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Horst Hansen Trio Live in Japan

Nix da Japan – Krefeld (クレーフェルト). In solchen pandemischen Zeiten reist man nicht und wenn, dann nur virtuell. Spielerisch, alles ist spielerisch beim Horst Hansen Trio und stimmt nicht so wirklich oder etwa doch?
Das Trio besteht aus fünf Musikern, der Name der Gruppe ist irgendwie schräg, weil dieser sich auf einen vermeintlichen tingelnden Krefelder Trompeter beruft und uns mit einer Geschichte kolportiert, die so banal wie lokal ist und doch einen glokalen Anspruch erhebt.
Ein bisschen Galerie Otto Plonk und Joseph Beuys (ジョセフ・ボイス) steckt in den Musikern, die zu privat-mystifizieren wissen, Geschichten und Geschichtchen erzählen, sowohl inhaltlich wie musikalisch. Selbst einzelne Titel des Albums bleiben nebulös oder insider-mäßig im Unklaren. Alles hört sich gleichzeitig erfunden und „es könnte wahr sein“ an. Es soll auf gesellschaftspolitische Um- und Missstände hingewiesen werden, ohne weiter darauf einzugehen: „Karl For Justice“ etwa. (Müsste es nicht eigentlich „Justice For Karl“ heißen?) Spuren verwischen (トレースをぼかす), mit Fake-News spielen, Identitäten kreieren – wenn die Musik, die sie machen, nicht so gut wäre – würde es sich fast lohnen, nur darauf den sezierenden Fokus zu setzen. Es ist allerdings ein wenig in Mode diese Art und Weise...

Horst Hansen Trio: Live in Japan COVERDas Album strotzt nur so vor guter Laune, mitreißender Dynamik, sinnesberauschender Expressivität, Selbstbewusstsein, Selbstironie und pures Entertainment. Es holt die Welt in die Hörmuschel und ins Tanzbein, zeigt sich als ausgereiftes Werk, das sich in den Stücken immer wieder selbst neu erfindet und herrlich vielschichtig ist. Berührungsängste – Fehlanzeige!
Ein richtiger zuweilen ironischer Leckerbissen, ein wahres O-Bentō (お弁当) das uns da als Wegzehrung kredenzt wird.
Hier und da klingt das Quintett (!) wie eine Bigband und dann wieder gelassen und solistisch klein. Auffallend ist jedoch – und das zieht sich über alle Titel hinweg –, dass es kaum wahrnehmbare „listige Abweichungen eines Einzelnen vom übergeordneten Kollektiv“ (Adorno) gibt. Das macht den gesamten Fluss homogen.

Der Titel „Live in Japan“ (日本に住む) spielt mit all den großen Bands, die deren Liveauftritte im Land der aufgehenden Sonne auf Vinyl oder CD festgehalten haben. Eigentlich kann man sich einen Liveauftritt in Japan nur leisten, wenn man sehr berühmt ist oder viel Geld im Hintergrund wirken lässt. Egal, das Horst Hansen Trio nimmt es spielerisch – wie erwähnt – und Japan ist überall, da reicht auch eine Sushi-Bar in der Brüsseler Straße in Köln (ケルン).

Zwischen den überwiegend live-eingespielten fünfzehn Stücken des Albums gibt es immer wieder historische (aus den 1960ern, aufgenommen in den 80ern – da war noch kein HHT-Bandmitglied geboren) Original-Radiomitschnitte des Namensgebers und Trompeters Horst Hansen aus einem spanisch-deutschsprachigen-lokalen Inselstudio (103,2 MHz) – skurril bis urkomisch, wenn er von musikgeschmacklicher „Zuckersoße“ spricht, Roy Black (ロイ・ブラック) in diese Ecke stellt, relativierend mit dem Satz „Is ja en nette Jung“ oder die verdeutscht-niederrheinische Aussprache von „Jazz“ verwendet. Mit dessen Haltung in der Ablehnung von Elektronik und allem was nicht Live-Auftritt ist, wirkt vieles des Gesagten ein wenig antiquiert und kontrapunktisch zum Horst Hansen Trio (ホルスト・ハンセン・トリオ). Die können und machen beides, Live und Album.

Noch ein passender Hinweis zum Schluss: „Don’t tell the Jazz-Police!”

Horst Hansen Trio: Live in Japan

Lukas „Manfred” Weber: Saxophon | Linus „Otto” Klitzing: Trompete | Till „Eberhardt” Menzer: Schlagzeug | Sebastian „Heinz“ Ascher: Bass | Hans-Dieter Zimmermann alias Carsten Hackler: Keyboards
Label: jazzhaus records/InAkustik
EAN: 4260075861845
VÖ: 27.03.2020
Hörprobe
Tourdaten

YouTube-Video:
HORST HANSEN TRIO - LIVE IN JAPAN – LIVE


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: PR/Jazzhaus
CD-Cover

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