Das niederländische Nexus-Institut mit Stiftungssitz in Amsterdam wartet dieses Jahr mit einer Rede von Filmregisseur, Drehbuchautor und Fotograf Wim Wenders (geb. 1945) im Auditorium der Erasmus-Universität Rotterdam im Programmangebot auf.
Der gebürtige Düsseldorfer hielt sie auf Englisch vor eigens aus den USA, Kanada, Deutschland, der Schweiz, Großbritannien oder Polen nach Rotterdam angereisten Gästen, während sie erstmals per Livestream auch rund um den Globus in Realzeit übertragen wurde.
Thema von Wenders’ „Nexus Lecture“ war „Die Zukunft der Freundlichkeit“ (englischer Originaltitel: The Future of Kindness). Kleiner Spoiler: Am Ende der Veranstaltung erntete Wenders minutenlangen Applaus und Standing Ovations im vollbesetzten Rotterdamer Festsaal. Zu Beginn stellte der niederländische Kulturphilosoph, Essayist und Buchautor Rob Riemen (geb. 1962) in seiner Funktion als Gründer, Präsident und Leiter des international renommierten Nexus-Instituts (rechtlich: Stichting Nexus Instituut) – einer Plattform für philosophischen und kulturellen Diskurs, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, so Riemen, „den traditionellen europäischen Humanismus lebendig“ zu halten[1] – die Veranstaltung kurz vor. Vor dem anwesenden Saalpublikum und auf dem Großbildschirm – für alle Zuschauer vor Ort sowie aus der Ferne Zugeschalteten gut sichtbar – unterstreicht Riemen, dass Nexus die bevorstehende Rede von Wim Wenders dieses Jahr zum ersten Mal breit angelegt in Echtzeit digital in die Welt ausstrahlt. In Direktschaltung erreicht Nexus von nun an interessierte Zuschauer, die mehr über „die Zukunft vom Werk der Musen und über die gesellschaftliche Rolle der Kunst“ erfahren wollen, überall in der Welt: „von Argentinien, Chile und Mexiko bis nach Australien“.
Das Thema der Freundlichkeit (Kindness) hat der politik- und gesellschaftskritische Vertreter des Neuen Deutschen Films der 1960er und 1970er Jahre, Wim Wenders, wohl nicht von ungefähr zu einem Zeitpunkt gewählt, der sich durch die Instabilität unserer Weltordnung und unnachgiebige Kriegsgeschehen (wie in der Ukraine oder Palästina) auszeichnet. Unsere Zeit bringt eine Welt hervor, die durch die zunehmend uns einander entfremdende, anonymisierende Digitalisierung droht, eine Umgangssprache salonfähig zu machen, die durch Mobbing, Hassrede (hate speech) oder Ghosting – als ultimativer Abbruch der Kommunikation und somit Gipfel des „Nicht-Kommunizierens“ bzw. „Nicht-Mehr-Kommunizierens“ – den „sozialen Kitt“ des Zusammenhalts untergräbt und erodiert. Kurz: Wenders will die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass wir ohne Wahrung der „Freundlichkeit“ asozial werden und auf transkultureller Ebene riskieren gesellschaftlich auseinanderzufallen.
Dass Wenders’ Auslegung von „Freundlichkeit“ dabei auf eine allgemeine kreative Kernbotschaft und ästhetische Quintessenz eines ebenso herausragenden wie anspruchsvollen Film-, Kultur- und Kunstschaffenden abzielen würde, der seit 56 Jahren Filmgeschichte schreibt, nachdem er 1970 mit Summer in the City (1970) debütierte, dürfte den Erwartungen aller vor Ort anwesenden und digital live zugeschalteten Zuhörer voll entsprochen haben. Sie sollten durch eine spannende Präsentation auf ihre Kosten kommen, die sich in zwei Teile gliederte. Im ersten einleitenden Hauptteil nähert sich Wenders der „Zukunft der Freundlichkeit“, indem er auf die Vergangenheit blickt und dem Publikum ebenso subjektive wie originelle thematische Annäherungsversuche näherbringt. All dem schickt er das Credo voran, demzufolge Politik per se zwar nicht empathisch sei, dafür aber der Film Empathie umso besser zu transportieren, damit zu arbeiten und schließlich im Zuschauer zu generieren wisse.
1. Wim Wenders’ Rede: „Das Inhumane humanisieren“
Unter Wenders’ Vorgängern im Geiste fällt dem 1967–1970 an der Hochschule für Fernsehen und Film München ausgebildete Regisseur im Spannungsfeld von Politik und Kunst zunächst Thomas Mann (u.a. Betrachtungen eines Unpolitischen, 1918) ein, der uns im Zuge seiner Auseinandersetzung mit der Politisierung des Verstandes und der geistigen Verfasstheit des Künstlers zur Schlussfolgerung anregen kann, dass auch Literaten Stellung nehmen müssen, aber „immer in einem angebrachten Kontext“, sagt Wenders. Der Idiot – fährt Wenders fort – ist hingegen der Titel eines zuerst von Januar 1868 bis Februar 1869 in der Zeitschrift Russki Westnik publizierten Romans Fjodor Dostojewskis, der – so Wenders – zum Schluss kommt, „nur Schönheit könne die Welt retten“.
„Politisierte Kunst“, meint Wenders selbst, werde schnell „zu Propaganda“, während der Kunst die eigentliche Rolle zukäme, „das Inhumane zu humanisieren“. Das geschehe unter anderem auch über Worte: „I love words“, buchstabiert der deutsche Kultregisseur ins Mikrofon, bevor er diesen Satz, der aus „drei auratischen Wörtern“ bestünde, fantasievoll frei assoziiert. Das englische Personalpronomen für „Ich“ – I – verbindet der Filmemacher und Fotograf sofort mit dem Homonym eye – „Auge“ – und die beiden folgenden Wörter, das Verb „liebe“ – love – mit Martin Buber sowie den Singular des Nomens word – „Wort“ – durch Epenthese bzw. dem Additions-Minimalpaar (hier durch Hinzufügung des Buchstabens „l“) mit world – zu Deutsch: „Welt“. „Worte“ wiederum, erklärt der in Düsseldorf und Koblenz Aufgewachsene, stellen eine Beziehung zu unserer „Welt“ her. Das englische Wort kindness – zu Deutsch etwa: „Freundlichkeit“, „Herzlichkeit“, „Liebenswürdigkeit“, „Güte“, „Kulanz“, „Liebesdienst“ oder „Wohlwollen“ – sei auf Englisch ein prägnant konzises, ja „majestätisches Wort“, während es auf Deutsch keinen so bewegend konnotativen Klang besitze. Das Adjektiv kind, führt Wenders aus, gleiche „einem Land“, in dem man friedlich „wohnen“ könne, und bezeichne einen Aggregatzustand, der „bleibt“: Es vermittle einem die Sicherheit, dass es nicht „unfreundlich“ werde. Vor allem aber impliziere der Begriff der kindness eine Interaktion zwischen dem „Selbst“ und dem „Anderen“: Freundlich ist, wer helfen will und mit anderen mitfühlt.
