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„Seid uns willkommen, seid uns gegrüßt!“ – Die Staatsoper Hamburg eröffnet die erste Spielzeit unter der neuen Intendanz von Tobias Kratzer und dem neuen Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber mit Schumanns Das Paradies und die Peri.

 

Mit einem dreitägigen Festival unter dem Titel „3 Tage Wach“ eröffnet die Staatsoper Hamburg vom 26. bis 28. September 2025 die erste Spielzeit unter Intendant Tobias Kratzer und Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber – und markiert damit den Beginn einer neuen künstlerischen Ära. Die Eröffnungspremiere und eine zweite Premiere setzen bewusst programmatische Akzente: Am 27. September bringt das Haus Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri in einer szenischen Neudeutung von Tobias Kratzer auf die Bühne, dirigiert von Omer Meir Wellber und mit der international gefeierten Vera-Lotte Boecker in der Titelrolle. Mit diesem selten gespielten Werk setzen Kratzer und Wellber ein künstlerisches Statement, das exemplarisch für ihren gemeinsamen Kurs steht: gesellschaftlich relevante Themen, musikalische Exzellenz, szenische Innovation und ein starkes Ensembleverständnis prägen ihren Ansatz für eine zeitgemäße, lebendige Opernkultur. Am 28. September folgt mit Die Gänsemagd von Iris ter Schiphorst eine Kinderoper, die Kratzer als festen Bestandteil des Hauptprogramms etabliert – inszeniert von ihm selbst und musikalisch geleitet von Claudia Chan.

 

Zitat Tobias Kratzer:
„Das Paradies und die Peri ist auf mehreren Ebenen paradigmatisch für das, was an der Staatsoper Hamburg in den kommenden Jahren geplant ist: gesellschaftlich relevante Themen mit höchster musikalischer Exzellenz und lustvoller Überraschung auf die Bühne zu bringen. Ich halte sie für eines der zentralen Schlüsselwerke des 19. Jahrhunderts – für ebenso bedeutend wie Strauss oder Wagner. Obwohl es keine Oper im klassischen Sinne ist, ist dieses Oratorium für mich Schumanns tiefgründigstes musikdramatisches Werk. Gerade weil es szenisch so selten zu erleben ist, bietet es enormes Potenzial – es stellt Fragen nach dem ästhetischen Umgang mit den großen Krisen unserer Zeit:
Krieg, Pandemie und Klimawandel. Und nach der Rolle der Empathie - im Leben wie in der Kunst.“

 

Zitat Omer Meir Wellber:
„Ich freue mich sehr, meine erste Saison mit Das Paradies und die Peri zu eröffnen – ein Werk von großer Feinheit, voller Wärme und Sensibilität. Schumann in Höchstform: Er fordert Orchester, Chor und Solisten heraus, gemeinsam auf einem schmalen Grat zwischen Zartheit, Schönheit, Dramatik und Virtuosität zu atmen und Musik entstehen zu lassen. Ein idealer Auftakt für unser fünfjähriges Abenteuer in der wunderbaren Stadt Hamburg.“

 

Eröffnungspremiere: Das Paradies und die Peri – Sehnsucht nach Erlösung

Das Paradies und die Peri, 1843 in Leipzig uraufgeführt, ist Schumanns Suche nach einer neuen Form zwischen Oper und Oratorium. Inspiriert von Thomas Moores Lalla Rookh erzählt das dreiteilige Werk von der Sehnsucht eines himmlischen Wesens nach Erlösung. Die Peri erlebt Opfermut, Liebe und Mitgefühl – erst die Träne der Reue öffnet ihr das Himmelstor. Schumanns Komposition verzichtet auf konventionelle Dramaturgien und verwebt musikalische Motive und Stimmen zu einem fließenden, visionären Klanggefüge. Für Kratzer ist das Werk „Schumanns tiefgründigstes musikdramatisches Werk“ – gleichrangig mit Wagner oder Strauss und aktueller denn je.

 

Resonanzraum für unsere Gegenwart

Mit Das Paradies und die Peri von Robert Schumann wählt Intendant Tobias Kratzer ein Werk von tiefgreifender Relevanz als Auftakt seiner ersten Spielzeit an der Staatsoper Hamburg. Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber begreift er das selten aufgeführte Oratorium nicht nur als musikalisches Meisterwerk des 19. Jahrhunderts, sondern als hochaktuellen Resonanzraum für zentrale gesellschaftliche Fragestellungen. Die drei Teile des Werks – Heldentod, Liebestod und Empathie – spiegeln existenzielle Erfahrungen, die in Zeiten von Krieg, Pandemie und Klimakrise eine neue, brennende Dringlichkeit gewinnen.

 

Kratzers Inszenierung geht über die rein musikalische Darbietung weit hinaus. Sie setzt auf Verdichtung, Perspektivwechsel und ein kollektives Theaterverständnis. Die traditionelle Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum wird aufgehoben: Eine offene Bühnenästhetik sowie der bewusste Bruch der sogenannten „vierten Wand“ binden das Publikum unmittelbar in das Geschehen ein. Die Zuschauenden werden nicht nur Beobachtende, sondern Teil eines emotionalen und gedanklichen Austauschs, der sich von der Bühne in den Raum und zurück erstreckt.

