte man noch bis in die 1950er Jahre in der erzgebirgischen Gemeinde Hohndorf zum Leichentransport. Davor pflegten die Bewohnerinnen und Bewohner noch lange die Tradition des Leichentragens. Glasscheiben gaben den Blick auf den innenliegenden Sarg frei. Verzierungen wie Palmen- und Akanthusornamente, Engel und stilisierte Urnen verleihen dem Wagen eine besondere Würde.

 

Schloss Augustusburg

Schloss Augustusburg liegt in der Nähe von Chemnitz, der Kulturhauptstadt Europas 2025, und ist als „Krone des Erzgebirges“ bekannt. Das Jagdschloss von Kurfürst August von Sachsen auf dem Schellenberg gilt als eines der schönsten Renaissanceschlösser Europas. Neben dem Charme seiner Architektur ist Schloss Augustusburg für die bereits ein gangs genannten Kulturschätze bekannt. Auf dem Schloss ist der älteste Treibgöpel Sachsens und der mit 130,6 Metern zweittiefste Burgbrunnen des Bundeslandes zu finden.


Kutschenmuseum

Wiedereröffnung ab Samstag, 27. September 2025 im Schloss Augustusburg, Schloss 1, in 09573 Augustusburg

Weitere Informationen (Museum)

 

Fußnote:

[1] Zwei- oder viersitziger Reisewagen oder Postkutsche, durchgefedert mit harten oder weichem Verdeck.

 

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