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„Ein König des Theaters ist tot. Claus Peymann war ein großer Theatermacher, ein begnadeter Regisseur, Provokateur und Entertainer. Seine Inszenierungen, sein Aufbegehren gegen die vermeintlich Mächtigen, haben die deutschsprachige Theaterlandschaft, aber auch den kulturpolitischen Diskus in Österreich entscheidend geprägt“, sagte Intendant Markus Hinterhäuser in einer ersten Stellungnahme.

 

Claus Peymann und die Salzburger Festspiele, das ist eine Geschichte öffentlicher Erregungen, Eklats und Skandale aber auch mitreißender Inszenierungen, die Theatergeschichte geschrieben haben.

 

Seine erste Inszenierung bei den Salzburger Festspielen, die Uraufführung von Thomas Bernhards Stück Der Ignorant und der Wahnsinnige 1972, löst einen veritablen Festspielskandal aus: Peymann bestand darauf, die Aufführung in absoluter Finsternis – auch ohne das gesetzlich vorgeschriebene Notlicht – enden zu lassen. Als das von der Feuerpolizei nicht genehmigt wurde und die Notbeleuchtung bei der Premiere, entgegen einer angeblichen Absprache mit dem Regieteam, nicht abgeschaltet wurde, führte das zu Handgreiflichkeiten hinter der Bühne. Am 2. August telegrafierte Bernhard: „EINE GESELLSCHAFT DIE ZWEI MINUTEN FINSTERNIS NICHT VERTRAEGT KOMMT OHNE MEIN SCHAUSPIEL AUS“ – kurz darauf wurden alle weiteren Vorstellungen der Produktion abgesagt.

 

„Nie mehr Peymann!“ lautete zunächst das Urteil der Festspielverantwortlichen. Erst 1981 kehrte Claus Peymann mit der Uraufführung von Thomas Bernhards Am Ziel zu den Festspielen zurück. Bernd Sucher bemerkte in der der Süddeutschen Zeitung, es sei „endlich wieder einmal passiert…, was so selten geschieht. Ein Text, der bei der Lektüre bereits vergnüglich, nachdenklich, gar betroffen macht, gewinnt durch seine Realisation auf der Bühne in solchem Maße an Eindringlichkeit, das einem nur das bewundernde Staunen übrig bleibt.“

 

Auch die weiteren Salzburger Bernhard-Uraufführungen – 1985 Der Theatermacher und 1986 Ritter, Dene, Voss – prägten Claus Peymann und sein kongenialer Bühnenbildner Karl-Ernst Herrmann.

 

Anfang der 2000er Jahre brachte er noch zwei Stücke der österreichischen Autoren Christoph Ransmayr –Die Unsichtbaren, 2001 – und Peter Turrini – Da Ponte in Santa Fe, 2002 – bei den Festspielen zur Uraufführung.

 

Über die Produktion von Der Theatermacher berichtete Peymanns Dramaturg Hermann Beil später: „Manchmal kommen Festspiele nicht ohne ihre Lust auf das Skandalon aus, als ob es zum gesellschaftlichen Ereignis, zumindest aber zur Unterhaltung gehört. Es war 1985 anlässlich der Uraufführung von Bernhards neuer Komödie Der Theatermacher ein Leichtes, durch das absichtsvoll ausgestreute Gerücht, der Regisseur Peymann und sein Bühnenbildner Karl-Ernst Herrmann würden der realistischen Drastik wegen nicht nur einen dampfenden Misthaufen auf der Bühne des Landestheaters präsentieren, sondern angeblich auch zigtausend eigens gezüchtete Fliegen auf Schauspieler und damit auch auf die Zuschauer loslassen, einen öffentlichen Skandal zu erzeugen. Für einige Tage führte dies zu einer fleißig geschürten allgemeinen Erregung, die im Grunde eine höchst willkommene Ablenkung von einem wahrhaft brennenden Problem bot: dem Glykol-Skandal, der ganz Österreich erschüttert hatte …“.

 

Gestern ist Claus Peymann, dem die Theaterwelt unendlich viel zu verdanken hat, 88-jährig in Berlin verstorben. Die schwarze Fahne, die heute am Festspielhaus weht, ist ein Zeichen der Trauer und der Dankbarkeit für Claus Peymanns Wirken für die Salzburger Festspiele.

 

Quelle: Salzburger Festspiele

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