Die Freundlichkeit eines Freundes – zuweilen auch überraschend die eines Feindes – sei am bewegendsten. In solchen Momenten stünde die Welt kurz still. Nur der Mensch sei zu so einer geschlechtsunabhängigen Großzügigkeit fähig, und letztere sei „ansteckend“. Sie beginnt meist durch den Akt des Sehens (oder Hörens) und geschieht oft spontan, ohne vorherige Überlegung. Millisekunden entscheiden dann, ob wir freundlich oder unfreundlich sind. Sowohl Selbstlosigkeit als auch Freundlichkeit umarmen Gleichheit (equality), während die gegenteiligen Phänomene „des Narzissmus, der Xenophobie oder des Rassismus“ als krankhaft zu bezeichnen wären. Nach einem Kurzexkurs über „die 93 Millionen Fotos“, die täglich mit Mobiltelefonen weltweit aufgenommen werden, endet Wenders’ Einleitung mit der Versicherung, dass der ehemalige Vorsitzende der Europäischen Filmakademie (1991–1996, bis 2020 auch ihr Präsident) und Professor für Film an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (2002–2017) Filme nicht mache, um Wissen zu vermitteln, sondern weil er „etwas lernen“ wolle.
Damit leitet Wenders zur zweiten Hälfte seines Vortrags über, der zu einem Glanzpunkt künstlerischer Selbst- und Filmanalyse wird. Dies geschieht vor den Augen aller nicht nur dank seiner aufschlussreichen Kommentare, die tiefe Einblicke in seine ästhetischen und philosophischen Konzepte, künstlerischen Leidenschaften und technischen Herausforderungen als Regisseur gewähren, sondern auch dank deren Unterfütterung und Untermauerung durch rund zehn kurze Filmszenen, die Wenders im Rotterdamer Saal vorführt. Diese stammen alle aus dem 1991 erschienenen und – im damals zukünftigen – Jahr 1999 angesiedelten Science-Fiction-Drama und Roadmovie-Klassiker, der unter dem Originaltitel Until the End of the World | Jusqu’au bout du monde (Dt.: Bis ans Ende der Welt, 1991) als Ergebnis einer etwa vierzehn Jahre langen, ab 1977 einsetzenden Entwicklungs- und Planungsphase des Films in die Kinosäle kam. Die Ursprungsidee zum Thema des „heiligen Raums der Welt der Träume und Erinnerungen“ haben Wim Wenders und die französische Schauspielerin Solveig Dommartin (1961–2007) gemeinsam erarbeitet und verfasst, bis Wenders in den späten 1980er Jahren das Drehbuch zusammen mit dem australischen Schriftsteller Peter Carey fertiggestellt hat. Nachdem der Film 1990 – mit Solveig Dommartin (als Claire Tourneur) und William Hurt (als Sam Farber) in den Hauptrollen und mit so prominenten Namen wie Max von Sydow (als Henry Farber) oder Jeanne Moreau (als Edith Farber) besetzt – gedreht und 1991 veröffentlicht werden konnte, gewann Wenders für Bis ans Ende der Welt 1992 den deutschen Gilde-Filmpreis in Gold. Zwar tat sich der Film karrieretechnisch und im Kinovertrieb schwer, doch der Zuschauer merkt sofort, wie wichtig dieses Projekt Wenders bis heute ist – und wird im Laufe seiner weiteren Ausführungen auch verstehen, sehen und förmlich spüren, warum es ihm so am Herzen liegt.
Denn in Rotterdam erinnert Wenders zunächst nicht nur daran, dass sich dieser Film mit einer zerstörerischen Bildsucht und Technik-Obsession auseinandersetzt, sondern auch daran, dass während der Entwicklungsphase des Films Mitte der Achtziger Jahre Kleinkameras aufkamen. Es war die Zeit, in der die digitale Revolution gesellschaftlich bereits unausgesprochen an die Oberfläche drängte, auch wenn sie erst im dritten Millennium richtig Fahrt aufnehmen sollte. Nachdem sich Wenders intuitiv mit diesen sich allmählich aufbauenden, derzeit überschlagenden Umwälzungsprozessen beschäftigt hatte, brachte er den Film in verschiedenen Fassungen heraus: eine gekürzte Kinoversion von 180 Minuten für den Kinostart in Deutschland, eine noch kürzere von 158 Minuten für die USA und einen Director’s Cut von 280 Minuten (knapp 5 Stunden). Diese letzte Fassung stellte Wenders 1994 nachträglich wieder her, um seine ursprüngliche Vision – die dem ersten Rohschnitt von rund zwanzig Stunden zugrunde lag, welcher wiederum nie veröffentlicht worden ist – ohne die durch den Kinovertrieb erzwungenen Kürzungen zeigen zu können. Die lange Filmversion gilt dabei einigen Kritikern heute als ein visionäres, prophetisches Meisterwerk über digitale Isolation sowie die mentale und psychologische Abhängigkeit von Bildern.
Das erste Filmbeispiel, das Wenders im Rahmen seiner Nexus Lecture dem Publikum präsentiert und das er aus dem reichhaltigen, für Außenstehende bzw. nicht cineastisch Eingeweihte einem wohl schier unüberschaubaren Filmmaterial extrapoliert haben muss, ist eine an Jan Vermeers (1632–1675) Bilder erinnernde Szene. Das Filmsetting ist darin sowohl von der Farbigkeit, den Requisiten und den Kostümen her atmosphärisch angelehnt an die berühmtesten Vermeer-Motive wie Das Mädchen mit dem Perlenohrring (ca. 1665), die Briefleserin am offenen Fenster (ca. 1657) oder die Dienstmagd mit Milchkrug (1658–1660). Wenders erklärt, dass die Frau in dieser Filmszene in Bis ans Ende der Welt das „allererste Bild“ sei, das die Figur des Wissenschaftlers Dr. Henry Farber (gespielt von Max von Sydow) unter Nutzung eines experimentellen Geräts, mit dem er Gehirnströme beim Sehen aufzeichnen kann, seiner in der Kindheit früh erblindeten Frau Edith (gespielt von Jeanne Moreau) direkt in den Kopf projizieren will, damit sie ihre eigene Familie erstmals sehen könne. Ob dieser Bedeutung musste das erste an die Ehefrau in Form von Gehirnwellen übertragene Bild, so berichtet Wenders, absolut „wunderschön“ sein, wodurch sich die dramaturgische Notwendigkeit der Vermeer-Anspielung erkläre. Umso dramatischer ist jedoch Ediths späterer Filmtod, nachdem sie durch die Überspielung der – mit Henrys erfundener Spezialkamera aufgenommenen – vielen Bilder in ihr Gehirn, diese „in zu großer Menge“ zugeführt und „zu schnell“ zu sehen bekommt, sodass sie die zu verarbeitende Bilderflut sowohl physisch als auch psychisch vollkommen erschöpft und überfordert.
