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Die 10. Lange Nacht der Museen in Hamburg

Dagmar Seifert und Claus Friede streifen durch die Lange der Nacht der Hamburger Museen – allerdings jeder für sich. Nicht etwa weil sie sich nicht mögen würden, sondern als Medienpartner des Jubilars wollen beide so viel wie möglich entdecken und berichten. Wie es sich gehört: Die Dame zuerst!

Dagmar Seifert: Das wirklich Traurige an dieser langen Nacht ist eigentlich nur ihre Kürze.
Über 40 Museen der Stadt bieten etwas besonders Interessantes, liebevoll Zusammengestelltes an, man steht wie vor einem reich beladenen Buffet – der Versuch, alles zu sich zu nehmen, dürfte der Gesundheit schaden und den Genuss mindern.

Zuerst entschied ich mich für lediglich sieben Museen. Das musste reichen. Wenn ich sehr diszipliniert mit der Zeit umging, überall einen Parkplatz bekam und ein bisschen rannte…
Dann fiel mir die Geschichte vom Vertreter ein, dessen Chef ihm eine Liste für eine Tour überreichte: „Montag fahren Sie nach Berlin, da kommen Sie um 10.18 am Hauptbahnhof an. Um 11.25 haben Sie Anschluss auf Gleis 5 nach Leipzig, da sind Sie um 13.02. Der Zug nach München hat Anschluss um 17.07…“ Und so weiter. Als der Mann nach einer Woche wieder Zuhause war, wurde er gefragt, wie viele Abschlüsse er denn gemacht hätte und er rief wütend „Abschlüsse?! Abschlüsse??!!! Ich bin froh, dass ich die Anschlüsse geschafft habe!“
Also nur vier Museen.
Das Afghanische, das Maritime, das für Hamburgische Geschichte und natürlich Beatlemania, denn das kannte ich überhaupt noch nicht. (Um es gleich zu sagen: ich kenne es immer noch nicht.)

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Oh doch, eigentlich war ich früh genug da. Kurz nach 18.00 Uhr bauten sie vor dem Afghanischen Museum in der Speicherstadt noch den Kebab-Grill auf – sehr zu meinem Bedauern, mir wäre durchaus bereits nach einem kleinen Abendessen zumute gewesen. Ich fragte, ab wann man denn essen könnte und wurde die Treppe emporgezogen in Räucherstäbchenduftwolken der ganz besonders orientalischen Art: „Die Besucherin hier hat Hunger!“
Man reichte mir getrocknete, gesalzene Kichererbsen, getrocknete Maulbeeren, etwas hart, aber fruchtig süß und hellgrüne Rosinen. So ausgestattet betrachtete ich afghanischen Schmuck, Haushaltsgerät und Schnabelschuhe sowie das Jurtezelt, in dem sich später die Wahrsagerin über unsere Zukunft äußern würde. Der orientalische Tanz interessierte mich besonders – ich liebe orientalische Tänze – aber er sollte erst um 20.00 Uhr anfangen.
Ich beschloss also, durch den lieblichen Frühlingsabend und die im Augenblick noch recht menschenleere Speicherstadt zunächst mal zum Internationalen Maritimen Museum zu schlendern.
Schon auf der Brücke vor dem Eingang lungerten einige malerisch kostümierte Seeungeheuer mit Gesichtsmasken herum. Offenbar waren sie zum Schweigen verurteilt (es spricht sich ja auch schlecht unter Wasser) durften jedoch mit dem Kopf schütteln und nicken sowie mit den Schultern zucken, was eine zufrieden stellende Kommunikation erlaubte. Ein bräutlich geschmücktes Meereswesen zeigte mir dringlich eine antike Postkarte mit dem Portrait eines Kapitäns. Ich bekam heraus, dass es sich um ihren ersoffenen Liebsten handelte und sie sich, weil das mit der Hochzeit nun nichts mehr werden konnte, ebenfalls in die Wellen gestürzt hatte, sprach mein Beileid aus und betrat sehr animiert das Gebäude.