 

Im Zentrum steht nicht nur die einzelne Sololeistung, sondern die Kraft des Kollektivs: Chor, Ensemble und Szene greifen ineinander und verschmelzen zu einem vielstimmigen, komplexen und lebendigen Theaterkörper – ein kollektiver Organismus, der gemeinsam erzählt und reflektiert. Diese Form des Musiktheaters versteht Kratzer als eine politische Praxis: „Die Peri zeigt, wie Kunst im unmittelbaren, gemeinsamen Erleben Empathie stiften kann – nicht nur für Einzelschicksale, sondern auch für gesellschaftliche Zusammenhänge.“ Theater sei kein Ort der Lösungen, sondern der Resonanz – und gerade darin liege seine Kraft.

 

Als Peri ist Vera-Lotte Boecker zu erleben, die von dem Fachmagazin Opernwelt zur Sängerin des Jahres 2022 gekürt wurde. Ihre Interpretation verbindet sängerische Virtuosität mit emotionaler Tiefe. Die Premiere wird begleitet von einer prominent besetzten Podiumsdiskussion, die den Kontext des Werkes gesamtgesellschaftlich erweitert – zwischen Ästhetik, Ethik und gesellschaftlicher Verantwortung.

 

Mit dieser Inszenierung erschließen Kratzer und Wellber das Oratorium als ein musiktheatrales Ereignis von hoher Gegenwartskraft – sinnlich, reflektiert und berührend. Ein Spielzeitauftakt, der zeigt: Oper kann Resonanzraum sein – für das, was uns heute bewegt.

 

Zweite Premiere: Die Gänsemagd – Kinderoper als integraler Bestandteil

Bereits am 28. September folgt die zweite Premiere: Mit Iris ter Schiphorsts Kinderoper Die Gänsemagd (Libretto: Helga Utz nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm) setzt Kratzer ein klares Zeichen für eine zeitgemäße Opernlandschaft. Die Inszenierung stammt von ihm selbst, musikalisch geleitet wird sie von Claudia Chan. Kratzer etabliert damit Oper für junges Publikum als integralen Bestandteil des Hauptprogramms – nicht als Randerscheinung, sondern als gleichwertige künstlerische Ausdrucksform.

 

Eine Prinzessin macht sich auf den Weg zu ihrem Bräutigam – begleitet von ihrer Kammerjungfer und dem sprechenden Pferd Falada. Doch unterwegs wird sie zur Gänsemagd, als die Kammerjungfer sie zur Aufgabe ihrer Identität zwingt. Erst durch das Eingreifen des Königs und Faladas Hilfe wird ihre wahre Herkunft am Hof enthüllt. Das Märchen um Verrat, Mut und Selbstfindung inspirierte Komponistin Iris ter Schiphorst und Librettistin Helga Utz 2009 zu einer modernen Kinderoper. Die Musik zeichnet sich durch große klangliche Vielfalt aus – von melancholischem Akkordeon bis zu elektronischen Klangflächen und ironischen Parodien.

 

Mit Die Gänsemagd eröffnet Intendant Tobias Kratzer nicht nur seine erste Spielzeit, sondern setzt zugleich ein Zeichen: Kinder- und Jugendstücke sind an der Staatsoper Hamburg gleichwertiger Bestandteil des Repertoires. Die Entscheidung, das Werk von Iris ter Schiphorst und Helga Utz selbst zu inszenieren, ist dabei bewusst gewählt: Es ist ein schwungvoll komponiertes Stück mit zwei starken Heldinnen – voller Melodie, Witz und Tiefe, so Kratzer.

 

Das Märchen verhandelt große Themen wie Selbstfindung, Rollenbilder und Identität – auch für heutige Kinder nachvollziehbar. Die Prinzessin verliert das Tüchlein ihrer Mutter, um ihren eigenen Weg zu finden – das hat fast etwas Archetypisches, erklärt Kratzer. Dabei zeigt er die Figuren bewusst vielschichtig: Die Kammerjungfer ist nicht nur böse, sondern trägt eine nachvollziehbare Sehnsucht in sich.

 

Für die Bühne von Rainer Sellmaier wurde ein immersives Raumkonzept entwickelt, das die Handlung aus verschiedenen Perspektiven erlebbar macht – mittendrin die Kinder auf der Gänsewiese. Wir wollten eine magische Welt schaffen, die dem Erleben von Kindern gerecht wird – wie in einem Zirkus, nur dass hier Musik, Stimme und Emotionen direkt treffen, so Kratzer.

 

Mit dem neuen Vermittlungsprogramm CLICK in und weiteren Produktionen wie Alleine! für Kinder ab drei Jahren oder Michaels Reise nach Karlheinz Stockhausen baut Kratzer in seiner Intendanz die Oper für junges Publikum konsequent weiter aus.

 

Quelle: Hamburgische Staatsoper

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