Wenders erzählt, dem Film-Plot weiter folgend, dass Henry daraufhin versucht, Gehirnwellen aus Träumen herauszufiltern (statt sie seiner Frau zu übertragen), um so – erläutert Wenders – mittels Erzeugung „biochemischer“ Bilder „sich in die Seele schauen“ oder „Gott sehen“ zu können. Die Figuren Claire (gespielt von Solveig Dommartin) und Sam (gespielt von William Hurt) – der Sohn von Henry und Edith – seien somit, fährt Wenders fort, „die ersten Menschen, die sich ihre eigenen Träume“ bewusst „ansehen konnten“: Er „schläft in ihr“, und sie träumt von sich als Kind, kann sich als Vierjährige bewusst, live und in Farbe betrachten, obwohl sie sich zuvor nie an Kindheitsträume hatte erinnern können. Daraufhin will Claire – im Film – diese Träume immer wieder und öfter sehen: Sie wird süchtig nach immer mehr, immer besseren Bildern. Die Folge ist, dass die Sucht das Paar allmählich entzweit. Ihre Träume sind „zu isolierenden schwarzen Löchern“ geworden, ihre Suche und Jagd nach Bildern münden in eine jeweilige solipsistische „Selbstverehrung“. Es trennen sie schließlich „Ozeane“, und der Zuschauer erlebt, dass dieser Vorgang – kommentiert Wenders – nicht nur unumkehrbar scheint, sondern vor allem heute „auf schockierende Weise wahrgeworden“ sei. Claires „Bild-Krankheit“ kann im Film nur noch durch das Lesen von Büchern und das „geschriebene oder gesprochene Wort“ gemildert werden.
Nachdem weitere filmästhetisch nuancenreiche, Wenders’ Ausführungen begleitende und illustrierende, von ihm vorselektierte Filmausschnitte auf die Leinwand im Rotterdamer Saal gespielt wurden, die die Zuschauer neugierig machten auf den ihnen zumeist wohl eher unbekannten Film Bis ans Ende der Welt, schließt sich der Argumentationskreis des Gastredners mit der Bekräftigung, dass aus seiner (damaligen) Erzählfiktion (heute) nackte Realität geworden sei: „Wir verbringen“, meint Wenders, „unsere Lebenszeit online, statt mit Freunden, Gesprächen und gemeinsamen Unternehmungen“ im Analogen. Dadurch gebe es „keine Zeit für Freundlichkeit“ mehr. Durch unsere „totale Selbstbezogenheit“ wolle „keiner mehr dienen, aber jeder will Service“. Es sei jedoch nicht die Selbstoptimierung, sondern die Freundlichkeit, die „das Beste“ aus uns herausholen würde. Wenders schließt, indem er hervorhebt, dass sowohl „Worte“ als auch „Freundlichkeit“ heilen können, wobei letztere ein „Antidot“ sei gegen Einsamkeit, Narzissmus und Rassismus. Mit dem Wortspiel „kindness is being of the same kind“ (Dt. im übertragenen Sinn etwa: „Freundlichkeit heißt gleichgeschaltet zueinander freundlich sein“) rät er zur Herstellung eines ausgeglichenen, gleichberechtigten und ausbalancierten gesellschaftlichen Zustands auf Augenhöhe. Das „Selbst“ sei eine Sackgasse, „für andere da sein“ hingegen sinnstiftend. Darin bestehe wahre Liebe, so Wenders, und Freundlichkeit bedeute, Liebe seh- und spürbar zu machen. Freundlichkeit, andere zu akzeptieren und ihnen freundlich zu begegnen, erwarte „eine glorreiche Zukunft“.
2. Diskussionsrunde
Die anschließende Fragerunde, in der zunächst ein kurzes Gespräch mit dem Veranstalter Rob Riemen folgt, nutzt der Schöpfer von so bekannten Spiel- und Dokumentarfilmen wie Paris, Texas (1984) oder Der Himmel über Berlin (1987) – vor Bis ans Ende der Welt (1991) – und – danach – Am Ende der Gewalt (1997), Buena Vista Social Club (1999), The Million Dollar Hotel (2000), Palermo Shooting (2008) oder zuletzt Perfect Days (2023) dazu, um die Intention seiner Nexus-Rede zu unterstreichen. Er stellt fest, dass in der Politik generell wenig Freundlichkeit herrsche, Politiker wie Trump oder Putin „ein schreckliches Leben“ führen und wo „Wirtschaft den Takt angibt“, Freundlichkeit wenig Platz fände. Er führt Beispiele für „Wortmissbrauch“ etwa in der Sprache der Werbung an (nature versus nurture im Werbeslogan „Nurture your Business“) sowie für das Fehlen eines gesunden sozialen Gleichgewichts in einer Welt, in der „Ronaldo eine Milliarde Freunde hat... auf seinem Smartphone!“, und er hebt hervor, dass „das Wort“ – den schlechten Ergebnissen laut Pisa-Studie zum Trotz – intensiv gepflegt und unterrichtet werden müsse. Dabei gibt er zu, dass „das Image von Worten“ schlecht sei in einer Welt, in der wir „krank von zu vielen Bildern“ und unsere Gehirne wegen der „Bilderflut“ mengenmäßig überfordert seien.

Filmplakate, Arthouse, verschiedene Verleihfirmen
Als zum Abschluss den im Saal anwesenden Zuschauern die Gelegenheit gegeben wird, Wenders einige kurze Fragen zu stellen, resümiert der deutsche Regisseur in seinen Antworten zunächst, dass die Bilder, die er in seinen Filmen transportiere, „freundlich zum Zuschauer kommen sollten“, dass Freundlichkeit mit „Einfachheit“ insofern einherginge, dass sie eine Win-win-Situation herstelle, nach der man positiv „süchtig werden kann“, und dass sie zudem ein freier Akt sei, der einer öffentlich zugänglichen Zone (im übertragenen Sinn: einer „Public Domain“) angehöre, unabhängig für sich existiere und der in seiner Bedeutung an andere „weitergegeben“ werden könne, was „großartig“ sei. Zudem verstehe er die Erinnerung im Titel seiner Rede, in Zukunft „Freundlichkeit“ zu wahren, weniger als eine „Warnung“ und vielmehr als „Ermutigung“: Er habe den Titel seiner Rede absichtlich „offen“ gehalten, hätte ihn aber durchaus auch – dem Sinn nach – „sowohl mit einem Frage- als auch einem Ausrufezeichen“ versehen können.
Eine Frage nahm Bezug auf eine gut zehn Jahre zurückliegende Nexus-Konferenz des israelischen Schriftstellers Amos Oz (1939–2018), der 2015 über das Thema „Barbarei“ referiert hat: Die Frage an Wenders, inwieweit man einen Fanatiker unter dem Aspekt der Freundlichkeit „kurieren“ könne, parierte dieser kurzerhand mit dem geistreichen Wortwitz, man müsse „fanatisch freundlich“ zu ihm sein. Einige Fragen richteten sich auf Wenders’ technisches Vorgehen bei Filmproduktionen: Daraufhin beschreibt der Regisseur, dass er das Filmemachen als einen „Fluss“ des Erhaltens von Antworten oder Lösungswegen verstünde, wie etwa das Finden eines Drehorts. Orte seien generell „sehr gute Mitarbeiter“: Er fände oft erst den Drehort und erfände dann die Geschichte. So habe er Bis ans Ende der Welt unter anderem mit einigen Aborigines in Australien gedreht. Diese habe er in einer „furchtbaren“, von Alkohol gezeichneten Situation angetroffen, obwohl sie „sehr freundlich“ zu ihm gewesen seien. Zwei Jahre später sei es ihnen sehr viel besser gegangen, nachdem eine sozialdemokratische Regierung ihnen „dreißig oder vierzig Prozent des Kontinents“ zugesprochen habe.

