Seit den 1970er Jahren hat Christof Lauer in den unterschiedlichsten Formationen seine Virtuosität, Originalität und Vielseitigkeit auf seinem Instrument, dem Saxophon, demonstriert, sei es im Duo, Trio, Quartett, Quintett oder bei der NDR-Bigband.
Mit der neuen Solo-Saxophon-Einspielung „Odyssea Sonorum“, die seit mehr als zehn Jahren seine erste unter seinem eigenen Namen ist, betritt Lauer ein für ihn neues Terrain. Ohne instrumentale Begleitung kreiert er mit Tenor- und Sopransaxofon einen Klangraum, den er allein musikalisch gestaltet. Das Album enthält Liveaufnahmen aus einer Konzertreihe, die Christof Lauer 2019 gemeinsam mit der Jazz-Initiative Frankfurt ins Leben gerufen hat.
Alle Konzerte wurden mitgeschnitten, und letztlich entschied sich Lauer für drei Stücke aus dem Jahr 2025 mit einer Gesamtlaufzeit von 52 Minuten. Sie kommen gänzlich ohne thematischen Rahmen aus und sind rein spontan entstandene Improvisationen. Dabei sind sie alles andere als Monologe eines großen Musikers, sondern vielmehr musikalische Zwiegespräche mit sich selbst, den im Kirchenschiff resonierenden Tönen und dem Publikum vor Ort. Spontaneität im Spiel setzt Risikobereitschaft voraus. Ein Teil des Reizes dieser Konzertreihe, den das Publikum bei jedem Ton spürt. „Es hat für mich einen besonderen Reiz, in dem weiten Kirchenraum zu spielen“, sagt Christof Lauer. „Aus dem Moment heraus entsteht eine Klang- und Motivreise, auf die ich meine Zuhörer mitnehmen will.“
Das Album ist ein Paradebeispiel für Christof Lauers expressive Spielkunst, die von meditativen Klängen über komplexe Motivvariationen bis hin zu ekstatischen Tonclustern im Altissimo-Bereich reicht. Oft haben die Zuhörer den Eindruck, dass es nicht allein der Solist ist, der diese Musik hervorbringt, sondern ein unsichtbares, aber dennoch klar wahrnehmbares Instrumentalensemble.
Dass Christof Lauer einen sakralen Ort für seine Konzerte gewählt hat, mag nicht ganz zufällig sein. Vielleicht ist die Kunst-Musik das einzige verbliebene Medium, das in einer Welt allgegenwärtiger Barbarei noch ein Signal der Hoffnung auszusenden vermag.
Das Album erscheint beim noch jungen Berliner Label An:Bruch, das von Schlagzeuger Nathan Ott im Februar 2025 gegründet wurde. Es ist ein Label für interdisziplinäre Projekte. Nach einem Album namens Continuum von Ott, bei dem Christof Lauer schon mitwirkte, und einer Videoproduktion für Solo-Schlagzeug und zwei Tänzerinnen namens „Resonant Bodies“, ist Christof Lauers Album Odyssea Sonorum die dritte Veröffentlichung insgesamt und die zweite als Album bei An:Bruch. Lauers Ansatz passt dabei sehr gut zur Labelphilosophie der Interdisziplinarität.
Christof Lauer sagt über die Zusammenarbeit mit Nathan Ott: „Nathan lud mich vor einigen Jahren dazu ein, anstelle von Dave Liebman in seinem Quartett zu spielen. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Als ich ihm vom Gedanken erzählte, Aufnahmen meiner Soloreihe auf Tonträger zu veröffentlichen, war er gleich Feuer und Flamme für diese Idee.“
Der Sohn eines Pfarrers aus dem nordhessischen Melsungen bekommt schon früh Klavierunterricht und spielt zunächst Cello, bevor er auf das Saxophon umsteigt. Er spielt mit Carla Bley, dem United Jazz+Rock Ensemble, der Volker Kriegel Band, dem HR Jazzensemble und seit Beginn der 1990er Jahre in der NDR Bigband, was ihn zum Pendler zwischen Hamburg und seinem Wohnort Frankfurt macht.
Weitere große Namen, mit denen Lauer kooperiert hat, sind u.a. Joachim Kühn, das Mangelsdorff/Dauner Quintett, Jens Thomas und viele andere – dabei bewahrte sich der Saxophonist stets seine musikalische Neugierde und seine Lust am Risiko.
Unter seinen Auszeichnungen sind der ECHO Jazz für sein Album Petite Fleur (2015), der Hessische Jazzpreis (2005), der Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik (1990, 1996 und 1999), Choc de l’Annee, Frankreich, und der Jazzpreis des Südwestfunks (1986).
Christof Lauer: Odyssea Sonorum
Label: An:Bruch | Vertrieb: RecordJet / An:Bruch
CD, LP, digital
EAN: 4068992631646
VÖ: 22.05.2026
Weitere Informationen (Label)
Ein wunderbares filmisches Porträt über Christof Lauer stammt von der Dokumentarfilmerin Lucie Herrmann.
Konzerte 2026 (jeweils um 19 Uhr):
15.06.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche
13.07.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche
10.08.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche
04.09.2026 Mainz / St. Ignaz
14.09.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche
12.10.2026 Frankfurt / Alte Nikolaikirche

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