Neue Kommentare

Hamburger Architektur Sommer 2019

Festivals, Medien & TV
Tallinn Design Festival Future Materials

Das 14. Tallinn Design Festival in der estnischen Hauptstadt widmet sich „Future Materials“ (Zukünftigen Materialien). Die Wahl des Themas – so sagt Festivalleiterin Ilona Gurjanova – deckt das Manko auf, dass Designer, Kunsthandwerker und Architekten relativ wenig über neue nachhaltige, zeitgenössische Materialien und deren Auswirkungen wissen.
Vorausschauend, denn es ist abzusehen, wann alle Plastik-, Kunststoffutensilien und einige andere umweltbelastende Gegenstände bald verboten werden. Es ist daher dringend erforderlich, nach alternativen und natürlichen Materialien zu suchen, sie zu erforschen und einzusetzen. In diesem Materialauswahlbereich arbeiten seit einiger Zeit europäische Designer nun auch zunehmend mit Forschern zusammen.

Halle TDF
In den alten Schiffsbau und Werfthallen am Noblessner Hafen wurde ein rohes, aber attraktives Gelände in Beschlag genommen, das seinen eigenen Charme hat. Außerdem sind weitere Veranstaltungen und Ausstellungen im Kreativ-Campus von Telliskivi und an der Estonian Academy of Arts – Art Design Architecture Science (EAA) zu finden.

Material
In den letzten Jahren hat sich die EAA besonders auf neue Materialien konzentriert, die hauptsächlich biobasiert sind und darüber hinaus lokalen Bezug haben, wie Algen, Pilze, Bakterienzellstoff und Synthesen von Furcellaran und Alginat, die aus dem Baltikum stammen und teilweise speziell gezüchtet werden. Hier ist ein Material, zu sehen, das auf Pilzmyzelien basiert sowie als Zellulosesubstrat gewachsen ist, bekannt weltweit als Mykoplast.

Modenscha
Eine Modenschau mit Catwalk ist in einem alten runtergekommenen Gebäude am Noblessner zu finden – auch hier stehen neue Materialien im Vordergrund.

Das Programm des Design Festivals umfasst Präsentationen im Rahmen einer Konferenz, Workshops und einer pädagogisch orientierten Ausstellung zu Materialien und neuartigen Produkten, die umweltfreundlich sind.
Hauptredner sind Kärt Ojavee mit ihrem Team, die Designerin und Unternehmerin Reet Aus, die mit der Upcycling-Methode Produkte aus Garnen vorgestellt, bei denen überwiegend recycelte Kleidungsstücke zum Einsatz kommen. Internationale Gäste sind Zoe Powell, Riina Õun aus London/UK und Simone de Waart aus Eindhoven/NL. Letztgenannte ist außerdem die Kuratorin der Ausstellung und des Woklshops „Material Sense“.

Taschen
Modern Modular Craft – Taiwan Dutsch Design Post. Taschen aus Bambus und Palmblättern von Alei Verspoor. Exponate aus den Niederlanden, Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Polen und der Ukraine sind neben denen aus Estland zu sehen.

Stoff Ungarn
„Ungarische Designer auf der Suche nach Nachtaltigkeit". Rozália Tóvaj von der Moholy-Nagy-Schule für Design in Budapest nimmt die Tradition des Blaufärbens auf, benutzt dazu allerdings zeitgenössische Technologie. Die dreidimensionalen Muster sind im Grundstoff verankert und werden mittels 3D-Drucker angefertigt.

Und schließlich bringt die Konferenz „Experiential Knowledge Special Interest Group“ (EKSIG) achzig Designforschungsexperten nach Tallinn. Die zweitägige Konferenz findet in der EAA statt und wird von Kristi Kuusk, der Leiterin der neu eingerichteten Textilabteilung, organisiert.

Wer allerdings glaubt, das Festival würde sich zu sehr auf die Wissenschaft konzentrieren, liegt falsch. Das Design, gute Formsprache und die innovativen Menschen, die dahinter stehen, sind fokussiert.

Black Light - White Noise
Mit einem Light Art und Multimedia-Projekt von international zusammengesetzten Künstlern, ist "Dark Matter/White Noise" zu sehen. Superschwarz und Weißer Klang, Müll und Magnetismus sind die Phänomene, mit denen sich die fünf Autoren auseinandersetzen.

Poster
Die Ergebnisse einheimischer Plakatkünstler der letzten zwei Jahre, verschiedener Generationen und Schulen werden im Eingangsbereich der Noblessner Shipyard-Halle vorgestellt. Eine nternationale Jury wählt Arbeiten aus der vom „Haapsalu Graphic Design Festival“ organisierten Wettbewerbsausstellung „Estonian Cultural Poster 2019" aus.

Das neue Format im Rahmen des Tallinn Design Festivals ist die „Growth Bar“ – sie soll Designer und Investoren zusammenzubringen. Designer geben eine kurze Einführung (Pitch) in ihre Produkte und ihr Geschäftsmodell und sollen so potentielle Investoren animieren zu unterstützen und zu partizipieren.

14. Tallinn Design Festival 2019

zu sehen bis 22.09.2019 in Noblessner Valukoda (Peetri 10, 10411 Tallinn, Estonia)
- Weitere Informationen (engl.)
- Programm


Abbildungsnachweis:
Header: Future Materials. Foto: TDF
1. Blick in die Halle des Nobelnesser Shipyards. Foto: Claus Friede
2. und 3. Foto: Claus Friede
4. und 5. Foto: TDF
6. und 7. Foto: Claus Friede

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Mehr auf KulturPort.De

Es ist erst gut ein Jahr her, da berichtete KulturPort.De noch von Ennio Morricones „Farewell Tour“ quer durch Europa, die ihn auch am 21.1.2019 mit rund 200...

Die Musiker der Gruppe Svjata Vatra (Свята Ватра) um den Sänger und Trombone-Spieler Ruslan Trochynskyi legen sehr großen Wert darauf, dass bei diesem...

Die beeindruckende Sammlung spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Kunstwerke des Lübecker St. Annen-Museums konnte durch einen schönen „Hieronymus im...

In sechszehn Porträts beschreibt der Journalist und Chefredakteur der „Welt-Gruppe“, Ulf Poschardt, was er sich unter Mündigkeit vorstellt. Nicht wenige Begriffe...

Detektiv Conan startet in ein neues Kino-Abenteuer. Nach dem Corona-Lockdown wechseln die KAZÉ Anime Nights von der Streaming Plattform Anime-on-demand.de zurück...

Hegel, Marx, der Stagirite, Hartmann, Nicolai. Warst gewiss kein Adornite, Nein, ganz zweifelsfrei! Nahmst sie mit auf deine Reisen, Studierende, ein ganzer...


Home     Blog     Kolumne     Reisen     NewsPort     Live

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.