Hier wuselte es gewaltig. Ich sah mich auf verschiedenen Stockwerken um, hörte Englisch und Holländisch, vor allem jedoch die Klangfarbe der Stadt in ungewöhnlich vergnügtem Ton. Im Fahrstuhl, dicht gedrängt, wurde gescherzt und gelacht, als befände man sich im Februar in Köln oder im Oktober in München. Jeder sprach mit jedem und niemand nahm übel!
Auf Deck 10 (also im zehnten Stock) thronte ein Herr mit Ohrpflöcken, wilden Ringen und milden Augen über einer Piratenflagge und hielt interessante und witzige Vorträge, durch Lichtbilder untermalt. Er erzählte von Ungeheuern des Meeres und Aberglauben auf See, von Klabautermännern und dem japanischen Seemönch Umi Bozu, der einer schwarzen Riesenkartoffel ähnelt und nur durch eine kaputte Schöpfkelle davon abzuhalten ist, ein Schiff so lange mit Wasser zu füllen, bis es untergeht.
Der Vortragende hielt es dabei mit erstaunlicher Seelenruhe aus, dass immer mal wieder irgendwelche Besucher auf Deck 10 umherirrten, dessen Dielen derart knarrten, dass man es garantiert bis zum Rathausmarkt hören konnte. Aber erstens unterstützte das durchaus den erwünschten gruseligen Gesamteindruck und zweitens standen vor ihm zwei Mikrophone, er durfte also guter Dinge sein und (zu Recht) davon ausgehen, dass ihn die Zuhörer trotz Riesengeknarre immer noch verstanden.

Nun hätte ich eigentlich, um die Afghanen tanzen zu sehen, im gestreckten Galopp den Sandtorkai entlang rennen müssen.
Aber gerade als ich, durch einige vorherige Erlebnisse mit dem Fahrstuhl des maritimen Museums gewitzt (der an normalen Tagen ein braver, zuverlässiger Vertreter seiner Gattung sein mag, an diesem Abend aber Zeichen seelischer Verwirrung zu zeigen begann) die Treppen benutzte um nach unten zu gelangen, ergab sich im Treppenhaus ein Zwischenfall. Hier bewegte sich ein tuntiger Pirat, der verzweifelt an Jack Sparrow erinnerte, obwohl er vielleicht nicht ganz so attraktiv aussah.
Bekanntlich orientierte sich Johnny Depp bei der Ausarbeitung seiner Rolle am lasziven Getorkel von Rolling Stone Keith Richards. Es ist zu befürchten, dass in Zukunft sämtliche Seeräuber ähnlich tänzeln und fuchteln – außer den gegenwärtigen, hauptberuflichen, versteht sich. Die dürften kein besonderes Interesse daran haben.
Der im Museumstreppenhaus wurde von einem kahlköpfigen Bartträger (Simon von Utrecht) mit: ‚Störtebeker’ angerufen. Und während beide sich mit ihren Degen piekten, spielte sehr laut die Filmmusik aus dem ‚Fluch der Karibik’, um keinen Zweifel aufkommen zu lassen. Überall auf den Treppen beobachteten, mehr als dicht gedrängt, amüsierte Zuschauer die Szene, neben sich, Kopf an Perücke, ebenfalls amüsierte Seeungeheuer.
Nachdem Störtebeker trotz geschickter Gegenwehr den geschichtlichen Tatsachen weichen musste und vom Henker abgeführt wurde, war es zu spät für orientalische Tänze. Ich konnte also am Eingang (für mich jetzt Ausgang) des Museums noch mit einem letzten Fabelwesen plaudern, das grüne Tentakel um den Kopf geschlungen trug und mir zum Abschied eine besonders hübsche grau-violette Muschel verehrte.



