Wie lässt sich Tanz bewahren?
„Moving (in) the Archive” öffnet neue Perspektiven auf das Deutsche Tanzarchiv Köln: Die internationale Vortrags- und Dialogreihe vom 12. November 2026 bis 11. Februar 2027 ist ein weiterer Baustein in der Weiterentwicklung zu einem Forschungs- und Kompetenzzentrum Tanz in NRW
FILM Tanz im Depot. Tanz: Camilia Scholtbach; Konzept: Thomas Thorausch; Kamera, Ton, Schnitt: Silviu Guiman
Tanz hinterlässt Spuren: in Dokumenten, Bildern und Filmaufnahmen, aber auch in Körpern, Erinnerungen und weitergegebenen Bewegungen. Wie diese unterschiedlichen Formen der Überlieferung zusammenwirken, steht im Mittelpunkt der internationale Vortrags- und Dialogreihe „Moving (in) the Archive. Reflektionen über das ‚Bewahren‘ von Tanz“ des Deutschen Tanzarchivs Köln.
An sechs Online-Terminen zwischen dem 12. November 2026 und dem 11. Februar 2027, donnerstags von 18:15 bis 19:45 Uhr, diskutieren renommierte Wissenschaftler*innen und Künstler*innen, wie Tanz bewahrt, erforscht und neu zugänglich gemacht werden kann. Die Veranstaltungen finden in englischer Sprache statt. Eine kostenfreie Teilnahme ist für alle Interessierten nach vorheriger Anmeldung möglich.
Dabei geht es auch um die Bedingungen des Archivierens: Welche Tanzformen finden Eingang in Sammlungen, welche bleiben ausgeschlossen? Welche Machtverhältnisse prägen die Auswahl? Und wie verändert Tanz selbst die Arbeit eines Archivs, dessen Bestände sich in Regalen, Kartons oder digitalen Speicherformaten befinden?
Den Auftakt gestaltet am 12. November die Performancewissenschaftlerin Diana Taylor von der New York University im Gespräch mit der Leiterin des Deutschen Tanzarchivs Köln und Initiatorin der Gesprächsreihe, Prof. Dr. Susanne Foellmer. Sie widmen sich dem Verhältnis von schriftlichen Zeugnissen und körperlich vermitteltem Wissen. Zur Diskussion steht dabei auch, welche Bedeutung archivalische Dokumente und verkörperte Erinnerung für gesellschaftliche Anerkennung und politische Gerechtigkeit haben.
Die weiteren Veranstaltungen verbinden theoretische Perspektiven mit konkreten Erfahrungen aus Forschung und künstlerischer Praxis:
Am 26. November beleuchten Sarah Whatley und die Choreographin Siobhan Davies (beide von der Coventry University) am Beispiel des digitalen Archivs „Siobhan Davies RePlay“, wie digitale Tanzbestände langfristig zugänglich bleiben können und welche Rolle künstliche Intelligenz dabei spielen könnte.
Thomas F. DeFrantz (Northwestern University) untersucht am 10. Dezember das Verhältnis Schwarzer Tanz- und Performancepraktiken zum Archiv.
André Lepecki (New York University) und Julia Wehren (Universität Bern) diskutieren am 14. Januar den Körper als Archiv und fragen, wie Bewegungswissen fortbesteht und sich verändert.
Prarthana Purkayastha (Royal Holloway University of London) zeigt am 28. Januar anhand historischer Darstellungen indischer Tänzerinnen, wie Gesten und Körperhaltungen neue verkörperte Zugänge zu bislang wenig beachteten Geschichten eröffnen können.
Zum Abschluss am 11. Februar richten Rachael Davies (Coventry University) und Joana Tischkau (Frankfurt am Main/Berlin) den Blick darauf, wie sich körperliche und soziale Beziehungen über die erhaltenen Dokumente und Objekte hinaus erschließen lassen.
Mit der Reihe setzt das Deutsche Tanzarchiv Köln seinen Austausch über die Zukunft der Tanzarchivierung fort. Sie ist ein weiterer Baustein in der Weiterentwicklung zu einem Forschungs- und Kompetenzzentrum Tanz in NRW und stärkt die Verbindung von Archivarbeit, wissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis. Damit eröffnet das Archiv, das in den 1950er Jahren als Tanzsammlung begann, ein neues, stärker forschungsorientiertes Kapitel.
Das Programm, jeweils donnerstags von 18:15 bis 19:45 Uhr:
12. November 2026: Diana Taylor im Gespräch mit Susanne Foellmer – „‚The Archive and the Repertoire‘. Reflections on Transmitting Embodied Knowledge Today“
26. November 2026: Sarah Whatley und Siobhan Davies – „Sustainability in the Digital Environment: The Challenge of Safeguarding Digital Dance Resources“
10. Dezember 2026: Thomas F. DeFrantz – „Blurring the Archive: Black Performance and Fugitivity“
14. Januar 2027: André Lepecki und Julia Wehren – „Body as Archive Revisited“
28. Januar 2027: Prarthana Purkayastha – „Dance, Visual Art and a Corpo-Active Method of Archival Study“
11. Februar 2027: Rachael Davies und Joana Tischkau – „Expanding the Archive: Making Corporeal and Social Relations Visible Beyond Remains“
Teilnahme und Anmeldung:
Quelle: Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn

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