Mit „Manga, Tout un art!“ (dt.: „Manga, eine Kunst für sich!“) strömen die weltweit gefeierten Helden der japanischen Comics auf die Place d'Iéna in Paris.
Die dreiteilige Ausstellung, die Mangas in den kulturellen Kontext ihrer Entstehung bis ins 13. Jahrhundert zurückversetzt und in Gegenüberstellung mit den Werken der Museumssammlung präsentiert, gehört zu den umfangreichsten jemals gezeigten und erstreckt sich über die drei Ausstellungsgalerien des Musée Guimet.
„Manga, Tout un art!“ gibt einen Einblick in die Entstehung und die komplexe Entwicklung des japanischen Comics vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.
Der Manga, der von mehreren Lesergenerationen bewundert, geliebt und sogar gelebt wird, hat nicht nur Frankreich, sondern längst die Welt erobert, egal ob er sich an Jugendliche (Shonen für Jungen, Shojo für Mädchen) oder Erwachsene (Seinen, Josei, Seijin…) richtet.
Nachdem sie die westlichen Einflüsse, die satirische Presse, die Anfänge des Zeichentrickfilms, das Kamishibai (Papiertheater – eine Form des Straßentheaters für Kinder) und die Kreativität der Mangakas der 1950er Jahre untersucht hat, taucht der erste Teil der Ausstellung in die Gegenkultur ein, die von ihr inspirierte Zeitschriften, neue Erzählformen und das Spiel zwischen den Genres. Sie greift bekannte Titel der japanischen Popkultur und des Alltaglebens auf und stellt einen Dialog zwischen ihren Figuren und den Sammlungen des Museums (Skulpturen, Drucke, Zeichnungen, Bücher) her.
Der erste Teil endet mit der Präsentation von Haute-Couture-Kleidern, die von der Manga-Kultur inspiriert sind.
In einem separaten Raum ist ein Exemplar des Ducks und des ikonischen Werks namens „Große Welle“ des Namensgebers des Begriffs „Manga“, Katsushika Hokusai (1760–1849), zu sehen.
Katsushika Hokusai: Die Große Welle von Kanagawa, Holzschnitt, koloriert. © GrandPalaisRmn (MNAAG, Paris) / Harry Bréjat
Neben dem Originaldruck veranschaulichen Zeichnungen von Comiczeichnern wie David Etien, Coco oder Moebius sowie ein spektakuläres Haute-Couture-Kleid aus dem Hause Dior den Einfluss, den diese Ikone der japanischen Kunst bis heute und vermutlich auch zukünftig auf Künstler und Designer aus aller Welt ausübt.
Im zweiten Stock tauchen die Besucher in die Geschichte ein – in das Japan des 18. und 19. Jahrhunderts. Meisterwerke: Holzschnitte und Zeichnungen u.a. von Kawanabe Kyōsai (1831–1889), Katsushika Hokusai oder Kitagawa Utamaro (Geburtsdatum unbekannt – 1806). Sie sind die grafischen und künstlerischen Vorläufer, die zwei Jahrhunderte später im modernen Manga wieder auftauchen werden.
Im dritten Teil der Ausstellung beschäftigen sich die Kuratoren mit der wenig bekannten Welt der bemalten Rollbilder und illustrierten Bücher des 18. und 19. Jahrhunderts. Eine geheimnisvolle Welt voller Monster, Geister und grotesker Figuren, in der Traumblasen, Lichterscheinungen und explosive Situationen auftauchen und die Bandbreite der japanischen Erzählkunst zeigen, die von den urkomischen über die allzu menschlichen bis hin zu den erbaulichen Geschichten reicht.
In der prächtigen historischen Bibliothek des Museums Guimet ist außerdem ein temporärer Manga-Lesesaal eingerichtet worden.
Manga, eine Kunst für sich!
Zu sehen bis zum 9. März 2026 im Guimet – Nationalmuseum für asiatische Kunst, 6, place d’Iéna, in 75116 Paris
Weitere Informationen (Guimet; engl.)
Öffnungszeiten: täglich, außer Dienstag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Kurator: Estelle Bauer, Konservatorin der Japan-Sammlungen im Musée Guimet | Didier Pasamonik, Verleger und Journalist
Mit Unterstützung der französisch-japanischen Stiftung Sasakawa
Es ist einer Katalog erschienen in franz. Sprache, Éditions Glénat, 208 Seiten, ISBN 9782344072370

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