Das Forum für Künstlernachlässe hat endlich seinen Neubau!
So voll hat man die Straßen um das Künstlerhaus Sootbörn in Niendorf selten gesehen. Eine einzige Blechlawine zog sich durch den Sootbörn, kein Parkplatz weit und breit. Die gesamte hanseatische Kulturszene, so schien es, war angereist, die Eröffnung des Neubaus zu feiern, zu dem der gemeinnützige Verein, „Forum für Künstlernachlässe“ in Hamburg, am Freitag, den 5. September 2025 eingeladen hatte.
Es ist ein schöner Bau geworden: quadratisch, praktisch, gut. Ein echter neuer „Bauhaus-Klassiker“, konzipiert und erbaut von Andreas Horlitz, Inhaber und Partner von SEHW Architekten.
Ein Gebäude voller Licht und Großzügigkeit, der sich hervorragend an das unmittelbar benachbarte Künstlerhaus Sootbörn anpasst, das 1927–1929 (damals noch als Schulgebäude) von den Architekten Ernst und Wilhelm Langloh im Bauhausstiel errichtet wurde. Und der, nachdem die Kunstwissenschaftlerin Gora Jain, Direktorin des Forums für Künstlernachlässe, gut 20 Jahre lang gekämpft hatte, um finanzielle Mittel und die Bewilligung des Stadtbezirkes und der Kulturbehörde Hamburg zu erlangen, in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit hochgezogen wurde.
Im Juni 2024 erst verkündete Kultursenator Carsten Brosda, dass Senat und Bürgerschaft den langersehnten Neubau für die immer größer werdenden Berge an Künstlernachlässen nun genehmigt hätten und auch die benötigte Summe von 800.000 Euro bereit stellen würden. Damals war nur eine digitale Visualisierung des rund 700 Quadratmeter Fläche bietenden Gebäudes zu sehen. Nun ist es Realität!
Was Wunder, dass die Reden zur Eröffnung allesamt euphorisch klangen. Kulturstaatsrätin Jana Schiedek, die sich sichtlich freute, diesen Termin wahrnehmen zu dürfen, weil der Kultursenator verhindert war, betonte in ihrer Rede die Verantwortung, dessen sich die Stadt bewusst sei: „Mit dem Neubau schaffen wir die Voraussetzungen Hamburgs künstlerisches Erbe dauerhaft zu sichern und gleichzeitig zugänglich zu machen“.
Kunsthistoriker Thomas Sello, Vorsitzender der Stiftung Forum Künstlernachlässe, erinnerte in seiner emotionalen Rede noch einmal an die Genese dieses Neubaus, der ohne seine und die Initiative seiner Frau Sara Sello wohl noch lange auf sich hätte warten lassen können: Die beiden legten 2021 den Grundstein für den Neubau, indem sie sich von ihrem geliebten Bild, Max Pechsteins „Brücke“ (1921) trennten, das seit der Hochzeit der Eltern 1939 in Familienbesitz war. Sie verkauften das Gemälde an das Max-Pechstein-Museum in Zwickau und ließen den Erlös in eine Stiftung einfließen. Dieses private Engagement gab den Anstoß für eine sehr erfolgreiche Benefizauktion in der Hamburger Kunsthalle zugunsten des Neubaus im November 2021 – doch es sollte noch einmal vier Jahre dauern, bis die Hansestadt Hamburg endlich „das Go“ gab.
Nun werden die mehr als 15.000 Werke aus Nach- und Vorlässen von über 90 Künstlerinnen und Künstlern, unter ihnen so bekannte Namen wie Friedrich Ahlers-Hestermann (1883–1973), Tatjana Ahlers-Hestermann (1919–2000), Alma del Banko (1862–1943), Arie Goral-Sternheim (1909–1996), K.R.H. Sonderborg (1923–2008), Margit Kahl (1942–2009), Horst Hellinger (1946–1999), MAKSA (Lyubov Alekseevna Maksyutina, 1947–2012), Gustav Kluge (*1947) sowie Peter F. Piening (*1942) endlich ihr provisorisches Depot im Künstlerhaus Sootbörn verlassen können. Denn im Neubau werden sie nicht nur bewahrt, hier bleiben sie lebendig.
„Wir haben 20 Jahre lang daran gearbeitet Nachlässe nicht nur zu lagern, sondern sie zu zeigen, zu erforschen und weiterzugeben“, betont Gora Jain. „Mit diesem Haus können wir endlich so arbeiten wie es unsere Sammlung verdient“.
Forum für Künstlernachlässe (FKN) e.V. und Stiftung Forum Künstlernachlässe
Sootbörn 22 in 22453 Hamburg
Weitere Informationen (Forum)

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