Inzwischen machte die HafenCity einen deutlich bevölkerteren Eindruck.
Vor allem am verführerisch duftenden Kebab-Stand vor dem afghanischen Museum hielten sich mutmaßlich sämtliche Bürger der umliegenden fünf Stadtteile auf.
Beim Schlangestehen erfuhr ich von der Dame vor mir, der Tanz sei sehenswert gewesen, durchaus, allerdings kein bisschen erotisch oder animierend, mehr so ‚energetisch erfrischend’. Und keineswegs von echten Orientalinnen, sondern von einem hiesigen Sportverein. Aber sehenswert. Durchaus.
Eine Weile mussten wir dann in der Räucherwolke des Grills stehen – was meinen Mann, als ich sehr viel später nach Hause kam und er kurz aufwachte, beunruhigt murmeln ließ: „Was ist passiert? Hat es gebrannt?“ - bevor wir unser Kebab erhielten.
Ich stellte fest, dass es unmöglich schien, auf einen Sitzplatz zu hoffen – worauf die Dame vor mir meinte, ihre Schwester hielte ihr gerade einen frei.
Da ich Einzelkind bin mit allen damit zusammen hängenden Nachteilen musste ich mir selbst ein Plätzchen suchen. Ich fragte die Museumsmitarbeiter höflich und bekam sofort die Erlaubnis, mich auf jedes beliebige der ausgestellten afghanischen Möbel im Erdgeschoss zu setzen, auch im Fenster zur Straße.
So aß ich, gewissermaßen im Schaufenster sitzend, das sehr leckere Putenfleisch-Kebab und erntete eigentlich nur freundliche und zustimmende Blicke.
Um 22.00 Uhr sollte noch einmal getanzt werden. Um die Zeit zu überbrücken wollte ich die Wahrsagerin in ihrer Jurte aufsuchen, doch die ging gerade ihrer Profession nach, während einige an der Zukunft interessierte draußen warteten.
Also fuhr ich auf die Reeperbahn, um an einer Führung durch die Ausstellung ‚Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band’ im Beatlemanie teilzunehmen.
Nach einer knappen halben Stunde Parkplatzsuche wurde diese Absicht blasser.
Ich hatte die Wahl, zum dritten Mal das Afghanische Museum aufzusuchen und meine Bedürfnisse im Bezug auf orientalischen Tanz und Wahrsagerei zu befriedigen – oder das Museum für Hamburgische Geschichte anzusteuern.
Ich tat letzteres.
Gerade begann eine Führung zum Thema ‚Unter den Rock geschaut – vom Reifrock bis zum Petticoat’ mit vielen interessanten und amüsanten Details zur Geschichte der weiblichen Unterwäsche.
Hinterher schnupperte ich mich im Restaurant des Museums, dem Cafe Fees, fest. Hier gab es eine besondere Karte für die lange Nacht der Museen.
Auf der stand beispielsweise: Süßkartoffelkarottencremesuppe mit marinierten Geflügelspießen – Ziegenkäse mit Honig und Rosmarin gebacken in Feigensenf – Gebratener Zander auf italienischem Kartoffelsalat und Limonen-Tiramisu.
Hmmmmm. Auch das ist Kultur. Ich gönnte mir eine köstliche rote Grütze mit Vanillesauce. Wenn man derart viel rum rennt, setzt sich so was nicht weiter auf den Hüften fest…
Durch die geöffneten Fenster im gut besuchten Restaurant klang seltsam verfremdete, unwirkliche Musik.
Dann folgte die nächste Führung: ‚Wachgeküsst’, die Wiederentdeckung eines hanseatischen Landhauses, das 1830 in Hamm (damals noch stiller Vorort) erbaut und 1909 abgerissen wurde, von dem jedoch viele Ausstattungsteile noch vorhanden sind und nun aufgearbeitet werden. Im Erdgeschoss des Museums ist eine große Werkstatt eingerichtet, in der Restauratoren sitzen und mit Pinseln und Wattestäbchen arbeiten. Und man darf mit ihnen reden und ihnen Fragen stellen! Ich erfuhr, dass die gerade bearbeitete Schnörkelleiste ‚Pilaster’ genannt wird, was eine Art Scheinpfeiler ist und dass Blattgold für innenarchitektonische Verzierungen häufig überhaupt nicht aus Gold besteht, sondern aus Messing - das ist dann Rauschgold. Vielleicht finden viele Leute solche Informationen einfach langweilig – mich begeistern sie.
Später hörte ich wieder diese sonderbare Musik und ich ging ihr nach, durch das Restaurant, eine Treppe hinunter, in den Innenhof des Museums.
Hier spielte das Hamburger Quartett ‚Friendship’ Jazz, eher ruhige, verträumte Melodien. Durch die Akustik der überdachten, riesigen Halle klang das so seltsam, auf reizvolle Art verzerrt und völlig traumartig.
Die Besucher im Innenhof tranken Wein und saßen teilweise in bequemen Deckstühlen. Sie lauschten der Musik, wie auch mehrere antike, von unten angestrahlte Steinfiguren sowie der Mond, der von oben durch das gläserne Dach schaute. Eine zauberhafte Atmosphäre.
Als ich das Museum für Hamburgische Geschichte verließ, versicherte ich ihm, bald wieder zu kommen. Und das ist wohl schließlich der tiefere Sinn einer solchen Nacht.
Ich machte einen weiteren schwächlichen Versuch, in der Nähe des Beatlesmuseums einen Parkplatz zu finden und fuhr dann völlig zufrieden nach Hause.

Wie die Schwestern der kleinen Meerjungfrau, die entweder die beleuchtete Stadt, den Sonnenuntergang oder Eisberge für das schönste auf der Welt erklärten, nachdem sie aus dem Meer aufsteigen durften, sollte jeder Besucher in diesem riesigen und vielfältigen Angebot für sich persönlich das herausfinden können, was ihm am besten gefällt.
Obwohl natürlich jeweils nur ein Bruchteil besichtigt werden kann, falls man Wert darauf legt, etwas intensiver einzusteigen.