Wim Wenders im Gespräch mit Rob Riemen im Nexus Instituut, Foto: René Castelijn
Auch wenn die aktuelle Regierung in Australien diese Regelung „unfreundlicherweise“ zurücknehmen wollte, so könne – meint Wenders – Politik doch „etwas bewegen“. Auf die Abschlussfrage, ob er glaube, dass sich über soziale Medien neue Formen von Freundlichkeit entwickeln ließen, versichert er, dass er großes Vertrauen in die Menschheit habe. Es seien immer wieder ungeahnte Lösungen und neue Wege gefunden worden, und dies würden die Menschen auch in Zukunft tun, um Situationen zu „drehen“: Sie könnten also auch durchaus neue Formen der Freundlichkeit – auch auf den sozialen Medien – erfinden und einführen, wenn sie dabei nur einer „freundlichen Gesinnung“ folgen.
Mit diesem ermutigenden Schlusswort findet Wenders einfallsreiche, immer wenn es um filmische Details ging außerordentlich mitreißende und immer wieder auch entspannt unterhaltsame Rede im Nexus-Institut ihren Abschluss. Die selbstgewählte Themenstellung seines Auftritts – das Thema der (mangelnden) „Freundlichkeit“ – ist hochaktuell und dem Kontext des humanistisch orientierten Stiftungsrahmens nicht nur sehr angemessen. Vielmehr trifft es auch glaubhaft einen authentischen Nerv von Wenders’ Filmen, deren Subtext und die Essenz seines künstlerischen Anspruchs. Philosophisch ist die Fragestellung der „Freundlichkeit“ in der europäischen Tradition weit weniger vordergründig behandelt worden, als man meinen könnte, was einige leichte Schwächen bei der etymologischen und gedankengeschichtlichen – auf das Oxford-Wörterbuch sich stützenden – Ableitung des englischen Substantivs der kindness gerade am Anfang von Wenders’ Rede nachvollziehbar macht. Diese lassen sich jedoch angesichts von Wenders’ ebenso fulminant wie mitreißend vorgetragener Ergründung einzelner Aspekte seines zuweilen als sein wahres Magnum Opus erachteten und hier in den Mittelpunkt gestellten, vor nunmehr 35 Jahren in die Kinos gekommenen Films Bis ans Ende der Welt umso leichter verschmerzen und letztlich auf das Angenehmste – und Anregendste – kompensieren.
3. Historische und zeitgenössische „Freundlichkeit“
Tatsächlich zieht sich das Thema der „Freundlichkeit“ (anders als das der „Freundschaft“) eher wie ein blassrosa – als wie ein „roter“ – Faden durch die abendländische Ideengeschichte. Aristoteles (384–322 v. Chr.) widmet sich ihr in seiner Nikomachischen Ethik als einer Tugend der Mitte und setzt sie der uneigennützigen Hilfsbereitschaft gegenüber einem Mitmenschen gleich, der in Not geraten ist (mit diesem Ansatz hat sich auch Wenders’ Rede anfangs dem Thema genähert). Die vernunftbetonten Stoiker erweiterten den Begriff der Freundlichkeit zu einem Ausdruck der Weltbürgerschaft und des Kosmopolitismus (eine Einstellung, die bestens auf den höchst reisefreudigen Wenders zutrifft): Aus stoischer Sicht ist es für durch Vernunft miteinander verbundene Menschen geradezu eine rationale Pflicht, anderen mit Wohlwollen, Sanftmut und Nachsicht zu begegnen, während Marc Aurel betonte, dass Freundlichkeit unübertroffen sei, solange sie aufrichtig und frei von Heuchelei bliebe. Nachdem der französische Renaissance-Philosoph Michel de Montaigne (1533–1592) Freundschaftlichkeit, absolutes Vertrauen und die Akzeptanz des anderen dann zur höchsten Form des menschlichen Zusammenlebens in seinen Essais erhebt, argumentiert der aufgeklärte schottische Philosoph David Hume (1711–1776) mit der uns angeborenen Fähigkeit zum Mitgefühl (sympathy). Freundlichkeit ist für Hume keine rein rationale Pflicht, sondern entspringt unserem natürlichen Gefühl der Verbundenheit mit anderen.
Nach Hume betrachtete Friedrich Nietzsche (1844–1900) das Thema erstmals aus einer präziser gefassten psychologischen Perspektive, indem er zwar vor einer solchen „Freundlichkeit“ warnte, die Schwäche oder Anpassung entspringe, jedoch Güte und Wohlwollen als ein wirksames Mittel im menschlichen Umgang lobte. Dabei waren für ihn kleine Akte der alltäglichen Freundlichkeit oft wertvoller als große, heroische Taten (was auch mit Blick auf Wenders’ Perfect Days-Film in puncto „Glück“, wie der angereiste Regisseur im altehrwürdigen Auditorium der Erasmus-Universität richtigstellte, zuträfe). Parallel zu Nietzsche entwickelt die – sich im 19. und 20. Jahrhundert allmählich etablierende – Empirische Sozialforschung ein Verständnis von Freundlichkeit, das letztere als ein kooperationsförderliches soziales Handeln begreift, bevor der italienische Psychotherapeut und Philosoph Piero Ferrucci (geb. 1946) im dritten Jahrtausend – ganz im Sinn von Wim Wenders – „freundliche“ Menschen als „stark“ definiert und „Freundlichkeit“ als „mit dem Herzen denken“ in seinem Buch Nur die Freundlichen überleben gleichgesetzt versteht.[2]

Foto: Gerd Altmann
Überhaupt haben sich einige zeitgenössische engagierte italienische Denker mit dem Thema der Freundlichkeit gerade auch in der Verbindung von Respekt und einem geordneten Miteinander einerseits, und der transaktionalen Macht der Sprache andererseits, auseinandergesetzt. Zu diesen Vordenkern zählen zum einen etwa der Migrations- und Transkulturalitätsforscher Armando Gnisci (1946–2019), der u.a. die Monographie Via della transculturazione e della gentilezza (2013; Dt. etwa: „Weg der Transkulturation und der Freundlichkeit“) verfasst hat. Zum anderen hat Italiens bekannteste Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Dacia Maraini (geb. 1936) zu Corona-Zeiten für eine „sanfte“ oder „freundliche Revolution“ plädiert, wie der subversiv doppeldeutige Titel ihrer 2021 erschienenen Artikelsammlung impliziert: Una rivoluzione gentile. Riflessioni su un Paese che cambia (2021) – Deutsch etwa: „Eine sanfte Revolution. Überlegungen zu einem Land im Wandel“. Ein Titel, der sich auf die globale Weltlage – aber auch auf Wenders’ Rede – sinngemäß übertragen ließe.[3]
Zudem haben eine auffällige Reihe von italienischen Singer-Songwritern das Thema „Freundlichkeit“ besungen und in die Sprache des Bel Canto verwandelt (darunter: Marco Mengoni, Roberto Vecchioni und Simone Cristicchi, Fred Bongusto, Franco Battiato, Max Gazzè, Giovanna Marini u.v.a.),[4] was wieder zu Wenders führt, der nicht nur seinen letzten Kinofilm Perfect Days mit einer stil- und diskursprägenden Filmmusik untermalt hat. Vielmehr hat sich Wenders auch schon in Bis ans Ende der Welt der musikalischen Untermalung und der Synergieeffekte erzeugenden musikalischen Begleitung der von ihm abgedrehten „bewegten Bilder“ intensiv gewidmet. Angesichts der in seinem Gesamtwerk durchscheinenden Erkenntnis, dass alle menschlichen Wesen vom Verständnis anderer – im Licht der eigenen Vulnerabilität und Fragilität betrachtet – leben, hatte sich Wenders auch für Bis ans Ende der Welt einen passgenauen, für eine unabhängige Filmproduktion ambitionierten Soundtrack zusammengestellt. Ähnlich verhielt es sich mit dem zur Verfügung stehenden Budget: De facto soll Wenders’ Science-Fiction-Filmbudget rd. 20–23 Millionen USD betragen haben, ein für damalige Verhältnisse und für dieses unabhängige Mammutunternehmen eines Indie-Films (independent film) nicht nur aufwendiges, sondern auch teures Vorhaben, das sich in den Kinos kommerziell nicht rechnete.
