Bildende Kunst
Holzschnitt und Foto: Abi Shek

Eine neue Wechselausstellung im Pirmasenser Kulturzentrum Forum ALTE POST präsentiert zeitgenössische Grafiken des in Stuttgart lebenden Künstlers Abi Shek. „Tierlegenden. Grafiken von Abi Shek“ – so der Titel der Einzelausstellung – präsentiert auf zwei Stockwerken des Kulturzentrums über vierzig, teils durch Addition blauer Tusche erweiterte Holzschnitte des israelischen Künstlers.

 

Bei den Motiven handelt es sich um Vögel, Säugetiere und Reptilien als Wesen der Naturbeobachtung sowie Träger symbolischer Bedeutungen.


Anstelle detailreicher Darstellungen setzt der Künstler auf eine reduzierte Formsprache mit archaischen Aspekten, um den Betrachtern bei intensiver Auseinandersetzung die Möglichkeit zur individuellen Interpretation komplexer Bedeutungen zu geben. So greifen die Tiermotive gesellschaftliche Themen auf, ohne eine explizite Deutung vorzugeben. Auch eine Namensgebung der Werke fehlt bewusst, um Raum für das individuelle Erkennen von Bedeutungen zu lassen.

 

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Puristische Kompositionen aus Holzschnitt und Tuschezeichnung

Der 1965 geborene Abi Shek hat seine atavistischen Tiergestalten aus dem Kibbuz, der südwestlich von Jerusalem liegt, in dem er einst in Israel aufwuchs, mitgebracht. Es handelt sich um mittel- und großformatige Holzschnitte sowie getuschte oder aus Metall gefertigte, oft flache Wesen. Längst haben die Tierwesen sein Atelier in Stuttgart übernommen und werden von dort aus landesweit ausgestellt.

 

Abi Shek Ausstellungsansicht 2024

Ausstellungsansicht 2024. Foto: Abi Shek

 

„Die lebensgroßen Tuschezeichnungen erzählen vom Fressen und Gefressenwerden, von Jägern und Gejagten. Als junger Mann war Abi Shek Viehhirte. Übernachtete in Grotten und unter freiem Himmel. Mit 24 Jahren kam er nach Deutschland und studierte an der Staatlichen Kunstakademie in Stuttgart Bildhauerei bei Micha Ullman. Die Tiere lassen ihn so wenig los wie den Betrachter. Sie wirken wie die vergessenen Gefährten der Geschichte der Menschen“, schreibt der Historiker Michael Unger in einem kurzen Text aus dem Jahr 2021. Abi Shek macht Kunst aus Erinnerungen und Sehnsüchten, „aus Sehnsucht nach seiner Heimat und aus Sehnsucht nach Geschichte. Wenn der Hobby-Archäologe durch die Wüste Negev wandert, springen ihn die Wesen der Vergangenheit an, die wir alle als Erinnerung aus der Tiefe bis heute in uns tragen.“

 

Abi Sheks Werke brauchen keine Perspektive, keine sie umgebenden, gezeichneten, gedruckten oder gemalten Räume; sie genügen sich selbst und verbinden den historischen Bogen mit den jahrtausendealten Abbildungen in den Höhlen und an den Felswänden unserer Vorfahren. Gerade die verwendeten künstlerischen Medien (Holzschnitt, Tusche) in ihrer Einfachheit tragen zur Klarheit der Bilder bei; sie scheinen überliefert, historisch und mythisch zu sein und dabei vollkommen authentisch.

Bei einigen Tierdarstellungen ist der aufrechte Gang oder Stand auffallend und Parallelen zu den „Bildrollen der Lustigen Tiere“ (鳥獣戯画絵巻, Chōjū giga emaki) des japanischen Mönchs Sojo Toba (Kakuyū genannt, 1053–1140) erscheinen vor dem inneren Auge. Kakuyū gilt als der Vorläufer, Vater und Wegbereiter des Mangas, der kleinen witzigen Bildgeschichte, die sich durch die Jahrhunderte bis heute entwickelt und weltweit durchgesetzt hat.

 

Sojo Toba Chouju sumou

Toba Sojo: Detail aus: „Bildrollen der Lustigen Tiere“, 12. Jahrhundert, Rollbild, Abschnitt Sumo. Gemeinfrei

 

Aufrechte Hasen, schräge Vögel, frontale Huftiere, gekrümmte Zwitterwesen bezeugen bei Abi Shek einen gewissen Humor wie eine gleichzeitige Ernsthaftigkeit – es drängt sich auch die Frage auf, ob ausschließlich die Tiere als solche vom Künstler gemeint sind. Möglicherweise verbindet Abi Shek auch in der Aneinanderreihung seiner emblematischen Präsentationen der Leinwände und Blätter in Ausstellungsräumen eine ganz direkte Kommunikation miteinander und obendrein in den Einzelblättern mit uns Betrachtern als direktes Gegenüber.

 

Die Einfachheit und Klarheit der Bilder von Abi Shek sind so überzeugend, dass er nicht „mehr“ braucht: keine Schnörkel, keine Überladung, keine Details, keine Titel, kein Abbild einer Umgebung. Er beherrscht die Meisterschaft in der Reduktion, im Schema, im Kontrast und in der Farbigkeit.

 


Tierlegenden. Grafiken von Abi Shek

Zu sehen vom 02. März bis 11. April 2026 im Forum ALTE POST, Poststraße 2, in 66954 Pirmasens.                    

Die Vernissage findet am Sonntag, 1. März 2026, um 11 Uhr statt.
Begrüßung: Denis Clauer, Kulturdezernent der Stadt Pirmasens

Einführung: Katja Ritter

Für die musikalische Begleitung sorgt Sara-Maria Kawczynska am Klavier.

Der Eintritt ist frei und der Künstler ist anwesend.

Kuratiert hat die Ausstellung Lara Winona Basso vom Team des Forum ALTE POST.

 

Das begleitende Rahmenprogramm zur Ausstellung enthält unter anderem Expertenführungen und Workshops,;zudem wird es eine Abschlussführung mit Abi Shek geben. Darüber hinaus bietet die Museumspädagogik allen Besuchern wieder die Möglichkeit, an wechselnden Mitmachstationen in den beiden Ausstellungsräumen selbst kreativ zu werden.

Abschlussführung mit Abi Shekam Samstag, 11. April 2026, 15.00 Uhr:
Aufgrund der Beschränkung der Gruppengröße auf 20 Personen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich – telefonisch unter 06331 23927-10 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Weitere Informationen (Forum Alte Post)

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