Die Stadtgalerie Kiel präsentiert vom 6. Dezember 2025 bis zum 15. Februar 2026 die Ausstellung „Gottfried Brockmann Preis 2025“. Seit 40 Jahren verleiht die Landeshauptstadt Kiel den Gottfried-Brockmann-Preis an junge Kieler Künstler*innen und fördert sie damit.
In diesem Jahr wurde die Kieler Künstlerin Paula Oltmann als Preisträgerin ausgewählt. Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Renate Treutel überreicht ihr anlässlich der Ausstellungseröffnung den mit 5.000 Euro dotierten Kunstpreis am Freitag, 5. Dezember, um 19 Uhr in der Stadtgalerie Kiel, Andreas-Gayk-Straße 31.
Die Stadt vergibt den Gottfried-Brockmann-Preis seit 1985 alle zwei Jahre an Kieler Künstler*innen, die das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ausgezeichnet werden mit dem Preis junge Künstler*innen, die laut Vergaberichtlinien „für die Zukunft eine aussichtsreiche Entwicklung erwarten lassen“.
Gezeigt werden in der Ausstellung „Gottfried Brockmann Preis 2025“ Arbeiten der Preisträgerin Paula Oltmann und Werke zehn weiterer Kandidat*innen. Oltmann setzt sich künstlerisch mit dem Phänomen der Landschaft auseinander und lotet das Spannungsverhältnis zwischen Mensch, Natur und Technik aus. Bereits vor zwei Jahren waren Arbeiten von Oltmann in der Ausstellung „Gottfried Brockmann Preis 2023“ als teilnehmende Kandidatin in der Stadtgalerie Kiel gezeigt worden.
Die Jury begründet die Preisvergabe an Paula Oltmann wie folgt:
„Mit dem Phänomen Landschaft hat sich Paula Oltmann ein übergreifendes Thema für ihre künstlerische Praxis erschlossen. Konsequent gelingt es der jungen Künstlerin, sich mit ihren Arbeiten auf das Sujet zu beziehen und gleichzeitig dessen traditionelle Konventionen zu verhandeln und aufzubrechen und somit an aktuelle Formen des Landschaftsbildes anzuknüpfen. So treffen, auf zum Teil ganz unterschiedliche Weise, in reduzierter Unmittelbarkeit künstliche Materialien und technische Verfahren auf organische Stoffe, treten menschliche Handlungen und automatisierte Produktion mit biologischen Strukturen und Prozessen in Kontakt – hierin finden die Arbeiten ein tragendes und verbindendes Prinzip.“
Weiter heißt es von der Jury: „Der Ansatz erschöpft sich nicht in der Wiederholung von Fragestellungen und Motiven rund um die Dichotomien Mensch und Natur, Innen- und Außenraum, Habitat und Umwelt, wie diese die Darstellung von Landschaft über Jahrhunderte begleitet haben und dem jeweiligen Zeitgeist angepasst wurden. Oltmanns Landschaften, ob sie als Fotografien, serielle Reproduktionen, Setzungen oder raumgreifende Installationen ihre Darstellung finden, setzen eine Welt und ökologische Umwelt unter dem Einfluss des Menschen, aber auch die Begrenztheit und Fehlbarkeit anthropozentrischer Weltsicht als bekannt voraus. Grundannahmen des Anthropozäns bilden die Folie für eigene, weiterführende Befragungen, Beobachtungen und Formulierungen, die zum Teil auf ganz andere Diskurse anspielen, die aber vor dem Hintergrund einer aktualisierten Landschaft, im Spannungsverhältnis zwischen Mensch, Natur und Technik einen klaren Ausgangs-, Fix- und Anknüpfungspunkt finden.“
In den Arbeiten von Paula Oltmann treffen „künstliche Materialien und technische Verfahren auf organische Stoffe, treten menschliche Handlungen und automatisierte Produktion mit biologischen Strukturen und Prozessen in Kontakt“, betonte die Jury im Hinblick auf die eingereichten Arbeitsproben und den Beitrag zur Ausstellung.
Die Künstlerin setzt in der Stadtgalerie Kiel in einer raumgreifenden Installation unterschiedliche Arbeiten miteinander in Bezug. Bei den Einzelobjekten handelt es sich unter anderem um eine Gruppe von Holzobjekten und um Wachsabgüsse von Ästen, die zum Teil mit Aluminiumprofilen zu Wandobjekten zusammengeschnürt sind. Unterschiedliche Gegenstände und Materialien wie das Chassi eines Sulkys [einachsiges Pferdefuhrwerk], Lederzügel oder Notenständer, Textil, Draht, Wachs und Glühbirne finden sich zu Assemblagen zusammengefügt.
