Musik
Havana Lyceum Orchestra mit Sarah Willis. Foto: Monika Rittershaus

„Willkommen bei Mozart y Mambo in der Trave-Philharmonie“, begrüßte scherzend Christian Kuhnt, Intendant des Schleswig-Holstein-Musikfestivals, die Zuhörer in der großen Bootshalle der Böbs Werft in Travemünde.

Mit diesem Wort-Anker setzte er die Stimmung in der ausverkauften maritimen Halle. Das Publikum applaudierte lachend und die Lach-Möwen antworteten vom Wasser her rhythmisch korrekt.

 

2024 ging das Schleswig-Holstein Musikfestival (SHMF) das erste Mal in der Böbs Werft vor Anker. Zum zweiten Mal wurde die Bootshalle nun „ausgebootet“, um für dieses Konzert mehr als 1000 Musikfreunden Platz zu bieten. Die Halle stünde im Sommer ja sowieso leer, hatte Frau Böbs das Angebot, die Halle als Konzertsaal für das SHMF zu nutzen, begründet, plauderte Christian Kuhnt. Ein gutes Angebot - gerade für dieses Konzert war dies ein wirkungsvoller Klangraum!

 

Sarah tanzt Salsa

Die Atmosphäre der Heiterkeit, der glücklichen Leichtigkeit, aber auch der präzisen, musikalischen Gestaltung durchzog den ganzen Abend. Grundlage dafür war das von Sarah Willis, dieser wunderbaren Hornistin der Berliner Philharmoniker, erarbeitete Programm mit dem Havana Lyceum Orchestra unter der Leitung seines großartigen Dirigenten José Antonio Méndez Padrón. Gleichzeitig moderierte, tanzte, spielte Sarah Willis und animierte dann auch noch glanzvoll das längst schon und ohnehin komplett begeisterte Publikum.

 

Was bis jetzt nach einem Fun-Event klingt, war in Wirklichkeit ein Abend musikalisch eleganter Geschmeidigkeit in bewundernswert gestalteter Atmung, höchst gelungenen Tempo-Verhältnissen, in fliegender Leichtigkeit aller Beteiligten. Ganz besonders hervor trat diese wunderbare Gestaltungsfreude gleich nach der „kubanischen Ouvertüre“, in der „Serenata notturna KV 239“. Auf der Wissensgrundlage historischer Aufführungspraxis heraus entstand ein vitales Klangbild im Hier und Jetzt einschließlich eines überraschend eintretenden Solos der Pedal-Pauke (die es zur Mozart-Zeit ja noch gar nicht gab). Mozart hätte seinen Spaß gehabt!

 

SHMF F Marion Hinz

SHMF: Havana Lyceum Orchestra mit Sarah Willis. Foto: Marion Hinz

 

Ich muss halt immer einen Narren haben…

gestand Mozart 1791 seiner Frau in einem Brief. Mozart hatte dem Hofhornisten und Jugendfreund Joseph Leutgeb ein Hornkonzert komponiert und in dem Autograph an den Solisten gerichtete Worte geschrieben wie: „Bestia  o che stonatura“ (Bestie, o welch ein Missklang – Ach + o weh!) oder an Stellen mit besonders eigenwilligem Rhythmus (!): „wie du mich zum Lachen bringst.“ Darüber hinaus notierte er die Partitur zum Teil mit vier verschiedenen Tintenfarben! Überall Spaß und (bis heute nicht ganz geklärte) „Farbigkeit“!

 

Mozart wäre ein begeisterter Kubaner gewesen…

betonte Sarah Willis ein ums andere Mal und überzeugte damit wohl jeden im Publikum. Dies auch mit den folgenden Stücken, zum Teil von den Instrumentalisten des Orchesters selbst komponiert, mit gelegentlich unterschiedlichen, übereinandergeschichteten Rhythmen, wie wir sie aus der berühmten Tanzszene in Mozarts „Don Giovanni“ kennen. (Mozart hätte seinen Spaß gehabt!). Und zum Schluss hätte die in allen Facetten glaubhafte Sarah Willis – wenn sie gewollt hätte - das Publikum sogar davon überzeugen können, dass Mozart just aus Havanna zurückgekehrt ist, gleich durch das große Transport-Tor treten wird und spricht: „raw ni anavaH“, Donna Willis!“ Und das Publikum hätte unisono geantwortet: „Scusi, Signor Mozart, das war ein Haydn-Spaß!“


„Mozart y Mambo“ – Wiener Klassik trifft kubanische Musik

Sarah Willis, Horn

Havana Lyceum Orchestra

José Antonio Méndez Padrón, Dirigent

In der Travemünder Böbs Werft

- Weitere Informationen (SHMF)

- Weitere Informationen (Sarah Willis)

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