Die deutsch-französisch-australische, monumental angelegte Koproduktion Bis ans Ende der Welt ist zwar durch die – für das Kinoformat auferlegten – Kürzungen von einigen Filmkritikern als lückenhaft, fragmentiert und unübersichtlich rezipiert worden. Aber als umso einzigartiger dürfte die akkurat abgestimmte, Großteils eigens für Wenders’ Großprojekt komponierte Filmmusik gelten, für die der Regisseur eigens ausgewählte namhafte Musiker darum bat, exklusive Originalsongs zu seinem Film beizusteuern: Futuristisch sollte sich diese Musik anhören und zu der – in der Zukunft angesiedelten – Science-Fiction-Filmgeschichte passen. Bis heute zieren prominente Künstlernamen einen legendären Soundtrack, der als einer der besten der Filmgeschichte gilt: So überließ die Gruppe U2 Wenders den namensgebenden Song Until the End of the World, während weitere Musikstücke u.a. von Künstlern wie R.E.M., Lou Reed, Nick Cave and the Bad Seeds, Depeche Mode, Talking Heads, Elvis Costello und Patti Smith stammen.
Wie allein die Erfolgsgeschichte der bewegenden Melodien von Glen Campbells (1936–2017) Interpretation des Lieds Gentle on My Mind (1967; Dt. etwa: „Sanft in meinem Sinn“) – das eine Liedkomposition von John Hartford in Anlehnung an das historisch-romantische Filmepos Doktor Schiwago von 1965 (nach Boris Pasternaks gleichnamigen Roman von 1957) ist – überzeugend demonstriert, kann Musik auch in puncto Freundlichkeit latente Bedürfnisse verstärken. Bereits 1968 hatte der US-amerikanische Country-Sänger Campbell rd. 600.000 Platten verkauft. Sein Lied über die Sanftmütigkeit war noch ein Jahr später, 1969, von ca. fünfzig anderen Sängern begeistert über- und aufgenommen worden, darunter so exklusive Namen wie Frank Sinatra, Dean Martin, Aretha Franklin oder Elvis Presley. Der Country-Sänger, Blue-Grass-Musiker und Komponist Hartford definierte das fertige Lied als einen „Wortfilm“ und beschrieb seinen Schaffensprozess treffend als ein „Denken in Bildern – wie Gemälde, die mit Wörtern und Klängen gestaltet sind“.[5]
4. Postmoderner Humanismus
Dieser transmediale Synergiefaktor, der sich bei Wenders systematisch zwischen die Film-, Musik- und Kunstebene schaltet, erzielt auch in Bis ans Ende der Welt einen verstärkten Effekt der Rührung, der Beteiligung und der Involviertheit beim Zuschauer. Die Überlagerung und das Zusammenwirken von Bild und Ton, fluktuierenden Bildern, Musik und gesprochenen Worten bewegen uns nicht nur emotional, indem sie etwa unsere Sehnsucht nach einer freundlichen Begegnung innerlich spüren lassen, sondern motivieren uns auch, selbst freundlich zu anderen zu sein. Anknüpfend an Montaignes Essayistik, die die Freundlichkeit zum höchsten zwischenmenschlichen Ziel erklärt, zeigt Wenders’ Werk, dass und wie auch Filme auf hohem Niveau „Freundlichkeit“ – ob sie nun der durch die künstlerisch akkurate, leidenschaftliche und proaktive künstlerische Haltung des Regisseurs entspringt oder durch die Ästhetik der Filmsprache selbst entsteht – unterschwellig vermitteln.
So wie uns Wenders während seiner Nexus Lecture in das Laboratorium des Making-of von Bis ans Ende der Welt auf diversen Ebenen unserer Sinneswahrnehmung mitnimmt und er die Aufgabe der Kunst darin sieht, „das Inhumane zu humanisieren“, so ist auch das Anliegen des Nexus-Instituts auf ein humanistisches oder neohumanistisches Ziel ausgerichtet. Die niederländische Vortragsreihe ist darauf angelegt, eine Fortführung des traditionell in der italienischen Renaissance aufgekommenen und während des von Erasmus von Rotterdam in den Niederlanden ebenso stark vertretenen Humanismus’ zu gewährleisten, zu vermitteln und erfahrbar zu machen, um humanistisches Wissen und Gedankengut in der Postmoderne zu bewahren, fortzuentwickeln und weiterzuleben. Die 1994 von Rob Riemen gegründete Nexus-Stiftung, der zuvor die ebenfalls von Riemen 1991 ins Leben gerufene kulturphilosophische Zeitschrift Nexus voranging, veranstaltet regelmäßig Konferenzen, Vorträge, Symposien und Masterclasses zu kulturellen, philosophischen und gesellschaftlichen Themen mit dem erklärten Vorsatz, den Fortbestand des humanistischen Kerngedankens zu sichern und auch in der Postmoderne erfahrbar zu machen.