Macht nichts, es ist damit zu rechnen, dass im nächsten Jahr wieder eine lange Nacht der Museen in Hamburg stattfindet.
Und dann fahre ich ganz bestimmt zu allererst ins Beatlemania!


Claus Friede: Um 18 Uhr ist noch helllichter Tag, keine Spur von Nacht, quirliges Treiben in der Stadt, die Mönckebergstraße scheint von einem 10-jährigen Jubiläum der „Langen Nacht der Museen“ nichts zu wissen.

Die 10. Lange Nacht der Museen in HamburgWo ich anfange, hatte ich mir im goldenen Büchlein mit 287 Seiten bereits Stunden vorher herausgesucht. Übrigens verliert das Buch nach kurzer Zeit seinen Wert: Die goldene Farbe klebt an meinen Händen und der abnehmende Mond auf dem Cover wird schlagartig zum Neumond.

Ich marschiere durch die Abendsonne zum Museum für Kunst und Gewerbe – wie licht und angenehm der neue Eingangsbereich ist – und freue mich auf das „Projekt Paradies!“. Dahin sehne ich mich schon seit geraumer Zeit. Mir wird allerdings schnell klar, dass ich dem Wort „Projekt“ zu wenig Bedeutung zugestanden habe und mich nur auf „Paradies“ konzentriert habe.
Das Paradies kann warten, ich schaue mir erst einmal die Neuerwerbungen an. Louis Armstrong trällert und trompetet vom Band wie in einer Hotellobby und begleitet mich in dem Raum vorbei an sieben historischen, chinesischen Stühlen aus dem Projekt Fairytale 2007 des documenta-Künstlers Ai Wei Wei, an ausgesprochen sehenswerten Modestücken von Alexander McQueen, Joop!, Issey Miyake, Comme des Garcon und anderen. Vor einem langgezogenen Plakat der Berliner Illustrierten, das den letzten Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs thematisiert bleibe ich eine Weile stehen. Sieht aus wie ein Filmstill aus „Papillon“.
Wenn ich schon hier bin, kann ich mir auch gleich „Body & Soul – Menschenbilder aus vier Jahrtausenden“ anschauen. Und die China- und Japanabteilung. So langsam wird es voll in dem labyrinthischen Gebäude und der Luftaustausch bei den „Antiquitäten“ schadet den Artefakten und mir. Ich gehe dem Klang der Musik nach und durchquere „Johann Adam Reinckens musikalischen Lustgarten“. Das Ensemble aus Barockviolinen, Viola da Gamba und Cembalo spielt wunderbar, der Klang berauscht, der Raum ist aber viel zu klein. Das Paradies ist eng!
Karsten Glinski (Saxophon) und Andreas Paulsen (Piano) haben es besser, ihr Raum ist großzügig und hell und ihr Rhythm’n’Blues einfühlsam, melodisch und schön.
Überhaupt ist Musik allgegenwärtig, begleitet mich in jedem Museum, an jedem Ort.
Auf zur zweiten Station – ich will in die Speicherstadt. Aber wie? Wegen einer Großdemo am Ballindamm und Jungfernstieg ist gerade die Innenstadt abgeriegelt. Für alle Busse – auch für meinen. Der muss einen riesigen Umweg fahren und kommt doch nicht an sein Ziel. Die Busfahrerin lässt sich dazu hinreißen, leicht ärgerlich zu sagen: „Ich hasse Studenten!“ hält dann irgendwo weit ab vom eigentlichen Ziel an und sagt: „Wer aussteigen will kann das jetzt tun“. Und die, die nicht wollen?
Aber ich bin zu schnell aus dem Bus draußen, um mich noch weiter mit der Materie zu beschäftigen. Jetzt quer rüber zum Rathausmarkt und... mitten in die Demo. Ach so sehen also Studenten aus! Die tragen Banner gegen Abschiebung und brüllen im Gleichklang. Polizeigruppen in Grün oder Schwarz mit Punkten, Strichen oder gar nichts auf dem Rücken stehen entlang des Jungfernstiegs, laufen parallel zu den Demonstranten oder sitzen in den Mannschaftswagen. Irgendwie wirkt das alles martialisch und ich weiß erneut, warum ich derlei Ansammlungen nicht mag. Ich stelle mir vor, das sei eine Aktion der „Langen Nacht der Museen“ unter dem Titel „Performance im öffentlichen Raum“. Wirkt jedenfalls super realistisch.