In der Jury des Gottfried-Brockmann-Preises 2025 wirkten mit: Mateusz Dworczyk (Gottfried-Brockmann-Preisträger 2023), Dr. Ingmar Lähnemann (Leitung Städtische Galerie Bremen), Anna Nowak (Leitung Kunsthaus Hamburg), Shi Shi (Gallery Cube-plus, Kiel), Johanna Göb (Leiterin Amt für Kultur und Weiterbildung, Landeshauptstadt Kiel), Sönke Kniphals (wissenschaftlicher Mitarbeiter Stadtgalerie Kiel) und Dr. Peter Kruska (Direktor Stadtgalerie Kiel).
Auf Vorschlag der Jury haben in diesem Jahr 42 Künstler*innen ihre Arbeiten eingereicht. Traditionell wird aus diesem Kreis nicht nur die*der Preisträger*in bestimmt, sondern auch die Künstler*innen gewählt, die neben der*dem Preisträger*in ihre Arbeiten in der Ausstellung präsentieren dürfen. Zusätzlich zur diesjährigen Preisträgerin Paula Oltmann sind zehn weitere Künstler*innen mit ihren Beiträgen in der Ausstellung vertreten: Jakob Braune, Letizia Calasso, Maria Gerbaulet, Ole Goldt, Irina Janson, Ramona Kortyka, Sára Petrickova, Farhang Rafiee, Quin Wenn und Zeyang Xu.
Gezeigt werden Malerei, Fotografie, Video, interaktive Installationen, Assemblagen, raumgreifende Installationen, Skulpturen, Wand- und Bodenobjekte.
Zur Ausstellung erscheint der Katalog „Gottfried Brockmann Preis 2025“ in deutscher und englischer Sprache (12 Euro). Auch dieser dient der Förderung junger Künstler*innen.
Der Preis wird im Andenken an den Maler Gottfried Brockmann (1903-1983) vergeben. In seiner Geburtsstadt Köln gehörte er in den 1920er Jahren dem Kreis der „Kölner Progressiven“ an. Als Reaktion auf die Bedrohungen durch das nationalsozialistische Regime tauchte er in den 1930er Jahren in Berlin unter. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte er in Kiel, war hier als Kulturreferent der Stadt tätig und lehrte an der Muthesius-Werkkunstschule (heute Muthesius Kunsthochschule).
Die Preisverleihung und die Ausstellungseröffnung finden statt am Freitag, 5. Dezember, um 19 Uhr in der Stadtgalerie Kiel. Es sprechen Kiels Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Renate Treutel, Stadtgaleriedirektor Dr. Peter Kruska und Sönke Kniphals, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stadtgalerie Kiel. Anschließend übergibt Bürgermeisterin und Kulturdezernentin Renate Treutel den Preis.
Paula Oltmann
Paula Oltmann wurde 1997 in Kiel geboren. Sie studierte unter anderem Freie Kunst an der Muthesius Kunsthochschule Kiel und Bildende Kunst an der Universität der Künste in Berlin.
Oltmann nahm unter anderem teil an Gruppenausstellungen im Künstlerhaus Bregenz, im Museum für Fotografie Berlin, sowie in der Stadtgalerie Kiel. Seit 2022 ist Paula Oltmann Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.
Die Preisträger*innen des Gottfried-Brockmann-Preises:
2025 Paula Oltmann
2023 Mateusz Dworczyk
2021 Nikolai Renée Goldmann
2019 Hannah Bohnen
2017 Anne Steinhagen
2015 Constanze Vogt
2013 Benjamin Mastaglio
2011 Samuel Seger
2009 Hendrik Lörper
2007 Katrin Pieczonka
2005 Nina Heinzel
2003 Johanna Domke
2001 Matthias Meyer
1999 Kai Zimmer
1997 Miron Schmückle
1995 Hansjörg Schneider und Claudia Sweekhorst
1993 Ilka Kollath
1991 Julia Bornefeld
1989 Carsten Höller und Thomas Karp
1987 Johannes Michler
1985 Rainer Grodnick
Quelle: Landeshauptstadt Kiel

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