Von diesem Anliegen zeugt nicht nur die Aktivität des Nexus-Instituts: Gleich die erste Nexus Lecture wurde vom damals in Europa noch wenig bekannten, heute federführenden US-amerikanischen Postkolonialismusforscher, Literaturwissenschaftler und -theoretiker palästinensischer Herkunft Edward Said (1935-2003) im September 1994 gehalten, bevor 1996 die erste Nexus-Konferenz stattfand. Es folgten viele hochrangige Gastredner im Dienst eines postmodernen Humanismus’ und der Pflege eines grenzüberschreitenden kulturphilosophischen Dialogs: George Steiner, Daniel Barenboim, Jürgen Habermas, Garry Kasparov, Emmanuel Macron, Anne Applebaum, Mario Vargas Llosa, Susan Sontag, Richard Rorty, Amos Oz, Claudio Magris, Antony Blinken oder José Manuel Barroso. Nachdem Rob Riemens Institut bis 2017 an die Universität Tilburg angegliedert war, zog es anschließend von dort nach Amsterdam um, wo Riemen es bis heute – zusätzlich unterstützt von der niederländischen Stiftung mit dem bezeichnenden Titel Stichting droom en daad (Dt. etwa wörtlich übersetzt: „Stiftung Traum und Tat“) – in Zusammenarbeit mit Eveline Riemen-van der Ham leitet.
Dass solch eine Initiative zusätzlich von außen – nämlich von einer institutionellen Entsprechung im Namen der internationalen Förderung der „Freundlichkeit“ –begleitet wird, gibt Anlass zur Hoffnung, dass das von Wim Wenders dieses Jahr für das Nexus-Institut vorgetragene Anliegen auch auf organisatorischer Ebene eine Verlängerung beziehungsweise Fortsetzung, Unterstützung und praktische Umsetzung mittels eines weltweit vernetzten und agierenden Zusammenschlusses erfährt. Die Rede ist von der internationalen „Freundlichkeitsbewegung“ – dem sog. World Kindness Movement (WKM) – unter dessen Schirmherrschaft sich verschiedene nationale Nichtregierungsorganisationen (NGO) für Freundlichkeit einsetzen. Damit ist eine rechtlich eingetragene, gemeinnützige Organisation gemeint, die als Graswurzel-Unternehmen ohne politische, kommerzielle oder religiöse Bindungen operiert und deren Gründung ihren Anfang auf einer Konferenz in Tokio am 20. September 1997 nahm, als – was dem Japan-Freund Wenders gefallen dürfte – Japan erstmals gleichgesinnte, auf „Freundlichkeit“ (kindness) ausgerichtete Organisationen aus der ganzen Welt zusammengebracht hat.
Das WKM ist heute als weltweit führende Instanz für das Thema Freundlichkeit anerkannt. Die NGO fungiert zwar nicht als leitendes Gremium, dient jedoch als Plattform für Zusammenarbeit und Austausch. Die Mission der WKM-Bewegung besteht darin, Menschen zu mehr Freundlichkeit zu inspirieren, indem sie Nationen miteinander in Kontakt bringt und transkulturell vernetzt, um eine freundlichere Welt zu schaffen. Der beständig wachsenden Bewegung gehören über dreißig Nationen an. Zu den vertretenen Ländern zählen: Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Japan, Kanada, Liberia, Malaysia, Mexiko, Nepal, Neuseeland, die Niederlande, Nigeria, Oman, Pakistan, Rumänien, Schottland, die Schweiz, Simbabwe, Singapur, Südafrika, Südkorea, Thailand, Uganda, die Ukraine, das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA.
Zudem rief das WKM 1998 den World Kindness Day (Dt.: „Welttag der Freundlichkeit“, auch „Welt-Nettigkeitstag“)[6] als internationalen Gedenktag ins Leben, der jährlich am 13. November begangen wird. Zum einen soll die Vision einer freundlicheren, respektvolleren und mitfühlenderen Welt – nach dem gängigen aphoristischen Motto „Es ist nett, wichtig zu sein. Aber noch wichtiger ist es, nett zu sein“ – verbreitet werden. Zum anderen dient der Gedenktag auch der Stärkung der weltweiten Vernetzung dieser neutralen Non-Profit-Organisation, um globale Strategien umzusetzen, die einen positiven Wandel begünstigen, und alle teilnehmenden Nationen der Welt in einer „Koalition des guten Willens“ zu vereinen. Mittels der transformativen Energie der Freundlichkeit will dieser Bottom-up-Ansatz den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen Menschen, Organisationen und Nationen mit dem Ziel, Beziehungen, Communities und Ortschaften durch kleine und große Gesten des Miteinanders zu verändern, von der Basis der Gesellschaft her fördern.
Während sich u.a. Italien der weltweiten Freundlichkeitsbewegung bereits 2000 angeschlossen hat und letztes Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiern konnte,[7] gehört die deutsche Vertretung mit dem Magdeburger Kindness e.V. erst seit 2020 zu den offiziellen Mitgliedern der WKM-Organisation, um sich für einen besseren Zusammenhalt vor Ort einzusetzen. Die Weltorganisation für Freundlichkeit und Güte zeigt einerseits, welch innovationsfähige Bedeutung Gesten der Hingabe, des bewussten Schutzes vor Ungerechtigkeiten und der intentionalen Bewahrung eines Mitmenschen vor den Schwierigkeiten des Lebens innewohnt. Andererseits macht das Beispiel dieses Netzwerks auch deutlich, dass – wie auch Wim Wenders in Rotterdam betont – oft nur kurze Blicke, einfache Gesten oder alltägliche Begegnungen, etwas Leichtigkeit und – warum nicht – Selbstironie ausreichen, um Herzensgüte, Anteilnahme und Fürsorge zu vermitteln und inneren Werten Bedeutung, Aus- und Nachdruck zu verleihen.
Eben diese Überzeugung, dass Freundlichkeit nicht nur die Grundlage einer friedlichen und zivilen Koexistenz garantiert, sondern auch – im Gegensatz zu der abschreckenden Variante, die der Film Bis ans Ende der Welt auf den ersten Blick vermittelt – Vertrauen in eine lebenswerte, verheißungsvolle „Zukunft“ schaffen kann, bildete den Dreh- und Angelpunkt, die Anfangs- und Endpointe von Wenders’ Nexus Lecture. Gerade weil Wenders’ Originalfilm die verhängnisvolle Lebensreise der Hauptperson Sam (alias William Hurt) in epischer Länge erzählt, der die Entdeckungen und Erfindungen seines geheimnisvollen Vaters Henry – mit dessen Einwilligung und Zutun – dazu nutzt, um seiner erblindeten Mutter Edith zu helfen und schließlich auch menschliche Träume zu visualisieren, diese Versuche bei den Figuren jedoch zu einer tiefen, suchtartigen, narzisstischen Obsession und Abhängigkeit von den digital erzeugten Traumbildern führt, wird deutlich, wie zerstörerisch sich die Zukunft der Menschheit – bei Nachlässigkeit und Unachtsamkeit menschlichen Werten gegenüber – zukünftig gestalten könnte.