Am Rathausmarkt kommt dann eine Mitfahrgelegenheit in die Speicherstadt. Ich steige am Afghanischen Museum aus, es ist mittlerweile dunkel. (Eigentlich hätten wir uns jetzt treffen müssen, Dagmar.)
Ich bin eben nicht hungrig und lasse das Putenfleisch auf dem Grill. Dafür bin ich rechtzeitig auf dem 1. Boden, um den Orientalischen Tanz zu sehen und die Duftimpressionen des Landes am Hindukusch zu genießen. Im Halbdunkel eines nach gebauten „Tschaikhana“ (Teehauses) werden Hände und Unterarme mit Henna verziert.
Besonders genossen aber habe ich die Einladung Herrn Mohamads (das ist der Eigentümer des Afghanischen Museums), in seinem Büro mit ihm zu sprechen. Er teilt mir mit, dass die Museumsschließung möglicherweise abgewendet sei. Bis August bleiben sie noch am jetzigen Ort, danach erhält man vielleicht neue Räume in der Nähe, und mit einer Unterstützung ist zu rechnen. Wer Herrn Mohamad und sein Team kennt, der weiß, wie viel Herzblut, Arbeit und Fachwissen in dem kleinen Museum stecken. Als ich runtergehen und das Speicherhaus verlassen will, ist kaum noch ein Durchkommen, die Leute stehen bis auf die Straße.

Um die Ecke im Kesselhaus ist die „Morgenland Slam-Vorrunde“. Ich bleibe nicht lange, denn das Morgenland kommt nach der Nacht und mir jetzt zu schnell, außerdem slamt mich die Vorrunde nicht vom Hocker.

Da kommt der Bus. Der Fahrer hat etwas die Orientierung verloren und fragt sympathisch grinsend welche Museen hier nun seien: Ich bekomme sein Mirkophon und mache die Durchsage: „Kesselhaus, Afghanisches Museum und Wunderland – alles aussteigen“. Der Bus leert sich nicht. Weiter geht es am Hafen entlang in Richtung St. Pauli. Ein weiteres Spektakel bahnt sich an – außerprogrammmäßig. Die „AIDA blu“ hat eben abgelegt und zieht mit einer unglaublichen Geschwindigkeit die Elbe hinunter. „Ach, können Sie nicht anhalten – bitte“ rufen einige Fahrgäste und der Bus hält. Alle raus, Treppe hoch zur Überseebrücke, Kreuzfahrtschiff fotografieren, alle runter und wieder rein in den Bus. Es sieht aus wie eine Persiflage eines Jacques Tati-Films.
Zum Hafenmuseum muss man in Barkassen übersetzen, aber das lohnt sich. Die Sonderausstellung zeigt „Dienstleistungen für Schifffahrt und Hafenbetrieb“ und im Filmcontainer laufen Präsentationen über den Hamburger Hafen. Schön, auch einmal hier gewesen zu sein.

Ich fahre zurück zum Rathausmarkt – lange Schlangen vor dem Bucerius Kunstforum – die erspare ich mir, biege kurzerhand links ab und stehe im Rathaus. Das ist zwar nicht wirklich museal, aber wie schon im vergangenen Jahr steht ihm die Kultur ausgesprochen gut.
Die Rathausdiele ist ein riesiger Klangkörper, die Swingwerkstatt zeigt wie gut man zum Gypsy Swing tanzen kann – und wie anstrengend das ist. Wolkly Rosenberg, die Brüder Weiss und Kohe Reinhardt geben ihr Bestes an Gitarren, Bass und Klarinette. „Swingin’ Hallroom“ lautet das Motto. Die Leiterin der Senatskanzlei berichtet, dass die Musiker aus Politik und Verwaltung auf der Bühne richtig gut waren und groovten. Im Festsaal spielt das international besetzte „Trio Macchiato“, während Dj Singin’ Swannee in der Rathausdiele alte Kostbarkeiten des Swings auflegte.
Die Gypsies können es nicht lassen und spielen backstage immer weiter und weiter.
Auch wenn es der musikalischen Vielfalt des ELBJAZZ-Festivals im Mai nicht gerecht wird, das Programm im Rathaus ist gut zusammengestellt.

Wie schön und locker die Atmosphäre bei der Langen Nacht der Museen ist, zeigt sich allen Orten, die ich besuche. Das zeichnet sie aus. Egal, ob Besucher, Busfahrer oder Museumspersonal, die Stimmung ist einmalig.

Eigentlich hatte ich vor gehabt, nach Bergedorf zu fahren. Aber was Dagmars Beatlemainia ist, ist mein Deutsches Maler- und Lackierermuseum. Nächstes Jahr!

Copyright Fotos: Lange Nacht der Museen

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