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Cuban Symphonic Music

Das „Orchesta Sinfónica Nacional de Cuba“ unter der Leitung von Enrique Pérez Mesa spielt „Cuban Symphonic Music“. Klingt exotisch, denn ich habe von symphonischer Musik aus Kuba und von Kubanern komponiert bislang wenig erleben dürfen. Umso neugieriger war ich auf dieses Album. Und es hat große Freude gemacht – eine wahre und überraschende Entdeckung!

Das „Orchesta Sinfónica Nacional de Cuba“ ist noch die bekannteste Komponente dieser CD und das nicht nur in Kuba oder Florida.

Gegründet 1959 spielt es eine besondere und wertvolle Rolle in der Entwicklung der Musik der Region als auch in der Präsentation des symphonischen und Kammer-Repertoires Klassischer Musik vom Barock bis zur Gegenwart in Kuba. Auch Mischformen vom „karibischen symphonischen Salsa“ bis zum „afroamerikanischen und hemmungslosen Habanera im Bigband-Stil“ stehen beim Orchester auf dem Programm. Mehr als einhundert Dirigenten führten das Orchester seit Gründung, die bekanntesten sind wohl Claudio Abbado, Hans Werner Henze und Yoshikazu Fukumura. Mit gut 3.000 Konzerten können die Musiker auf eine mittlerweile lange Aufführungstradition zurückblicken.
Das Album stellt Orchestermusik des 20. und 21. Jahrhunderts von fünf Komponisten aus Kuba vor: Alejandro García Caturla (1906-1940), Carlos Fariñas (1934-2002), Enrique González Mántici (1912-1974), Guido López-Gavilán del Rosario (*1944) sowie Alfredo Diez Nieto (*1918).

Cuban Symphonic Music Es beginnt mit drei kubanischen Tänzen (1927) von Alejandro García Caturla. Es scheint, als ob Claude Debussy und Maurice Ravel Pate gestanden hätten, der Impressionismus ist deutlich zu hören. Garcías Kompositionslehrerin in Paris Nadia Boulanger nannte den Kubaner „eine Naturkraft“. Diese beweist er insbesondere im „Danza lucumi“, dem dritten und letzten Tanz.
Eine ganz besondere Entdeckung ist Carlos Fariñas’ „Preludio para Penthesilea“ (1977). Unablässiges, rhythmisches Schlagwerk und konstante expressive Stimmung bedient sowohl die Heftigkeit des Kampfes als auch die turbulenten Gefühle der beiden Widersacher Penthesilea und Achilles. Fariñas bezieht seine Komposition auf jene Penthisilea von Heinrich von Kleist, denn sein Werk war ein Auftrag der Stadt Frankfurt/Oder zum 200. Geburtstags des Dramatikers.
Enrique González Mántici, ab 1961 lange Jahre Dirigent des Orquesta Sinfónica Nacional de Cuba, ist ebenfalls mit einer wundervoll ausdrucksstarken, ein wenig impressionistischen Komposition vertreten: „Pregón y Danza“ (1956). In diesem Schlüsselwerk haben neben den Streichern und Querflöten, Perkussions- und Blechblasinstrumente ihre besonderen Rollen, sie stimulieren die Gefühlswelten des Publikums. Der Zuhörer erhält hier eine ganz andere Art wie afrikanische Elemente die Komposition durchdringen.
Rhythmus ist bei „Ritmotiv“ (2001) des Komponisten López-Gavilán del Rosario das wesentliche Element. Er sagt zu diesem Stück: „Ritmotiv thematisiert die Bedeutung sich ergänzender rhythmischer Motive. Übereinandergelegt geben sie die Handlung meiner Komposition vor, die ich als Konversation ‚a la cubana’ bezeichnen könnte.“ Daraus ergeben sich einzelne unabhängig voneinander agierende Instrumentengruppen, die mal zusammen- und mal auseinander geführt werden.
Schließlich endet die knapp fünfzig Minuten Gesamtaufnahme mit dem ruhigen, schweren Stück: „In Memorian. A mi esposa Lilian Acosta“ (2010) von Alfredo Diez Nieto. Das Adagio ist in seiner wundervoll einfühlsamen Ausdruckskraft die reine und intensive Trauer um eine Frau – die Ehefrau des Komponisten. Eine außerordentlich berührende musikalische Elegie zwischen pianissimo und fortissimo. Eingewoben sind Elemente aus anderen Kompositionen Diez’, die er im Laufe seines Tuns ihr gewidmet hat. Alles kreist um die beiden Silben Li-lian – und so entsteht alles aus zwei Noten, aus denen sich das gesamte Werk entwickelt.


Cuban Symphonic Music
Orquesta Sinfónica Nacional de Cuba, Enrique Pérez Mesa
Label: MDG
760623187327


Hörprobe
La Orquesta Sinfónica Nacional / Cuba mit „Pregón y Danza“ von Enrique González Mantici (live, 2011)


Abbildungsnachweis:

Header: Orquesta Sinfónica Nacional de Cuba. Foto: QSNC
CD-Cover

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