5. Die Zukunft der Freundlichkeit
Bereits seit 1977 in Planung, begann Wenders 1989 mit seinen anderthalbjährigen Dreharbeiten von Bis ans Ende der Welt und stellte sein Science-Fiction-Projekt 1991 fertig, nachdem ihn seine cineastisch ehrgeizige und erzählerisch weitläufige
Odyssee in vier Kontinente und neun Länder geführt hatte. Als einer der prägendsten „Meister“ des Roadmovies[8] – nach seiner gefeierten Roadmovie-Trilogie aus den 1970er Jahren (Alice in den Städten, 1974; Falsche Bewegung, 1975; Im Lauf der Zeit | Kings of the Road, 1976) und seinem amerikanischen Meisterwerk, dem Klassiker Paris, Texas (1984) – stieß Bis ans Ende der Welt bei seiner Veröffentlichung beim breiten Publikum auf teils verhaltene, teils durchmischte Reaktionen. Daran änderte auch Wenders’ Director’s Cut von 1994 nur wenig, obwohl gerade diese, Jahre später mühevoll rekonstruierte, finale Fassung aus der Rückschau die von Wenders beabsichtigte volle philosophische Tiefe in ihrer narrativen Dreiteilerstruktur erst ganz entfaltet.

Wim Wenders am Set, 2004. Foto: Donata Wenders
Ein Grund, aus dem Wenders für seine Nexus Lecture eben dieses Großprojekt als Grundlage seiner Überlegungen über die „Zukunft“ unseres – möglichst „freundlichen“ – Verhaltens gewählt hat („Die Zukunft der Freundlichkeit“), dürfte sicherlich historischer und projektgeschichtlicher Natur sein. Er liegt schlichtweg darin, dass Bis ans Ende der Welt noch ein knappes Jahrzehnt vor der Wende zum dritten Millennium und zugleich kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands herauskam: zwei grundlegend erschütternde historische Momente, die tektonische, planetarische Verschiebungen sowohl auf der politischen (den Kalten Krieg des 20. Jahrhunderts überwindenden und beendenden) als auch kulturellen (die Digitale Revolution des 3. Jahrtausends einläutenden) Ebene nach sich zogen. Jetzt, da das Digitale Zeitalter fortgeschritten ist, und 35 Jahre nachdem Wenders’ visionäres Filmprojekt Bis ans Ende der Welt 1990 abgedreht und 1991 veröffentlicht wurde, nähert sich Wenders dem oft als schwer verständlich bzw. stark gedehnten Handlungsstrang offenbar retrospektiv aus einer anderen dringlichen Perspektive.
Wenn Wenders in der Entstehungs- und Realisierungsphase des Films viel Wert auf die damals verfügbare digitale Technik, gepaart mit der herannahenden – bei Wenders noch überwiegend seiner Fantasie entsprungenen – technologischen und elektronischen Super-Intelligenz gelegt und die Dramaturgie des Storytelling tendenziell vernachlässigt haben könnte, so konzentrierte er sich in Rotterdam nun umso stärker auf die erzählerische Qualität der Geschichte. Um der Menschheit Gedankenvielfalt, kulturelle Pluralität und Diversität sowie einem kollektiven Gemeinsinn für die Zukunft in Aussicht zu stellen und um somit Respekt und Zuwendung für die uns umgebende Habitate zu generieren, diente Wenders’ Rede insbesondere dazu, die Zuhörerschaft vor innerer und äußerer Verwahrlosung zu warnen. Damit sich – in anderen Worten – die Erde und deren Bevölkerung regenerieren können, müssen wir unser ganzes Augenmerk, Verantwortungsbewusstsein und Vitalinteresse wieder auf uns richten und uns auf unsere ureigenen Stärken als Menschen besinnen.
Dabei drängt sich unweigerlich der indirekte Gedanke auf, dass Wim Wenders das faszinierende, von ihm in Bis ans Ende der Welt erschaffene Universum, in dem sich seine Figuren vor dem Hintergrund des Science-Fiction-Szenarios bewegen – das in das damals in der „Zukunft“ liegende Jahr 1999 eingetaucht und in der disruptiven Zeit der deutschen Wiedervereinigung verortet ist – deshalb anlässlich seiner Nexus Lecture 2026 in dessen Paradoxität so genau rekapituliert, weil er viel von dem, was der Film prophezeit hat, heute bestätigt sieht. Zudem scheint er sich vielleicht erst jetzt, Jahrzehnte später, vollends der Wichtigkeit des „freundlichen“ Blicks, einer „freundlichen“ Sprache und „freundlicher“ Einzelaspekte seines Sujets retrospektiv gewahr zu werden. Schon sein Bedürfnis, noch Jahre nach Abschluss der Dreharbeiten den Director’s Cut herzustellen und als künstlerisch gültige Version zu deklarieren, lässt darauf schließen, dass Wenders die „Moral“ der von ihm selbst erfundenen Geschichte bis heute nicht ganz losgelassen hat.
Aus dieser Warte ist es keineswegs nebensächlich oder unbedeutend, dass der Film uns in das australische Outback – an einen Ort, an dem mündliche Überlieferungen seit Jahrhunderten fortbestehen, an dem sich die Ureinwohner über Generationen hinweg Geschichten erzählen und sich zwischen einer realen Welt und einer „Traumzeit“ zu bewegen scheinen – führt. Genau dorthin hat Henry Farber (alias Max von Sydow) sein Labor verlegt: an einen Ort, der an die Vision eines verrückten Wissenschaftlers und an die Träumereien von zukünftigen Kommunikationsmitteln anspielt. Erst stellt uns der Film Bildtelefone und Autos vor, die ihre Besitzer beim Namen rufen, dann begegnen wir einer Technologie, die es Maschinen ermöglicht, menschliche Träume sichtbar zu machen und diese mit anderen zu teilen. Doch als gerade alles zu funktionieren scheint, setzt ein nuklearer Satellit die Computerchips der halben Welt außer Funktion. Kurzum: Um uns in einer Welt der Künstlichen Intelligenz zu behaupten und uns zugleich gemeinsam eine bessere „Zukunft“ Schritt für Schritt zu sichern, müssen wir im Takt mit der technischen Entwicklung auch unsere innere Balance finden und Verstand, Herz und Emotionen in Harmonie zueinander setzen.
Wir Menschen sollten uns an unsere traditionelle Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, erinnern und nicht zulassen, dass die Technik bestimmt, wie wir kommunizieren und träumen. Eine weise Lektion, die Wenders erst heute, nach fortgeschrittener Digitalisierung und mit dem über dreißigjährigen Abstand zur historischen Wiedervereinigung Deutschlands in seinem eigenen Science-Fiction-Roadmovie entdeckt zu haben scheint und im Rotterdamer Vortragsformat überzeugend in Worte zu kleiden vermag. Es muss uns zu denken geben, wenn uns ein in jeder Hinsicht so ausgezeichneter, welterfahrener und sensibler Schöpfer, der ein Gesamtwerk mit solch geistigem Tiefgang und internationaler Reichweite geschaffen hat wie der Filmregisseur und Fotograf Wim Wenders, vor „zu viel Bildern“ warnt und uns angesichts unseres täglichen Umgangs mit diversen High-Tech-Geräten in dieser Lecture angesichts der aktuellen Weltenlage zu mehr Muße und Einhalt rät und uns an die Traditionen der Entspannung und Einfachheit erinnert.
Zu den Stärken seines filmischen Vermächtnisses, das ihn auf niederländischem Boden wortwörtlich zurück Bis ans Ende der Welt geführt hat, gehören neben Wenders’ Regiearbeit auch die bahnbrechenden Aufnahmen, die Wenders’ langjähriger niederländischer Kameramann Robby Müller (1940-2018) auf vier Kontinenten diesem Film geschenkt hat. Wenders erwähnt Müller in seiner Rotterdamer Rede in diesem Zusammenhang, um ihm posthum insofern für sein Engagement für die Qualität von Bis ans Ende der Welt zu danken, dass sich Müller ganz bewusst dafür eingesetzt habe, eine gewisse visuelle Konsistenz in den Aufnahmen zu wahren. Nicht ohne Grund ist Robby Müller, der – außer für viele Filme von Wim Wenders – nicht nur mit anderen international erfolgreichen Autorenfilmern wie Jim Jarmusch, William Friedkin oder Lars von Trier, sondern auch mit Hans W. Geißendörfer gearbeitet und zuvor sein Handwerk bei Gérard Vandenberg gelernt hat, in Deutschland mit zahlreichen bedeutenden Filmpreisen ausgezeichnet worden (allein drei Mal mit dem Deutschen Filmpreis in Gold).
Dadurch dass die nachwirkende Präsenz von Robby Müller in Wenders’ Nexus Lecture sowie in dessen Rückschau und Prognose einer „Zukunft der Freundlichkeit“ im Kontext jener Vision, die den Film Bis ans Ende der Welt alimentiert und trägt, zwischen jeder Zeile und bei jeder live gezeigten Filmsequenz hör-, spür- und sichtbar mitschwang, manifestierte sich die ganze Fülle und Tiefe von Wim Wenders’ eigener stiller Authentizität. Seine künstlerische Integrität konzentrierte er in Rotterdam auf die Überzeugung, dass Storytelling wichtig und ein Teil menschlicher Kontinuität ist. Indem er dem Publikum vorführte, dass Kino ein Ort ist, an dem sich Menschlichkeit spiegeln sollte, zeigte er ihm auch, wie Filme das Lebensgefühl einer Ära jenseits von Raum und Zeit wie kaum ein anderes immer wieder einfangen und erfahrbar machen können.
So kann ein Film durch die Thematisierung von Künstlicher Intelligenz und unserem Umgang mit der digitalen Revolution einerseits Ausdruck einer Wahrheit sein, die nur in diesem einen Moment existiert hat (wie etwa in den Anfängen des digitalen Zeitalters der späten 1980er und frühen 1990er Jahre, zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung). Andererseits kann die in einem Film eingefangene Wahrheit aber auch – wie Wenders’ Vorführung in Rotterdam belegt – die Zeit überdauern und seine Kernbotschaft dadurch bewahren und lebendig bleiben (wie über drei Jahrzehnte später in den aktuellen Debatten zum Umgang mit KI). Nach Wim Wenders’ Aufarbeitung der Genese von Bis ans Ende der Welt im Nexus-Institut kommt nun als Nächstes sein neuer Film From Inside Out über die transformative Kraft des Raums im Werk des Schweizer Architekten Peter Zumthor am 26.11.2026 bundesweit in Deutschland und in der Schweiz in die Kinos: Es bleibt spannend.
Wim Wenders – The Future of Kindness
Ankündigung der am 25.10.2026 von Wim Wenders gehaltenen Nexus Lecture sowie Video-Zutritt (für Mitglieder, auf Englisch)
- Weitere Informationen (Wim Wenders)
YouTube-Video
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Offizieller Video-Trailer des Kinofilms Bis ans Ende der Welt von Wim Wenders, 1991 (1:30 Min)
- Informationen über den Director’s Cut von Bis ans Ende der Welt auf der Webseite der Wim Wenders Stiftung
YouTube-Video:
Der nächste Film From Inside Out von Wim Wenders über die transformative Kraft des Raums im Werk des Schweizer Architekten Peter Zumthor kommt am 26.11.2026 bundesweit in Deutschland und der Schweiz in die Kinos (Trailer, 1:47 Min.)
- Offizielle Webseite der NGO The World Kindness Movement (engl.)
- Webseiten des Magdeburger Kindness e.V., Mitglied von The World Kindness Movement (dt.)
Fußnoten:
[1] Sämtliche im vorliegenden Beitrag vom Englischen ins Deutsche übersetzten wörtlichen Zitate der Redner Rob Riemen und Wim Wenders stammen von Dagmar Reichardt.
[2] Piero Ferrucci, Nur die Freundlichen überleben. Warum wir lernen müssen, mit dem Herzen zu denken, wenn wir eine Zukunft haben wollen, Berlin, Allegria, 2005; ital. Original: La forza della gentilezza, Mailand, Mondadori, 2005.
[3] Beide o.g. Titel werden auf dem italienischsprachigen Ratgebersektor durch weitere Titel ergänzt, darunter z.B.: Cristina Milani, La forza nascosta della gentilezza. Il potere dei piccoli gesti che fanno stare bene noi e gli altri, Milano, Sperling & Kupfer, 2017.
[4] Die jeweiligen Songtitel der hier beispielhaft aufgeführten Sänger sind: Marco Mengoni: Esseri umani, Roberto Vecchioni & Simone Cristicchi: Abbi cura di me, Fred Bongusto: Gentilezza nella mia mente (italienische Adaptation des Lieds Gentle on My Mind von Glen Campbell, 1970), Franco Battiato: La cura, Max Gazzè: La vita com’è, Giovanna Marini (mit Francesca Breschi): Ragazzo gentile.
[5] Kathy Sawyer, „Fame Gives ‚Gentle‘ Nudge to Nashville’s John Hartford“, in: The Tennessean, Bd. 62, Nr. 304, 25.2.1968, S. S3.
[6] Büro 55+: Gut älter werden in Lichtenberg, „Welt-Nettigkeitstag – der internationale World Kindness Day“, 13.11.2020, online: https://buero55plus-lichtenberg.de/welt-nettigkeitstag-der-internationale-world-kindness-day/.
[7] Der italienische Ableger Movimento italiano per la gentilezza (MIG) bzw. The Italian Kindness Movement wurde 2000 von dem Gründer-Ehepaar Marta und Giorgio Aiassa in Parma gegründet und geprägt, als Giorgio Aiassa Präsident des Rotary Clubs in Parma war. Für seinen jahrzehntelangen, unermüdlichen Einsatz im Dienst der Mitmenschlichkeit wurde er 2017 in Seoul zum offiziellen Ehrenbotschafter des World Kindness Movement ernannt und dient heute noch als Ehrenpräsident der sozialen Bewegung in Italien. Heute ist Palermo der Hauptsitz des MIG, wo Natalia Re das italienische Zentrum leitet; vgl. online: https://gentilezza.it/.
[8] Dem bedeutenden US-amerikanischen Pulitzer-Preisträger, Drehbuchautor, Filmspezialist und -kritiker (u.a. Chicago Sun-Times) Roger Ebert (1942-2013) etwa galt Wenders als „the master of the road movie“ (Roger Ebert: „Until the End of the World“, in: www.rogerebert.com [persönliche Webseite von Roger Ebert], 17.1.1992, online: https://www.rogerebert.com/reviews/until-the-end-of-the-world-1992).

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